2004-01-06
Grüße auch an Ernestine!
Antwort an Ernesto
>Der Gorleben-Transport und die Renaissance des esoterischen, religiösen Fundamentalismus
* ein gewaltiger Titel !
>die Heimat ruft
* "Das darf doch nicht wahr sein", war mein erster Gedanke, als ich das Plakat zum ersten Mal sah - "ausgerechnet das weidmännische Symbol männlicher Potenz, der röhrende Hirsch, der den Besitzanspruch auf seine Hirschkühe kundtut, soll zum Widerstand gegen Castor / Polizeistaat und HERR-schaftsstrukturen mobilisieren ? Ausgerechnet das Lieblingsmotiv aus vielen Jagdzimmern und HERR und Frauchen - Stuben!
Oder sollte es sich hier um eine selbstironische Parodie auf den "möchte-gern-stark-sein Widerstand" handeln? Oder um idyllisierende Jahreszeiten -Gefühle: Wenn der Hirsch röhrt, ist es Zeit, im Walde den Castor zu "bejagen"
Nur der Gedanke, dass "die Heimat ruft", ist mir bei diesem Plakat nicht gekommen, denn Hirsche röhren vom Pazifik bis zum Atlantik in vielen Wäldern dieser Erde...
>Alle reden von Erfolg:
* Die meisten Erfolge sind gar keine, sondern nur Reklame, das ist meine Erfahrung.
>Harmonie und Selbstzufriedenheit auf beiden Seiten: der Protest angemeldet, die Ernte eingebracht, die Demokratie gerettet!"
* Die "Demokratie gerettet!" Wie das ? "Der Castor kommt- die Demokratie geht!" wird doch von Protestierenden ständig geklagt - nur wird leider nicht erwähnt, dass es sich bei dieser "Demokratie" um eine Interessengemeinschaft Privilegierter handelt, die Grundrechte und Abschiebeknäste (.z.B.) locker in Einklang bringt.
>Ritualisierung selbst schon in den Denkstrukturen und verbalen Äußerungen. Die Wirklichkeit verdrängt zuungunsten einer virtuellen Scheinwelt/Wunschwelt, in der die konkreten Machtverhältnisse nicht mehr wahrgenommen werden, die Konfrontation um Veränderung und Emanzipation nicht mehr stattfindet."
* Das soll aber doch hoffentlich nicht heißen, sich ohnmächtig zu fühlen: Es muss doch weiter an der Frage gearbeitet werden: Wie kann Mensch Macht loswerden, anstatt machtlos zu werden?
>Die persönliche Befindlichkeit/Betroffenheit im "eigenen Dorf" tritt dann schnell in den Vordergrund.
* wenn nicht mehr wahrgenommen wird, was den Universalgedanken einer zusammengehörigen Menschheit zerstört!
>Kein Wort, keine Andeutung zur Liberalisierung und Globalisierung des Energiemarktes, zum Sozialraub, zu den Kriegen, an denen auch die BRD entscheidend beteiligt ist, zum wieder erstarkenden Rassismus und Antisemitismus, dazu, dass die ökonomische Rationalität politisches Handeln immer stärker bestimmt, ... und dazu, wie diese Fragen mit der Energiepolitik und damit auch mit den CASTOR-Transporten zusammenhängen.
* "Die ökonomische Rationalität" - der Begriff klingt technokratisch. Es handelt sich in der Sache doch um etwas Abscheuliches, um die Vergewaltigungslogik einer Verwertungs-Ideologie, in der alles seinen Preis hat und nichts mehr seinen Wert.
>Dass darüber nicht gesprochen wurde, ist sicher nicht zufällig. Ist der Angst geschuldet, diese herrschenden Verhältnisse grundsätzlich in Frage stellen zu müssen, und der Hoffnung, durch "Korrekturen von Auswüchsen" für sich persönlich die Situation verbessern zu können.
* "Angst und Hoffnung" - Zwei Zustände, gegen, die sich schwer anreden lässt - TROTZDEM: Wie wäre es mit einer ALTERNATIVE gewesen: War im Vorfeld nicht zu erreichen, dass "die Gruppe ERNESTO" ihre umfassende Perspektive in einem Redebeitrag darstellen konnte - und warum nicht?
