Grafik aaa - Zeitung für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen
2005-12-xx

Never change a running system?

Zum diesjährigen Castor-Transport ins Wendland haben wir ein paar Gedanken zusammengefasst. Der Widerstandsort Metzingen hat auch in diesem Jahr wieder eine wachsende Beteiligung zu verzeichnen gehabt. Das liegt zum einen an der guten Infrastruktur mit Pennplätzen, Küche, Infotelefon, Plenum und Aktionen zum mitmachen. Zum anderen gab es weniger Campstandorte als bei früheren Transporten. Das Konzept in Metzingen hat sich bewährt und nicht groß verändert: Laternenzug über die Bundesstraße inklusive Bullenfangen, Ralley Monte Göhrde zum warmlaufen und üben von verschiedenen Möglichkeiten Waldwege wieder naturnah zu gestalten. So imposant die Barrikaden und Gräben auf den Wegen waren, so erschreckend war, wie schnell sie restlos weg geschoben und zugeschüttet waren!

Am Transporttag selbst war wieder Wandertag im Raum Harlingen, auch dies ein bekannter und bisher bewährter Bestandteil des Metzingen-Aktions-Konzepts. Es gab eine Sitzblockade bei Harlingen und diverse Metallgegenständen, die auf den Schienen befestigt waren. Beides für die Bullen nichts Neues. Es ist erstaunlich, dass es Leuten gelungen ist, "Mut zur Lücke" zu beweisen und es an oder auf die Schienen geschafft haben. Schließlich standen die Bullen wesentlich dichter als in den Jahren zuvor und konnten ihr Truppen dank des Weges nördlich der Schiene viel schneller bewegen.

Unser großer strategischer Vorteil, uns im Wald schneller und unauffälliger bewegen zu können, ist wegen des neuen Weges so gut wie weg. Die Bullen können ihre Armada direkt an den Schienen hin und her bewegen und müssen sich nicht mehr mühsam über matschige Waldwege voller Barris quälen. Wenn sie diese überhaupt erreichen konnten, denn die Zufahrtsstraßen zum Wald sind eng und waren in der Vergangenheit oft zugeparkt. Den Wald haben die Bullen offensichtlich aufgegeben und beschränken sich ausschließlich auf den Schutz der Schiene. Dies machen sie sehr effektiv.

Damit wir nicht zu StatistenInnen ohne Handlungsspielräume werden, müssen dringend neue Ideen her. Wir befürchten, dass sich der Castor-Spaß im Raum Göhrde-Harlingen so entwickeln könnte, wie der Widerstand gegen Naziaufmärsche, bei denen wir auch meist nur von Bullenkette zu Bullenkette laufen und mit sicheren Abstand zu den Nazis Demos machen. Nur noch dazu da zu sein, damit die Bullen auch da sein müssen, ist uns auf Dauer zu wenig. Und auch für die mediale Aufbereitung des Ereignisses taugt eine solche Entwicklung nicht, denn die Fratze des Polizeistaates allein schreckt heute niemanden mehr. Um weiterhin in den 20 Uhr Nachrichten zu erscheinen, und in Köpfen hängen zu bleiben, ist der Asterix-Faktor unverzichtbar. Obwohl wir weder Zaubertrank noch Schnurbärte haben, sollte es uns auch zukünftig gelingen, durch überraschende Aktionen die Besatzer auszutricksen. Für uns steht fest, wir müssen weiterhin unberechenbar sein. Die Konzentration auf nur einen Ort verhindert das.

 

Immer in Bewegung bleiben

Die Strecke Lüneburg-Dannenberg ist 50 km lang. Ganz zu schweigen von den Hunderten Kilometern von La Hague bis Lüneburg. Zudem sind die Gleise nicht das einzig lohnende Ziel. Genug Platz also für ein paar Ideen, die wir diskutierenswert finden:

1. Grundsätzlich:
Schluss mit dem "sich aufsparen", den Castor stoppen bevor er losfährt! Was spricht eigentlich dagegen, wie in alten Zeiten schon am Wochenende mit der Demontage von Straßen und Schienen zu beginnen? An mehreren Orten und ernsthaft betrieben, könnte das die Gegenseite durchaus vor Probleme stellen. Zudem wirken peppige Aktionen mobilisierend auf Spontan-Anreisende.

2. Raus aus der Göhrde.
Mal wieder über den Tellerrand oder besser den Waldrand schauen und neue Aktionsgebiete erschließen, die Göhrde ist ja nicht der einzige Wald und hit and run Aktionen klappen auch auf freiem Feld. Dies bedarf allerdings etwas Vorbereitung durch die ausführenden Gruppen.

3. Besatzer raus, der Wald bleibt unser!
Große Konvois von Polizeifahrzeugen stehen auf Feldwegen oft nur spärlich bewacht. Reifenwechselnde Bullen sah man eher selten. Der Weg nördlich der Schiene war unseres Wissens am Transporttag gut befahrbar, das hätte geändert werden müssen, um an der Schiene mehr Handlungsspielraum zu haben. Bullen sind nur lästig, wenn sie mobil sind, oder sehr viele. Wenn sie aber Reifen wechseln und nicht in den Wald kommen, weil die Wege dicht sind, sind sie zu ertragen.

 

Dies sind nur einige Anregungen zum Weiterdenken. Wir finden das Campkonzept in Metzingen super und wollen es auch nicht aufgeben. Wir schätzen die Infrastruktur und den guten Kontakt zu den Einheimischen. Wir wollen aber dazu anregen, das Konzept weiter zu entwickeln. Timing, Ort, Art und Weise von Aktionen zu überdenken schafft Perspektiven. Wir wünschen uns, dass unser Text als konstruktive Kritik verstanden wird.

Gruppe pollux, Münster



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