Die Bundesanstalt für Materialforschung(BAM) hat dem neuen deutschen Castorbehälter ein positives Prüfzeugnis ausgestellt. Jetzt muss noch das BfS genehmigen.

HAW 28M erhält BAM-Prüfzeugnis

von aaa-Red

Der neue Castor-Behältertyp HAW 28 M steht unmittelbar vor seiner Zulassung und Genehmigung. Die Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) hat jedenfalls jetzt den Weg dafür freigemacht, indem sie dem neuen Behältertyp ein positives Prüfzeugnis ausgestellt hat. Am 29.9.09 wurde der Probecastor, ein leerer HAW28M aus Gorleben - unter Protestaktionen - abtransportiert. Mit diesem neuen Behälter soll im November 2010 der nächste Gorleben-Transport mit hochradioaktivem Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitung (WAA) rollen.

 

Ein neuer Behältertyp wurde notwendig, weil der jetzt anfallende WAA-Müll eine höhere Strahlung aufweist und deshalb mehr Wärme entwickelt. Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland wuren neue Castormodelle entwickelt: der TN85 und der HAW28M. Die Genehmigungen für das Zwischenlager Gorleben sehen vor, dass vor dem ersten Einsatz eines neuen Behältertyps im Zwischenlager Gorleben spezielle Nachweise zu erbringen sind. Dazu gehört die Demonstration eines kompletten Handhabungsablaufes von der Ankunft eines Behälters im Zwischenlager Gorleben über die Arbeiten im Wartungsraum bis hin zum Anschluss des Behälters an das Überwachungssystem der Halle. Deshalb wurde am 9. Mai 2007 das französische ModellTN85, danach im 5.September der deutsche HAW 28M zwecks Kalthantierung nach Gorleben transportiert., begleitet von massiven Protesten und Blockaden durch AtomkraftgegnerInnen.

Der TN85 wurde bereits am 23.05.2007 vom BfS genehmigt. In diesen Behältern wurde im November 2008 hochradioaktiver Müll von La Hague nach Gorleben transportiert.

Mit dem deutschen Modell gab es offensichtlich große Schwierigkeiten. Beim Sicherheitsnachweis der-Behälter des Typs HAW 28M wurden massive Unstimmigkeiten aufgedeckt. Es gab Probleme bei der Computersimulation von Sicherheitstests gab, die nur mit Behältermodellen im Maßstab 1:2 durchgeführt wurden. Die Castor-Herstellerfirma Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) hatte Berechnungen manipuliert, um Sicherheitswerte einhalten zu können. Die Prüfer hatten der GNS im ersten Anlauf »Defizite bei grundlegenden Fragestellungen» attestiert. Die »Süddeutsche Zeitung» hatte aus einem nicht dementierten BAM-Schreiben an die GNS zitiert, dass für die Sicherheitsnachweise »frei gewählte Parameter in Rechenmodelle eingefügt» worden seien. Die Modelle seien so verändert worden, dass sie bestimmte Ergebnisse brächten. Die Verzögerungen, die sich daraus ergaben, führten dazu, daß der Castortransport für 2009, der mit diesen neuen Behältertypen durchgeführt werden sollte, abgesagt werden mußte.

Beim zweiten Anlauf ist nun die so genannte Kalthantierung mit dem Modell HAW28M »erfolgreich» unter Aufsicht von den zuständigen Bundes- und Landesbehörden abgeschlossen worden, teilt Jürgen Auer für die GNS mit. Sie betreibt das Zwischenlager in Gorleben und hat das Antragsverfahren für den neuen Behälter angeschoben. Endgültig genehmigen muss jetzt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).

Die Sicherheit von Atommüll-Behältern wird seit jeher vorwiegend anhand von umstrittenen Rechenmodellen ermittelt. Sie sollen das Verhalten der Behälter bei Unfällen simulieren. Ein realer Falltest mit einem Originalbehälter -wie von Kritikern immer wieder gefordert - hat auch mit dem HAW 28M nicht stattgefunden. Es gab offenbar nur einen Test mit einem 1:2-Behälter, beim TN85 sogar nur einen Test mit einem 1:3 Behälter.

 

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