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„Neue Impulse
in den internationalen
Beziehungen sind von
München ausgegangen.
Die USA wollen nach dem
Antritt der neuen US-Regierung
die Partnerschaft
mit Europa erneuern.“ so
heißt es von offi zieller Seite
über die diesjährige Münchner
Sicherheitskonferenz. Sicherheit in einem „neuen Sinn“ Referat von Leo Mayer „Joseph Biden, Vize-Präsident der USA, unterstrich die .. Erwartung an die Partner der USA, verstärkt für die gemeinsamen Werte und Ziele einzutreten.. „Amerika braucht die Welt – wie die Welt Amerika braucht“, sagte Biden.“ James Jones, Nationaler Sicherheitsberater der USA, erklärte, dass Sicherheit heute nicht mehr nur unter Aspekten des Terrorismus und der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen verstanden werden könne, sondern auch Drogenhandel, Energiesicherheit, Armut, Korruption, Umweltkatastrophen und Wirtschaftskrisen umfasse. Bereits im Vorfeld der Sicherheitskonferenz hatten Angela Merkel und Nicolas Sarkozy erklärt: „Sicherheitspolitik muss in einem neuen erweiterten Sinne verstanden werden. Dazu gehören neben den Fragen der militärischen Sicherheit Fragen der weltweiten Finanzarchitektur ebenso wie die der Energieversorgung oder der Migration. .. Angesichts der Herausforderungen braucht Europa die Vereinigten Staaten von Amerika und die USA brauchen einen starken europäischen Partner.“ Energieversorgung und Migration - das wurde schon vor geraumer Zeit zum Aufgabengebiet der Nato erklärt. Aber Wirtschafts- und Finanzkrise? Will die Nato jetzt den Banken die faulen Kredite abnehmen? Der Zusammenhang ist ein anderer. Milliardenheer an Globalisierungsverlierern Mit der gegenwärtigen Krise verstärken sich alle Widersprüche, die die kapitalistischen Produktionsweise in den letzten Jahren hervorgerufen hat. Der Siegeszug des neoliberalen Kapitalismus hat Verwüstungen und „verbrannte Erde“ hinter sich gelassen. Der Bericht der Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen UNDP (United Nations Development Conference) für die Neunziger Jahre ist ein Bericht über den Horror der Wirklichkeit:
Angesichts dieser Zustände rief die UNO in ihrer „Milleniums-Erklärung“ auf, bis 2015 den Anteil der Menschen in extremer Armut und den Anteil der Hunger-Leidenden zu halbieren. Fünf Jahre später, im Jahr 2005 kam die UNDP bei der Untersuchung der Zwischenergebnisse zu dem vernichtenden Ergebnis: „Fast alle Ziele werden von den meisten Ländern verfehlt werden, einige davon mit riesengroßem Abstand.“
Selbst bei dem zentralen Ziel, der Bekämpfung des Hungers, wurde völlig versagt. Mussten 1996 801 Millionen Menschen hungern, so waren es 2003 834 Millionen. In den Jahren 2007/2008 hat sich die Zahl der Hungernden weiter erhöht: von 848 auf 923 Millionen Menschen, d.h. jeder siebte Mensch auf dieser Erde ist unterernährt; Tendenz steigend. Dies waren die Ergebnisse der kapitalistischen Produktionsweise in einer Phase des weltweiten wirtschaftlichen Aufschwungs. Vier Jahre, bis zum Sommer 2007, boomte die Weltwirtschaft sogar mit Zuwachsraten wie zuletzt in den 1970er Jahren. Um durchschnittlich 5 Prozent nahm das globale Bruttosozialprodukt Jahr für Jahr zu. Nahezu Dreiviertel des Zuwachses kam von den Schwellen- und Entwicklungsländern. KriseDoch jetzt rast mit einer noch nie dage we - senen Geschwindigkeit die Krise rund um den Globus; hat sich in alle