Knapp ein Dutzend AktivistInnen sind beteiligt an der Aktion, es ist eine der längsten Einzelblockaden, und dank vieler weiterer Aktionen braucht der Castor so lange bis nach Gorleben wie nie zuvor. Castorzeit soll nicht nur heißen: zusammen ins Wendland fahren, eine schöne Zeit verbringen und sich wohl zu fühlen - auch wenn das sicher auch mal nötig ist - sondern eben auch: mit Kleingruppen eine eigene Aktion planen und ausführen. Für Kleingruppenaktionen kommt nicht ausschließlich das Wendland in Frage, nicht ausschließlich die Castorzeit und nicht ausschließlich Blockadeaktionen. Es gibt eine unendliche Palette an Aktionsformen und -orten, die es gilt, deren Vielfalt kreativ genutzt werden sollte. Wenn die 10 000 Menschen, die sich durchschnittlich an Castorprotesten beteiligen in Kleingruppen von etwa zehn AktivistInnen selbstständige Aktionen durchführen würden, dann gäbe es 1000 Kleingruppen mit 1000 vorbereiteten Aktionen. Sagen wir 400 davon hätten Blockadeaktionen vorbereitet, von denen etwa die Hälfte klappt. Rechnen wir mit einer Durchschnitts-Blockade-Zeit von einer Stunde. Dann wären das insgesamt 200 Stunden, also etwa 18 Tage die der Castor blockiert würde. Genug Zeit also für die einzelnen Gruppen, sich danach erstmal auszuruhen, um dann noch ins Wendland zu fahren um den Zug dort noch einige weitere Tage zu stoppen. Es kommen ja aber auch nicht alle Gruppen durch, weil die Schienen ja von den Bullen bewacht werden, sagen Sie? Aber es gibt ja noch die anderen 600 Kleingruppen. 200 davon haben vielleicht kleinere und größere Sabotageaktionen geplant. Vielleicht ist das ein oder andere Schloss der ein oder anderen Bullenkaserne zugeklebt. Vielleicht springt das ein oder andere Bullenauto nicht an, und das ein oder andere Bullenauto existiert vielleicht gar nicht mehr so, dass es seinem Nutzungszweck dienlich sein könnte. Vielleicht fahren 500 ortsfremde Bullen einen Vormittag im Kreis, weil die Ortsbeschilderung leicht geändert wurde. Vielleicht sind mehrere tausend Bullen kurzfristig anderswo beschäftigt um den Tatort von abgebrannten Energieversorgerzentralen zu sichern… 200 weitere Kleingruppen halten die Bullen vielleicht auf andere Art von ihrem geplanten Einsatz ab. Vielleicht müssen Clowns die gerade eine Bullenwache besuchen erstmal bewirtet werden… Die restlichen 200 Kleingruppen, beschäftigen sich vielleicht mit kreativer Außenvermittlung. Vielleicht wurden in der ein oder anderen Stadt vor dem Castor sämtliche Werbeplakate zu atomkraftkritischen Kunstobjekten verändert, vielleicht wurden "amtliche Schreiben" verteilt, die dazu auffordern die Stadt während des Transportes wegen der hohen Strahlung zu verlassen. Nähere Informationen gäbe es bei der Polizei. Ich glaube, nach einem Transport dieser Art würde es keine Atomkraft mehr geben hierzulande… Jäh werde ich aus meinen Träumen gerissen: Wir sitzen mit ein paar Menschen von der Blockade bei der Abschlusspressekonferenz im Wendland. Fünf Menschen sitzen auf dem Podium und erklären, warum die 15 000 Menschen, die dieses Jahr gegen den Transport protestiert haben, dies getan haben. Einiges ist sicher richtig, anderes totaler Unsinn, wieder anderes macht mich wütend, wie zum Beispiel, dass militante AtomkraftgegnerInnen von niemandem gemocht würden, und ausgeschlossen werden sollen. Die Atomkraft wird als isoliertes Problem behandelt, und die Machtfrage gar nicht angeschnitten. Jede/r kann meinen was er/sie will, aber diese Menschen dort oben reden auch für mich. Schließlich erklären sie gerade den Grund für die Proteste, teil derer ich zweifelsohne war. Ich bin Anarchist, ich mag es nicht, wenn Menschen für mich entscheiden, oder wenn Menschen für mich reden. Und kotzen könnte ich dann, wenn Menschen für mich reden, aber inhaltlich genau das Gegenteil von dem sagen, was ich denke. Eine von vielen Möglichkeiten sich selber zu organisieren und dem Atomstaat die Zähne zu zeigen wird es demnächst geben. Die Festgeketteten haben nämlich Strafbefehle in Höhe von 800 Euro bekommen, wogegen zwei Widerspruch eingelegt hatten. Der dritte verpasste diese Möglichkeit, da er währenddessen in U-Haft saß, weil ihm eine Aktion im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen den Frankfurter Flughafen vorgeworfen wurde. Gegen die anderen beiden wird es nun einen öffentlichen Prozess am Amtsgericht Kandel geben. Wer das gemeinsame gestalten des Theaterstückes "Gerichtsprozess" in dieser oder der nächsten Instanz besuchen will, ist herzlich willkommen - gerne auch zum Mitspielen. Auch eigenen Aktionen rund um die Themen Atomkraft, Staatsmacht und Repression sind erwünscht! Infos unter: www.bloXberg.blogsport.de
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