2003-12-xx
Stellungnahme zu den Ereignissen in Grippel:
von SAND - Systemoppositionelle Atomkraft Nein Danke Gruppe Hamburg
Die Straße wurde schon recht früh von einem bunten Haufen Menschen besetzt. Das Geschehen wurde von Lautsprecherdurchsagen von WiderSetzen und Polizei kommentiert.
Neben der besetzten Straße befindet sich ein Hof mit einer angrenzenden Kartoffelscheune. Die Polizei war anfangs ruhig. Gegen 23:30 stürmte ein Trupp Polizei in Kampfmontur auf den Hof und wurde von einer Gruppe dunkel gekleideter Menschen in Ketten gestoppt. Auf der Straße und dem Hof war es - wie auch bis zur Räumung - währenddessen ruhig. Die Polizei hatte die Kette gefilmt und begann, bald nachdem sich diese selbst aufgelöst hatte, Greiftrupps auf die Suche nach ihr unliebsamen Personen zu schicken. Wahrscheinlich hatten sie die gesuchten Personen auf ihrem Kameradisplay angezeigt, auf jeden Fall griffen sie immer wieder gezielt Personen heraus.
Die Greiftrupps wurden vom Demo-Lautsprecherwagen wie folgt kommentiert: "Bleibt ruhig", "mischt euch nicht ein", "lasst euch nicht provozieren", "Gewalt erzeugt Gegengewalt", "Je ruhiger ihr euch verhaltet, desto schwieriger macht ihr es der Polizei, euch zu räumen, und um so länger können wir dann den CASTOR aufhalten". Wenige Personen hatten die Courage die Greiftrupps verbal anzugehen. Diese wurden jedoch von der großen Masse angegriffen und beschimpft.
Der Lautsprecherwagen spielte absurdes Theater: Die Freiheitsglocke mit Text wurde abgespielt: "Ich glaube an die Unantastbarkeit und Würde jedes einzelnen Menschen. Ich glaube, dass allen Menschen vor Gott das gleiche Recht auf Freiheit gegeben wurde. Ich verspreche, jeden Angriff auf die Freiheit und der Tyrannei Widerstand zu leisten, wo immer sie auftreten mögen." Unmittelbar darauf folgte das Lied "Commandante Che Guevara".
Im Folgenden sind die Greiftrupps noch mehrere male ungestört durch den Hof gegangen und haben Leute mitgenommen. Sie konnten sich völlig frei bewegen und es wurde ihnen in keiner Weise Widerstand entgegen gebracht. Wurde doch einmal Widerstand - wenigstens verbal - laut, wurde dieser sofort aus der Menge heraus kritisiert und verhindert. Personen die dunkel gekleidet waren, wurde die Beteiligung an der Sitzblockade auf der Straße zum Teil verwehrt. Während der gesamten Nacht wurde jedes mal, wenn eine Durchsage der Polizei kam, der Lautsprecherwagen ausgemacht und viele Menschen hielten die restlichen zur Ruhe an.
Irgendwann begann die Räumung der Straße. Die Leute wurden in einen Kessel auf dem Nachbargrundstück verbracht. Die Menschen auf dem Hof wurden auch in diesen Kessel gebracht bzw. mussten in die Scheune gehen. Diese wurde von einer Polizeikette abgesperrt. Als der CASTOR vorbei fuhr, wurde in der Scheune Protest laut und eine Person klopfte gegen das Scheunentor. Sofort wurde sie von 5 Anderen angegangen, dies zu unterlassen, denn "es macht der Polizei Angst" und sie werde davon aggressiv. Kaum war der CASTOR vorbei, packte die Polizei ein, die Aktion in Grippel war zu Ende.
Unsere Kritik:
Um es voranzustellen: wir halten die Vorfälle dieses Abends für untragbar.
Folgende Punkte müssen noch einmal gesondert betrachtet werden:
Die offene Kooperation zwischen Lautsprecherwagen und Polizei und der damit einhergehenden Entsolidarisierung der AktivistInnen untereinander. Es ist untragbar, wenn AktivistInnen, die von Bullen angegriffen werden, in den Rücken gefallen wird. Noch untragbarer ist es, wenn dies vom eigenen Lautsprecherwagen aus geschieht.
Es ist unsolidarisch wenn Personen mit "falschem Aussehen" - etwa wegen dunkler Kleidung - z.T. nicht an der Sitzblockade teilnehmen dürfen.
Wir fragen uns, warum es zu so etwas gekommen ist. Wir sprechen uns für einen gemeinsamen Widerstand aus jenseits von Diskriminierung und Entsolidarisierung.
Die nicht vorhandene Solidarität gegenüber den von Greiftrupps Herausgezogenen und dass diesen freie Hand gelassen wurde.
Es darf nicht sein, dass Bullen sich unter uns völlig frei bewegen können. Wir sind gegenseitig gefragt aufeinander aufzupassen.
Wir fordern:
- -eine Positionierung der Demoleitung zu den Vorfällen!
- -die Gruppe WiderSetzen auf, die Vorfälle zu diskutieren und dazu Stellung zu beziehen!
Bullen haben in unseren Aktionen nichts zu suchen! Eine entsprechende Positionierung ist bei jeder Aktion vonnöten. Ein solidarisches Miteinander für eine Welt in der viele Welten Platz haben statt Ausgrenzung und Entsolidarisierung!
Sofortige Stilllegung aller Atomanlagen! Sofortige Stilllegung der herrschenden Klasse! SAND - Systemoppositionelle Atomkraft Nein Danke Gruppe Hamburg
http://www.nadir.org/sand
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