Asse ist nicht KONRAD
- oder etwa doch !?


von Ludwig Wasmus
und Ursula Schönberger

"Wenn der Müll aus der Asse rausgeholt wird, kommt er nach KONRAD" so oder so ähnlich konnte man in den letzten Wochen von Betreiberseite oft und ungern hören. Ist doch eigentlich logisch, oder?!


Moment mal: Für was ist Schacht KONRAD eigentlich genehmigt?

Gute Frage - schließlich wurde KONRAD im Laufe der letzten 25 Jahre ständig umdefiniert und ist inzwischen von einem Lager für radioaktiven Sperrmüll zum Lager für 95% des bundesdeutschen Atommülls mutiert. Laut Genehmigung soll der gesamte schwach-wärmeentwickelnde Müll, der in Deutschland angefallen ist und anfallen wird, nach KONRAD. Dieser ist definiert als Müll, der in seiner Gesamtheit das umgebende Wirtsgestein um nicht mehr als 3° erwärmt.

Nächste Frage - was ist eigentlich der Müll aus der Asse? Das scheint nach gut einem Jahr auch der neue Betreiber noch nicht zu wissen und wie jüngst von ihm zu hören war, geht er davon aus, dass diese Frage letztlich nie ganz geklärt werden würde. Aber wohin der Müll dann soll, weiß er schon? Hier zeigt sich, dass der Alt-Männer-Traum von der Handhabbarkeit der Atomkraft auch in den neuen smarten Betreibern weiterlebt. Wer die Umlagerung von Asse zu Konrad fordert, der handelt nach den gleichen altbekannten Denkmustern wie diejenigen, die die Probleme in der Asse geschaffen haben: "Ich weiß nicht so genau was es ist, aber ich pack`s mal eben weg."

Weil KONRAD ein Bauernopfer im Atomkonsens war und weil rot und grün vorher KONRAD als ungeeignet abgelehnt hatten, mussten zur Rechtfertigung wenigstens einige Beschränkungen erteilt werden. So wurde die genehmigte Menge an einzulagerndem Atommüll auf 303.000 m3 begrenzt. Dies entspricht dem Müll der unter Berücksichtigung der im Konsens vereinbarten Reststrommengen in Deutschland noch anfallen würde, in dem allerdings 2000 verstrahlte Affen nicht enthalten sind.


Der Müll aus der ASSE II - Türöffner für die Erweiterung von KONRAD?

Diese Mengenbegrenzung ist einigen jedoch ein Dorn im Auge. Allen voran der Energiewirtschaft, die für die Einlagerung des Atommülls bezahlen muss. Wenn man doch schon ein genehmigtes Lager hat, warum nicht für Müll aus dem Ausland anbieten? Das würde die Kosten pro Einlagerungsgebinde reduzieren. Ursprünglich war KONRAD schließlich für 650.000 m3 beantragt worden. Und was ist mit der Laufzeitverlängerung? Auch dafür ist die Begrenzung lästig.

Foto unbekannt
 

Doch nicht nur die Menge, auch die genehmigte stoffliche Zusammensetzung des Mülls macht Probleme. Die Pläne von KONRAD sind fast 20 Jahre alt und hoffnungslos veraltet. Nach den Plänen ist KONRAD für Müll vorgesehen, den es so gar nicht mehr gibt, weil er in Frankreich und Großbritannien an den Wiederaufarbeitungsanlagen schon verbuddelt ist. Andererseits stehen Atommüllbehälter in den Lagern der Betreiber, die von der Genehmigung nicht gedeckt sind, weil sie zu viel Strahlung oder Wärme abgeben.

Und so wird hinter vorgehaltener Hand schon darüber spekuliert, wenn KONRAD erst einmal in Betrieb ist, mittels Änderungsgenehmigungen das Lager dann für die aktuellen Bedürfnisse der Atomwirtschaft umzuschneidern. Warum bis nach der Inbetriebnahme warten? Ganz einfach, dann, so hofft man, wird die Widerstandsfront bröckeln, weil die Menschen resignieren. Wirbelt man jetzt zuviel Staub auf, so fürchtet man, könnte das ganze Projekt noch kippen.

In dieser Situation gibt es jedoch plötzlich Schützenhilfe von ganz anderer Seite: Die Rückholung des Atommülls aus der Asse. Das müsste doch jeder einsehen, dass der Assemüll irgendwo hin muss und da bietet sich doch KONRAD, nur 20 Kilometer, entfernt quasi an. Natürlich ist KONRAD für den Assemüll gar nicht genehmigt und bei etlichen Stoffen würden die Aktivitätsbegrenzungen weit überschritten werden. Aber das ist kein Hinderungsgrund. Im Gegenteil: Hier braucht es dann eben eine Änderungsgenehmigung - das sehen die Bürgerinnen und Bürger doch bestimmt ein - und dann kann man in diesem Zuge alle anderen Wünsche der Atomwirtschaft gleich mitbedienen.


Die Schicksal der ASSE darf nicht mit KONRAD verknüpft werden

Die Menschen an der Asse haben ein absolutes Recht auf Gesundheit und Schutz vor radioaktiven Gefahren. Dieses Recht darf nicht an der Frage relativiert werden, wo der Müll dann hin soll, wenn er rausgeholt wird. Es darf nicht sein, dass der Müll nur dann rausgeholt werden kann, wenn das nächste "Endlager" bereit steht.

Im konkreten Fall kommt gleich das nächste Problem: Der Homo konradus ist derselbe wie der Homo assus. Die Entfernung zwischen beiden Standorten beträgt nur 20 km. Viele der AnwohnerInnen der Asse arbeiten in den Betrieben in unmittelbarer Nähe zu KONRAD. Und auch wenn's nach "Heimatschutz" klingt: Das Braunschweiger Land hat seine Rolle als Opferregion in Sachen Atommüll mit ASSE II und Morsleben längst übererfüllt.

Darum : Keinen Asse-Müll nach KONRAD
und auch sonst keinen, denn:
KONRAD darf nicht Asse werden !

 

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