Hinweise zur Transportstrecke, speziell Lüneburg-Dannenberg-Gorleben:
So kommen die Castoren nach Gorleben

Auf dieser Seite gibt es einige Erläuterungen zur Transportstrecke (im norddeutschen Raum), speziell zu den beiden letzten Abschnitten (Schienenstrecke Lüneburg-Dannenberg und anschließende Straßenstrecke Dannenberg-Gorleben)

  • Gorleben liegt im nordöstlichen Niedersachsen, direkt an der Elbe
  • gehört zur Samtgemeinde Gartow im Landkreis Lüchow Dannenberg
  • wurde als Standort für diverse Atomanlagen ausgewählt, weil es damals unmittelbar an der Zonengrenze lag - praktisch am Ende der Welt und sehr weit in das DDR-Gebiet hineinreichend
  • ist verkehrstechnisch sehr schlecht angebunden
  • ist von Hamburg 110 km entfernt (Luftlinie ca. 8 Flugminuten)
  • ist von Hannover 130 km entfernt (Luftlinie; ca. 9 Flugminuten)
  • ist von Berlin 150 km entfernt (Luftlinie; ca. 10 Flugminuten)

Bei der Eisenbahnlinie Lüneburg - Dannenberg (Ostbahnhof) handelt es sich um eine eingleisige nicht-elektrifizierte "Bimmelbahnlinie", bei der der (normale) Verkehr vor den Castortagen" eingestellt wird. Wären nicht die Castortransporte, so hätte die Bahn diese Strecke längst stillgelegt, denn die (parallele) Busverbindung ist kaum langsamer. Von Lüneburg nach Dannenberg sind es auf der Bahnstrecke ca. 54 km, der von der DB eingesetzte Dieseltriebwagen braucht dafür 1 Stunde und 9 Minuten, woraus sich eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von knapp 47 km/h ergibt. Die Höchstgeschwindigkeit wird also vermutlich 60 km/h betragen.

Zumindest für den Castortransport im März 2001 kam vor dem Amtsgericht Lüneburg heraus, dass der Castorlokführer die Order hatte auf Sicht", maximal aber 40 km/h zu fahren.

Kommt der Zug im Großraum Hannover an, führt der kürzeste Weg über Lehrte, Celle, Uelzen und Bad Bevensen nach Lüneburg (200 km/h-Strecke). Dort muß dann die Fahrtrichtung gewechselt werden bzw. es müssen u.U. Rangierarbeiten ausgeführt werden (März 2001).

Die 8 "Bahnhöfe" sind von Lüneburg nach Dannenberg gesehen übrigens bei Wendisch Evern, Vastorf, Bavendorf, Dahlenburg, Neetzendorf, Göhrde, Leitstade und Hitzacker. Diese Haltestellen sind von den entspr. Orten jedoch oft mehrere Kilometer entfernt. Der Dannenberger Verladebahnhof, auf dem die Castorbehälter von den Bahnanhängern auf die Sattelschlepper für den Straßentransport umgeladen werden, befindet sich noch wenige hundert Meter weiter östlich des Dannenberger (Ost-)Bahnhofs, also der normalen Endstation.

Für den ca. 20 km langen Straßenabschnitt von Dannenberg nach Gorleben gibt es zwei typische Transportrouten (auf denen auch jeweils [z.B März 2001 und Nov. 20011 die Demoverbote 150 m Abstand] gelten): Die Nordroute (s.a. entspr. Detail-Karte der nds. Polizei) geht von Dannenberg zunächst ein Stück auf der B191, dann über Ouickborn, Kacherien, Langendorf, Grippel, Pretzetze und Laase nach Gorleben. Zwischen Quickborn und Kacherien ist alternativ eine kleine südliche Umleitung möglich ("v"-förmiger Umweg). Die südliche Transportstrecke führt von Dannenberg über Splietau, Gusborn, dann wieder Pretzetze und Laase nach Gorleben


Wie kommt der Castorzug nach Lüneburg?

Die Castorzüge mit Atommüll aus den "Wiederaufarbeitungsanlagen' bzw. Plutoniumfabriken La Hague (Frankreich) oder Sellafield (England) kommen i.d.R. in Süddeutschland über den deutsch-französischen Grenzbahnhof Lauterbourg/Wörth (Baden-Württemberg) ins Bundesgebiet. Von da aus gibt es diverse Varianten für die Fahrt Richtung Norden nach Hessen. Über Göttingen im Süden Niedersachsens ist der Weg zwar am kürzesten, bei den beiden 2001-Castoren hat man die Stadt jedoch aus Angst vor den Göttinger Atomkraftgegnern umfahren.

