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die Rückholung des Atommülls muss
sofort vorbereitet werden Atommüll-Desaster ASSE II von Udo Sorgatz Robin Wood Regionalgruppe Braunschweig Die Atommüll-Entsorgung in Deutschland erinnert immer mehr an Vorgänge in einer Bananenrepublik. Inzwischen ist unstrittig, dass die ASSE vom ersten Tag an als „Atomüll-Billigentsorgungslager“ geplant war. Dass ASSE II instabil und feucht ist, war dabei bekannt. Seit Monaten kommen fast wöchentlich weitere unappetitliche Details ans Licht:
Der nun endlich eingerichtete, niedersächsische parlamentarische Untersuchungsausschuss (PUA) könnte helfen, mehr Licht ins Dunkel zu bringen. All zu groß sollten die Hoffnungen aber nicht sein: Nach langem Sträuben der SPD hat der PUA nun zwar die Arbeit aufgenommen, allerdings wurden vom Parlament keine zusätzlichen Mittel hierfür bereitgestellt, weshalb die Fraktionen die Arbeit zum Ausschuss aus ihren normalen Haushaltsmitteln bestreiten müssen. Gerade die kleinen Fraktionen stehen damit aufgrund ihres kleineren Haushalts vor der Wahl, die außerordentlich komplexe Thematik entweder nur sehr oberflächlich bearbeiten zu können, oder ihre bisherige Arbeit in anderen Bereichen massiv einzuschränken. Es drängt sich der Verdacht auf, dass unter dem Vorwand sparsamer Haushaltsführung Kritiker daran gehindert werden sollen, allzu intensiv zu arbeiten. Dabei könnte der Untersuchungsausschuss mit seinen weitreichenden Kompetenzen tatsächlich neue Erkenntnisse liefern, die auch für die Wahl des am wenigsten schlechten Schließungskonzeptes relevant sind. Und dabei - so die einhellige (offizielle) Meinung aller Parteien - dürfe es nicht ums Geld gehen, sondern ausschließlich um die Sicherheit. Angesichts prognostizierter Folgekosten der wilden Atommüllkippe von ca. 4 Milliarden Euro erscheint eine finanzielle Ausstattung des PUA mit beispielsweise einem Promille davon als gute Investition. Stutzig macht auch, dass der PUA zunächst streng chronologisch mit der Befragung von Menschen beginnt, deren Namen auch langjährige Kenner der Materie bisher nicht geläufig waren. Die wirklich spannenden Zeugen sollen erst sehr viel später gehört werden. Es entsteht der Eindruck, dass unter dem Vorwand der Gründlichkeit auf Zeit gespielt wird. Immerhin: Mit dem lange überfälligen Wechsel der Verantwortung vom Helmholz Zentrum München (HZM) und dem Bundesbildungsministerium zum Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) unter der politischen Verantwortung des Bundesumweltministeriums hat sich einiges getan. Wie vom A2K (ASSE II Koordinationskreis, ein Zusammenschluss lokaler BIs, Einzelpersonen und Robin Wood) gefordert, soll nun ergebnisoffen nach einer möglichst wenig gefährlichen Schließungsoption gesucht werden. Ebenso wie die Anwendung des Atomrechts und der Wechsel der Verantwortung an das BfS ist dies ganz maßgeblich ein Verdienst der Anti-Atom- Bewegung. Leider ist unstrittig, dass es für die ASSE keine „gute“ Lösung geben kann. Es gilt, die Wahl zwischen Pest und Cholera zu treffen. Auch dabei gilt es, aufzupASSEn: Korrigierbare und nicht korrigierbare Schließungsoptionen Für die Schließung von ASSE II sollen drei Optionen untersucht werden, die in zwei grundsätzliche Alternativen eingeordnet werden können: Nicht korrigierbare Konzepte, nämlich die Umlagerung des Atommülls in tiefere Schichten der ASSE und die Verfüllung mit Spezialbeton (sowie als Notfalloption die Flutung mit Magnesiumchlorid-Salzlauge), und ein korrigierbares Konzept: Die Rückholung des