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2004-03-18

Wie ich politische Zensur verstehe
von Ilona Joerden

Politische Zensur, wie ich sie verstehe, dient Herrschaftsinteressen: Beiträge von Autoren und Autorinnen werden ganz oder teilweise nicht gedruckt oder nicht gesendet, weil sie in ihrer Substanz bestimmte Herrschaftsinteressen angreifen oder in Frage stellen.

Wird im Sinne von Herrschaftsinteressen eine Veränderung von Texten vorgenommen, ohne dass Autorinnen und Autoren ihr zugestimmt haben, so würde ich nicht von Zensur, sondern von Manipulation sprechen.

Wer grundsätzlich sagt "Die Veränderung von Texten sehen wir als politische Zensur", würde es sehr erschweren, dass überhaupt noch redaktionelle Arbeit geleistet werden kann. Dann könnte jede Zeitung, jedes Magazin nur noch als Loseblatt-Sammlung von unverändert zusammengestellten AutorInnenbeiträgen erscheinen.

Natürlich ist es wünschenswert, dass in einer Zeitung, die Herrschaftsinteressen aufdecken und kritisieren will, die Autorinnen und Autoren mit ihren Beiträgen selbstbestimmt verfahren können. Wenn aber die Redaktion Beiträge ausdrücklich als verändert kennzeichnet und dafür nicht als Motiv hat, irgendwelchen Herrschaftsinteressen zu dienen, sondern eine Auseinandersetzung zum Thema in Gang zu bringen, dann halte ich es für falsch, dieses Vorgehen als "politische Zensur" zu brandmarken.

"Poltische Zensur" gehört zu jenen Begriffen, mit denen man besonders sorgfältig, dass heißt differenzierend umgehen muss, weil der Begriff sonst eine Inflation erfährt, ungenau wird und die Gefährlichkeit wirklicher politischer Zensur vernebelt.

Ilona Joerden

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