Bereiche der Wirtschaft hineingefressen und hin terlässt eine Spur der Verwüstung. Nach einer Prognose der UNCTAD fallen die Industrieländer in eine tiefe Rezession, die Wirtschaft der Entwicklungsländer wird nur noch um 2,7 Prozent wachsen – zu wenig, um die Armut zu reduzieren - und die globale Wirtschaft wird abnehmen. Das globale Bruttoinlandsprodukt wird um 1,5 Prozent fallen - „ein Ereignis, das seit den dreißiger Jahren nicht mehr vorgekommen ist“. Somit werden die Ziele der Milleniums-Erklärung in noch weitere Entfernung rücken. Nur durch die Steigerung der Lebensmittelpreise werden über 125 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern in extreme Armut getrieben. Laut UNO
Die Internationale Arbeitsagentur ILO befürchtet, dass die Zahl der Arbeitslosen um 50 Millionen auf über 200 Millionen steigen könnte. Sie schreibt: „Was als Krise des Finanzmarktes begann, ist ganz schnell zu einer globalen Job- Krise geworden. Die Arbeitslosigkeit steigt. Die Zahl der „working poor“ wächst. Es besteht die Gefahr, dass 200 Millionen Arbeiter, die meisten in den Entwicklungsländern, in die extreme Armut gestoßen werden. Die Zahl der „working poor“ steigt möglicherweise auf 1,4 Milliarden, oder 45 Prozent aller Beschäftigten.“ Für die Europäische Union erwartet die EU-Kommission, dass annähernd 3,5 Mio. Arbeitsplätze vernichtet werden. Inzwischen werden die Prognosen noch düsterer. Schwellenländer in der KriseDie Schwellenländer werden durch die von den kapitalistischen Zentren ausgehende globale Wirtschaftskrise doppelt belastet:
Die Währungen verlieren rapide an Wert, weil die Gefahr immer größer wird, dass diese Länder ihre Euro- und Dollarschulden nicht zurückzahlen können. Mit dem Verfall der Währungen wird es für die Schuldner in diesen Ländern wiederum noch schwerer, ihre Auslandskredite zu bedienen. Gleichgültig, ob es sich um Oligarchen, Banken, Firmen oder Staaten handelt, die sich Geld im Ausland geliehen hatten. Die Lasten werden auf die Bevölkerung abgewälzt. Lebensmittelkrise Dazu kommt in den Entwicklungsländern die Lebensmittelkrise. Es ist nicht so, wie Angela Merkel meint: 250 Mio. Inder essen neuerdings zweimal am Tag! Kein Wunder, dass die Preise steigen. Also, weil die Inder und Chinesen essen wollen, muss der Rest der Welt hungern. Tatsächlich gibt es in den Schwellenländern eine wachsende Schicht, die sich Lebensmittel leisten können und deren Ernährungsgewohnheiten sich dem westlichen Vorbild annähern: Fleisch statt Getreide und Gemüse. Hier zeigt sich die menschenverachtende Seite des westlichen Konsumtionsmodells und des Marktes. Kein Fleisch-Esser oder Biosprit- Tanker möchte irgendjemanden anderem das Essen wegnehmen. Aber über die Kräfte des Marktes tut er es - lautlos und anonym. Nicht der Konsum von Fleisch ist zu verurteilen, sondern das Verbrechen liegt darin, die Verteilung von Lebensmitteln dem Weltmarkt zu überlassen. Übrigens: China führt mehr Fleisch, Weizen und Mais aus, als es importiert. Die hauptsächlichen Gründe:
