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März 2010
30 Jahre Widerstand: "Wir bauen eine Hütte" hieß es kurz und bündig in einer EJZ-Anzeige, und 350 Leute kamen. Offensichtlich halten es viele für notwendig, dass wieder was in die Gänge kommt gegen die Pläne, den Salzstock nun endgültig zum Endlager fertig zu "erkunden". Wie in den Aufbruchsjahren des anti-Atom-Widerstands im Wendland griffen einige zu bewährtem Handwerkszeug, und bis zum Nachmittag standen die Anfänge eines Hüttendorfs. Dass die Ordnungsbehörden dies nicht billigen ist nicht neu. Bis hierher geht die Geschichte wie gehabt. Neu ist die Reaktion auf die Repression auf unserer Seite: wurden vor 30 Jahren unsere Hütten noch von den Bullen abgerissen, so ist das heute gar nicht mehr nötig.Wir bauen sie selber zurück! Und sind sogar noch stolz darauf, weil das angeblich zeigt, dass "der Widerstand" bis in die Verwaltungsebene vorgedrungen sei. Nichts gegen einzelne Unterstützer/innen aus dem Apparat! Aber den Apparat als Unterstützer anzusehen bedeutet, selbst Teil des Apparates zu werden. Was passiert denn, wenn wir uns um ihrer Unterstützung willen ihren Ordnungsbegriff zu eigen machen? Dann ist die Bäuerliche Notgemeinschaft dafür zuständig, am Ort des Widerstands für die Einhaltung der Regeln des Systems zu sorgen. Damit wird der Konflikt um Befriedung in den Widerstand getragen; die Ordnungskräfte können sich zurück lehnen. Es kann nicht sein, dass wir aus den eigenen Reihen heraus zur Einhaltung einer bestimmten Ordnung aufgefordert werden! Nach dem Willen einiger soll das hier, im Wald am Trafohäuschen bei den Atomanlagen so geschehen. Teile der Notgemeinschaft sehen sich bemüßigt, alles ordentlich schön zu machen, die unappetitlichen Hütten zurückzubauen, und den von diesen eventuell ausgehenden Widerstand schon im Keim zu ersticken. Es ist schön, wenn nun auf dem Salinasgelände eine Grillhütte entsteht. Von uns aus kann die auch legal sein. Aber es ist kein Erfolg, wenn deshalb für andere Hütten kein Platz mehr ist! Im Gegenteil! Damit würden ordungspolitische Vorstellungen der Behörde vorauseilend umgesetzt. Aktiver Widerstand wird ausgebremst und in überschaubare und handhabbare Formen gelenkt. Das ist (zurückhaltend ausgedrückt) pikant im Vorfeld gross angekündigter Feiern zum 30. Jahrestag des Hüttendorfs auf 1004. Das nämlich war nicht mit behördlicher Genehmigung gebaut worden. Ein Hüttendorf war immer ein Ort, an dem Bestehendes in Frage gestellt und die Ordnungen herausgefordert wurden - und Ordnungskräfte sich auch herausgefordert sahen. Das war nicht unbedingt ein erfreuliches Erlebnis. Aber es hat einiges klar gemacht. Das Spannungsfeld ist nicht neu. Auch zu Zeiten von 1004 und all die Jahre danach zogen sich ähnliche Auseinandersetzungen durch die Versammlungen. Ob hier die Sichtweise der Strategen durchscheint, die glauben, "Widerstand" ließe sich je nach Bedarf an- und ausknipsen; oder ob es die Illussion ist, durch Kooperation und Entgegenkommen ließe sich die Gegenseite gewogen stimmen - und man dafür auch schon mal die Funktion eines Hilfspolizisten übernimmt; das ist im Endeffekt egal. Es hat auf jeden Fall verheerende Wirkung. Wir dürfen nicht aufhören, uns darum zu streiten. Gerade die Unterschiedlichkeiten in den Protestformen und dem Umgang mit der Obrigkeit machen den Widerstand im Wendland so bemerkenswert. Von der Bäuerlichen Notgemeinschaft fordern wir, unterschiedliche Ideen und Aktionsformen zu respektieren und den dafür notwendigen Freiraum offen zu halten. Macht Euch doch nicht zum Handlanger, liebe Leute! Ende |