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2005-04-11
Offener Brief an die Redaktion der aaa von BI "Kein Atommüll in Ahaus", Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, WIGA Münster, MEGA Waltrop, WEGA Wettringen Münster / Ahaus / Münsterland, den 15.3.2005
Liebe aaa-lerInnen! Auf den Seiten 4-25 fasst ihr auf 22 Seiten das Geschehen der Anti-Atom-Bewegung 2004 zusammen. Dabei beklagt ihr, dass "Aktionen nach dem Motto: "wir verhindern den Castor, bevor es losfährt" [anscheinend] für niemand mehr verlockend seien." Gleichzeitig erklärt ihr, das sei leicht nachzuvollziehen. Mit der letzten Feststellung mögt ihr vielleicht Recht haben, doch trifft sie nicht überall die Wirklichkeit. Allein im Münsterland hat es seit Dezember 2003 zwei Blockaden, zwei Widerstandscamps, rund 20 Demonstrationen (die größte davon mit 700 Leuten und 80 Treckern!), viele Mahnwachen usw. gegeben, mit dem erklärten Ziel, die Castoren, die von Dresden nach Ahaus rollen sollen, zu verhindern, bevor sie losfahren. Dabei ist es uns gelungen, nicht weniger als drei Transporttermine zu kippen und die Transporte inzwischen um 18 Monate zu verzögern. Doch leider erfahren wir darüber nichts in eurer Doku! Nicht eine einzige Aktion aus Ahaus, keine Demo in Münster, nicht die Demo in Kamen und auch nicht die erfolgreichen Aktionen aus Waltrop, kein Sonntagsspaziergang aus Dresden, keine Aktion aus Heidelberg - dieser sehr lebendige Teil der Anti-Atom-Bewegung findet in der aaa keinen Widerhall. Als Einziges bringt ihr den bundesweiten Autobahn-Aktionstag vom Februar 2004, jedoch nur mit einer Aktion aus dem Wendland, alles andere fällt unter den Tisch. Aus dem Münsterland gibt es offenbar ansonsten nur drei Aktionen gegen Urantransporte und die UAA Gronau zu berichten. Mit dieser Art der Zusammenfassung verzerrt ihr unserer Meinung nach sehr stark das Bild der aktiven Anti-Atom-Bewegung. In keiner anderen Region hat es 2004 soviel unterschiedliche, kreative und lebendige Aktionen gegeben wie im Münsterland und im benachbarten Ruhrgebiet - leider findet ihr dazu auf 22 Seiten keinen Platz.
Wieso verschweigt Ihr das? Warum ist scheinbar der Widerstand gegen die UAA Gronau berichtenswert, die Atomtransporte nach Ahaus aber nicht? Ihr habt doch den Anspruch, die gesamte aktive Anti-Atom-Bewegung zu vertreten. Wir haben aber den Eindruck, dass ihr euch seit einiger Zeit immer stärker zum Sprachrohr einer regional, inhaltlich und personell immer verengteren Sichtweise macht und insbesondere dem Widerstand in Ahaus dadurch massiv schadet. Ein weiteres Beispiel: Wir hatten euch nach dem Ahaus-Jubiläums-Sonntagsspaziergang im Dezember 2004 ausdrücklich gebeten, auf den überregionalen Widerstandsratschlag am 19. Februar in Münster hinzuweisen. Die aaa erschien 10 Tage vor dem Termin und wäre ein idealer Werbeträger für diese zentrale Veranstaltung gewesen. Leider konnten wir auf 87 Seiten keine Erwähnung des Termins finden. Um noch einmal darauf zurückzukommen: Wenn ihr beklagt, dass niemand mehr Castoren stoppen will, bevor sie losfahren, dürft ihr zentrale Treffen, wo es genau darum geht, nicht verschweigen, sondern solltet sie fördern. Was uns nebenbei ebenfalls stört: Schon im dritten Jahr wird das Münsterland-Camp in Meudelfitz von euch praktisch völlig ignoriert, obwohl es inzwischen eines der größten im Wendland geworden ist. Auch hier stellen wir eine gewisse einseitige Berichterstattung fest. Wir wünschen uns von euch einen sofortigen und deutlichen Kurswechsel in eurer Berichterstattung. Entweder ist die aaa für die gesamte Anti-Atom-Bewegung da oder nur für einige. Als Redaktion der letzten überregionalen Anti-Atom-Zeitschrift habt eine besondere Verantwortung ALLEN Initiativen gegenüber. Wenn ihr von euch aus als Redaktion eine inhaltliche Gewichtung "wichtige - weniger wichtige Castoren", "gutes-schlechtes Widerstandsziel" vornehmt, dann müsst ihr das für alle Initiativen offenlegen, denn dann hätte sich die Ausrichtung der aaa dramatisch verändert. Wir laden euch deshalb zu einem klärenden Gespräch mit unseren Initiativen zu einem möglichst frühen Zeitpunkt ins Münsterland ein, um die Differenzen beizulegen. Wir werden diesen Brief auch bundesweit verschicken, weil wir der Meinung sind, dass dieses Thema alle angeht und wir uns im Dresden-Ahaus-Widerstand durch die aaa-Redaktion massiv benachteiligt sehen. PS: Die Dresden-Ahaus-Castoren sollen zwischen 27. Mai und 14. Juni in drei Portionen rollen. Es gibt zum Widerstand einen gemeinsamen Aufruf, viele Demotermine und noch mehr Ideen. Wir rufen alle Anti-Atom-Initiativen bundesweit dazu auf, mit uns gemeinsam zwischen Dresden und Ahaus kreativen und lebendigen Widerstand zu leisten. Noch ist der Castor nicht losgefahren. Lassen wir ihm die Luft raus, bevor er vom Hof rollt...
Weitere Infos: bi-ahaus.de, wigatom.de 2005-04-11 aaa-Antwort auf den 'Offenen Brief an die Redaktion der aaa' von Elisabeth Anm. und Klarstellung der Regionalredaktion aaa-West: Unterzeichner des offenen Briefes sind nur wenige des 'Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen' |