Einwände !

Ungeachtet der Beschlüsse zu einem "Ausstieg" aus der Atomenergie, die in Schweden, Deutschland und Belgien gefasst worden sind, ist der geplante Ausbau der Urananreicherungsanlage in Gronau in eine neue Phase getreten:

Der deutsche Urananreicherer Urenco hat beantragt, seine Kapazität um 150 Prozent zu erhöhen: von 1.800 auf 4.500 Tonnen Urantrennarbeit pro Jahr.

Statt 15 große Atomkraftwerke kann die Anlage in Gronau dann 35 Reaktoren versorgen. Die Antragsunterlagen sind in Gronau (Kreis Borken), dem Energieministerium in Düsseldorf sowie in den niederländischen Nachbarstädten Enschede und Zwolle öffentlich ausgelegt worden. Bis zum 26. März können Interessierte Einwände vorbringen.

Mit zahlreichen Aktionen soll künftig auch der Transport von Atommüll auf der Castor-Strecke zwischen Osnabrück und Hamm behindert werden. Mehrere Anti-Atom-Initiativen im Münsterland wollen ihre Proteste gegen den geplanten Ausbau der regionalen Atomanlagen bündeln und intensivieren.

Außerdem haben der Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau zusammen mit dem Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und mehreren Naturschutzverbänden die Kampagne "100 x 100 UAA-Einsprüche" gestartet: hundert Initiativen sammeln jeweils 100 Einwendungen.

Die aaa ist eine dieser Inis. Wir wollen Euch, die Leserinnen und Leser dieser Zeitung dafür gewinnen, eigenständige Einwendungen zu schreiben. Der vorliegende Themenschwerpunkt soll Argumentationshilfe hierfür sein.

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Uran-Anreicherungs-Anlage Gronau

...kommt bald!

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Urenco auf dem Weltmarkt

Im rotgrünen "Ausstiegs"-Projekt ist die Urananreicherungsanlage in Gronau außen vor gelassen. Die geplante Erweiterung um 150 % steht bevor. Das macht die Schizophrenie des "Konsens" besonders deutlich: Ein tatsächlicher Ausstieg aus der Atomenergie macht eine solche Anlage überflüssig. Trotzdem wird diese Anlage mit rotgrüner Zustimmung erweitert. Was macht das für einen Sinn? Ein Blick auf die globalen Zusammenhänge lässt Antworten erahnen. Verstärkter Widerstand an dieser Stelle könnte weltweit ein Körnchen Sand ins Getriebe bringen. Der Urenco- Konzern hat 13 % Anteil an der weltweiten Urananreicherung. Mit seiner weiterentwickelten Zentrifugen-Kaskadentechnik rechnet er sich gute Chancen aus auf dem zunehmend konkurrierenden Weltmarkt.

Insgesamt 4 Konzerne bestimmen im Moment das weltweite Geschäft mit der Urantrennarbeit: USEC (USA), TENEX (Russland), COGEMA (Frankreich) und URENCO. Dazu kommen noch kleinere Anlagen in Japan und China, die aber vorerst nur für den heimischen Markt produzieren.

Die Urananreicherung erfolgt derzeit großtechnisch mit den Verfahren der Gasdiffusion und der Gaszentrifuge. Die Gasdiffusion wird in Frankreich (Tricastin) und den USA (in Paducah, Kentucky und Portsmouth, Ohio) angewendet, hat jedoch einen relativ geringen Trennfaktor, was bei der Anreicherung von Reaktorbrennstoff ca. 1400 Anreicherungsstufen, entsprechend große Anlagen und einen großen Energieverbrauch zur Folge hat. So arbeiten die vier Reaktorblöcke in Tricastin (4x925MW) allein für die Diffusionsanlage.

Das Gaszentrifugenverfahren, das u.a. von URENCO entwickelt wurde, benötigt demgegenüber nur 10 Anreicherungsstufen, dafür ist der Materialdurchsatz relativ gering. Der spezifische Energieverbrauch ist gegenüber dem Diffusionsverfahren jedoch etwa um den Faktor 50 niedriger. Die URENCO arbeitet an den drei Standorten in Gronau (BRD), Almelo (Niederlande) und Capenhurst (Großbritannien). In Rußland werden ebenfalls drei Zentrifugenanlagen betrieben, die technisch jedoch auf dem Stand der 70er Jahre sind

Seit den siebziger Jahren gibt es Bestrebungen für die Entwicklung eines neuen Anreicherungsverfahrens mittels Lasertechnik. Die USA haben bereits 19.000 Millionen Dollars für die Entwicklung des Laserverfahrens ausgegeben, aber dann die weitere Entwicklung eingestellt. Weitere Untersuchungen werden noch angestellt, ob die sogenannte SILEX-Technik, eine molekulare Lasertechnik, die in Australien entwickelt und erforscht wird, sich für den industriellen Gebrauch eignet Untersuchungen von URENCO haben, nach Ansicht von Dr. Klaus-Peter Messer, dem Leiter von Urenco, gezeigt, daß selbst wenn noch viel Geld in die Entwicklung der atomaren und molekularen Lasertrennverfahren gesteckt wird, diese Verfahren in ihrer Effizienz kaum an das Zentrifugen-Kaskaden-Verfahren herankommen.

Insgesamt ist im Moment die Kapazität der bestehenden Urananreicherungsanlagen weltweit wesentlich höher als die tatsächliche Nachfrage. Die Atomkraftwerke weltweit brauchen für ihren Weiterbetrieb 35 000 t Urantrennarbeit pro Jahr. Die Kapazität der Anlagen liegt bei 55 000 t UTA/a. Gleichzeitig wird hochangereichertes Uran (HEU) aus abgebauten Atomwaffen abgereichert und für die Herstellung von Brennstäben für AKWs benutzt. Damit wird noch über viele Jahre 17 % des jährlichen weltweiten Bedarfs gedeckt.

Diese ungeheure Diskrepanz hat zu einem starken Preisverfall auf dem Markt geführt. Viele Anlagen haben ihre Produktion reduziert und arbeiten - auch wegen der geringen Effizienz ihrer Anlagen und einem hohen Energieverbrauch - nicht auf vollen Touren. Nur URENCO lastet ihre Anlagen bis zu 100 % aus. Mit der weiterentwickelten Zentrifugentechnik von URENCO können nach Ansicht der Betreiber die anderen Anlagen schwer mithalten. Aus ökonomischen Gründen hält Messer eine deutliche Produktionssteigerung der französischen und amerikanischen Anlagen mit ihrer energieintensiven Technik für unwahrscheinlich in Anbetracht der gegenwärtigen Marktpreise für Urantrennarbeit. Auch die Zentrifugenanlagen in Russland sind bereits veraltet und es ist unklar, wie lange sie noch die momentane Kapazität zur Verfügung stellen können.

Das lässt URENCO hoffen, trotz großer Überkapazität weltweit, ihre technologisch führende Stellung weiter auszubauen und ihren Marktanteil durch eine Erweiterung ihrer bestehenden Anlagen und Neubaupläne in USA und Frankreich noch auszudehnen. So ganz problemlos scheint das nicht zu gehen. Die URENCO plant gemeinsam mit dem US-Konzern ,,Duke Power and Excelon´´ den Bau einer Urananreicherungsanlage. Dieses Vorgehen bringt sie in Konkurrenz zur USEC und damit in einen ,,highly political process´´, so die Financial Times. USEC gehe bereits mit einer Klage gegen die unerwünschte Konkurrenz vor ("pressed anti-dumping and countervailing duty suits against Urenco"). Mit Cogema hat Urenco einen Vertrag über den Neubau einer Urananreicherungsanlage mit Zentrifugentechnik in Frankreich bereits Verträge geschlossen.

Mit Blick auf die weltweite anerkannte Stellung der URENCO in der Urananreicherungsproduktion macht es auch nichts aus, so Dr. Klaus-Peter Messer, wenn Deutschland aus der Atomenergie aussteigen sollte. Die Urananreicherungsanlage in Gronau produziere nicht nur für die Versorgung der deutschen AKWs, sondern sei zu über 25 % an den Versorgungsaufträgen des URENCO- Konsortiums beteiligt. Deutsche Kunden würden zur Zeit weniger als 20 % der URENCO Produktion in Anspruch nehmen. Mit der internationalen Ausdehnung der Firma würde dieser Prozentsatz sinken. Selbst wenn Deutschlands AKWs nach und nach abgeschaltet würden, könnte die abnehmende Nachfrage durch neue internationale Aufträge aufgefangen werden. Deshalb mache eine Erweiterung der Anlagen in Gronau für URENCO trotzdem einen Sinn, und auch für Almelo und Capenhurst würde eine solche Option offengelasssen, wenn der Markt das hergibt.

Einzige Bedingung für einen weiteren Ausbau in Gronau, so räumt Dr. Messer ein, sei allerdings, daß die Bundes- und Länderregierung ihrer weiteren Produktion für den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke weltweit keinen Stein in den Weg lege. Nach seiner Meinung gibt es derzeit keine Anzeichen für so eine Entwicklung. Der Konsens also auch ein wunderbares Geschenk für die Betreiber der UAA Gronau.@

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Verwandlungen

Warum wird Uran angereichert?

Mit Uran, wie es in einer Mine abgebaut wird, lassen sich die in der Bundesrepublik üblichen Leichtwasserreaktoren nicht betreiben. Das natürlich vorkommende Uran enthält lediglich etwa 0,7% Uran-235 und rund 99% Uran-238.

