Grafik aaa - Zeitung für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen
2004-03-10

Offener Brief an die antiatomaktuell
von SAND

Hallo antiatomaktuell,

wir haben einiges an Kritik an eurem Vorgehen was die Diskussion um die Vorfälle in Grippel angeht.

Ihr habt in der aaa-Dokumentation zum vergangenen CASTOR-Transport ein Bild entstehen lassen, das nicht der Realität entspricht. . Die bewußte Zusammenfassung verschiedener Texte zu einer virtuellen Diskussion - dem "Intergalaktischen Grippel-Disput" - lässt den Eindruck entstehen, diese Diskussion habe wirklich stattgefunden. Die geschickte Anordnung der Texte bis zu einem vergleichsweise harmonische Ende suggeriert, dass es wirkklich schon eine "Lösung" geben würde und die Probleme nach dieser Aussprache aus der Welt wären.

Die Diskussion wirkt abgeschlossen, weitere Stellungnahmen, etwa der Gruppe Wiedersetzen, wirken überflüssig. Es scheint alles gesagt. Tatsache ist aber: Diese Diskussion hatte so nicht stattgefunden und nichts ist gelöst. Wir fragen uns woher dieser unbedingte Wille zur Harmonisierung kommt, dem sogar solidarische Kritik zum Opfer fällt. Wir sehen kontroverse Diskussion innerhalb von politischer Bewegung als etwas Positives und Notwendiges. Solche Diskussion stärkt die Bewegung und ist wichtig, um nicht in Beliebigkeit zu versinken.

. Die Veränderung von Texten sehen wir als politische Zensur. Das Argument, gerade diese aaa müsse lesbarer sein, da sie auch an viele Menschen verkauft würde, die sonst keine aaa kaufen, können wir nicht nachvollziehen. Wer soll hier eigentlich wovor geschützt werden - und von wem? Soll der Eindruck entstehen, es gebe in der Anti-Atom-Szene keine Widersprüche? Abgesehen davon: was hinderte euch daran die Gruppen, deren Texte verwendet wurden, rechtzeitig zu informieren und zu fragen, ob sie ihre Texte für diese virtuelle Diskussion zur Verfügung stellen wollen?

. Für uns hängt die Frage der politischen Zensur zentral mit dem Selbstverständnis der aaa zusammen. Wir sehen und sahen die aaa immer als eine Zeitschrift die ein Forum für Diskussion innerhalb der Anti-AKW-Bewegung bietet. So haben wir es auch bedauert, dass immer sehr wenige Gruppen Beiträge zur Verfügung stellten, und wir haben stets zur Verbreitung der aaa beigetragen und Leute aufgefordert, Beiträge für diese zu verfassen. Jetzt sieht es für uns so aus, als hätten wir uns in diesem Punkt, der das Selbstverständnis betrifft, getäuscht.

Die offene Darstellung von Kontroversen und die Auseinandersetzung darüber ist für uns eine wichtige Grundlage für gemeinsame politische Entwicklung.

Solidarische atomfeindliche Grüsse aus Hamburg

Gruppe SAND

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