Notizen aus der Atomwirtschaft

(aus dem Zeitraum 01.04.99 bis 30.04.99; zusammengestellt von Jürgen Siebert, aaa)
Hinweis: Das `Q:' am Ende der jeweilgen Artikel weist auf die ursprüngliche Quelle der Notiz hin.

Australiens Uran

Cameco Australia will in 1999 ca. 2,5 Mio. US-Dollar für ein neues Programm zur Erkundung von Uranlagerstätten aufwenden. Das Programm beinhaltet Lizenzen zur Erkundung an zwei Orten im westlichen Australien und fünf im nördlichen Landesteil. (Q: Cameco Australia)

Paladin Resources ist wieder in Kaufverhandlungen um die Uranlagerstätte Manyingee (West-Australien) eingetreten. Verkäufer: Afmeco und Urangesellschaft Australia. (Q: Paladin Resources)

Forschungsreaktor für Australien

Umweltminister Robert Hill hat eine ökologische Unbedenklichkeit für den neuen Forschungsreaktor Lucas Heights gegeben, der den 40 Jahre alten Reaktor HIFAR ersetzen soll. Bei Lukas Heights handelt es sich um einen 20 MWt Schwimmbadreaktor, der mit 20% angereichertem Uran betrieben wird. (Q: UIC Weekly News, 2 April)

Cogema macht Kasse

Die Cogema-Gruppe (Frankreich) hat 1998 Netto-Gewinne in Höhe von 194 Mio. US-Dollar gemacht, 13% mehr als 1997. (Q: COGEMA)

Spanien hilft China

Von der Equipos Nucleares (Ensa) Spanish factory wurden zwei Dampfgeneratoren für das chinesische AKW Qinshan-2 geliefert; die Generatoren wurden von Westinghouse entwickelt. Zwei weitere Dampfgeneratoren für das AKW Qinshan-3 werden ebenfalls von der Ensa und der Shanghai Boiler Works hergestellt. (Q: Nucleonics Week)

China: AKW Lingoa fast fertig

Die Hauptarbeiten am Containement und am Reaktordruckbehälter des AKW Lingao-1 sind abgeschlossen. (Q: NucNet News)

Sellafield streicht Jobs

BNFL will in der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield innerhalb der nächsten zwei Jahre 500 Stellen streichen. (Q: Independent)

Bangladesh will AKW

Weil Energiemangel herrschen soll, hat die Regierung von Bangladesh jahrzehntealte Pläne für den Bau eines 600MW AKW aus der Schublade geholt. Bereits 1961 wurde der Bauplatz gekauft  und die Regierung hat jährlich 41.000 US-$ aufgewendet, um den Platz zu erhalten und insgesamt fünf Durchführbarkeitsstudien zu erstellen. (Q: Nucleonics Week)

Japan-USA-Connection

Die japanischen Firmen Hitachi und Toshiba sowie General Electric aus den USA haben ein Joint-Venture zur Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Brennstäben verabredet. Die Brennstäbe sollen in den Fabriken der Japan Nuclear Fuels und General Electric in Japan und den USA produziert werden. Japan Nuclear Fuel gehört zu 40% der General Electric, je 30% halten Hitachi und Toshiba. (Q: Reuters)

Deutscher Atommüll-Transport in die USA

Anfang April berichtet Nucleonics Week, daß Atommüll aus deutschen Forschungsreaktoren über Dänemark in die USA transportiert wurde. (Q: Nucleonics Week)

Süd-Korea in Eile

KEPCO hat berichtet, daß die Fertigstellung des AKW Yonggwang-5 in Rekordzeit erfolgt. Die kommerzielle Nutzung soll Anfang 2002 beginnen. Der Reaktordruckbehälter soll innerhalb eines Monats fertiggestellt worden sein.

