2004-11-xx
---
von Klaus Schramm
Ich konnte leider wegen anderer Verpflichtungen nicht zur Trauerfeier nach Wyhl kommen, obwohl ich das gern getan hätte. Daher ist mir - der ich auf dem Land lebe, aber auch von "der Stadt" nicht unbeleckt bin - Deine Bemerkung über unterschiedliche "Trauerkultur" in diesem Zusammenhang nicht erklärlich...
Walter Moßmann, für mich ist schwer nachvollziehbar, was im Kopf eines früheren Wyhl-Kämpfers vor sich geht, der solche abstrusen Sachen schreibt.
Zum Ton von Walter Moßmanns e-mail. Da hat's mir zuerst mal den Magen zusammengezogen! "Propaganda-Lüge" und solches Zeug... Ich hatte leider zu Walter Moßmann seit vier oder fünf Jahren keinen Kontakt mehr und kann diese Äußerungen nicht einordnen. Aber, lieber Walter, dann hätte Tonio Pflaum auch nicht nach Nicaragua gehen dürfen?
Ich hatte zu Nicaragua keine solch ungeteilte Zustimmung und ein bewaffneter Kampf kam schon in den 70er Jahren für mich nicht in Frage. Auch habe ich mich immer gegen Schienensägen und ähnliche Aktionen ausgesprochen, mit denen das Leben anderer Menschen gefährdet werden kann.
Wer erlebt hat, oder sich auch nur ein bißchen gründlich informiert hat, was jedes Jahr bei den CASTOR-Transporten im Wendland los ist, müßte mit den selben Argumenten wie sie Walter anführt, davon abraten, ins Wendland zu fahren um sich den Protesten dort anzuschließen.
Das Risiko, dabei verletzt zu werden ist nach meiner Einschätzung (obwohl ich selbst nun einige Male dort war und nie verletzt wurde) um einiges höher als bei einer Blockade-Aktion auf den Schienen - vorausgesetzt, sie wurde verantwortungsvoll geplant.
Ich nehme ja mal nicht an, daß Walter das (übliche) Dreck-Geschmiere der 'taz' für bare Müntze genommen hat, aber bereits einige Tage zuvor war durch eine Nachricht von Cecile von der ersten Blockade-Gruppe (Aktion bei Laneuveville) bekannt, daß es sich auch bei der zweiten Gruppe (Aktion bei Avricourt) um erfahrene Leute handelte und die nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden waren.
Umso unverständlicher ist mir die Äußerung von Walter, diese hätten "offenkundig verantwortungslos gehandelt". Es geht aus dem Text auch nicht klar hervor, ob Walter Schienenblockaden in jedem Fall als verantwortungslos betrachtet. Dies wäre lediglich eine logische Schlußfolgerung aus seinem Text... Aus dem bisher Geschriebenen geht es zwar indirekt bereits hervor, aber ich möchte das hier ganz unzweideutig klar stellen: Ich befürworte grundsätzlich Blockade-Aktionen gegen CASTOR-Transporte. Diese sollten allerdings verantwortungsbewußt geplant werden. Bisher liegen mir keine Informationen vor, die daran Zweifel erlauben. Im Gegenteil, die Stellungnahme der Gruppe um Sebastien Briart macht auf mich, bei aller Zurückhaltung, die vor weiteren Informationen geboten ist, den Eindruck, daß dieser Gruppe kein Vorwurf gemacht werden kann.
