![]() Foto: subkontur Traum von einer neuen Gesellschaft Antikapitalistisches Bündnis Potsdam 1997 war für uns ein unvergessliches Jahr! Zum ersten mal machten wir uns mit einer Gruppe von Freunden auf den Weg ins Wendland, um dort gegen neue Castortransporte nach Gorleben zu protestieren. Gemeinsam mit Tausenden anderen bauten wir die Camps auf, waren dabei, als drei Tage vor dem Transport die Strasse vor dem Verladekran besetzt worde. Sie buddelten wie Maulwürfe die Strassen auf, bejubelten die Trecker, als es ihnen gelang eine der beiden Routen zu blockierten, saßen mit über 9000 Menschen vor den Castoren und ließen sich lieber wegspülen und wegprügeln, als freiwillig diese Strasse zu räumen. Wir erlebten eine nie gekannte Solidarität, eine uneingeschränkte Akzeptanz verschiedenster Widerstandsformen und eine mir bis dahin unbekannte Radikalität im Denken und Handeln. Viele waren seitdem immer wieder im Wendland, haben dort viele Freunde gefunden und an den verrücktesten und kreativsten Aktionen teilgenommen. Jetzt seid ihr auf dem Weg nach Berlin hier nach Potsdam gekommen und wir freuen sehr, euch hier begrüßen zu können! Die antiAtom-Bewegung ist eine einzigartige Bewegung! Sie vereint so viele Menschen unterschiedlicher politischer und kultureller Sichtweisen, sie ist nie tot zu kriegen, sie erfindet sich immer wieder neu und – das ist mir besonders wichtig: Sie verbindet die Ablehnung einer Form der Energieerzeugung mit Kritik an den politischen und ökonomischen Verhältnissen. Es ist immer wieder beeindruckend, mit welcher Selbstverständlichkeit Bäuerinnen und Bauern, Ärzte, StudentInnen und alte Menschen von der Atommafia, vom Recht auf Widerstand gegen den Atomstaat und der notwendigen Enteignung der Energiekonzerne sprechen. Diese Kritik zu formulieren, ist mir auch heute wichtig! Besonders vor dem Hintergrund, das die große Demonstration morgen in Berlin auch ein Signal für die kommenden Bundestagswahlen sein soll. Wir akzeptieren diesen Wunsch und freuen uns über jede Stimme gegen die weitere Nutzung der Atomenergie. Uns reicht das aber nicht! Die Frage der Atomenergie ist für uns untrennbar verbunden mit Grundprinzipien kapitalistischer Produktion. Atomanlagen sind das sichtbare Ergebnis von grenzenloser Wachstumslogik und immer höherer Renditeerwartung. Das seit 30 Jahre laufende Zusammenspiel von Energiekonzernen und Atomstaat zeigt ganz deutlich, in welchem Verhältniss ökonomische Macht und staatliches Handeln stehen. Auf einen solchen Staat werden wir nicht setzen, egal, wer und welche Partei gerade denkt, sie hätten etwas zu entscheiden. Wir haben hier im Land Brandenburg ein schönes Beispiel vor den Nase. Der schwedische Konzern Vattenfall ist ein reiner Staatskonzern eines Staates mit fast auschließlich sozialdemokratischer Geschichte. Dieser Konzern betreibt nicht nur die maroden Atomanlagen in Krümmel und Brunsbüttel, er baut hier im Land Braunkohle ab, zerstört die Landschaften und Dörfer in der Lausitz und erzeugt auf eine Weise Strom, der das Land Brandenburg zum größten CO²- Produzenten in Deutschland macht. Und die sozialdemokratische Regierung macht alles mit, was Vattenfall möchte, egal, ob unter Stolpe oder Platzeck. Es bleibt deshalb für uns bei der Tradition, welche ich bei meinen Aufenthalten im Wendland immer wieder erlebt habe: Den Ausstieg aus der Atomenergie müssen wir uns selbst erkämpfen, vor, während und nach irgendwelchen Wahlen! In diesen Kämpfen werden wir auch neue gesellschaftliche Verhältnisse bauen. Unsere Organisationsformen sind emanzipatorisch und autonom, wir bauen neue, solidarische und gleichberechtigte Strukturen der Energieerzeugung und der Prokuktion auf, wir entscheiden gemeinsam und radikaldemokratisch. Ihr seid hier in Potsdam richtig, liebe Freundinnen und Freunde! Nicht nur wegen der katastrophalen und konzernhörigen Energiepolitik der Brandenburger Landesregierung. Von hier aus werden in der neuen Zentrale der Bundespolizei die Einsätze gegen den Castorwiderstand koordiniert. Auch das passt zum Bild dieses Landes: Mit dieser Zentrale der Bundespolizei und dem Führungskommando der Bundeswehr für Auslandseinsätze baut Brandenburg an der Erneuerung seiner militärischen Tradition. Dem stellen wir heute in Potsdam, morgen in Berlin und immer wieder unseren Traum von einer neuen Gesellschaft gegenüber: Emanzipatorisch, antikapitalistisch, solidarisch und ohne Atomstrom und Energiekonzerne! In diesem Sinne: Atomanlagen und Kapitalismus stilllegen!!!@ ![]() Foto: Anna Panek | ||
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