Die zwischenzeitlich aufgetretenen Zahlungsschwierigkeiten (KEPCO hatte die Zahlungen an den Hersteller ABB eingestellt) sind scheinbar behoben. (Q: Nucleonics Week)
Darüber hinaus  sollen vier neue Reaktoren bestellt werden. Zwei Candu-9 PHWRs von AECL, die in der Nähe des AKW Wolsong-4 gebaut werden sollen. Zunächst sollten sie Bonggil genannt werden, nunmehr aber Shin-Wolsong. Zwei PWRs, hergestellt von ABB-CE, sollen in der Nachbarschaft des AKW Kori gebaut werden. (Q: Nucleonics Week)

Framatome verliert

Framatome hat 1998 nur 92 Mio. Euro Gewinn gemacht. Im Vorjahr waren es noch 151 Mio. Euro. (Q: Financial Times)

Thailand will auch AKW

1997 wurde die Pläne wegen der Finanzkrise gestoppt; nun aber will die Regierung diese wieder aus der Schublade holen. Auch die Pläne für den Bau eines 10MW-Forschungsreaktors (General Atomics hatte 1997 die Ausschreibung für den Bau gewonnen) soll realisiert werden. (Q: Nucleonics Week)

Atommüll für Russland

Im Mai soll im russischen Parlament über die Pläne diskutiert werden, ausländischen Atommüll gegen gute Devisen ins Land zu holen. Nach Aussage des russischen Atomenergieministers Adamov sollen die abgebrannten Brennstäbe importiert werden, damit Russland einen aktiven Part im weltweiten Markt für Wiederaufarbeitung spielen kann. Ausschließlich Atommüll will Adamov ausdrücklich nicht importieren. (Q: NucNet News)

Trockenlager am AKW Leningrad

Zum Jahr 2003 soll ein neues Trockenlager für Brennelemente am AKW Leningrad erstellt werden. Der Bau soll ähnlich dem am AKW Ignalina in Litauen sein, welches von Atomic Energy of Canada Ltd. gebaut wird. (Q: Nuclear-Fuel)

Neues Proliferationsrisiko

Nach Aussagen von David Albright vom Washingtoner Institut for Science an International Security stellen die radioaktiven Isotope Neptunium 237 und Americium 241 eine neue Gefahr für Proliferation dar. Diese Stoffe können in der WAA extrahiert werden. Neptunium 237 wurde bereits für die Verwendung in Atomwaffen getestet. (Q: WISE News Communique)

RWE baut um

Die RWE Energie AG hat eine Handelsabteilung eröffnet, um Strom, Gas und Öl innerhalb Europas handeln zu können. Die neue Firma RWE Energy Trading Ltd. wird mit Büros in London und Essen vertreten sein. (Q: Ux Weekly)

Neuer Transportbehälter

Der französische Transportbehälter TN-MTR soll für den Transport von Brennstäben aus Forschungsreaktoren dienen. Ein erster Transport soll vom belgischen Reaktor BR2, wo 350 Brennelemente auf den Transport warten, nach La Hague erfolgen. (Q: NuclearFuel)

Proteste in Süd-Afrika

Gegen Eskom's Pebble Bed Modular Reactor (PBMR)-Programm wurde in Johannesburg und Cape Town demonstriert. Die Earthlife Africa Group fordert den Bau neuer AKW zu stoppen. Schalk de Waal, Nuklear-Direktor im Department of Minerals and Energy erklärte, daß Atomenergie in Süd-Afrika derzeit nicht benötigt würde, aber es sei eine Option für die Zukunft. (Q: African National Congress Daily News Briefing)

Störfall in Indien

Einige der Personen, die im Vergangenen Monat bei Reparaturarbeiten an einem Leck im AKW Madras mit Schwerem Wasser in Verbindung gekommen sind, haben eine übermäßige Dosis von Tritium abbekommen. (Q: The Hindu)

AKW Kozloduy NATO-bombensicher?

Im bulgarischen AKW Kozloduy wurden wegen der bevorstehenden Überfluggenehmigung von NATO-Bombern spezielle Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Das AKW ist nur 62 km von der Grenze zu Jugoslawien entfernt. Die Maßnahmen umfassen u.a. die Installation eines Flugabwehrsystems und Barrieren auf der Donau um Öl und Trümmer abzufangen. Darüberhinaus ist erwogen worden, einen der älteren Reaktoren vorübergehend abzuschalten. (Q: Reuters, 22 April)

Schleswag zeigt sich sensibel

Die Schleswag AG - eine Tochter der PreussenElektra - sorgt sich um ihr Image. Mit der Installation eines Offshore-Windparks ist nach Ansicht der Schleswag derzeit nicht unbedingt zu rechnen. Gerade bei erneuerbaren Energien müsse man aufpassen, daß die Akzeptanz nicht flöten gehe, wie Bürgerinitiativen gegen Windkraftanlagen zeigten. Wäre die Schleswag nur auch so sensibel in Sachen Brokdorf gewesen! (Q: Kieler Nachrichten; Kommentar: aaa)