>Das zeigt sich auch in der immer wieder erwähnten Forderung, in der BRD nach einem geeigneten Standort für ein Endlager zu suchen und Gorleben als ungeeignet aufzugeben. Und das wider besseren Wissens, dass es so ein geeignetes Endlager gar nicht geben kann. Sollte sich herausstellen, dass Gorleben sich zwar nicht eignet, aber dass es das geeignete Endlager ist (und das wissenschaftlich zu beweisen, wird nicht schwer fallen, das ist eine Frage des Wissenschafts-Begriffs), dann werden die RednerInnen der Kundgebung und einige SprecherInnen der BI-Lüchow-Dannenberg ein Problem haben - politisch, philosophisch, moralisch!
* Dass die Diskussion um die Frage, "Wohin mit dem Atommüll?" eine Falle ist, muss sich in Wendland/ "AKEndlagerkreisen" erst noch herumsprechen. Die Verantwortung der Anti-Atom- Bewegung liegt darin, für die Stilllegung aller Atomanlagen zu kämpfen, eingeschlossen Uranabbau und Uranverwertung, auch für militärische Zwecke, und zwar im globalen Kontext sozialer, kultureller und ökologischer Fragen. An der Entsorgungs-Vortäuschung, sprich Endlagersuche, mitzubasteln, ist nun wahrlich nicht ihre Aufgabe.
>die Blockade in Grippel: (...) Es gibt zaghafte Protestrufe: "lasst das", "was soll das", "haut ab", ... Der Moderater der Sitzblockade mischt sich über Lautsprecher ein, aber nicht, indem er die Polizei auffordert, ihr Verhalten sofort einzustellen und sich zurückzuziehen, und die DemonstrantInnen auffordert, es nicht zuzulassen, dass einige von ihnen herausgegriffen werden
* Mir scheint, hier war "die Gruppe ERNESTO" Augenzeuge, wenn nicht sogar unmittelbar beteiligt. Konnte sie nicht, wie sie hier alternativ beschreibt, die Polizei auffordern, ihr Verhalten sofort einzustellen und sich zurückzuziehen, und die DemonstrantInnen auffordern, sich zusammenzuschließen und es nicht zuzulassen, dass einige von ihnen herausgegriffen werden ? Warum tat die Gruppe ERNESTO dies nicht?
>über Lautsprecher kommt das Lied: "Comandante Che Guevara" (was hat Che Guevara, ein weltweites Symbol für den bewaffneten Widerstand gegen Unterdrückung, wohl mit dem Geist der Sitzblockaden-Aufführung zu tun?)
* Schade , dass wir das den Comandante Ernesto Che Guevara nicht mehr selber fragen können - vielleicht , gäbe er eine verblüffende Antwort.
>Das Ganze mutete wie die Inszenierung eines Theaterstücks an - Bilder nach Außen, die beteiligten Menschen Statisten.
* Im "Theater " des Lebens gibt es viele Statisten, die gelernt haben, ihr idealistisches Selbstbild zu pflegen, indem sie eine soziale Maske aufsetzen. z. B. die des ewigen Friedensstifters, (anders müssten sie vom mainstream diktierte Verhaltensweisen ablegen und das bringt ÄÄÄÄRGER! )
>(...)die Frage ist, wieweit und wie stark die hier beschriebenen Aspekte zurzeit den Geist des Protestes im Wendland prägen?
* Meine Einschätzung und Antwort: Leider sehr stark, wie der 1. Ratschlag nach dem Castor widerspiegelte.
>Die radikale Linke - gibt es sie überhaupt noch als Gruppenübergreifendes Kollektiv? -scheint sich weitgehend aus diesen Auseinandersetzungen verabschiedet zu haben: keine Transparente, keine Parolen, keine Flugblätter, keine eigenen Beiträge auf der Auftaktkundgebung.
