Grafik aaa - Zeitung für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen
2003-11-25

Querkopp

Hauptmotiv für die Aktion der "Schwarzen/Autonomen/..." war die Blockade zu schützen. Nur wer hat hier diese Form von Unterstützung gewollt? War das Vorgehen, das offensichtlich organisiert war, mit den Organisatoren der Blockade und (noch wichtiger) mit den anderen BlockiererInnen abgesprochen? Das kann ich mir nicht vorstellen!
Dies ist die entscheidende Frage. Es ist unerheblich, ob die Akteure selbst diesen "Schutz" als erfolgreich und richtig ansehen. Viele Leute auf der Straße haben sich eben offensichtlich nicht geschützt gefühlt. Sie wollten in dieser Situation eben keine Rangelei mit den Bullen.

Ein wichtiger Grundsatz bei gewaltfreien Sitzblockaden ist es, bei der Räumung (einschließlich des Polizeiaufmarsches davor) möglichst ruhig zu bleiben, und eben nur passiv durch Sitzen auf der Straße Widerstand zu leisten, also nicht den Polizeiketten in Konfrontation gegenüber zu stehen. Mensch ist dann schutzlos! Wer das nicht möchte oder kann, sollte sich nicht an einer solchen Aktion beteiligen. Nichts gegen eine konfrontativern Kurs gegen die Polizei an anderer Stelle, aber bitte nicht während einer Sitzblockade.
Damit eine Sitzblockade (in ihren Grenzen) funktioniert, ist es sehr wichtig, dass die BlockiererInnen spätestens bei drohender Räumung geschlossen auf der Straße sitzen und nicht davor oder drum herum stehen. Das hat in Grippel nicht gut geklappt. Wahrscheinlich lag es auch daran, dass die Sitzblockade eben nicht oder nur unzureichend über Bezugsgruppen und SprecherInnenräte organisiert war.

Den gewaltfreien SitzblockiererInnen wird mehrfach mangelnde Solidarität vorgeworfen. Aber warum sollten sie sich mit einer Aktion solidarisieren, die sie nicht wollten. Die Angst, dass bei einer heftigeren Auseinandersetzung vor der Blockade Menschen auf BlockiererInnen, die am Boden sitzen, stürzen, ist doch verständlich. Spätestens in solchem Moment hat man Angst. Der Wunsch der Autonomen, dass die Sitzenden ihnen beispringen, war und ist unrealistisch. Die Enttäuschung darüber ist zwar verständlich aber unvermeidbar. Das hätte allen vorher klar sein können.

Auch wenn ich nicht unterstellen will, dass es alles Absicht war: Faktisch haben die Autonomen in dieser Situation eine nicht von ihnen vorbereitete Aktion dominiert und in dem entscheidenden Moment den Charakter der Aktionsform verändert. Aus meiner Sicht war die Kritik aus der Blockade heraus, auch wenn sie sicher in der Situation wenig verständlich oder nicht unbedingt konstruktiv war, berechtigt.

So wie in Grippel geschehen, kann eine gemeinsame Aktion nicht aussehen.

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