Alternativstrecke: Über Großraum Bremen und Maschen nach Lüneburg: Möglicherweise kommt der Castorzug auch weiter westlich aus dem Großraum Bremen (Verden/Aller oder direkt Bremen [falls die Route durch das Ruhrgebiet ging]). Dann kann er als eine Variante die Hauptstrecke Richtung Hamburg nehmen (200 km/h-Strecke), über Rotenburg (Wümme), Tostedt und Buchholz bis nach Maschen (großer Rangierbahnhof; linke obere Ecke auf der Karte). Dort wird dann eine Richtungsänderung erforderlich und die Fahrt geht weiter nach Süden über Winsen/Luhe nach Lüneburg. Dies war der Weg im November 2001.

Alternativstrecke: Über Großraum Bremen und Soltau-Uelzen nach Lüneburg: Aus dem Großraum Bremen ist auch die direkte Fahrt Richtung Osten über die nicht-elektrifizierte Nebenbahn-Strecke nach Uelzen möglich (über Langwedel, Soltau, Munster und Ebstorf). in Uelzen muß dann die Fahrtrichtung gewechselt werden. Diese Richtungsänderungen können u.U. sehr schnell erfolgen, da sowohl Räumzug (Vorzug) als auch der eigentliche Castorzug jeweils vorne und hinten mit den russischen Dieselloks "Ludmilla" bespannt sind. Der Atomzug kann übrigens auch von Hannover nach Soltau fahren (über Schwarmstedt, Walsrode, Fallingbostel; Strecke westlich der A7, s.o.) und dann die vorgenannte Strecke über Munster und Ebstorf nach Uelzen nehmen. Übrigens fuhr der Atommüll schon einmal über Soltau, Munster, Ebstorf und Uelzen nach Lüneburg.

Unwahrscheinlichere Alternativstrecken: Ein "Ost-Umweg": Denkbar ist auch, daß die Bahn mal eine ganz neue Strecke nimmt und die vorbereiteten Atomkraftgegner in Niedersachsen etc. narrt. So könnte man auch mit einem großen (räumlichen, aber nicht unbedingt zeitlichen) Umweg über Ostdeutschland rechnen. Dort gibt es sowieso weniger Proteste, denkt die Polizei, und mit dem entspr. Überraschungseffekt würde es bei einem Ost-Umweg wohl keinerlei Behinderungen geben. Der Castorzug käme dann wohl über Stendal, Salzwedel und Wieren nach Uelzen (160 km/h-Strecke).

Unwahrscheinlichere Alternativen: Umladen Schiene/Straße - anderer Ort als Dannenberg möglich? Das bisherige Szenario geht davon aus, daß die Bahnstrecke Lüneburg - Dannenberg befahrbar ist und damit die große Anlage am Dannenberger Verladebahnhof benutzt werden kann, um die Castoren von der Schiene auf die Straße zu bekommen. Falls dies nicht der Fall ist oder aus anderen Erwägungen, könnte das Umladen der Castorbehälter vom Atommüllzug auf die Tieflader-LKWs ggf. an anderer Stelle erfolgen, vielleicht in Lüneburg. Ob dies hinzubekommen ist und wie wahrscheinlich das ist, bleibt fraglich. Der Straßentransport müßte dann die Bundesstraße von Lüneburg nach Dannenberg nehmen. Daneben wurde die sog. diskutiert: Schon im Jahr 2000 überlegte man, den Castorzug bis nach Geestgottberg (Sachsen-Anhalt) zu bringen und dort auf die Straße zu verladen und z.B. über Arendsee und Schmarsau nach Gorleben zu bringen [ca. 50 km]. Geestgottberg ist auf der Karte oben gerade nicht mehr eingezeichnet. Geestgottberg liegt einige Kilometer südlich von Wittenberge an der Bahnstrecke Stendal - Osterburg - Seehausen - Wittenberge. Theoretisch kann man Geestgottberg auch über die Bimmelbahnstrecke Salzwedel-Arendsee-Wittenberge erreichen (ebenfalls letzter Bahnhof vor Wittenberge). Dann wäre aber auch ein Verladen (von der Schiene auf die Straße) in Arendsee denkbar.


