Bure ist überall
– was heisst das eigentlich?


Am 22. Februar 2018 wurde das Hüttendorf im "bois Lejuc" nahe Bure Lothringen/Frankreich) mit massiver Polizeigewalt geräumt und zerstört. Der schon lange sich hartnäckig und vielfältig entwickelnde Widerstand gegen das Endlagerprojekt in Bure – im Jahr 2016 neu entfacht – soll durch heftige repressive Maßnahmen ausgelöscht werden.

Seit Juni 2016 haben dort widerständige "Eulen" - ein Symbol für die Bewegung gegen das französische Endlagerprojekt Cigeo - die Endlager-Baustelle stillgelegt. Es war eine lange widerständige Zeit und ein Stück gelebter Utopie.

    Ein Bure – Gorleben-Link

33 Tage währte der Traum der "Republik Freies Wendland", bis das Hüttendorf 1004 am Endlagerstandort Gorleben am 3. Juni 1980 dem Erdboden gleichgemacht wurde. Der Traum von einer autonomen, selbstorganisierten Gesellschaft, der für viele der mehr als 1.000 Dorfbewohner*innen nicht nur ein Kampf gegen Atomenergie und Atomstaat war, sondern auch die gelebte Utopie einer anderen Gemeinschaftsform, ging abrupt zu Ende. – Aber: der Widerstand ging weiter.

  • Weltweit gibt es keine Lösung für den täglich weiter produzierten strahlenden Atommmüll!
  • Es gibt kein sicheres Endlager - nicht hier und auch nicht anderswo ... ni ici – ni ailleurs!
  • Gorleben ist überall! Bure ist überall!

Inzwischen ist das Dilemma sogar bei den AKW-Betreibern und auch in der Politik angekommen: Sie geben zu, dass es keine sichere Verwahrung für 1 Million Jahre geben kann. Jetzt geht es vor allem darum, mit welchem Narrativ ein Endlager möglichst reibungslos durchgesetzt werden kann – zwar an unsicherem Ort, aber mit wenig zu erwartendem Widerstand.

Die aktuelle Studie eines französischen Wissenschaftshistorikers beschreibt genau dieses Vorgehen. Beim heutigen Stand der Wissenschaften sei es schlicht unmöglich, schreibt der ehemalige Mit­arbeiter der Andra, für eine Zeit von hunderttausenden von Jahren die Sicherheit der Abfalllagerung zu beweisen. Vielmehr gehe es deshalb darum, tatsächliche Schwierigkeiten für die Öffentlichkeit ‚in ein ‚'angemessenes Licht' zu rücken und ‚mit 'plausiblen Darstellungen' Mehrheiten für die Richtigkeit des Projektes "Cigéo" zu gewinnen - vor allem bei der Kommission, die für die Evaluation des Projektes verantwortlichen ist, beim Institut de radioprotection et de sûreté nucléaire (IRSN) und der Autorité de sûreté nucléaire (ASN).

Kennen wir nicht das Getrickse und Gezerre um die Endlager-Kommission? So ist es in Gorleben gelaufen, so läuft es in Bure und auch anderswo - wenn es um die Hinterlassenschaften der Atomindustrie geht, gibt es viele Parallelen und Gemeinsamkeiten.

Der Versuch, den Widerstand mit Staatsgewalt zu brechen, ist ein hilflos-aggressives Umsichschlagen, wenn die Argumente der Menschen den Interessen der Atommafia im Weg stehen. Das ist in Gorleben nicht gelungen, und das wird auch in Bure nicht gelingen. Aber es braucht unser aller Solidarität – denn

Bure ist überall!

 

- zurück




      anti-atom-aktuell.de