2004-02-23
Effekte ionisierender Strahlung
von Clemens von Musil
Hallo,
ich bin auf der Suche nach Informationen zu Effekten ionisierender Strahlung rein zufällig auf Ihre Seiten gestoßen und wundere mich:
Sie scheinen ein recht präzises Bild von Widerstandsveranstaltungen gegen Atomtranstporte zu zeichnen, allerdings findet sich kein einziges aufklärendes Wort darüber, wogegen Sie sich eigentlich stemmen. Wo liegen die Gefahren für Mensch und Umwelt? Wissen *Sie* eigentlich, was Radioaktivität ist, und wo sie vorkommt?
Ohne solche Informationen, fundiert und klar, wirken Ihre, wie auch viele andere Aktionen, hohl und unüberlegt - was schade ist, wenn wirklich mehr dahinter stecken soll als Aktivismus.
Ich denke ein großes Schauspiel, ein karnevaleskes Gotchavergnügen ist es doch nicht, was sie alle eint. Oder?
Mit freundlichem Gruß,
Clemens von Musil
2004-02-25
zum einen und zum anderen
Antwort von Anti-Atom-Aktuell
Lieber Clemens von Musil,
schönen Dank für Deinen Hinweis!
Eine Monatszeitschrift wie die `anti atom aktuell´ hat es nicht immer leicht: zum einen geben wir ein Heft heraus, das seit inzwischen zehn Jahren LeserInnen regelmäßig auf dem Laufenden hält, zum anderen gerät es aber auch immer wieder mal Leuten in die Hände, die sich der Thematik zum ersten Mal intensiver nähern wollen. Die einen wollen wir nicht langweilen durch die Wiederholung dessen, was sie schon häufig gehört, gelesen, diskutiert, zum Teil sogar selbst erarbeitet haben - immerhin sind wir ja eine Initiativenzeitung - , die anderen wollen wir nicht vor den Kopf stoßen, indem wir Dinge als bekannt voraussetzen, die einfach nicht selbstverständlich sind.
Wir bemühen uns zwar darum, eine Balance zu halten, aber das gelingt halt nicht immer. In diesem Kontext ist auch die Dokumentation zu den Castor-Transporten 2003 entstanden: immerhin haben es im vergangenen Herbst sehr viele Menschen auf sich genommen, trotz bitterer Kälte und der Ungewißheit, wie die Konfrontation mit der Staatsmacht endet, gegen Atommüll-Transporte und damit gegen den Betrieb von Atomanlagen zu demonstrieren. Für uns stand im Vordergrund festzuhalten, was in diesem Zusammenhang geschehen ist.
Wenn Du Dir die Mühe machst, einmal in unser Archiv zu klicken, dann wirst Du feststellen, daß es eine große Anzahl von Einzelbeiträgen und Artikelserien gibt, die sich sehr intensiv mit den Themen befassen, weshalb Leute "sich dagegen stemmen". Da geht es um "Effekte ionisierender Strahlung", wie Du es ausdrückst. "Verletzung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit" würden vielleicht andere dazu sagen, "Umweltrassismus", wenn die gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen von Uranabbau gemeint sind, "Angriff auf mein Leben" schreiben andere aus einer weniger distanzierten Perspektive.
Wenn Leute auf die Straße oder auf die Schiene gehen, um sich querzustellen gegen die Atomindustrie, dann wissen sie, warum sie das tun. Die Unterstellung, die häufig zu hören ist, sie täten das zum Beispiel aus purer Lust an der Randale oder aus Abenteuerlust, halte ich für ein bequemes Abwehrargument, um sich nicht aus dem Fernsehsessel wegbewegen zu müssen.
Aber Du hast recht: gerade weil wir wissen, daß sich viele in diesem Land gerne auf diese Art aus der Affäre ziehen, müssen wir die Gründe immer wieder darlegen: klar und fundiert!
Wie gesagt, wir bemühen uns.
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