Geschwindigkeit Castorzug

Der Castorzug fährt wohl - soweit möglich - bis Lüneburg i.d.R. durchgehend mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Es gibt eine sehr gute Deutschlandkarte der Bahn mit übersichtlicher Darstellung sämtlicher Strecken (i.d.R. irrelevante kleinere Nur-Güterzug-Strecken fehlen). Zur Beurteilung, welche Strecken der Zug nehmen kann und wann er wo ankommen könnte, unbedingt zu empfehlen ("Übersichtskarte für den Personenverkehr"; 8 DM bei den meisten Fahrkartenschaltern)!

Tankstop in Bebra: Typischerweise legt der Castorzug einen Zwischenstop ein, um Lokführer zu wechseln und Diesel nachzutanken, z.B. in Bebra. Im November 2001 war die Bahn endlich so clever, zusätzlich zu den Dieselloks noch eine E-Lok an den Zug-Anfang und eine E-Lok ans Zugende zu spannen. So hat man gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen: Der Lokführer konnte in einer modernen Lok (Baureihe 152; mit LZB 80) sitzen, Auf einen kleinen Teil der Kritik von querstellen.de an den Schrott-Castorzügen wurde also reagiert. Und am wichtigsten: Da die Dieselloks nur gezogen werden müssen kann man auf einen Tankstop verzichten!

Das"ICE Strecken"-Märchen (Hannover-Hamburg): Auf der Hauptstrecke von Hannover nach Hamburg (über Celle, Uelzen, Lüneburg) verkehren zwar zahlreiche ICEs, es handelt sich aber nicht, wie z.B. von Polizeiseite oft behauptet bzw suggeriert wird, um eine sogenannte ICE-Strecke im Sinne einer ICE-Neubaustrecke (wie z.B. von Hannover über Kassel nach Würzburg). Vielmehr ist es eine Ausbaustrecke, auf der schon seit Jahrzehnten ICs genauso schnell fahren wie heute die ICEs, nämlich maximal 200 km/h. Die ICEs fahren also nicht die üblichen 250 (ggf. bis 280 km/h): Die 5 km Bremsweg, die Polizeieinsatzleiter Hans Reime nennt, sind so oder so abwegig. Es gibt einen Bremsweg von 4.820 m, auf den er sich wohl bezieht, aber der ist der "normale Bremsweg" aus 250 km/h, wohl wenn der Zug vor dem nächsten regulären Halt bremst. Der Schnellbremsweg von 250 km/h auf 0 beträgt beim ICE 2300 m. Daraus ergibt sich bei 200 km/h ein Bremsweg von 1.472 m, bei 160 km/h deutlich unter einem Kilometer. Trotzdem ist er immer noch so lang, daß zu direkten Protestaktionen nicht geraten werden kann. Vorsicht: Auch die InterRegios fahren auf der Strecke mit maximal 200 km/h.

Zu den Entfernungsangaben: Die neben der Deutschlandkarte angegebenen Entfernungen sind Luftlinien, weil diese Werte bei Austritten von Radioaktivität oder bei Anflügen gekaperter Flugzeuge natürlich relevanter sind als irgendwelche Straßen-Verbindungen. Wegen der schlechten Verkehrsanbindung sind bei der PKW-Anreise etliche Kilometer hinzuzurechnen, speziell aus Richtung Hannover und Berlin. Die Flugzeiten ergeben sich bei den üblichen 900 km/h und zeigen, daß ein in Hamburg oder Hannover gestartete gekaperte Maschine z.B. von Abfangjägern niemals aufgehalten werden kann.

Weitere Alternativstrecken nach Lüneburg: Nichts ist unmöglich... ? Die nicht-elektrifizierte Bimmelbahn-Strecke von Uelzen Richtung Braunschweig (über Wieren, Wittingen, Gifhorn) ist z.T. dermaßen kaputt (z.B. Langsamfahrstellen mit Fahrradgeschwindigkeit), da Schwertransporte dort mit Sicherheit nicht fahren dürfen. Aber das stört evtl. niemanden. Da der Deutschen Bahn, der DB Cargo, deren Tochter für Atomtransporte, dem BfS/BMU und (Polizei/BGS im Hinblick auf die Sicherheit der Schienentransporte nach bisherigen Erfahrungen praktisch alles zuzutrauen ist, sei noch der Hinweis erlaubt, daß einige private Museumseisenbahnstrecken oben in der Karte fehlen.

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