Atommülls. Nur bei der Rückholung können Irrtümer später noch korrigiert und neue Erkenntnisse berücksichtigt werden. Bei nicht korrigierbaren Konzepten müsste erneut darauf vertraut werden, dass Prognosen und Gutachten dieses Mal tatsächlich für eine Million Jahre Bestand haben. Eine gewagte Annahme. Schließlich haben sich die bisherigen Sicherheitsversprechen regelmäßig innerhalb von wenigen Jahrzehnten als falsch herausgestellt. Weshalb sollte es dieses Mal anders sein? Der sehr enge Zeitrahmen - der Abschluss des Optionenvergleichs wird bis zum Jahresende angestrebt - verringert die Gefahr von erneuten Irrtümern in den Gutachten und von Fehlentscheidungen bei der Auswahl nicht. Vielleicht ist es an der Zeit einzugestehen, dass bei derart komplexen Systemen über so große Zeiträume keine verlässlichen Prognosen möglich sind. Wir sollten uns an den Gedanken gewöhnen, auf den Atommüll dauerhaft aufpassen zu müssen. Ein weiterer Grund, nicht noch mehr davon zu produzieren. ![]() Was von den wissenschaftlichen Prognosen und Sicherheitsversprechen der Vergangenheit übrig bleibt, ist die Erkenntnis, dass deren Halbwertzeit im Vergleich zu der des Atommülls beneidenswert kurz ist. Entsprechend müsste ein neues wissenschaftliches Konzept angemessen berücksichtigen, dass auch die neu erstellten Gutachten grob falsch sein können. Damit ist nicht nur zu fragen, welches Schließungskonzept auf Grundlage der nun beauftragten Studien und der noch festzulegenden Bewertungskriterien aus heutiger Sicht und bei Annahme zutreffender Prognosen am sichersten (bzw. am wenigsten unsicher) erscheint, sondern auch, was schlimmstenfalls passieren würde, wenn sich auch die heutigen Prognosen in 20, 50 oder 500 Jahren als grob falsch erweisen. Die logische Folgerung wäre, dass Atommüll auch bei einer Lagerung in tiefen geologischen Schichten ständig überwacht werden und zugänglich bleiben muss, um bei Gefahr eingreifen zu können. Salz (und damit auch Gorleben als Endlager für hochradioaktiven Müll) scheidet damit als Endlagerungsmedium faktisch aus, weil es „kriecht“. So müssen alle Stollen in einem Salzbergwerk in kurzen Abständen nachgefräst werden, weil sie sich sonst von alleine schließen würden. Das wurde bislang als Vorteil angesehen, erschwert aber - wie an ASSE II zu sehen - nachträgliche Fehlerkorrekturen erheblich. Folgerungen für den Optionenvergleich Ein besonnener Vergleich der möglichen Optionen ist wichtig und richtig. Die Verhältnisse in der ASSE können sich aber kurzfristig und unvorhersehbar weiter verschlechtern. Die Zeit arbeitet damit gegen die Optionen, deren Umsetzung am längsten dauern würde. Bei wenigen für eine Schließung von ASSE II zur Verfügung stehen Jahren sind auch einige Monate ein möglicher Weise entscheidender Zeitraum. Schlimmstenfalls bliebe nur noch die Schnellverfüllung mit Beton oder Salzlauge. Wie kann also der Prozess beschleunigt werden, ohne zusätzliche Risiken einzugehen? Die Antwort lautet „zweistufiger Optionenvergleich“ und „Simultaneous Engineering“. In einer ersten Stufe des Optionenvergleichs sollte geprüft werden, ob eines der nicht korrigierbaren Konzepte (Betonverfüllung, Umlagerung) auch unter Berücksichtigung möglicher Fehlprognosen und deren Folgen das Potenzial hat, deutlich sicherer als die Rückholung zu sein. Falls nicht, kann umgehend mit der Vorbereitung der Rückholung begonnen werden. Ein solches mehrstufiges Auswahlverfahren ist in anderen Technikbereichen nicht unüblich. Im ersten Schritt wird ermittelt, welche Alternativen einer genaueren Analyse