Uranabbau in Jadugoda/Indien:
die Realität von Indiens atomarem Traum

den Preis zahlen die Menschen

Übersetzung: Elisabeth Krüger/aaa-Red

Bei Jadugoda, 24 km entfernt vom Bahnhof Tatanagar in Jharkhand, befindet sich eine der größten Uranlagerstätten in Indien. Das Uranerz aus den nahegelegenen Minen wird zu einer Uranmühle in Jadugoda gebracht, wo das Uran extrahiert wird und die dabei anfallenden Rückstände zu Schlämmen verarbeitet werden. Diese Schlämme werden dann mit Hilfe von Pipelines, die neben Dörfern, öffentlichen Straßen und Gewerbegebieten verlegt sind, zu sogenannten Abraum-Teichen verbracht.

Mehr als 40.000 Adivasi, so werden die Ureinwohner Indiens genannt, leben in Jharkhand in unmittelbarer Nähe von Uran-Minen und ungesicherten Atommülldeponien. Einige Bergwerke und Atommüllhalden liegen sogar nur wenige Meter von den Adivasi-Siedlungen entfernt

Ungefähr 7000 Menschen arbeiten im Jadugoda Minenkomplex. Alle, die dort als Leiharbeiter beschäftigt sind, gehören der indigenen Stammesbevölkerung ( Adivasi) an. Eine Studie von Anumukti (Liberation from the Atom)- einer führenden antiAtom Zeitschrift in Indien - zeigt auf, dass von 55,3 % der Haushalte in der Umgebung mindestens eine Person regelmäßig in den Minen arbeitet. Zusätzlich zu den Stammesangehörigen arbeiten noch die Dalits (Nachfahren der Ureinwohner Indiens) und Angehörige niederer Kasten in der Uranmühle und den Minen.

Das Uranerz aus den Minen wird in offenen Lastwägen auf schmalen Straßen nach Jadugoda transportiert. Die Lastwägen sind manchmal zum Teil mit einer Plane bedeckt, und gelegentlich transportieren sie Arbeiter, die auf dem Uranerz sitzen. Die staubigen Straßen durch die Dörfer sind oft übersät von Uranerzbrocken, die von den überladenen Lastern gefallen sind. Ein Besucher würde Kinder sehen und Tiere, die auf den Uranerzhaufen herumhacken. Das macht die Art von Sicherheitsmaßnahmen deutlich, die hier festgestellt werden können.

In der Uranmühle in Jadugoda wird das Uranerz zu feinem Staub zermahlen und chemisch behandelt, um das Uranerz herauszulösen. Das aus dieser Flüssigkeit ausgefällte Produkt genannt „Yellocake“, wird zur Brennelementefabrik Nuclear Fuel Complex (NFC) in Hyderabad transportiert, wo Brennelemente hergestellt werden.

Es gibt 3 große Abraum-“Teiche“ in Jadugoda, wo zig Millionen von radioaktivem Abfall gelagert werden. Die Abraum-„Teiche“ , die sich auf mehr als Hundert Morgen Land erstrecken, sind unbegrenzt und unbedeckt, so dass Flüssigkeiten, Gase und feine Staubpartikel schnell in die Umgebung abgegeben werden können.

Während der Trockenzeit verdunstet ds Wasser in den Teichen. Der Wind bläst die trockenen Abfallpartikel überall herum. Während des Monsunregens läuft das radioaktiv verseuchte Wasser über und gelangt in den Fluß.

Es wurden keine Qualitätsanforderungen gestellt für die Errichtung der Abraum-Teiche und es wurden keine Messungen vorgenommen, um die Radonverseuchung durch die Abfallschlämme zu kontrollieren. Ergebnis ist, dass sie eine beständige Bedrohung für die umliegenden Dörfer im Umkreis von 10-15 km darstellen. Selbst das Dorf Jamshedpur, das 20 km entfernt liegt, ist nicht frei von radioaktiver Verstrahlung.

Ohne Wissen um die Gefahren, die von diesen Abfallschlämmen ausgehen, lassen die Menschen, die dort leben, ihre Tiere auf den ausgetrockneten Teichen grasen oder spielen dort Fußball. Regelmäßig überqueren sie auf ihren gewohnten Wegen diese Flächen, weil sie häufig an den Wegen angelegt wurden, die in den Wald führen oder zu Marktplätzen und anderen sozialen Orten.