Die jahrzehntelange Politik von IWF und Weltbank hat mit ihren Strukturanpassungsprogrammen dafür gesorgt, dass die landwirtschaftliche Produktion in den Entwicklungsund Schwellenländern auf Export, und nicht auf die Versorgung der eigenen Bevölkerung, ausgerichtet wurde. Im Gegenzug wirft der hochsubventionierte agro-industrielle Komplex der kapitalistischen Zentren die Überschussproduktion zu Schleuderpreisen auf den Weltmarkt und hat so die lokale landwirtschaftliche Produktion der Kleinbauern in den Entwicklungsländern ruiniert. In den Entwicklungsländern lohnten sich - angesichts der niedrigen Agrarpreise - Investitionen in die Landwirtschaft kaum. Zusammenfassend: Die Preisexplosion bei Lebensmittel und die damit verbundene Ernährungskrise ist nicht die einfache Folge einer gestiegenen Nachfrage nach Lebensmitteln oder nur des Anbaus für Bio-Sprit, sondern hat direkt mit der Funktionsweise des kapitalistischen Weltmarktes zu tun. Dem bitteren Mangel großer Teile der Weltbevölkerung steht der irrational übersteigerte Konsumismus im Norden und der Eliten im Süden gegenüber. Sechshundert Millionen Autos verstopfen die Städte und verpesten die Luft. Jährlich steigt der CO2-Ausstoß um drei Prozent. Krise des globalen Kapitalismus Als „synchronen globalen Abschwung“ bezeichnet die UNCTAD die Krise: „Solch ein globaler synchronisierter Abschwung ist der erste dieser Art in der Nachkriegszeit.“ Was die UNCTAD als Synchronisierung des Abschwungs bezeichnet, ist die Krise des globalen Kapitalismus. Denn nicht nur US-amerikanische Hauskäufer, Banken und Konzerne brechen zusammen, sondern das Wachstumsmodell des globalen Kapitalismus ist am Zusammenbrechen: Das Wachstum, der Konsum und die Profite in den USA fungierten als Lokomotive für die gesamte Weltwirtschaft. auf Export getrimmtAsiatische Schwellenländer und Industrieländer wie Deutschland und Japan haben ihre Produktion auf Export getrimmt. Zur Stärkung der Exportfähigkeit wird rationalisiert und restrukturiert, werden die Löhne gesenkt und die Arbeitszeit flexibilisiert und verlängert. Leiharbeit, befristete Beschäftigung und ein wachsender Niedriglohnsektor erhöhen den Druck auf die Arbeitskraft. Dadurch wird die Kluft zwischen Produktionsmöglichkeit und Kaufkraft im Inland immer größer. Für die Konzerne allerdings werden die sinkenden Absatzmöglichkeiten auf dem Binnenmarkt durch die gestiegene Exportfähigkeit mehr als wettgemacht. Aber was die einen produzieren und exportieren, das müssen andere importieren und konsumieren. Schuldenfinanzierter Konsum in den USADas besorgten die USA. Ihre Verbraucher kauften die Computer, Spielwaren, Textilien, .. aus China und die Autos aus Deutschland. So wurde der Konsum der US-Haushalte zum wichtigsten Faktor des weltweiten Wirtschaftswachstums. Wie ein Staubsauger saugten die USA die in aller Welt produzierten Waren auf. Für diesen Konsum gaben die US-Haushalte mehr Geld aus, als sie verdienten - denn auch in den USA stagnierten, wie nahezu überall auf der Welt, die Löhne. So wurde die Neuwagen, Computer, Heimkinos auf Pump finanziert.
Solange der Export auf Hochtouren lief, häuften Deutschland, China, Japan und die anderen Exportländer Jahr für Jahr größere Devisenberge auf. Bei den USA klaffte dagegen ein schwarzes Loch. Die USA mussten im Jahr 2007 täglich annähernd zwei Mrd. Dollar ins Land holen, um die Lücke zu schließen. Und so saugten die USA nicht nur die in aller Welt produzierten Waren auf, sondern auch das überschüssige Kapital, das in den jeweiligen Ländern nicht investiert wurde. Damit waren die USA in der Lage, ihr Muster eines konsumgetriebenen Wachstums aufrechtzuerhalten und ein übermäßig ausgeweitetes Finanzsystem zu unterhalten – so lange, wie die Immobilienpreise weiter stiegen. Zusammenfassend: . Um dem Problem der Überkapazitäten zu entgehen, wurden mit dem neoliberalen Kapitalismus die Grenzen niedergerissen und ein globaler Produktions- und Konsumtionsraum hergestellt. Regierungen und Unternehmerverbände starteten einen Angriff auf Löhne, Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen und die sozialstaatliche Absicherung insgesamt. Die Löhne stagnierten bzw. sanken; und damit auch die Kaufkraft. . Durch moderne Produktionsmittel, veränderte Arbeitsorganisation sowie durch den Aufbau von internationalen Entwicklungs- und Produktionsnetzwerken wurde die Arbeitsproduktivität rasant gesteigert. . Aber während die Profitquote - also der Anteil der Unternehmensgewinne am Volkseinkommen - stieg, ging die Investitionsquote zurück. Die überschüssigen Mittel drängen auf die nationalen und internationalen Finanzmärkte, um dort - in der Sphäre der Finanzzirkulation - Gewinne zu erzielen. . Dazu kommt die Umverteilung von Unten nach Oben und von Nord nach Süd, was zur Anhäufung ungeheurer Geldvermögen bei den Reichen, und zu sinkender Kaufkraft und Konsumtionsfähigkeit bei den Arbeiterhaushalten führt. . Ein übriges tut der Umbau von den umlagefinanzierten sozialen Sicherungssystemen zu kapitalgedeckten Systemen, die von Pensionsfonds und Versicherungen verwaltet werden. So sammelt sich eine riesige Geldmenge an, für die es keine Möglichkeit gibt, sich in der Sphäre der Produktion von Gütern und Dienstleistungen rentabel zu verwerten. Der Ausweg ist
. Der Weg zur Lösung des Problems der Überproduktion hat diese in globalem Maßstab verschärft anstatt zu lösen und hat zu einer neuen, viel fundamentaleren Krise geführt. . Als die Blase platze, setze eine Rezession der Realwirtschaft ein und der Finanzsektor brach zusammen. Die Rezession wiederum verschlimmert den Zusammenbruch der Finanzmärkte, weil zunehmend Konsumentenund Unternehmenskredite ausfallen. Der Zusammenbruch der Finanzmärkte verstärkt die Rezession, weil der Zugang zu Krediten erschwert wird. Schon diese sich gegenseitig verstärkenden Wechselbeziehungen haben das Potenzial für eine Katastrophe. . Es handelt sich nicht nur um die Kombination einer Finanzkrise mit einer „normalen“ zyklischen Krise, sondern das bisherige Wachstumsmodell des globalen Kapitalismus von Produktion, Konsumtion und Akkumulation von Kapital und Profit ist am Zusammenbrechen. Eine ganze Phase kapitalistischer Entwicklung erschöpft sich, und es ist keine Alternative in Sicht. . Es verflechten sich vielfältige Krisenprozesse:
Jeder einzelne dieser Krisenprozesse beeinflusst den anderen. Sie treiben sich gegenseitig an. Zugriff auf EnergieHauptproblem: die Erschöpfung der natürlichen Ressourcen und die Zerstörung der Lebensgrundlage der menschlichen Existenz. In den Staaten der transatlantischen Gemeinschaft, d.h. in den Mitgliedsländern der Nato und/oder der EU-Staaten leben nur 13 Prozent der Weltbevölkerung. Aber diese Länder vereinigen 63 Prozent des Weltsozialprodukts und über 77 Prozent der weltweiten Rüstungsausgaben auf sich. Sie verbrauchen die Hälfte der weltweiten Ölförderung. Allein die USA zählen für 29 Prozent des Weltsozialprodukts; sie verbrauchen 26 Prozent des global geförderten Öls; der Rüstungsetat des Pentagon ist Jahr für Jahr ungefähr zehnmal so hoch wie derjenige von Frankreich, Deutschland und Großbritannien zusammen. Die heutige, kapitalistische Produktionsweise