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2003-12-xx

WiderSetzen zum Dritten
von Jochen Stay

Die Blockadeaktionen in Langendorf, Gusborn und Grippel Angefangen hat alles vor dem Herbst-Castor 2001, als sich Leute aus der BI, aus Castor-Gruppen und von X-tausendmal quer zusammensetzten, um gemeinsam eine große Blockadeaktion auf der Straßenstrecke vorzubereiten. Diese "große Bürgerinnen- und Bürgerblockade" bekam das Motto WiderSetzen. Nach erfolgreichen Aktionen bei Splietau und in Laase beschloss ein Teil der Vorbereitungsgruppe, zusammen weiterzuarbeiten.

Inzwischen hat sich WiderSetzen zu einer ständig arbeitenden eigenständigen Widerstandsgruppe gemausert. Um auch außerhalb der Castor-Zeit Präsenz zu zeigen, fand im Sommer 2003 die Aktion "Eine Nacht im Gleis-Bett" statt. Trotz einer Menge Polizei und BGS kamen alle, die das wollten, auf die Schienen. Nach einer ersten Räumung konnte durchgesetzt werden, dass der Bahnübergang zur Übernachtung freigegeben wurde.

Es war eine gute Entscheidung, in die Dörfer an der Straßenstrecke zu gehen. Dort hatten viele Menschen schon fast resigniert. Jahr für Jahr fuhr der Castor-Konvoi an ihnen vorbei, die Polizei hatte alles hermetisch abgeriegelt und sie konnten nur aus dem Vorgarten zusehen. Jetzt gab es mit WiderSetzen plötzlich wieder eine Handlungsperspektive. Auch für die WiderSetzen-Gruppe zeigten sich bald die Vorteile: Für Aktionen innerhalb von Dörfern war es viel leichter Infrastruktur aufzubauen als beispielsweise bei den Blockaden auf dem freien Feld bei Laase in den Jahren davor. Hunderte von Schlafplätzen wurden zur Verfügung gestellt, damit die listigen Igel wirklich rechtzeitig in den Dörfern unterkommen können. Die wendländische VolXküche quartierte sich bei einem Bauern in Gusborn ein und versorgte die AktivistInnen in allen drei Dörfern.

Kulturelle Happenings und Straßenfeste waren bereits an den Tagen vor dem Tag X für viele Menschen zumindest zeitweilig Anziehungspunkte. Und bereits ab Sonntagabend gab es erste Blockadeaktionen gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern.
Am Dienstag, dem Tag des Schienentransports, waren tagsüber im jedem Dorf nur etwa 30 bis 100 Leute präsent. Trotzdem war es wichtig, dass dieser aktive Kern schon sehr frühzeitig vor Ort war. Zum einen wurde die Infrastruktur weiter aufgebaut, zum anderen entwickelten sich aus diesen kleinen Grüppchen beachtliche Aktionen.
Insgesamt haben über 1.200 Menschen im Rahmen der Aktion WiderSetzen an drei Orten immer wieder die Castor-Transportstrecke blockiert.

Ein Resümee: Es ist einfacher geworden, auf die Straße zu kommen. Es war gut, in mehreren Dörfern gleichzeitig aktiv zu sein. Es ist gelungen, auch die Menschen, die an der Straßenstrecke wohnen, neu zu aktivieren. Die Verbindung von Straßenkultur und politischer Aktion hat vielen neue Energie gegeben. Die Zusammenarbeit mit den Bäuerinnen und Bauern war hervorragend. Es haben sich mehr Menschen an Straßenblockaden beteiligt als in den Jahren zuvor. Die Polizei hat sich zum Teil extrem unkoordiniert, zum Teil aber auch wieder äußerst gewalttätig verhalten. Die Aktiven lassen sich von Gewaltdrohungen der Polizei nicht einschüchtern.

Zwar wurde die Abfahrt der Castoren am Verladekran durch die Blockade in Grippel um einige Zeit verzögert, aber als der Straßentransport dann rollte, konnte er bis auf die Störaktionen in Quickborn ungehindert durchrollen. Die WiderSetzen-Gruppe hatte sich schon im Vorfeld entschieden, mehr auf das politische Signal einer rechtzeitigen Straßenbesetzung durch möglichst viele Menschen zu setzen als auf den Versuch, mit Kleingruppen den Castor selbst aufzuhalten. Hier gibt es also noch immer eine Lücke, die bei zukünftigen Transporten gefüllt werden kann.

Die WiderSetzen-Gruppe arbeitet jedenfalls weiter und macht sich schon jetzt Gedanken, was beim nächsten Tag X möglich ist.

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