Auch wird radioaktiv verseuchter Abraum für Geländeaufschüttungen und als Baumaterial genutzt.. Nach und nach haben sie die landwirtschaftlichen Flächen und den Lebensraum der DorfbewohnerInnen beeinträchtigt.

Abfälle von der Brennelementefabrik in Hyderabad und radioaktive medizinische Abfälle aus einer unbekannten Anzahl von Quellen werden nach Jadugoda gebracht. Das kam ans Licht, als DorfbewohnerInnen Spritzen und Röhrchen aus medizischen Abfällen in den Abfallflächen begraben fanden. Es ist wahrscheinlich, dass einige von diesen Abfällen Gammastrahlen aussenden. Das kommt noch dazu zu der Verstrahlung, der alle in dieser Gegend ausgesetzt sind.

Die indische Atomindustrie kann sich gut verstecken hinter einem repressiven „Official Secrets Act“( Gesetz zum Dienstgeheimnis) und muß den Menschen gegenüber nicht direkt Rechenschaft ablegen für ihr Handeln. Die gesamte Atomforschung einschließlich Strahlenschutz und Gesundheitstests der betroffenen Menschen werden durch dieses Gesetz versteckt.

Da es keine offizielle Initiative gab, den Gesundheitszustand der Bevölkerung in der Umgebung der Mine zu untersuchen, hat das Bindrai Institute for Research Study and Action 1993 eine Studie in 7 Dörfern in 1km Entfernung zur Mine und zu den Abraum-Teichen durchgeführt. Die Untersuchung ergab, dass 47 % der Frauen unter Störungen des Menstruationszyklus litten. 18% der Frauen gaben an, dass sie Felgeburten erlitten hatten oder ihre Kinder tot geboren wurden - innerhalb der letzen 5 Jahre. 30 Prozent litten unter Unfruchtbarkeit. Fast alle Frauen litten unter Müdigkeit, Schwäche und Depression. Darüberhinaus fand die Studie eine große Häfigkeit von chronischen Hauterkrankungen, Krebs, Tuberkulose, Schäden an Knochen, Gehirn und Nieren, Erkrankungen des Nervensystems, angeborene Fehlbildungen, Übelkeit, Blutveränderungen und andere chronische Erkrankungen. Kinder waren am meisten betroffen. Viele wurden geboren mit Knochenverkrümmungen, nur zum Teil ausgebildetem Schädel, Blutstörungen und einer großen Anzahl von physischen Mißbildungen. Am häufigsten sind fehlende Augen oder Zehen, verwachsene Finger oder Gliedmaßen, die sie nicht stützen.

Die Studie kam auch zu dem Ergebnis, dass 30 000 Menschen, die in einem 5km Umkreis von der Mine leben, einer abnorm hohen Radioaktivität ausgesetzt sind.

Jaguda erzählt eine andere Geschichte, als die Regierung mit ihren Sicherheitsbehauptungen glauben machen will - eine Geschichte über den Preis, den die Menschen vor Ort bezahlen müssen für Indiens atomaren Traum.

    Unsere Forderungen:
  1. Wir fordern, dass der Transport von radioaktivem Müll nach Jadugoda und das Deponieren und Vergraben von Atommüll in Jadugoda sofort gestoppt wird.
     
  2. Internationale Forderungen und Ansprüche für die Lagerung des bereits vergrabenen radioaktiven Mülls sollten sehr genau befolgt werden.
     
  3. Alle Dörfer rund um die Minen sollen umgesiedelt werden an einen Ort in einer sicheren Entfernung. Eine komplette Rehabilitation der Menschen muß erfolgen.
     
  4. Alle Familien, in denen ein Mitglied in den Minen gearbeitet hat und gestorben ist oder arbeitsunfähig geworden ist , soll angemessen entschädigt werden. Für Familien, die Kinder mit erheblichen physischen oder geistige Behinderungen haben, sollte das Uranabbau-Unternehmen die Verantwortung für eine Behandlung übernehmen.
     
  5. Das Unternehmen soll eine Poliklinik errichten mit qualifiziertem medizinischen Personal, um Erkrankungen, die mit radioaktiver Verstrahlung zu tun haben, zu behandeln.@
 

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