Chemisch ist dieses vom Uran 235 nicht zu unterscheiden und kann demnach auch nicht auf chemischem Weg davon getrennt werden. Es trägt im Atomkern drei Neutronen mehr, was eigene kernphysikalische Eigenschaften nach sich zieht, wodurch es mit thermischen, also recht langsamen Neutronen nicht spaltbar ist. In einem Leichtwasserreaktor wird Uran mit thermischen, also langsamen Neutronen gespalten, wobei große Energiemengen freiwerden. Thermische Neutronen können allerdings lediglich das Isotop Uran 235 spalten. 235 bedeutet hier, daß das Uranatom 235 Kernbausteine, also Protonen und Neutronen enthält. Damit eine Kettenreaktion gestartet und aufrechterhalten werden kann, muss der Anteil des Uran-235 künstlich auf etwa 3-5% angereichert werden.

In Urananreicherungsanlagen wird die Verbindung Uranhexafluorid mittels physikalischer Trennverfahren für die spätere Herstellung von Brennstäben für die AKWs angereichert. Dabei macht mensch sich den geringen Unterschied in der Kernmasse der Isotope zu Nutze.

Derzeit werden vornehmlich zwei verschiedene Verfahren industriell angewendet:

  • Anreicherung mittels Diffusion und
  • Anreicherung mittels Zentrifugen.
Weitere Verfahren, wie das Laserverfahren erreichen zwar wesentlich höhere Anreicherungsgrade pro Stufe, finden aber international bisher nur zu Forschungszwecken und nicht in der industriellen Nutzung Anwendung.

Zentrifugen-Verfahren

Das Zentrifugenverfahren nutzt den geringen Gewichtsunterschied der beiden Uranisotope zu ihrer Trennung. Die physikalische Trennung nach dem Atomgewicht ist erst in einem gasförmigen Zustand des zu trennenden Stoffs effektiv; nur in der Gasphase bewegen sich die Teilchen mit einer Geschwindigkeit, die für eine Absonderung sinnvoll ist. Als geeignet dazu wird die Verbindung Uranhexafluorid (UF6) angesehen, die in Konversionsanlagen aus dem sogenannten Yellow Cake hergestellt wird. UF6 besteht pro Molekül aus einem Atom Uran und sechs Atomen des Elements Fluor. Fluor besitzt lediglich ein Isotop mit der Massenzahl 19. In der Verbindung UF6 existiert somit ein "schweres" UF6 aus Uran 238 und F und ein "leichtes" UF6 aus Uran 235 und F. Der prozentuale Massenunterschied zwischen beiden Molekülen beträgt nur 0,85 %. Diese geringe Differenz muß nun in der tatsächlichen Anwendung ausreichen, um eine lohnenswerte Trennung durchführen zu können. Die Anreicherung erfolgt in mehreren Stufen, da pro Prozeßstufe nur eine sehr geringe Trennung erfolgt

Ergebnis der Urantrennarbeit ist also

  • angereichertes UF6, das, nachdem es in Konversionsanlagen zu Urandioxid zurückgewandelt wurde, zu Brennstoffpellets und schließlich zu Brennstäben verarbeitet wird. (z. B. in Lingen)
  • abgereichertes Uran: Der Grad der Abreicherung kann in Abhängigkeit von Uranpreis und Anreicherungskosten gewählt werden; bei Urenco beträgt er 0,3% Uran-235. Das abgereicherte Uran wird zum großen Teil als UF6 in Stahlbehältern bei den Anreicherungsanlagen im Freien gelagert. Aufgrund der chemischen Instabilität von UF6 stellen diese Lager ein Risiko dar; bei korrossionsbedingten Leckagen oder bei Transportunfällen auf dem Gelände können gefährlicheMengen UF freigesetzt werden. Als größten anzunehmenden Unfall wird mensch einen Flugzeugabsturz auf ein Uranfluorid-Lager annehmen müssen.@

Zentrifugen: Schleudern wie beim Buttern

Zentrifugen

In dem luftleer gepumpten Gehäuse, dem Rezipienten, dreht sich mit hoher Geschwindigkeit ein zylinderförmiger Rotor. Das Natururan (Feed) wird als gasförmiges Uranhexafluorid in die Zentrifuge eingespeist und dort vom Rotor mitgerissen. Durch die Zentrifugalkraft wird das schwerere Uran-238 dabei stärker an der Rotorwand konzentriert als das leichtere Uran-235. Das Gas in Wandnähe enthält daher weniger Uran-235, während es weiter zur Achse des Rotors mit Uran-235 angereichert ist. In Richtung der Rotorachse wird ein Gegenstrom erzeugt, der diesen Trenneffekt vervielfacht. So gelangt letztendlich das abgereicherte Uranhexafluorid (Tails) zum oberen Ende und das angereicherte Uranhexafluorid (Product) zum unteren Ende der Zentrifuge, wo die jeweilige Fraktion über hakenförmige Röhrchen entnommen wird. Zentrifugenkaskade Mit einer einzelnen Zentrifuge kann die gewünschte Konzentration von 3-5% Uran-235 nicht in einem Schritt erzeugt werden. Dazu müssen mehrere Zentrifugen hintereinander geschaltet werden.

Um den Materialdurchsatz zu erhöhen, werden in einer industriellen Anlage die Zentrifugen auch parallel betrieben. Den Verbund von parallel- und hintereinander geschalteten Zentrifugen bezeichnet man als Kaskade. In den Trennhallen einer Urananreicherungsanlage werden wiederum mehrere Zentrifugenkaskaden parallel in einer Betriebseinheit betrieben.

Zentrifugenanlagen können modulartig erweitert werden und sind schon bei relativ geringer Kapazität wirtschaftlich zu betreiben. Der Kapazitätsausbau kann deshalb entsprechend der Nachfrage des Marktes erfolgen. Dies bringt erhebliche wirtschaftliche Vorteile und gestattet darüber hinaus den Einsatz der jeweils neuesten Technologie.

Ein weiterer wichtiger Vorteil des Zentrifugenverfahrens ist der (relativ) geringe Energieverbrauch. Durch die nahezu reibungsfreie Lagerung der Rotoren konnte er bei den modernen Zentrifugen auf 20 Kilowattstunden für ein Kilogramm Urantrennarbeit gesenkt werden. Zusammen mit dem Energieverbrauch der Anlagensysteme werden heute in der Urananreicherungsanlage Gronau ca. 40 Kilowattstunden für ein Kilogramm Urantrennarbeit aufgewendet. Zum Vergleich: In den Diffusionsanlagen in Frankreich und den USA liegt der Energieverbrauch bei ca. 2.400 Kilowattstunden pro Kilogramm Urantrennarbeit, also um den Faktor 60 höher.@

Alternativen zur Zentrifugen- Technik

Das Gasdiffusionsverfahren Als physikalisches Grundprinzip liegt diesem Verfahren zugrunde, daß schwerere UF6-Moleküle aufgrund ihrer geringeren Molekularbewegung ein wenig langsamer durch eine poröse Wand hindurchwandern (diffundieren) als leichtere.

Das UF6-Gas wird durch einen Kompressor auf hohen Druck gebracht, in einem Wärmetauscher wieder rückgekühlt und in die Diffusionszelle gepreßt. Die Uranhexafluorid-Moleküle, die Uran 235 enthalten, wandern geringfügig schneller durch die Membran, als diejenigen mit Uran 238. Etwa die Hälfte des eingepreßten Gases gelangt durch die Membran und wird auf der Membranrückseite als Product-Strom abgeführt. Die an Uran 235 abgereicherte Fraktion verläßt die Diffusionsstufe mit mittlerem Druck und wird als Tails-Strom bezeichnet. Durch die Membran wird das Product so stark gedrosselt, daß es vor Eintritt in die nächste Stufe erneut komprimiert und gekühlt werden muß. Auch hier ist die Trennleistung einer Stufe nur sehr gering, so daß auch hier mehrere Diffusionskammern hintereinandergeschaltet werden müssen.

Der theoretisch bei der Diffusion erreichbare Gesamttrennfaktor ist durch die Wurzel des Verhältnisses der zu trennenden Molekülmassen bestimmt, wodurch der Trennfaktor bei der uran 235-Anreicherung mit 1,00429 gegenüber dem des Zentrifugenverfahrens sehr gering wird. Daraus folgt, daß sehr viele Stufen hintereinander geschaltet werden müssen. Wie oben bereits erwähnt, ist nach jeder Stufe eine erneute Kompression mit anschließender Rückkühlung zur Abfuhr der Verdichtungswärme erforderlich. Dies erhöht den Energiebedarf ungemein. Die großen Kompressoren haben eine Leistung von mehreren 100.000 m3/h und führen so zu einem spezifischen Energieverbrauch, der 60 mal höher liegt, als bei einer Zentrifugenanlage gleicher Leistung.

Ein anderer Vergleich: die Diffusionsanlage verbraucht bereits ca. 4 % der Energie, die aus dem von ihr angereicherten Uran später in Kernreaktoren gewonnen werden kann. So ist es nicht verwunderlich, daß im französischen Rhonetal die EURODIF-Anlage durch die gesamte Leistung eines Blocks des 4 x 915 MWel-Atomkraftwerkes Tricastin versorgt wird.

Laserverfahren

Die Laserverfahren befinden sich noch im vorindustriellen Einsatz, sie zeigen aber bereits einen deutlich höheren Trennfaktor als die bisher industriell angewendeten Verfahren. Allerdings können sie derzeit noch nicht mit ihnen konkurrieren.

Als physikalische Grundlagen nutzt mensch hier, daß verschiedene Isotope eines Elements geringfügig unterschiedliche Absorptionsspektren haben. Das bedeutet, dass Uran 235 durch Licht einer ganz bestimmten Wellenlänge (also Farbe) in Schwingung versetzt werden kann, wobei Uran 238 durch dieses Licht nicht beeinflußt wird. Diese Wellenlängenunterschiede sind sehr gering. Lichtquellen, die genau diese Resonanzfrequenz aussenden, stehen erst durch die Lasertechnologie zur Verfügung.