bedürfen. So kann unnötiger Aufwand durch Vergleiche von als chancenlos erkannten Alternativen vermieden und Zeit gespart werden. Im Fall von ASSE II kommt hinzu, dass die Vorlaufzeiten für die Umsetzung einer ausgewählten Option so lang sind, dass trotzdem alle Alternativen gründlich mit einander verglichen werden können. Es geht lediglich darum, in einem ersten Schritt zu ermitteln, ob dieser Vergleich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine andere Schließungsoption als die am längsten dauernde Rückholung ergeben könnte. Falls dies nicht der Fall ist, muss mit der planerischen, organisatorischen und technischen Vorbereitung der Rückholung umgehend begonnen werden. Das Risiko ist dabei gering. Schlimmstenfalls könnte sich beispielsweise herausstellen, dass eine für die Rückholung eventuell notwendige Sanierung des Förderturms vorbereitet oder durchgeführt wurde, aber rückblickend unnötig war. Dann sind Gelder in Höhe eines geringen Bruchteils der veranschlagten Schließungskosten verloren. Ein recht harmloses, schlimmstes anzunehmendes Szenario im Vergleich zu der möglichen Alternative: Dass sich nach einem gründlichen Optionenvergleich herausstellt, dass die Rückholung die sinnvollste Option gewesen wäre, aber leider aus Zeitgründen nicht mehr möglich ist. Zur Erinnerung: Geld spielt bei ASSE II angeblich keine Rolle, die Sicherheit hat unbedingten Vorrang. Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, weshalb nicht längst mit der externen Beauftragung von Planungen zu definierten Teilproblemen der Rückholung begonnen wurde. Dieses parallele Bearbeiten traditionell zeitlich auf einander folgender Arbeitsschritte ist unter dem Begriff „Simultaneous Engineering“ bekannt und zur Beschleunigung komplexer Prozesse erprobt. Es gilt als ein Mittel zur frühzeitigen Aufdeckung von Problemen und damit zur Verbesserung der Qualität. Diese Arbeitsweise ist etwas teurer. Im Vergleich zu den veranschlagten Gesamtkosten, sind dies geringe Summen. Bei technischen Großprojekten gibt es immer eine recht zeitintensive Planungsphase, die relativ wenig Geld kostet und noch keine unumkehrbaren Tatsachen schafft. Dies ist vergleichbar mit der Planung eines Hauses im Vergleich zu dessen eigentlichem Bau. Für die Rückholung müsste beispielsweise geklärt werden, wie die Fässer aus dem Salz gelöst und wie diese oder ihr Inhalt dann im Bergwerk transportiert werden können, welche Spezialmaschinen bestellt oder sogar erst konstruiert werden müssen und vieles mehr. All dies kann heute schon erforscht und vorbereitet werden. Dabei steht nicht mehr auf dem Spiel, als das für diese Planungen ausgegebene Geld bei Auswahl einer anderen Schließungsoption. Wir haben bei ASSE II vieles erreicht, was vor 2 Jahren noch völlig unmöglich erschien. In den nächsten Monaten werden nun die Weichen gestellt. Gerade jetzt heißt es aufzupASSEn. Um gehört zu werden brauchen wir eine breite Unterstützung. Ein Grund mehr, zur Großdemonstration am 05.09.2009 in Berlin zu kommen. Nicht zuletzt zeigen die Beispiele ASSE II und des ebenso maroden aber zur Zeit noch weniger in der Öffentlichkeit stehenden Atommüllagers Morsleben, dass die Frage der Endlagerung nach wie vor völlig ungelöst ist. Auch mit Endlagerungskonzept wäre ein Weiterbetrieb der Atomkraftwerke nicht zu verantworten. Das Desaster der bisherigen Entsorgungsversuche ist allerdings für sich alleine Grund genug, aus dieser unverantwortliche Technologie umgehend und vollständig auszusteigen. @ | ||
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