schließt aus, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung an der Nutzung der Naturressourcen gleichberechtigt beteiligt wird. China, Indien und die Schwellen- und Entwicklungsländer insgesamt benötigen diese Ressourcen ebenfalls für ihre Entwicklung. Die kapitalistischen Zentren müssen den Zugriff dieser Länder aber begrenzen. Sie können nicht zulassen, dass die nachholenden Länder und die Mehrheit der Weltbevölkerung die begrenzten Ressourcen auf die gleiche Weise nutzen: Das geht nur durch politischen, wirtschaftlichen und letztendlich militärischen Druck; d.h. durch Krieg. Die militärische Komponente in der Politik der kapitalistischen Zentren - insbesondere der USA - muss sich systematisch verstärken. Die Monopolisierung des Zugriffs auf die Energieressourcen und die Sicherung der Transportwege wird zur Überlebensfrage. Deshalb drängen die imperialistischen Staaten unter Führung durch die USA danach,
. das Kaspische Becken mit seinen gewaltigen Gas- und Ölvorräten, Afrikas Bedeutung für den globalen Kapitalismus wächst wegen der Ölreserven und anderer seltener Rohstoffe sowie zur Sicherung der Transportrouten. Ein neuer Kolonialismus wird errichtet, um Ressourcen und Transportwege direkt zu kontrollieren. Globale Machtverhältnisse Die Vorherrschaft der USA hing in der Vergangenheit entscheidend davon ab, dass sie sich und ihre Verbündeten
. mit billigem Öl und In den zurückliegenden Jahren haben einige Entwicklungs- und Schwellenländer, v.a. die BRIC-Länder Brasilien, Russland, Indien, China - Exportüberschüsse erzielen, Devisenreserven ansammeln, und ihre Position im Machtgefüge des globalen Kapitalismus ausbauen können. In der Studie „Global Trend 2025“ sagt das National Intelligence Council, das Zentrum der US-Geheimdienste für strategische Prognosen, voraus: „Der wirtschaftliche und politische Einfluss der USA wird in den kommenden zwei Jahrzehnten sinken. Es wird mehr Unruhen auf der Welt geben, Nahrungsmittel und Wasser werden knapper, Waffen immer zahlreicher. .. China wird die Welt im Laufe der nächsten 20 Jahre voraussichtlich stärker als jedes andere Land beeinflussen.“ China So dürften die Fragen des Verhältnisses Chinas zur ökonomischen und politischen Supermacht USA entscheidend werden: des Verhältnisses des weltgrößten Gläubigers zum größten Schuldner der Welt: „Jeder Amerikaner schuldet China inzwischen 4000 Dollar“. Der Grat zwischen Einbeziehung Chinas in die westlich dominierten Global-Institutionen (G-7, G-20; IWF) und politisch-ökonomischer oder gar militärischer Konfrontation ist sehr schmal. Es stellen sich auch die Fragen: Ist China dauerhaft bereit, die US-Schuldenwirtschaft zu finanzieren? Vor allem, wenn diese Verschuldung zu einem Schwarzen Loch wird und Gefahren des Dollarverfalls und Hyperinflation drohen? Was passiert, wenn die USA über Dollar-Abwertung sich eines Teils ihrer Schulden entledigen und ihre Finanzverluste externalisieren? Dann drohen Abwertungswettlauf, Handelsdiskriminierungen und auch politische Auseinandersetzungen. „Absteiger können sehr unangenehm werden, wenn sie keinen Ausweg mehr sehen“, schreibt Die Zeit. Vor allem, wenn sie über das militärische Machtpotenzial wie die USA verfügen und in ihrem „No-Rivals- Plan“ festgeschrieben haben, dass sie künftig – nach dem Fall der Sowjetunion - einen Konkurrenten strategischer Dimension nicht mehr dulden werden.