Atomares Laserverfahren

Das durch das Laserlicht in Schwingung versetzte Molekül wird (beispielsweise durch eine weitere Laserbestrahlung) ionisiert, Bild 9, es erhält also eine elektrische Ladung durch Abgabe von Elektronen aus der Atomhülle und kann dann relativ einfach in einem elektrischen Feld von den nicht ionisierten Molekülen getrennt werden. Diese elektrostatische Trennung nutzt mensch beispielsweise auch in Rauchgasfiltern von Kohlekraftwerken, um das Rauchgas von Staub zu befreien.

Problematisch ist hierbei, daß das Verfahren in der Gasphase des metallischen Urans (Siedepunkt bei Normaldruck Tb = 4.364 °C, ) in einem Temperaturbereich über 5.000 °C durchgeführt werden muß, da sich vorher noch keine Resonanzen im Uran 235-Atom einstellen. So wird im Hochvakuum Uran mittels eines Elektronenstrahls erhitzt bis es verdampft, in einigem Abstand von der Quelle dem Laserlicht ausgesetzt, die Fraktionen daraufhin elektrostatisch getrennt, der Dampf wieder kondensiert und in noch flüssiger Form wieder aus der Vakuumkammer abgeführt.

Angaben für den Schmelzpunkt bei Normaldruck liegen zwischen Tm = 1.090 °C...1.689 °C, da es drei allotrope Modifikationen, also Kristallstrukturen gibt, die sich je nach der werkstofftechnischen Vorgeschichte des Metalls einstellen und jeweils unterschiedliche Schmelzpunkte aufweisen. Für den Übergang vom flüssigen in den festen Aggregatzustand kann hier mit recht guter Genauigkeit ein Wert um Tm = 1.200 °C angenommen werden. Verfahrenstechnische Probleme sind aufgrund der enormen Temperaturen, besonders in der Gasphase leicht vorstellbar.

Das molekulare Laserverfahren

Beim molekularen Laserverfahren, das vornehmlich in Japan und Südafrika erforscht wird, wird UF6 bei einer Temperatur von -173 °C mittels eines Schutz- und Trägergases in den Laserstrahl gebracht. Die Resonanzschwingungen im 235UF6-Molekül sorgen für einen Zerfall des 235UF6 in 235UF5, das bei dieser Temperatur und dem vorliegenden Druck fest ist und leicht mittels eines Filters abgetrennt werden kann. Es wird anschließend wieder zu UF6 fluoriert und kann normal weiterverarbeitet werden.@


Wo angereichert wird, wird auch abgereichert. Und - wer hätte das gedacht - es gibt mehr Armes als Reiches

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7 : 1 für abgereichertes Uran

von Peter Diehl

Eigenschaften des abgereicherten Urans Natururan besteht aus den Isotopen U-234, U-235 und U-238. Diese sind alle langlebige Alphastrahler. Im abgereicherten Uran ist ihre Zusammensetzung gegenüber dem Natururan verändert: Der Anteil an Uran-235 ist im abgereicherten Uran auf typisch 0,2 - 0,3% reduziert, also etwa 30 - 40% seines Anteils in Natururan. Der Anteil von Uran-234 wird wegen seines kleineren Atomgewichts beim Anreicherungsprozeß prozentual sogar noch stärker reduziert. Hautsächlich wegen dieses Effekts beträgt die Alpha-Aktivität von abgereichertem Uran nur etwa 60% der von Natururan.

Innerhalb weniger Monate wachsen die Betastrahler Thorium-234 und Protactinium-234m nach, bis sie die Aktivität des Uran-238 erreicht haben. Die Gesamtaktivität im abgereicherten Uran bleibt danach für etwa 10.000 Jahre konstant. Dann beginnen Thorium-230 und die restlichen Zerfallsprodukte der Uran-238-Reihe nachzuwachsen. Unter diesen ist auch das Wismut-214, ein starker Gammastrahler. Nach etwa 100.000 Jahren wächst die Aktivität des Uran-234, bis es die des Uran-238 erreicht hat, wodurch auch weiteres Thorium-230 und dessen Zerfallsprodukte nachwachsen. Nach etwa 2 Mio. Jahren sind alle Nuklide im Gleichgewicht und die Gesamtaktivität erreicht ein Maximum, auf dem sie für Milliarden von Jahren verbleibt.

Aus dem restlichen Uran-235 wächst innerhalb weniger Tage Thorium-231 nach. Nach etwa 10.000 Jahren beginnen auch Protactinium-231 und alle anderen Zerfallsprodukte der Uran-235-Zerfallsreihe nachzuwachsen. Abgereichertes Uran hat also die ungewöhnliche Eigenschaft, daß auf lange Sicht seine Gefährlichkeit zunimmt - ein Effekt, der bei der Entsorgung zu berücksichtigen ist.

Bisher wurde von den Betreibern argumentiert, daß es sich bei den Lagern mit abgereichertem UF nur um eine Zwischenlagerung handelt, da ein denkbarer starker Anstieg des Uranpreises oder mögliche zukünftige Anreicherungstechnologien die Möglichkeit bieten könnten, auch den in dem abgereicherten Uran noch vorhandenen Rest an Uran-235 zu wirtschaftlichen Bedingungen nutzen zu können.

Inzwischen brennt den Betreibern das Problem jedoch unter den Nägeln: In den USA beispielsweise hatten sich bis 1993 bereits 560 000 t an abgereichertem UF in 46 422 Stahlbehältern angesammelt; inzwischen sind 8000 weitere Behälter dazugekommen. Die Behälter zeigen zunehmend Korrosions-Erscheinungen und müssen verstärkt überwacht werden.

USA: Verwertung angestrebt

Angesichts der Probleme mit der bisherigen Lagerung als UF hat die US-Regierung nun die Initiative ergriffen. In Anbetracht der drohenden Entsorgungskosten in Milliardenhöhe für eine Beseitigung des abgereicherten Urans als Atommüll hat sie nun intensiv nach alternativen Verwertungsmöglichkeiten suchen lassen. Kleinere Mengen an abgereichertem Uran wurden bisher zwar schon als Uranmetall wegen seiner hohen Dichte z.B. für Gegengewichte in Flugzeugen oder vom Militär als Material für besonders durchdringende Geschosse oder für Panzerungen (erstmals eingesetzt im Golfkrieg) verwendet, für das Gros des Materials war jedoch bisher keine Verwendung in Sicht.

Eine Einsatzmöglichkeit für größere Mengen abgereicherten Urans sieht man als UO oder Uranmetall in Abschirmungen von Behältern für hochaktiven Atommüll. Wegen seiner hohen Dichte und seiner hohen relativen Atommasse hat es eine bessere Schirmwirkung als Blei, und die vergleichsweise geringe Eigenaktivität würde in diesem Fall nicht weiter stören. Daneben wird noch weiter nach industriellen Einsatzmöglichkeiten für das abgereicherte Uran gesucht (so war die Rede z.B. von Gegengewichten für Gabelstapler), womit dieser problematische Stoff in alle möglichen Lebensbereiche eindringen und die Frage der endgültigen Entsorgung nur in die Zukunft verschoben würde. Die verbleibenden Mengen, für die keine Anwendung gefunden wird, könnten als UO oder U O 2 3 8 zwischen- oder endgelagert werden.

Allen diesen Varianten ist gemeinsam, daß das abgereicherte Uran nicht in der vorliegenden Form als UF benötigt wird, sondern als UO , U O oder Uranmetall. Daher hat die U.S.-Regierung 1998 im Vorgriff auf eine endgültige Entscheidung über die letztliche Verwendung des abgereicherten Urans - beschlossen, zwei Rekonversions-Anlagen zu Kosten von je 200Mio. $ zu bauen, die die in jedem Fall benötigte Umwandlung durchführen können.

Europa: Langzeit-Zwischenlager

Auch in Europa geht man nun daran, die problematischen Lager mit abgereichertem UF6 aufzulösen, allerdings ist hier nicht an eine Verwertung, sondern nur an eine sicherere Lagerform gedacht.

In Frankreich erhielt die Firma Cogéma 1995 die Genehmigung, 199 900 t abgereicherten Urans in speziell zu errichtenden Hallen auf dem Gelände eines ehemaligen Uranerzaufbereitungsbetriebs in Bessines-sur-Gartempe am Nordwestrand des Zentralmassivs einzulagern. Das Material liegt bisher als UF bei der Anreicherungsanlage Tricastin im Rhônetal vor und soll zur Lagerung in einer bereits bestehenden Anlage in Pierrelatte ("usine W") in die chemisch stabilere Form U O umgewandelt werden. Als Zweck der Lagerung wurde die mögliche Ausnutzung des Restgehalts an Uran-235 mit zukünftigen neuen Anreicherungsverfahren genannt.

Im Juli 1998 widerrief jedoch das Verwaltungsgericht Limoges die Genehmigung mit der Begründung, daß diese Lagerung als Endlagerung zu betrachten sei. Die Freude bei den französischen Umweltschützern währte allerdings nicht lange, denn am 5. November 1998 entschied die nächste Gerichtsinstanz in Bordeaux, daß das abgereicherte Uran kein Abfall, sondern ein Rohstoff mit vielen Anwendungsbereichen sei. Aufgrund dieser Entscheidung begann Cogéma am 12. November 1998 mit der Einlagerung.

Auch Urenco hat im Zuge der beantragten Kapazitätserweiterung auf 4 Mio. SWU/a in Gronau einen Antrag zur Errichtung für ein Langzeit-Zwischenlager für abgereichertes Uran gestellt. Für die Einlagerung soll das UF von Cogéma in Pierrelatte (Frankreich) in UO umgewandelt werden. Das Lager soll eine Gesamtkapazität von 50.000 t UO haben - das entspricht 62.722 t UF. Das derzeitige Lager für abgereichertes UF hat eine genehmigte Kapazität von 38 000 t UF .