* Nicht einmal die "Gruppe ERNESTO" hatte ein inhaltlich wirklich gutes Transparent dabei? und fragt dann nach der "radikalen Linken"? Ich hatte ein Transparent mit der Aussage "frei bewegen unser Recht gegen Castor /Polizeistaat" - vielleicht erscheint Euch das nicht politisch. Für mich ist es eine politische Aufforderung, in der Transportsituation in konkreter Aktion auf einem Grundrecht zu bestehen! Politische Forderungen, die keine Konkretisierung erlauben, halte ich für "Maulheldentum".
>Ist es zu akzeptieren, dass große Teile der Linken diese Entwicklung so tatenlos und desinteressiert ablaufen lassen?
* NEIN ! (Ich vermute, die Frage ist eine rein rethorische)
>(...)rechtfertigt das, auf die eigene Stimme und eigenes Eingreifen an dieser Stelle zu verzichten, eine historische, politische und kulturelle Kontinuität aufzugeben?
* NEIN ! (Ich vermute, auch dies ist eine rein rhetorische Frage) Ich glaube, ein Grund für Entpolitisierung ist: Wenn politisches Handeln vorwiegend als Reaktion verstanden wird und nicht als Provokation /Aktion zur Verwirklichung eigener Lebensvorstellungen gelingt, dann kommt es zur Ermüdung und Flucht in "schützende" Rituale .
>Zumal ökologisches Denken nicht unbedingt mit Kritik an den herrschenden Verhältnissen zu tun haben muss sondern sich auch auf eine Kritik an Auswüchsen im Rahmen der herrschenden Verhältnisse beschränken kann.
* Dann sollte es treffender Blut- und Boden und Volk -reinhalte-Ideologie genannt werden )
>Das lässt sich auch gut an der Wertschätzung von "Natur", von "Natur-" und "LebensSchutz" im Nationalsozialismus nachvollziehen.
* Der Comandante Ernesto, Che Guevara sagte einmal, (dem Sinne nach), dass ein wahrer Revolutionär nur der sein kann, der mit den Unterdrückten und Leidenden in der Welt tief mitfühlen kann. Zu ihnen gehören auch alle, deren natürliche Lebensgrundlagen vergiftet wurden durch imperiale Macht- und Kapitalinteressen, so dass ihr Leben zum langsamen Dahinsiechen wird - nicht allein durch Krankheit, sondern gerade auch durch die mit dem Öko-Rassismus verbundene Zerstörung sozialer und kultureller Lebens-Energie. Aborigines in Australien oder die Indianer Amerikas beklagen das immer wieder. Sie dürfen deswegen nicht abgestempelt werden als esoterische oder religiöse Fundamentalisten oder gar gleichgesetzt werden mit den Gefolgschaften des Blut- und Bodenkultes der Nazi-Ideologie, der aus dem Nationalismus einer HERREN-Rassen-Ideologie stammte, und nicht aus dem Universalismus-Denken von einer zusammengehörigen Menschheit, wie er bei vielen Indianerkulturen und Aborigines zum Ausdruck kommt. Wenn sie sinngemäß von "Natur erhalten," "Schöpfung bewahren" , "Mutter -Erde" -"Pachamama " sprechen, hat das einen anderen kulturellen Hintergrund als in der BRD mit ihrer Geschichte des Nationalsozialismus. Es ist eben nicht dasselbe, wenn zwei das Gleiche zu tun scheinen.
Wer darf sich darf sich dann in diesem Kontext zu Recht "ERNESTO" nennen?
>Und über Ähnliches ließe sich noch viel berichten.
* z. B, von der Einladung an eine Aboriginefrau, die zusammen mit einer "weißen" Australierin bei der Kundgebung von ihrem Leben und Zielen und den Folgen des Uranabbaus sprechen konnten - ein Zeichen dafür , dass BI und Bäuerliche Notgemeinschaft nach jahrelanger Ablehnung endlich öffentlich zustimmten: Uranabbau, Öko-Rassismus, geht uns etwas an, auch wenn er nicht im Landkreis Lüchow-Dannenberg stattfindet.
Denn ein Atomausstieg, der nicht global gilt, ist keiner - ebenso wenig wie Menschrechte, die nicht für alle Menschen gelten , keine sind.
Grüsse auch an ERNESTINE
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