Zu Aernschd Born:
Wer redet denn da von Märtyrern? Das ist doch die Gegenseite, die uns das zynischer Weise unterschieben will. Wir haben es hier - und ich halte an diesem "altmodischen" Wort fest, obwohl immer mehr von wegen zivilgesellschaftlichem Dialog und so davon abrücken - mit der Atom-Mafia zu tun. Und da kann jede Form von Widerstand lebensgefährlich werden. Holger Strohm wurde "nur" wegen der Veröffentlichung seiner Bücher mit der Ermordung seiner Kinder bedroht... Dann: Welches Anketten an Bäume und Masten (?) ist lebensgefährlich? Dann: "vorauseilendes Opfer-Verhalten" - mit dieser Argumentation kannst Du jeden gewaltfreien Widerstand diskreditieren! Bist Du etwa für militärische Aktionen??? Bei jeder Form von Widerstand gegen einen solchen Gegner wie dem, den wir vor uns habe, gehen wir ein gewisses Risiko ein. Ich halte das Risiko von Schienen-Blockaden für relativ gering. Darüber könnte mensch durchaus sachlich diskutieren...
Den Beitrag von Frank Baum übergehe ich mal, weil er in der Frage der Beurteilung der Aktion von Sebastiens Gruppe keine Position bezieht. Von Erhard Schulz bin ich enttäuscht. Gerade von ihm hätte ich anderes erwartet. Selbstverständlich ist es nicht unsere Sache, irgend jemanden zu welcher Form von Widerstand auch immer zu "ermutigen". Missionarstum zeugt immer von mangelnder innerer DCberzeugung, die umso heftiger nach außen gekehrt werden muß. Schlimm fände ich es allerdings, wenn RednerInnen aus unseren Reihen "betont" hätten, daß AtomkraftgegenerInnen "diesen gefährlichen Weg nicht beschreiten sollen". Im Gegenteil: Die 'Badisch-Elsässischen' haben nur dann eine Zukunft, wenn sie sich klar zu solchen Aktionen wie auch denen von Greenpeace oder Robin Wood bekennen. Wir dürfen keinen Keil zwischen uns treiben lassen. Das versuchen "grüne" PolitikerInnen wie Rebecca Harms, die sich im Wendland selbst ins Abseits gestellt hat, schon zur Genüge.
Daß die 'Badisch-Elsässischen' bisher nie zu solchen Aktionen auf- gerufen haben, ist vollkommen okay. Auch Greenpeace oder Netzwerk Regenbogen verfaßt hierzu keine "Aufrufe". Die Verantwortung für solche Aktionen in kleinen Gruppen müssen individuell und in einer solchen Gruppe getragen werden; das ist schließlich etwas ganz anderes als der Aufruf zu einer Demo!
Noch eins zum Schluß: Eine besondere Frechheit empfand ich die Äußerung von Atom-Minister Jürgen Trittin in seiner Stellungnahme zum Tod von Sebastien Briart: "Kein Ziel rechtfertigt es, das eigene Leben oder die Gesundheit anderer zu gefährden." Dazu hätte ich mir von Euch allen Stellungnahmen gewünscht!
Hier die meine: Kein niederer Beweggrund - wie etwa eine hohe Profitrate oder ein Ministertitel - rechtfertigt es, das Leben von hunderten von Millionen Menschen zu gefährden und unseren Planeten für Äonen zu verseuchen.
Noch etwas: Es ist zwar absurd, aber es sollte nicht unwidersprochen stehen bleiben. Erhard Schulz schrieb: > Trotzdem können wir unsere tiefe Betroffenheit, die sich in Gorleben >lähmend ausgewirkt hat, nicht einfach verbergen.
Lieber Erhard, Du müßtest wissen, wie schnell sich solche Gerüchte, denn um mehr als ein Gerücht handelt es sich nicht, auch wenn es in dutzenden TV-Kanälen verbreitet wird, Glaubwürdigkeit erlangt, wenn es aus unseren Reihen weiterverbreitet wird.
In Gorleben und im Wendland hat sich nichts "lähmend ausgewirkt". Wer die Pressemitteilungen beispielsweise der BI Lüchow Dannenberg gelesen hat, weiß, daß dieses Jahr mehr Menschen als im letzen an den Protesten teilgenommen haben und diese, wenn auch in veränderter Form, unvermindert fortgesetzt wurden. Sie weiter unten.
Zurück zur Diskussion
|