Zivile Anwendungen von abgereichertem Uran

Im 19. Jahrhundert und in den USA auch bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde Uran als Farbstoff in Glas sowie in Keramik-Glasuren für Geschirr und Kacheln eingesetzt. Später kamen die Uranfarben aus der Mode, bzw. in den USA wurde in den vierziger Jahren alles Uran vom Staat für die beginnende Atomwaffenentwicklung beansprucht. Uranglas enthält typ. 1% Uran, Keramik-Glasuren enthalten bis zu 20% Uran. Die Gesamtproduktion von Uranfarben (mit einem Urangehalt von 70%) im 19. Jahrhundert wird auf 260 t geschätzt, 150 t davon für Uranglas. Neuere Untersuchungen an solchem uranhaltigen Geschirr haben herausgelöst werden können, weswegen beim Umgang mit solchen Antiquitäten Vorsicht geboten ist. In neuerer Zeit wurde Uran u.a. als Zusatz für Stahllegierungen und in chemischen Prozessen (z.B. als Katalysator) eingesetzt. Wegen seiner hohen Dichte kann Uran auch in Gewichten oder Schwungrädern eingesetzt werden. So wurden die ersten 550 Exemplare des Flugzeugtyps Boeing-747 mit Gegengewichten aus abgereichertem Uranmetall ausgerüstet. (Für alle nicht-nuklearen Anwendungen sind Natururan und abgereichertes Uran gleichwertig.) Die Verwendung von Uran in Alltagsartikeln schien dagegen schon längst Geschichte zu sein, als 1999 in Frankreich in gelbem Email-Pulver aus aktueller Produktion abgereichertes Uran als Farbstoff entdeckt wurde. Das Pulver mit einem Urangehalt von 10% wird von Kunsthandwerkern zur Herstellung von Email-Schmuck (Broschen, Ringe, Anhänger) verwendet. Da das Pulver bis vor kurzem ohne jeglichen Warnhinweis verkauft wurde, haben sich diese Handwerker nichtsahnend dem Strahlungs-Risiko durch die Inhalation des alpha-strahlenden Urans ausgesetzt. Die Nutzer des Schmucks werden durch die vom Uran und seinen Zerfallsprodukten ausgehende Gamma- und Betastrahlung sowie durch das mögliche Herauslösen des Nierengifts Uran gefährdet. Die Firma, die das Email-Pulver herstellt, bezieht das abgereicherte Uran dafür von der Fa. Cogéma in der Form von U3O8- die gleiche Form, die Cogéma jetzt auch für die Langzeit-Zwischenlagerung in Bessines herstellt. Zufällig liegt die Herstellerfirma des Pulvers nicht weit von Bessines... Wiederanreicherung von abgereichertem Uran Einen besonderen Weg hat die Anreicherungsfirma Urenco für die Verwendung ihrer Bestände an abgereichertem Uran eingeschlagen: Urenco läßt das abgereicherte Uran in der Zentrifugen-Anreicherungsanlage des russischen Atom-Ministeriums Minatom in Novouralsk bei Ekaterinburg seit einigen Jahren wieder anreichern. Das Uran wird bis auf den natürlichen Gehalt von 0,71% Uran-235 angereichert und anschließend zu Urenco zurücktransportiert. Dort wird es in den normalen Anreicherungsprozeß eingebracht. Im Jahr 1996 wurden auf diese Weise über 6000 t abgereicherten Urans verarbeitet. Damit findet die von den Betreibern der Anreicherungsanlagen als Zukunftsperspektive genannte Rückgewinnung des Rests an U-235 aus dem abgereicherten Uran bereits heute statt. Dies ist auf den ersten Blick überraschend, da es ja an den dafür genannten Voraussetzungen fehlt: weder ist der Uranpreis in die Höhe gegangen (er sinkt im Gegenteil), noch sind etwaige hocheffiziente Anreicherungsverfahren einsatzbereit. Wie sich bei näherer Betrachtung zeigt, ist die Rückgewinnung in diesem Fall aber gar nicht der eigentliche Zweck...

Aus dem Jahresbericht 1998 der Euratom geht hervor, daß in diesem Jahr in ihrem Wirkungsbereich eine Uranmenge von 1000 - 2000 t U (Natururan-Äquivalent) aus der Wiederanreicherung eingesetzt wurde. Wenn man untenstehende Massenbilanz zugrunde legt, bedeutet dies, daß dafür 13 600 - 27 200 t abgereichertes Uran nach Rußland gebracht wurden, das zwei-bis vierfache der für 1996 genannten Menge. Es ist allerdings nicht klar, ob die von Euratom genannte Menge ausschließlich aus der laufenden Produktion stammt, oder ob darin auch Lagerbestände enthalten sind. Wenn man ersteres annimmt, dann ist dies zugleich das zwei- bis vierfache der bei Urenco im gleichen Zeitraum neu angefallenen Menge: man könnte daraus also schließen, daß Urenco im Moment mit Hochdruck seine Bestände an abgereichertem Uran abbaut. Tatsächlich hat Urenco inzwischen bestätigt, daß der Lagerbestand an abgereichertem Uran in Gronau derzeit abnimmt. Probleme hat Urenco bisher nur damit, daß Kanada seine Nonproliferations-Bestimmungen auch auf abgereichertes Uran anwendet. Rußland weigert sich aber, seine Anreicherungsanlagen der Aufsicht der IAEA zu unterstellen. Urenco darf also nicht ohne weiteres abgereichertes Uran nach Rußland schicken, das bei der Anreicherung kanadischen Urans angefallen ist. Ähnliches gilt auch für Uran aus Australien. Verhandlungen zur Lösung dieser Frage sind derzeit im Gange.

Zur Vermarktung des zurückgewonnenen "naturäquivalenten" Urans hat Urenco einen Vertrag mit der kanadischen Fa. Cameco abgeschlossen, dem derzeit größten Uranproduzenten der Welt. Aus der Sicht Urencos würde das Wiederanreicherungs-Geschäft keinen Sinn ergeben, wenn es da nicht einen besonderen Grund gäbe - schließlich könnte Urenco das abgereicherte Uran ja auch selber tiefer abreichern, wenn dies wirtschaftlich von Vorteil wäre. Ein Grund könnte sein, daß Minatom angesichts seiner derzeitigen Überkapazitäten möglicherweise nicht den vollen Weltmarktpreis für die Wiederanreicherung berechnet.

Minatom hat derzeit überschüssige Anreicherungs-Kapazitäten in Höhe von 9 Mio. SWU. Die US-Anreicherungsfirma USEC fürchtet inzwischen, daß Minatom bei einer Aufhebung der US-Handelsbeschränkugen für in Rußland angereichertes Uran seine Überkapazitäten wieder dazu verwenden könnte, Natururan anzureichern, und diese Anreicherungsleistung dann zu konkurrenzlosen Preisen ab 30 US$ pro SWU zu verkaufen. Für Urenco würde dies das Ende der für die Firma lebensnotwendigen preisgünstigen Entsorgung seines abgereicherten Urans bedeuten. Somit erklären sich auch Urencos neue Pläne, in Gronau ein Langzeit-Zwischenlager für abgereichertes Uranoxid zu errichten.

Der Clou aber ist, daß das bei der Wiederanreicherung anfallende zweifach abgereicherte Uran in Rußland verbleibt, wo es vermutlich bis auf weiteres als UF gelagert wird. Normalerweise müßten für das deutsche Urenco-Werk in Gronau die Entsorgungskosten für das abgereicherte Uran im geplanten Endlager Gorleben berücksichtigt werden. Dies ist das einzige, das in Deutschland in Frage kommt, da das geplante Endlager für schwach-aktive Abfälle im Schacht Konrad solche Mengen an Uran nicht aufnehmen kann: die für dieses Lager festgelegten Gesamtaktivitäten erlauben nur die Einlagerung von insgesamt etwa 100t abgereicherten Urans. Die Kosten der Endlagerung in Gorleben wären umgerechnet 18 200 US$ pro t UF ; zusammen mit den Kosten für die Umwandlung in Uranoxid käme man auf etwa 19 000 US$ pro t UF . Die Endlagerkosten wären also über 10 mal so hoch wie die Verluste aus der Wiederanreicherung zu Weltmarktpreisen, und sie würden knapp die Hälfte von Urencos Einnahmen aus dem Anreicherungsgeschäft auffressen. Bei Betrachtung der vermiedenen Endlagerkosten macht Urenco mit der Wiederanreicherung also einen Netto-Gewinn von 17 300 US$ pro t UF .

Dieser Gewinn ist natürlich nur eine theoretische Größe, denn wenn Urenco die Endlagerkosten für Gorleben tatsächlich bezahlen müßte, wäre dies vermutlich das geschäftliche Aus für die Firma in Deutschland. Für Urenco liegt der Hauptzweck dieses Handels mit Minatom also ganz offensichtlich darin, ihr Abfallproblem zu lösen. Die mit der Wiederanreicherung an sich erlittenen Verluste oder (je nachPreisgestaltung von Minatom) erzielten Gewinne spielen überhaupt keine Rolle gegenüber den vermiedenen Endlagerkosten.

Zusammenfassung:

Die bisher praktizierte Zwischenlagerung des abgereicherten Urans als UF ist in hohem Maße unsicher. Das abgereicherte Uran bereitet der Anreicherungsindustrie einen zunehmenden Problemdruck, sowohl von den technischen Problemen der UF -Lagerung, als auch von den drohenden Entsorgungskosten her.

Der derzeitige Anreicherungspreis enthält nicht die Entsorgungskosten für das anfallende abgereicherte Uran (die Endlagerung in Deutschland würde 50% des Anreicherungspreises auffressen!). Dennoch sinkt der Anreicherungspreis zur Zeit wegen weltweiter Überkapazitäten.

