2003-11-13
CASTOR-Schlusserklärung "Die Ungeduld wächst und der Widerstand gegen die Ausstiegsrhetorik des Bundesumweltministers ebenso"
Pressemitteilung BI Lüchow-Dannenberg, 2003-11-13
auf diese Formel bringt die BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg den wachsenden Protest gegen die Castortransporte ins Wendland. 6.000 Menschen hatten sich bereits am Samstag zur Auftaktkundgebung auf einem Acker bei Splietau versammelt, Tausende waren in den Tagen bis zur Ankunft des Castors im "Transportbehälterlager Gorleben" trotz des Demo-Verbots auf der Transportstrecke aktiv. Mit über fünfstündiger Verspätung war der diesjährige Castortransport am Dienstagnachmittag in Dannenberg eingetroffen. Immer wieder hatten Menschen mit Ankettaktionen und Schienenblockaden den Fahrplan der Atommüllfuhre durcheinander gebracht. Zwischen 2.000 und 2.500 Demonstranten stellten sich allein in der Nacht zum Mittwoch auf der Straße quer.
Mit einem Mix von Kultur und Politik hatten die Gorleben-Gegner/innen sich wochenlang auf "Castorelle Landpartie" begeben. Filmnächte, Konzerte, Webcam-Übertragungen und vieles mehr sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Wendland Protest und Widerstand im Vordergrund standen. Besonders auffällig war die positive Stimmung der Demonstranten und der Zulauf junger Leute. Auch im Atomstaat Frankreich fand in diesem Jahr eine Ankettaktion statt. Die BI Umweltschutz beklagt, dass die Polizei das öffentliche Leben in weiten Teilen des Landkreises immer wieder lahm legte. Wie im vergangenen Jahr der Übergriff auf die Freie Schule, so empört in diesem Jahr die Belagerung des Kirchengrundstücks in Langendorf. In ihrer Bilanz prangert die BI das ruppige und harte Abräumen von Sitzblockierer/innen wie auch die abenteuerliche Gefahrenprognose der Bezirksregierung an. Knochenbrüche und andere Verletzungen sind nicht hinnehmbar. Skandalös war wieder einmal die Behandlung der Gefangenen in der Sammelstelle Neu Tramm. Unterstützt wurden die Gorleben-Gegner/innen von Aktionen der Umweltverbände Robin Wood und Greenpeace, u.a. durch Besetzungsaktionen auf den Türmen der "gut bewachten" Förderschächte des Endlagerbauwerks. Sie fordern unisono die Aufgabe des Endlagerstandorts Gorleben.
Die Trittin- Administration müsse endlich regierungsoffiziell die Gründe für die Nichteignung des Salzstocks darlegen. Eine Endlagersuche mit "zwei Leichen im Koffer", nämlich den bereits genehmigten Schacht Konrad in Salzgitter und dem angeblich "eignungshöffigen" Salzstock Gorleben, sei nicht glaubwürdig. Der Weiterbetrieb der AKW´s ohne Entsorgungsnachweis bei gleichzeitig wachsenden Atommüllbergen unverantwortlich, der Ak-End-Prozess sei ins Stocken geraten. Mit dem großen Protest wolle man auch ein Zeichen setzen für die anstehende energiepolitische Richtungsentscheidung, für den Einstieg in die Förderung der Regenerativen. Dass die Zahl der Teilnehmer/innnen sich im Vergleich zum Castordurchgang 2002 fast verdoppelt hat, sei darauf zurückzuführen, dass an Stelle von politischem Handeln der Konflikt nur noch zwischen Polizei und Bevölkerung ausgetragen werde. Die Menschen hätten die Verpolizeilichung des Konflikts satt.
Die BI Umweltschutz reibt sich vor allem an den Erklärungen des Bundesumweltministers. Es sei ein politisch schlechter Stil, nur Halbwahrheiten als Reaktion auf den Protest im Wendland zu verbreiten. Gerade der Verweis auf die Stilllegung des AKW Stade sei peinlich, denn die rein ökonomisch bedingte Abschaltung führe zur Übertragung von Atomstromkontingenten auf die AKW´s Brokdorf und Brunsbüttel und verlängere der Laufzeit. Insgesamt führt der sogenannte "Konsensvertrag" zwischen Bundesregierung und Stromwirtschaft zu einer Verdreifachung der hochaktiven Abfälle gegenüber dem Jahr 2000. "Wenn Trittin jetzt mit dem Finger auf den niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff zeigt, der in Gorleben den als "Erkundung getarnten Bau des Endlagers" (Trittin) weiter ausbauen lassen will, so ist unsere Forderung an die Berliner Adresse klar: Stoppt Gorleben, legt die Atomkraftwerke still und fördert den Ausbau der Regenerativen".
Wolfgang Ehmke 0171 545 4684
Francis Althoff 0170- 939 4684
Dieter Metk 0170- 762 7871
Zurück zur Diskussion
|