Contigas übernimmt Evo-Anteile von der Bayernwerk

Die Contigas Deutsche Energie AG übernimmt die Evo Energieversorgung Oberfranken AG vollständig. Contigas halte bereits 44,4 Prozent an der Evo und werde die übrigen Anteile von der Bayernwerk AG, die wiederum zu 97,1 Prozent an der Contigas beteiligt ist, übernehemen, teilte die Bayerngas-Mutter Viag mit. Zu diesem Zweck sei beabsichtigt, daß Grundkapital der Contigas um rund 30,3 Millionen DM auf rund 230,3 Millionen DM zu erhöhen. Die neuen Aktien würden durch die Bayernwerk AG gegen Einbringung der Beteiligung an der Evo als Sacheinlage übernommen. Nach der Kapitalerhöhung werde die Beteiligung der Bayernwerk an der Contigas 97,5 Prozent betragen. Durch die Übernahme der Evo-Anteile durch die Contigas werde die Struktur des Bayernwerk-Konzerns weiter optimiert, da die Evo-Beteiligung dann ausschließlich durch Contigas gehalten werde. Die Aufsichtsräte hätten dem Vorhaben bereits zugestimmt. Über die Kapitalerhöhung würden die Aktionäre der Contigas auf der Hauptversammlung am 18. Juni beschließen, hieß es. (Q: Reuters)

Metro und Bayernwerk starten Stromhandel

Die Bayernwerk AG, München, und die Metro AG, Köln, haben eine gemeinsame Tochtergesellschaft für den Stromhandel gegründet. Die EuroPower Energy GmbH, Frankfurt, wird zunächst industrielle und gewerbliche Kunden mit einer jährlichen Stromrechnung von mehr als 60.000 Mark mit Strom beliefern. Die benötigten Mengen wird EuroPower überwiegend von deutschen Versorgern, aber auch aus dem europäischen Ausland beziehen. Privatkunden gehören in der Startphase noch nicht zur Zielgruppe, da in diesem Segment erst noch die Voraussetzungen für den uneingeschränkten Wettbewerb geschaffen werden. Das junge Unternehmen firmiert als Tochtergesellschaft der BHS Holding, Düsseldorf, und ist mit einem Stammkapital von einer Mio Euro ausgestattet. Die Ziele sind hoch gesteckt: Die neue Stromhandelsgesellschaft will mit Dienstleistungen und technischen Speziallösungen eine führende Rolle im deregulierten Energiemarkt spielen. (Q: TAM-Online)

Bewag und Telekom

Die Bewag AG, Berlin, und die Deutsche Telekom Immobilien Service GmbH haben einen neuen Stromliefervertrag mit einer Laufzeit von fünf Jahren unterzeichnet. Wie die Bewag mitteilte, werden die von der DeTe Immobilien in Berlin betreuten Standorte und Einrichtungen der Deutschen Telekom AG mit jährlich rund 110 Gigawattstunden Strom beliefert.

Kasper im Vorstand der EnBW

Der derzeitige Vorstandschef der Energie Baden-Württemberg (EnBW) Kraftwerke AG, Klaus Kasper, ist in den Vorstand der EnBW AG berufen worden. Kasper sei vom Aufsichtsrat mit Wirkung zum 1. Mai und auf fünf Jahre in das Gremium berufen worden. Seine übrigen Funktionen im EnBW-Konzern werde Kasper in absehbarer Zeit abgeben. Den Angaben zufolge ist Kasper auch im Vorstand der EnBW Badenwerk AG.

Privatisierung der EnBW

Die Ausschreibung von 25,1% des Anteils an EnBW zeigt deutlich, wohin der Zug in Zukunft gehen wird: Liberalisierung verstärkt Monopolisierung. Die Bieter: Bayernwerke AG, VEW AG und auch die französische EdF. Eine Entscheidung ist bald zu erwarten.

PreussenElektra 1998

Der PreussenElektra-Konzern hat 1998 das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr weiter verbessert. Die Umsatzerlöse beliefen sich auf insgesamt 16 Milliarden DM. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit stieg gegenüber 1997 um 10,5 Prozent auf 3,4 Milliarden DM. Nach Steuern verbleibt ein Jahresüberschuß von 2,3 Milliarden DM. Davon wurden 680 Millionen DM Dividende an VEBA gezahlt und 1,35 Milliarden DM in die Rücklagen eingestellt.