Die als Begründung für die derzeitige Zwischenlagerung angeführte zukünftig denkbare Rückgewinnung des Rests an spaltbarem Uran-235 ist nur eine Schutzbehauptung, um die Entsorgungsfrage auf die Zukunft abzuschieben: Das US-Energieministerium faßt bei seinen Planungen für eine Verwertung des abgereicherten Urans hauptsächlich Verwendungsmöglichkeiten ins Auge, bei denen eine Rückgewinnung nicht oder nur erschwert möglich wäre, Urenco müßte dann ja ein Interesse haben, das von Minatom weiter auf 0,25% abgereicherte Uran zurückzunehmen, das Gegenteil ist aber der Fall.

Die bisher praktizierte zivile und militärische Verwertung hat die Bestände an abgereichertem Uran nicht merklich verringern können.

Die Suche nach neuen Verwertungsmöglichkeiten bringt die Gefahr mit sich, daß das Uran unkontrolliert in alle möglichen Lebensbereiche eindringt. Allein die Verwendung in Behältern für hochaktiven Atommüll erscheint in dieser Hinsicht akzeptabel.

Der seit einigen Jahren von Urenco praktizierte Transport von abgereichertem Uran zur Wiederanreicherung in Rußland stellt einen verkappten Atommüll-Export dar: Das zweifach abgereicherte Uran verbleibt in Rußland. Die Menge des abgereicherten Urans nimmt durch die Wiederanreicherung nur minimal ab. Die Wiederanreicherung rechnet sich unter derzeitigen Weltmarktbedingungen bei weitem nicht. Möglicherweise ist sie dann wirtschaftlich, wenn Rußland die Wiederanreicherung zu Dumpingpreisen ausführen sollte, auf jeden Fall aber, wenn man die vermiedenen Endlagerkosten für Urenco berücksichtigt.

Die nun in verschiedenen Ländern anlaufende Umwandlung des abgereicherten Uranhexafluorids UF in die chemisch stabilere Form von Uranoxid zwecks sichererer Lagerung ist an sich begrüßenswert, aber:

dies begünstigt auch die direkte Verwendung in dieser Form und damit die unkontrollierte Verbreitung in Produkten aller Art (siehe Email-Schmuck in Frankreich!); dieser Weiterverbreitung muß ein wirksamer Riegel vorgeschoben werden,
dies ist nur ein erster notwendiger Schritt in Richtung auf eine sichere Endlagerung: die damit zusammenhängenden Fragen sind noch gar nicht angegangen worden.

Aus dem Vortrag zur Tagung "Uranwaffen im Kosovo - Fakten und Konsequenzen" in der Evangelischen Akademie Mülheim/Ruhr am 21.-23.1.2000

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Panzerknacker Bunker-Buster Apatchen:

DU- Waffen

AM 30. März 1999 kündigte die Nato an, sie werde in Jugoslawien ab sofort amerikanische Kampfflugzeuge vom Typ A10 einsetzen, bekannt auch unter der Bezeichnung "tankbuster" oder "Panzerknacker". Wenig später meldete ein Sprecher die Stationierung von Apache- Kampfhubschraubern in Albanien, die mit demselben Beinamen belegt werden. "Panzerknacker" klingt nach Videospiel. Doch der Name verschweigt, daß die durchschlagende Wirkung der neuen Waffensysteme mit der Art ihrer Munition zusammenhängt, deren Ummantelung abgereichertes Uran ist

Aufgrund seiner exorbitanten Härte und Dichte eignet sich DU-Metall als Geschossmaterial gegen gepanzerte Ziele. DU ist recht billig, liegt in großen Mengen vor und ist schwerer als Blei. Trifft ein Uran-Geschoss auf ein Ziel wie z.B. einen Panzer, wird die Bewegungsenergie des Geschosses zum überwiegenden Teil in Wärmeenergie umgewandelt. Dies führt zu großer Hitzeentwicklung. Neben der mechanischen Zerstörung in der Umgebung des Treffers durch die Durchschlagskraft (Penetrationskraft, daher der englische Begriff "penetrator") des Geschosses geraten Treibstoff und Munition des Panzers in Brand und er wird unbrauchbar. Die beim Einschlag entstehenden Temperaturen und Kräfte sind so hoch, dass das Geschoss schmilzt und z.T. zerstäubt. Der entstehende Uranstaub entzündet sich aufgrund seiner pyrophoren Eigenschaft und verstärkt den Zerstörungseffekt des Geschosses. Damit ist das militärische Ziel des Geschosses erreicht.

Uran-Geschosse hinterlassen aber noch einen Nebeneffekt. Durch das Schmelzen, Zerstäuben und Entzünden des Urans entstehen Uranpartikel und Uranoxide, die als Schwebteilchen (Aerosole) und Stäube in die Umgebungsluft gelangen. Menschen, die sich am Ort der Einschläge aufhalten, atmen diese Teilchen und Stäube ein oder nehmen sie mit der Nahrung auf. Da Uran immer radioaktiv ist, sind es auch die Aerosole und Stäube. Folglich sind die betroffenen Menschen neben der chemischen Belastung durch das Schwermetall Uran einer zusätzlichen Belastung durch radioaktive Strahlung ausgesetzt. Beides kann je nach aufgenommener Uran-Menge zu einer Erkrankung führen.

Enorme Risiken treten auch auf, wenn wie im Golf Krieg geschehen, die verschossenen nicht explodierten DU-Geschosse von Soldaten als Kriegstrophäe oder von Kindern als Spielzeug ständig mitgeführt werden. Der Grenzwert der jährlichen Haut Äquivalenzdosis, der für Strahlungsarbeiter gilt und 50 rem/a beträgt, würde bereits nach zehn Tagen erreicht. Der jährliche Grenzwert von 1 rem/a der für die Öffentlichkeit gilt, wäre bereits nach 5 Stunden erreicht.

Einsatz von Uran-Munition

Nach NATO-Angaben wurde Uran-Munition im Golfkrieg und auf dem Balkan eingesetzt. Informationen des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums zufolge wurde im Golfkrieg von verschiedenen Waffensystemen eine Uran-Menge von insgesamt etwa 330 Tonnen verschossen. Der größte Teil davon stammte aus der "GAU-8" Bordkanone (Kaliber 30 mm) des US-Kampfflugzeugs "A-10", sogenannte "Panzerknacker" und von den Apatchen-Kampfhubschrauber: ca. 784.000 Geschosse mit insgesamt ca. 230 Tonnen Uran. Nach Angaben aus dem deutschen Verteidigungsministerium wurden von demselben Kampfflugzeug im Kosovo 31.000 Uran-Geschosse und in Bosnien/Herzegowina 10.800 Uran-Geschosse abgefeuert. Dies entspricht einer Uran-Menge von ca. 11,5 Tonnen.

War DU 1999 im Kosovo-Krieg noch hauptsächlich in den gehärteten Köpfen von 30-Millimeter Massenmunition enthalten, setzte die US-Luftwaffe im Krieg in Afghanistan schwere Waffen mit DU-ummantelten Raketensprengköpfen ein. Diese sogenannten "Bunker Buster" GBU-28 enthalten ein Vielfaches der Menge an Depleted Uranium der im Kosovo verwendeten Munition. Die Bomben durchdringen in wenigen Sekunden dutzende Meter dicke Beton- und Felswände. Das Geschoss explodiert entweder sobald es ins Freie tritt oder eine bestimmte vorprogrammierte Tiefe erreicht hat. Die dabei freigesetzen Staubpartikel aus Uranoxid sind klein genug, um den Weg in die menschliche Lunge zu finden.

Gesundheitsschädigende Auswirkungen von DU-Munition

In den betroffenen Gebieten sind durch den Einsatz von Uran-Munition erhebliche Mengen von Uranstäuben und Uran-haltigen Aerosolen entstanden, die durch Aufwirbelung immer wieder in die Umgebungsluft gelangen und somit eine Gefahr für sich dort aufhaltende Menschen bilden können.

Chemisch-toxische Wirkung

Unter der chemisch-toxischen Wirkung eines Stoffes versteht man die gesundheitsschädigende Wirkung, die auf seiner chemischen Eigenschaften beruht. Uran ist wie Blei, Cadmium, Quecksilber oder Plutonium ein Schwermetall. Schwermetalle und ihre Verbindungen sind sehr giftig. Insbesondere treten Nieren- und Leberschädigungen auf.

Radiotoxische Wirkung

Die radio-toxische Wirkung von Uran-238, dem Hauptbestandteil von abgereichertem Uran, beruht vor allem auf dessen alpha-Strahlung. Die radio-toxische Wirkung ist bei gleicher Aktivitätsmenge vergleichbar mit der radio-toxischen Wirkung von Plutonium-239 oder anderen radioaktiven Schwermetallen mit alpha-Zerfall wie z. B. Radium-226 oder Thorium-232.

Im Falle von alpha-Strahlern wie Uran-238 oder Plutonium-239 ist die interne Strahlenbelastung die dominante Quelle für die Strahlendosis. Mit der Nahrung aufgenommene radioaktive Substanzen gelangen je nach Löslichkeit über den Magen-Darmtrakt ins Blut und können sich so im Körper verteilen. Mit der Atemluft aufgenommene radioaktive Substanzen bleiben je nach Teilchengröße zunächst in den Atemwegen (Bronchien, Lunge) hängen, von wo aus sie, wieder je nach Löslichkeit, ebenfalls ins Blut übergehen.

Nachdem die radioaktiven Stoffe über den Magen-Darm-Trakt oder die Lunge ins Blut gelangt sind, können sie sich in bestimmten Organen anreichern. Im Falle von Uran sind die Anreicherungsorgane, wie bei Plutonium, vor allem die Knochen (ca. 60 %), die Leber (ca. 15 %) und die Niere (ca. 10 %). Die dort freigesetzte radioaktive Strahlung kann in den Organen zu einer Strahlendosis führen, durch die eine Krebserkrankung ausgelöst werden kann. Außerdem und vor allem kann Lungenkrebs entstehen, da insbesondere größere Staubpartikel sich im Lungengewebe festsetzen können und dort dann über lange Zeit ihre radioaktive Strahlung freisetzen. Für all die genannten Krebserkrankungen gilt, dass sie typischerweise erst 20 bis 30 Jahre (Latenzzeit) nach der Strahlenbelastung auftreten.

Durch die Anreicherung in den Knochen kommt es zu einer langfristigen Bestrahlung des Knochenmarks, also des blutbildenden Systems. Dadurch kann Leukämie ausgelöst werden. Nach heutigem Kenntnisstand tritt eine solche Leukämie typischerweise 2 bis 10 Jahre (Latenzzeit) nach einer Strahlenbelastung auf. - Die "normale" Anzahl der pro Jahr auftretenden Leukämiefälle liegt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der Gruppe der 20-45-jährigen Erwachsenen bei ca. 50 Fällen pro Million. Schließlich kann durch die radioaktive Bestrahlung der körpereigenen Keimdrüsen ein Erbgutschaden ausgelöst werden, der sich in Missbildungen oder Erkrankungen in der Nachfolgegeneration äußern kann. Bereits 1979 verwies ein Memorandum des US-Verteidigungsministeriums auf die außergewöhnlichen Eigenschaften von abgereichertem Uran (DU) und befürwortete eine entsprechende Verwendung. Der radioaktive und hochgiftige Charakter dieser Waffen wurde seither bewußt ignoriert, obwohl Leonard A. Dietz bereits 1979, als er noch Forscher am Knolls Atomic Power Laboratory in Schenectady im Bundesstaat New York war, DU-Rückstände im Luftfilter mehrerer Luftmeßstationen entdeckte, von denen drei 42 Kilometer vom Labor entfernt lagen. Die Partikel stammten aus der National Lead Industries Plant (NL) von Colonie, die vom östlichen Stadtrand von Albany nur 16 Kilometer entfernt ist. NL verwendete damals abgereichertes Uran zur Produktion von Geschoßummantelungen und von Stabilisatoren für zivile Flugzeuge. Unabhängig von den Beobachtungen, die Dietz mitgeteilt hatte, verfügte die Regierung des Bundesstaats New York 1980 die Einstellung der Produktion, da die radioaktive Belastung im Umkreis der Fabrik die gesetzlichen Höchstwerte überschritt. Die Anlage wurde geschlossen und dekontaminiert.

Sechsundzwanzig Partikel, die Leonard A. Dietz aus den Luftfiltern analysierte, enthielten Uran, vier davon reines abgereichertes Uran, die zweiundzwanzig anderen entsprechend angereichertes Uran. Dietz erläutert: "Die vier DU-Partikel erreichten beinahe den Grenzwert für die maximal zulässige Belastung der Luft mit Feinstaubpartikeln. Feinstaubpartikel passieren die oberen Atemwege und lagern sich in verschiedenen Teilen der Lunge ab, wo sie mehrere Jahre lang das Gewebe stark verstrahlen können." In mehreren DU-Waffenfabriken der USA streikten die Arbeiter für bessere Arbeitsbedingungen und die Anerkennung bestimmter Krebsarten als Berufskrankheit.

Daß DU-Munition Menschen und Umwelt kontaminieren, wurde von den Militärbehörden lange Zeit bestritten. Dabei veröffentlichte die US-Armee bereits am 28. September 1990 einen umfangreichen technischen Bericht mit detaillierten Anweisungen für Unfälle mit DU-Material. Darin steht zu lesen: "Ausrüstungsgegenstände und Materialien, die von dem Unfall/Vorfall betroffen sind, dürfen den Ort des Geschehens unter keinen Umständen verlassen, bevor sie vom Strahlenschutzpersonal überprüft und vorschriftsgemäß dekontaminiert worden sind." In der Handlungsanweisung heißt es weiter: "Die Explosivstoffe vermengen sich beim Verbrennen über die Luft und durch Tröpfchenbildung mit dem umliegenden Boden und den Trümmern. Nach Erlöschen des Feuers sind diese Explosivstoffe nur dann ungefährlich, wenn sie vollkommen verbrannt sind. Nicht vollständig verbrannte Reste stellen eine extreme Explosionsgefahr dar. Beim Erkalten nehmen sie wie Metall bizarre Formen an. Sie können Verunreinigungen enthalten, die den Grad ihrer Gefährlichkeit noch steigern."

Im März 1991 wurde ein mit DU-Waffen bestückter Panzer auf dem atomaren Müllabladeplatz von Barnwell in South- Carolina vergraben, drei weitere verschwanden in Saudi-Arabien und in Deutschland unter der Erde. Acht Tage nach Beendigung des Golfkriegs gab die Armeeführung den Soldaten in einem DU-Memorandum erste Anweisungen zum Umgang mit "radioaktiv verseuchten Fahrzeugen".

Im Gefolge der "friendly fire-Affäre" (also dem versehentlichen Beschuß eigener Truppenteile) wurden die USA gezwungen, den Einsatz von DU-Waffen im Golfkrieg zuzugeben. Bei den Operationen "Wüstenschild" und "Wüstensturm" wurden auf dem Schlachtfeld 29 amerikanische Fahrzeuge mit DU verseucht. 21 von ihnen - 6 Abrams-Panzer und 15 Panzer vom Typ Bradley - wurden von DU- Geschossen durchschlagen. Insgesamt kamen durch DU-Munition fünfzehn Soldaten ums Leben, über sechzig wurden verletzt. Da der Irak diesen Geschoßtyp nicht besitzt, mußte das Militär schließlich einräumen, daß es sich um Fehlschüsse der US-Armee gehandelt hatte. Die offizielle Publikation des amerikanischen Heeres Army Times veröffentlichte am 26. Juli 1993 eine detaillierte Aufstellung über die "friendly fire"-Schäden; über die Zahl der Menschen, die an Spätfolgen starben, schwieg sich das Organ aus.

Fünf Jahre nach dem Krieg wurden von den Opfern dieser "Kollateralschäden" dreißig Soldaten im Rahmen des "Depleted Uranium Program" am MD VA Medical Center von Baltimore untersucht. Bei fünfzehn von ihnen stellte man im Urin noch immer eine hohe Radioaktivität fest. Professor Leonard A. Dietz schreibt in seiner Studie über die DU-Verseuchung von Golfkriegsveteranen: "Wenn man nach so langer Zeit noch immer DU feststellt, und sei es in geringen Mengen, so zeigt dies, daß die Dosis vor fünf Jahren recht hoch war." Dennoch "weigern sich die Armee und die Veteranenbehörde, einen Zusammenhang zu sehen zwischen den entstandenen Krankheitssymptomen und den toxisch-radioaktiven Eigenschaften der eingeatmeten und verschluckten Partikel. Bei den meisten Soldaten wurde eine Untersuchung abgelehnt."

Auch im Irak ist eine alarmierende Zunahme bestimmter Krebsarten und bisher unbekannter erblicher Mißbildungen zu verzeichnen. Wieviel DU-Munition im Irak, in Kuwait und in Saudi-Arabien verschossen wurde, ist schwer abzuschätzen. Die US-Streitkräfte feuerten nach eigenen Angaben 14000 DU-Geschosse ab, davon 7000 während ihrer Manöver in Saudi- Arabien vor Beginn des Krieges; außerdem sind 3000 DU-Geschosse, die in einem Munitionslager der US-Armee in Doha (Kuwait) lagerten, durch einen Brand zur Explosion gekommen. Hinzu kommt die DU-Munition der Briten und wahrscheinlich noch anderer Staaten.

Nach einem im November 1991 bekannt gewordenen Geheimbericht der britischen Atomenergiebehörde haben die Streitkräfte der westlichen Verbündeten 40 Tonnen abgereichertes Uran in der Wüste zurückgelassen. Das in Kuwait und im Irak lagernde Uran würde ausreichen, um "500000 Tote" zu verursachen. Neun Jahre nach Beendigung des Konflikts erkranken nach Angaben irakischer Ärzte noch immer ungewöhnlich viele Kinder an Leukämie. Bei den Erwachsenen sind überdurchschnittlich viele Tumor- und Krebserkrankungen zu verzeichnen, und die Zahl der Neugeborenen und abgetriebenen Föten mit fürchterlichen Mißbildungen erreicht erschreckende Ausmaße.

In den westlichen Staaten wurde die Öffentlichkeit erst Jahre nach den ersten Einsätzen von DU-Munition aufgeschreckt, als bekannt wurde, dass sechs italienische Soldaten, die auf dem Balkan im Einsatz waren, an Leukämie gestorben waren. Der Einsatz von DU-Munition durch die NATO wurde für die Toten verantwortlich gemacht. In den folgenden Wochen berichteten zahlreiche Medien über rätselhafte Erkrankungen und Leukämiefälle auch unter Soldaten aus anderen NATO-Staaten, die auf dem Balkan im Einsatz waren. Inzwischen ist Ende Januar 2003 der 19. italienische Soldat an Leukämie gestorben.

Wissenschaftler aus Jugoslawien erklärten damals, sie könnten in Folge der NATO-Angriffe einen starken Anstieg von Krebserkrankungen feststellen. Gedächtnisschwund, Magenschmerzen und Sprechschwierigkeiten - Sympthome die auch beim sogenannten Golfkriegssyndrom auftreten - wurden von Ärtzen verstärkt auch bei ihren Patienten festgestellt, berichteten jugoslawische Medien.