Der Stromabsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent auf 106,2 Milliarden Kilowattstunden. Damit wurde der bisherige Rekordwert von 1996 in Höhe von 105,3 Milliarden Kilowattstunden übertroffen. Die Lieferungen an Tarifkunden gingen leicht zurück. Mehr als ausgeglichen wurde dieser Rückgang durch einen deutlichen Zuwachs der Stromlieferung an Versorgungsunternehmen außerhalb des Netzbereiches der PreussenElektra sowie an Sondervertragskunden.

Mit 2,9 Milliarden DM blieben die Investitionen deutlich unter denen des Vorjahres. Einen Schwerpunkt bildete der Zukauf von Anteilen an der Mainova Aktiengesellschaft. Rund eine Milliarde DM floß in den Ausbau der Strom- und Fernwärmeverteilungsanlagen. Die Investitionen für den Bereich der Strom- und Fernwärmeerzeugung betrugen 263 Millionen DM und wurden überwiegend für Wirkungsgradverbesserungen und die Umstellung auf Importkohleeinsatz bei bestehenden Kraftwerken eingesetzt. Die Investitionen für Gas- und Wasseranlagen sowie für Abfallverwertung und Entsorgung gingen leicht zurück und beliefen sich auf insgesamt 489 Millionen DM. (Q: PreussenElektra Online)

PreussenElektra Vorstand

Seit dem 01.12.98 ist Heinz Dieter Waffel neues Vorstandsmitglied; er verantwortet die Bereiche Handel, Vertrieb und Marketing. Waffel war viele Jahre beim amerikanischen Energieversorger TVA tätig und bringt wertvolle Erfahrungen aus der dortigen Liberalisierung mit.

Dr. Walter Hohlefelder, bislang Generalbevollmächtigter bei VEBA, hat zum 01.04.99 die Verantwortung für die Bereiche Kernenergie und Recht übernommen.

Dr. Fabian ist zum 31.03.99 aus dem Vorstand ausgeschieden; er bleibt weiterhin Vorsitzender der Geschäftsführung von PreussenElektra Kernkraft. (Q. PreussenElektra Online)

Unregelmäßigkeiten und andere Störfälle

AKW Cattenom (Frankreich): Die Stromerzeugung im französischen AKW Cattenom soll wegen des 1999 voraussichtlich geringeren Stromverbrauchs zurückgefahren werden. Dies teilte die Staatskanzlei in Saarbrücken mit. Es sei geplant, einen oder mehrere Blöcke des aus vier Blöcken bestehenden AKW insbesondere an Wochenenden und Feiertagen abzuschalten. (Q: dpa)
AKW Kola (Russland): Der Diebstahlversuch eines Mitarbeiters in dem russischen AKW Kola hat zu der automatischen Abschaltung des Reaktors geführt. Der Mann hatte versucht, Öldrucksensoren eines Generators zu entwenden, wie der Inlandsgeheimdienst FSB den russischen Nachrichtenagenturen mitteilte. Die Sensoren wollte er auf dem freien Markt verkaufen. (Q: dpa, 18.04.99)
AKW Smolensk (Russland): Radioaktiver Dampf ist aus dem Atomkraftwerk im westrussischen Smolensk ausgeströmt. Die Nachrichtenagentur Itar-Tass berichtete unter Berufung auf die Aufsichtsbehörde für die Sicherheit von Kernkraftwerken, daß der radioaktive Wasserdampf bereits am Freitag durch das Belüftungssystem entwichen sei. Die Höhe der Strahlendosis habe nicht die für Rußland geltenden Höchstwerte überschritten. Genaue Zahlen über die Intensität der Strahlen wurden nicht genannt. Unbekannt blieb auch, ob Menschen belastet wurden. (Q: APA, 19.04.99)
Polen: Gerüchte über erhöhte radioaktive Strahlung haben die polnische Bevölkerung nahe der Grenze zur Ukraine aufgeschreckt. Viele Menschen standen am Donnerstag Schlange vor Apotheken, um Gegenmittel zu kaufen, obwohl die Regierung alle Berichte über erhöhte Radioaktivität als falsch zurückwies. Behördenvertreter äußerten die Vermutung, der herannahende Jahrestag des Unglücks von Tschernobyl in der benachbarten Ukraine habe zu den Gerüchten geführt, die sich nach Medienberichten auf die Gegend von Lublin konzentrierten. Die Stadt liegt 540 Kilometer von Tschernobyl entfernt. (Q: AP, 22.04.99)

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