Renommierte bosnische Ärzte berichteten der Presse, es sei sehr wahrscheinlich, dass der drastische Anstieg von Krebserkrankungen und über 200 Todesfälle unter Bewohnern eines Stadtteils von Sarajevo in den vergangenen Jahren mit dem Einsatz von DU-Munition zusammenhinge, die die NATO dort 1994/95 gegen Stellungen serbischer Truppen eingesetzt hatte. Auch aus dem Kosovo drangen Berichte an die Öffentlichkeit, die auf eine drastische Erhöhung von Krebsfällen nach den NATO-Bombardements 1999 hinwiesen. Auch drei Jahre nach den Nato-Luftangriffen auf Jugoslawien im Frühjahr 1999 befinden sich noch immer Partikel von Munition aus abgereichertem Uran in der Luft auf dem Balkan. Zu diesem erstaunlichen Ergebnis kam eine Ende März 2002 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) veröffentlichte Studie.

14 internationale Wissenschaftler haben für die Studie insgesamt 161 Proben untersucht, die an sieben Einschlagorten in Serbien und Montenegro vorgenommen wurden. "Zwei Jahre nach dem Ende des Konflikts fand das Team überraschenderweise immer noch Partikel in der Luft", erklärte Pekka Haavisto, Vorsitzender des UNEP Teams.

Neben der überraschenden anhaltenden Verteilung in der Luft, brachte die Studie ein zweites besorgniserregendes Ergebnis. Die Korrosion der DU-Munition, die oft unentdeckt tief im Boden steckt, gefährdet das Grundwasser:

Trotz dieser Erkenntnisse leugnet die NATO hartnäckig irgendwelche Zusammenhänge. Beim drohenden Krieg gegen den Irak werden bereits DU-Waffen eingeplant: Das britische Verteidigungsministerium hat Ende Januar 2003 bestätigt, für den Fall eines Irak-Krieges schwach strahlende Uran-Munition in die Golfregion gebracht zu haben. Das Material gehört zum Waffenarsenal für einen möglichen Irak-Krieg.@

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Proliferation

Bei der Urananreicherung wird die zivil-militärische Überlappung der Atomtechnologie überdeutlich

von Christina Hacker und Karin Wurzbacher (gekürzt)

Die Verbreitung von Atomwaffen und die weltweiten zivilen Nuklearprogramme stehen in einem engen Zusammenhang, denn die zentrale Voraussetzung für den Bau von Atomwaffen ist der Zugriff auf ausreichende Mengen an spaltbaren Materialien.

Die wichtigsten Waffenstoffe sind Plutonium und hochangereichertes Uran (HEU). Um Plutonium zu gewinnen, wird die Technologie der Wiederaufarbeitung gebraucht.. Die Technologie der Urananreicherung ist notwendig für Herstellung von hochangereichertem Uran. Die "kritische Masse" liegt für HEU, das zu 90% angereichert ist, bei etwa 55 kg. Bei höherer Dichte reicht unter bestimmten Bedingungen sogar eine Menge von ca. 10 kg oder weniger. Bei niedrig angereichertem Uran (LEU), das zu 20% angereichert ist, liegt die kritische Masse bei einigen tausend Kilogramm, was den Bau einer Bombe erheblich erschwert bzw. uninteressant macht.

Urananreicherung und Wiederaufarbeitung sind die sensitivsten Nukleartechnologien. Sie machen die zivil-militärische Überlappung der Nukleartechnologie besonders deutlich. Eine ganze Reihe von Ländern hat bereits Zugriff auf mindestens eine der beiden Technologien (Urananreicherungs- oder Wiederaufarbeitungstechnologie).

In der Liste dieser Länder finden sich alle offiziellen und inoffiziellen Atomwaffenstaaten wieder, daneben Staaten, die früher Waffenprogramme betrieben, wie Brasilien oder der Irak und Südafrika, das tatsächlich über lange Jahre eigene Atomwaffen besaß. Weiterhin haben eine Reihe von industrialisierten Ländern wie Japan, Deutschland, Belgien, die Niederlande und in einem gewissen Maße auch Kanada, Italien und Spanien durch Bestände an sensitivem Nuklearmaterial und/oder durch die Beherrschung von sensitiven Nukleartechnologien, die zur Produktion von Waffenstoffen geeignet sind, eine prinzipielle Atomwaffenfähigkeit erlangt. Argentinien und Nordkorea (in der Vergangenheit auch Taiwan und Schweden) bemühten sich ebenfalls - teilweise erfolgreich - diesen technologischen Stand zu erreichen.

Die prinzipielle Atomwaffenfähigkeit Deutschlands beruht auf folgendem: Mit der Urananreicherungsanlage in Gronau steht die notwendige Technik auch für hohe Anreicherungsgrade von Uran 235 zur Verfügung. Mit der von 1972 bis 1990 betriebenen Experimentieranlage WAK in Karlsruhe wurde - auch wenn die Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf nicht gebaut wurde - technisches Wiederaufarbeitungs-Know-how erlangt. Die deutschen Atomkraftwerksbetreiber haben heute Wiederaufarbeitungsverträge mit ausländischen Firmen in La Hague (Frankreich) und Sellafield (Großbritannien). Derzeit betragen die insgesamt lagernden abgetrennten Plutonium-Mengen etwa 24t. Und bei Abarbeitung aller bisher geschlossenen Verträge wird sich der Plutonium-Bestand noch um weitere 48 t erhöhen.

Proliferationsgefahr

Die zivil-militärische Ambivalenz der Nukleartechnologie birgt die Gefahr der Proliferation, der Abzweigung von Material und Technologie für Waffenprogramme. Man unterscheidet drei Arten der Proliferation:

  • Horizontale Proliferation: Die Gefahr der Verbreitung von Atomwaffen über die bestehenden Atommächte hinaus in weitere Länder
  • Latente Proliferation: Die Gefahr, daß Kernwaffenoptionen technisch offen gehalten bzw. (teilweise) vorbereitet werden
  • Vertikale Proliferation: Die Gefahr der Fortsetzung, Erweiterung, qualitativen Weiterentwicklung von bestehenden Atomwaffenprogrammen
57 Länder betreiben inzwischen Forschungsreaktoren, d.h. sie besitzen erhebliche nukleare Forschungsprogramme, einschlägiges Know-how und geschultes Personal um Waffenprogramme durchzuführen.. 29 Länder - insbes. Industriestaaten - betreiben Leistungsreaktoren, d.h. sie besitzen größere Nuklearprogramme, die durch fortgeschritteneres technologisches Know-how ebenfalls für militärische Ambitionen wesentlich werden können. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf sensitive Technologien, wie die bereits erwähnten Anreicherungs- oder Wiederaufarbeitungstechnologien. Zivile Nuklearprogramme senken die Schwelle zu möglichen Atomwaffenprogrammen, da bei parallel existierenden geheimen militärischen Programmen das Know-how wie auch das Material relativ einfach vom zivilen in den militärischen Bereich überführt werden kann. Zivile Programme können oft unbemerkt als Deckmantel für eigentlich verfolgte militärische Ambitionen dienen (siehe das Beispiel Schweden) Eine klare Grenzziehung zwischen rein zivil nutzbaren und militärischen Programmen ist in der Regel nicht möglich.

Ein weiteres Beispiel, daß dies keine theoretischen Gefahrenbeschreibungen sind, hat der Irak geliefert: In den 80er Jahren ist dort ein zivil-militärisch angelegter Doppelpfad Richtung Atomwaffe verfolgt worden. Auch in Brasilien wurde über viele Jahre ein ziviles Atomprogramm mit deutscher technologischer Unterstützung bei gleichzeitiger Verfolgung eines militärischen "Parallelprogramms" durchgeführt.

IAEO-Kontrollen

Die 1957 gegründete IAEO (Internationale Atom-Energie-Organisation) sollte die zivile Nukleartechnik weltweit verbreiten helfen. Gleichzeitig bekam sie die Aufgabe übertragen, die friedliche Verwendung der Kerntechnik in ihren Mitgliederstaaten zu überwachen.

Dies bedeutete einen neuartigen Eingriff in die Souveränität der Länder und basierte daher auf der Freiwilligkeit von Kontrollen an einzelnen dafür freigegebenen Anlagen. Seit Bestehen des NVV übernahm die IAEO zusätzlich die Aufgabe, die zivile Atomenergienutzung in den Nicht-Kernwaffenstaaten, die Vertragsmitglieder des NVV wurden, zu überwachen. Diese neue Kontrollfunktion bezog sich auf alle Anlagen der betroffenen Länder, war aber auf zivile spaltbare Nuklearmaterialien beschränkt, so daß eine Abzweigung für militärische Zwecke immerhin entdeckbar ist. Inzwischen sind - wie bereits ausgeführt - eine Reihe von Fällen bekannt geworden, die zeigen, daß es Bestrebungen oder regelrecht geheime Programme zur Erlangung von Atomwaffen parallel oder unter dem Deckmantel der rein zivilen Nutzung gab. Trotz der Safeguards, der Überwachungsprogramme der IAEO. Dies betraf NVV-Mitglieder wie Taiwan, Schweden, Irak und wohl auch Nordkorea, sowie einige außerhalb des NVV stehende Länder wie Brasilien und Pakistan.

Allgemein wird angenommen und von der Atomlobby stets energisch ins Feld geführt, die seit 1957 aktive IAEO könne mit ihrem Überwachungs- und Safeguard-System den rein zivilen Charakter weltweit betriebener nicht-militärischer Atomprogramme garantieren. Die IAEO hat hierbei aber ein hausinternes Handicap: Sie hat eine Doppelrolle, ist sie doch Promotor und Überwacher der Atomenergie zugleich. Nach ihrem Selbstverständnis will sie lediglich dafür Sorge tragen, daß eine erfolgte Abzweigung von für signifikant gehaltenen Mengen Nuklearmaterials aus dem zivilen Brennstoffkreislauf in für angemessen gehaltenen Zeiträumen entdeckt werden kann.

Hierbei ist man auf die Kooperation der beteiligten Staaten angewiesen. Wegen ihres Selbstverständnisses und ihres eingeschränkten Mandats konnte die IAEO beispielsweise die jahrelangen Bemühungen des Irak in seinem verdeckt geführten Kernwaffenprogramm nicht wahrnehmen. Das Irak-Beispiel hat aber auch gezeigt, daß gar nicht alles erkennbar war, was dort jahrelang im geheimen militärischen Nuklearprogramm vorbereitet wurde. Auch das Beispiel Nordkorea zeigt, wie wenig ohne vollständige Kooperation des überwachten Landes herausgefunden werden kann. Nordkorea wurde aufgrund von Einschätzungen unabhängiger Experten verdächtigt, möglicherweise ein geheimes Waffenprogramm durchzuführen. Nordkorea bestritt alle Anschuldigungen und drohte, den NVV zu verlassen, war dann aber schließlich doch bereit, Inspektionen zuzulassen. Trotzdem ist es offenbar gelungen, eine unterirdische Atomanlage an sämtlichen Kontrollen vorbei einzurichten.

Die Anlage wurde erst kürzlich vom US-Geheimdienst entdeckt. Die Sicherungsmaßnahmen der IAEO sind nicht geeignet, die Abzweigung von Spaltstoffen für Waffenzwecke frühzeitig zu entdecken. Einem solchen System von Maßnahmen kann bei derart sensitiven Technologien und politisch zum Teil unstabilen Verhältnissen leider kein Vertrauen geschenkt werden. Das ohnehin schwach ausgebildete System von Verfahren technischer Überwachung muß prinzipiell lükkenhaft bleiben. Es kann daher keine sichere Abgrenzung ziviler Programme von einer möglichen militärischen Nutzung gewährleisten.

Defizite der Safeguards

Nur etwa die Hälfte der weltweit existierenden Plutoniummengen im zivilen Bereich und ebenfalls nur etwa die Hälfte der wesentlichen zu überwachenden Nuklearanlagen weltweit werden überhaupt von Sicherungsmaßnahmen der IAEO erfaßt. Dies liegt zum Teil daran, daß einige Länder mit vielen kerntechnischen Anlagen dem NVV nicht beigetreten sind. Dazu zählen die "neuen" Atomwaffenstaaten Indien und Pakistan und der de-facto-Atomwaffenstaat Israel. Es liegt aber auch daran, daß die zivilen Anlagen der fünf offiziellen Atomwaffenstaaten gemäß NVV keinem Überwachungszwang unterliegen. Diese Länder lassen freiwillig nur einen Teil ihrer Anlagen von der IAEO inspizieren.

Bisher darf die IAEO nach der Unterzeichnung eines anlagenbezogenen Überwachungsvertrages mit dem Betreiberland die Inspektionen erst beginnen, wenn die erste deklarierte Produktion oder Lieferung von Nuklearmaterial in der Anlage stattfindet. Solange offiziell stillgelegte Anlagen nicht bis zu ihrem Abbau überwacht werden und die Zutrittsrechte von Inspektoren beschränkt sind, bleiben auch hier die Kontrollen lückenhaft.

Ein großes Problem bereitet das Konzept der Spaltstoffbuchführung. Solange das Plutonium in Brennelementen eingeschlossen ist, kann es durch Abzählung der Brennstäbe überwacht werden. Sobald das Material aber abgetrennt ist, treten bei jeder Inventarmessung unvermeidlich Meßfehler auf, die sich summieren. Eine genaue Angabe der Plutoniummenge im abgebrannten Brennelement ist nicht möglich. Es ist also nicht davon auszugehen, daß die Plutoniumabtrennung und -nutzung ausreichend sicher überwachbar sind. Die Safeguards können trotz aller Verbesserungsmöglichkeiten aus technischen Gründen nicht genügend Sicherheit geben. Die Mängel der IAEO beziehen sich zum Teil auf Bereiche, die im Prinzip behebbar wären, wie die unvollständige Abdeckung der weltweit vorhandenen Nuklearanlagen mit Überwachungsmaßnahmen. Auch die Schwächen der Konzeption selbst, die sich im wesentlichen auf die Überwachung des Spaltstoffflusses und nicht so sehr auf die Technologien bezieht, und Schwächen der Überwachungspraxis wären mit tiefgreifenden Reformen der IAEO weitgehend ausräumbar.

Aber es bestehen auch prinzipielle Mängel, die technisch unüberwindbar sind. Dies bezieht sich auf "bulk-handling facilities", in denen spaltbare Materialien in nicht genau quantifizierbaren Mengen gehandhabt werden. Daher ist die Überwachung von Urananreicherungsanlagen, Brennelementfabriken und insbesondere von Wiederaufbereitungsanlagen so unvollständig, daß die Entdeckbarkeit von Abzweigungen signifikanter Mengen waffengrädiger Materialien zweifelhaft erscheinen muß. @

Unser Fazit

Der zivil-militärischen Ambivalenz der Atomtechnologie kommt man nur bei, wenn man ihre zivile Verwendung beendet

aus Christina Hacker, Karin Wurzbacher : "Nuklearwaffen weltweit"

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Spätfolgen

von Stefan Buchenau

Und als wieder einmal ein Krieg zu ende war, kamen die Sieger nach Haus. Dieses Mal war klar, wer gewonnen, wer verloren hatte. Die Sieger hielten das Land der Verlierer besetzt, organisierten das Leben nach dem Krieg, eine neue Verwaltung, Wahlen, ver-sprachen, die marode Wirtschaft durch Aufträge sanieren zu helfen.

Es war nämlich ein etwas eigenartiger Krieg gewesen, ein Krieg gegen den Krieg so-zusagen und gegen einen Bösen Diktator, der sein ganzes Volk als Geisel genommen hatte. Nun konnte zwar niemand genau erklären, wie das einem Diktator gelingen konnte, wenn große Teile des Volkes nicht wenigstens ein klein wenig mithelfen würden. Außerdem hatte der Diktator genau genommen zwar einige Kriege angefangen, aber geschossen hatte nicht er, sondern junge Männer seines Volkes, und viele von ihnen hatte man ganz und gar nicht dazu zwingen müssen. Es schien im Gegenteil nicht wenige zu geben, die mit Eifer und besonderem Einsatzwillen nicht nur an den diversen Fronten kämpften, sondern sich auch bei der Vertreibung, der Ausplünderung und beim Versuch, ehemalige Nachbarn, die zufällig einem anderen Volk angehörten zu quälen und umzubringen, gerne und mit viel Ideenreichtum beteiligten. Alles in allem handelte es sich bei dem Bürgerkrieg, der dem großen, internationalen Krieg voranging, um eine sehr unübersichtliche Sache, die, um nicht zu viele Fragen nach dem Sinn oder Unsinn eines Eingreifens aufkommen zu lassen, einfach auf den gerechten Kampf gegen einen Kriegslüsternen Diktator reduziert wurde.

Das hatte den gewünschten Erfolg. Leute, die beharrlich darauf bestanden, daß man Krieg nicht mit Krieg bekämpfen konnte, schon gar nicht einen solchen, und schon gar nicht so, wie es vorgesehen war, nämlich hauptsächlich vom Flugzeug aus ... diese Leute mußten sich plötzlich als Komplizen des Diktators beschimpfen lassen. Dagegen galten die, die dafür eintraten, Land und Leute so lange zu bombardieren, bis endlich Ruhe eingekehrt war, als die wahren Friedensfreunde. Und so wurde der Streit entschieden, die Friedensfreunde mobilisierten ein gewaltiges Waffenarsenal und bombten und schossen monatelang auf alles, was aus der Luft aussah, als würde es sich im Dienst des Diktators bewegen. Der Diktator selbst wurde allerdings nicht getroffen, auch kaum einer seiner engsten Verbündeten. Die nutzten die Zeit während und nach der großen humanitären Schlacht, um größere Vorräte an Geld und sonstigen Wertgegenständen in neutralen Banktresoren neutraler Länder zu deponieren.

Der Krieg endete, wie zu erwarten war, mit der fast völligen Zerstörung des Landes und dem Sieg der Friedensfreunde. Viele von ihnen beschäftigten sich noch Jahre später damit, im Auftrag internationaler Organisationen, alles das, was sie eben noch mit großem Aufwand aus der Luft zerstört hatten, nun beinahe selbstlos wieder aufzubauen. Die einfachen Soldaten der Sieger waren größtenteils gesund und wieder daheim- bis auf einige wenige, die sich auf einmal merkwürdig schlapp fühlten. Als die ersten von ihnen starben, stellte sich bald heraus, daß sie, obwohl verschiedener Herkunft, alle dieselbe Krankheit hatten: Leukämie. Nach intensiven Forschungen entdeckte man bald eine mögliche Ursache: Alle Erkrankten hatten mit radioaktiver, und dadurch besonders durchschlagkräftiger Munition - nein, nicht einmal selbst geschossen. Sie hatten sie nur verladen, transportiert, gelagert, kurz: Sich lange genug in der Nähe aufgehalten.

Was für ein Skandal, was für eine Fundgrube für ausführliche Forschungsarbeit verschie-dener Labors. Der Skandal schlug internationale Wellen, Diplomaten stritten sich mit Ärzten, diese mit Forschern, diese mit Generälen und alle Medien berichteten, wo immer möglich sogar life vom Krankenbett. Die Forscher bekamen neue Etats, neue Laboreinrichtungen, neue Kontakte zu verschiedenen Rüstungsfirmen. Nach langem hin und her bekamen einige Hinterbliebene größere Entschädigungen unter der Bedingung, daß sie sich in Zukunft etwas ruhiger verhielten.

Und da, wo die Geschosse noch Jahre später massenhaft in Gebäuden und im Boden steckten, ging das neue Leben, das Leben nach dem Sieg über den Diktator, einfach weiter.@

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Ende