Krise als Gefahr Dennis Blair (Ex-Admiral), der nationale Direktor der US-Geheimdienste hat kürzlich erklärt, dass die größte Gefahr für die internationale und US-Sicherheit nicht vom Terrorismus ausgeht, sondern von der globalen Wirtschaftskrise. Sie führe in Ländern, wo schwache staatliche Institutionen mit wachsender Armut und Perspektivlosigkeit der Bevölkerungen zusammen treffe, zu sozialen Unruhen, ethnischen Konflikten und möglicherweise Kriegen. Die USA müssten ihr Augenmerk in dieser Richtung schärfen. Und in der Tat: • Im Frühjahr 2008 brachen Hungerrevolten in Haiti, Kamerun, Ägypten, Äthiopien, Indien, Indonesien und Senegal aus. In Haiti wurde die Regierung zum Rücktritt gezwungen. • Im Dezember 2008 wurde Griechenland von wochenlangen Revolten erfasst. Die Unruhen waren verursacht durch die Zukunfts- und Perspektivlosigkeit für die Jugend. • Im Januar 2009 kam es zu Massenstreiks, Massendemonstrationen, Revolten und Straßenschlachten in Island, Lettland, Litauen, Bulgarien, Griechenland, Irland und Italien. Die lettische und die isländische Regierung mussten zurücktreten. Wenn sich die Prognosen von UNCTAD, IWF und Weltbank erfüllen - und wenig spricht dagegen; im Gegenteil: die Prognosen werden von Monat zu Monat düsterer - dann waren diese Unruhen nur der Auftakt. Dazu kommt, dass sich vor allem in Südamerika ganze Bevölkerungsmehrheiten und Regierungen vom Neoliberalismus losgesagt haben und nach neuen Wegen einer selbstständigen Entwicklung suchen. Das Gewicht Chinas erhöht sich in der Weltwirtschaft und in der Weltpolitik. In diesen Zusammenhängen wird dann auch verständlich, wieso die Finanzkrise zu einem Thema der Sicherheit und der Nato wird. Sowohl nach innen, wie nach außen: Denn die Nato war immer auch das Instrument, mit dem gesellschaftliche Umwälzungen in den Mitgliedsländern verhindert werden sollten. In Erinnerung ist, dass in den westeuropäischen Nato-Ländern Geheim- und Terrororganisationen, wie „Gladio“ in Italien, zum Kampf gegen den Kommunismus aufgebaut wurden. In dieser Hinsicht wird mit der Nato-Osterweiterung sowohl der Einfluss der USA in Europa wie auch die gemeinsame kapitalistische Landnahme nach Osten gegen Innen abgesichert. Kriege zur Verteidigung des Wohlstandes In brutaler Offenheit wurde bereits vor einigen Jahren in der Zeitschrift der Bundeswehr „Truppenpraxis/Wehrausbildung” formuliert: „Die globale Konzentration des Wohlstands hat sich in den letzten Jahren wieder verstärkt, nachdem er etwa hundert Jahre etwas gleichmäßiger verteilt worden war. Die westlichen Länder und einige besonders anpassungsfähige Länder im Fernen Osten befinden sich in einem Zyklus der Wohlstandsmehrung, dessen Ende sich trotz gelegentlicher Handelskonflikte und Rezessionen nicht vorhersagen lässt. Die Besonderheiten des Wettbewerbs in der heutigen Zeit bringen es aber mit sich, dass in diesem Klub nicht mehr viele neue Mitglieder aufgenommen werden können. (...) Diese Entwicklung könnte zur Entstehung eines Proletariats führen, das auf Dauer vom Fortschritt ausgeschlossen ist. Staaten, Völker und ganze Kontinente außerhalb des Westens würden dazu verurteilt sein, in ständiger Armut zu leben. (...) Hoffnungen auf eine bessere Zukunft hat die Wut über die ungerechte Verteilung des Wohlstands lange gedämpft. Die Gegensätze zwischen arm und reich werden jedoch immer größer. Noch lassen die kurz Gekommenen ihre dumpfe Wut nur an den am nächsten gelegenen Zielen aus – an rivalisierenden Clans oder Stämmen, Angehörigen einer religiösen oder ethnischen Minderheit oder ihrer eigenen schwachen Regierung”. Aber das könne sich ja ändern. Deshalb die krisen- und kriegsszenarische Schlussfolgerung: „Die großen Kriege des 20. Jahrhunderts fanden zwischen wohlhabenden Staaten statt. Im nächsten Jahrhundert werden die jetzt in Frieden miteinander lebenden wohlhabenden Staaten gegen die Völker der armen Staaten und Regionen ihren Wohlstand verteidigen müssen”. „Verteidigung des Wohlstands” und Aufrechterhaltung der Produktionsweise des globalisierten Kapitalismus erfordern einen ungehemmten und weitgehend exklusiven Zugriff der G-7-Staaten und ihrer Multis zu den begrenzten Ressourcen der Erde. Die Strategie und militärische Ausrüstung der Nato und ihrer Mitgliedsländer wie auch der EU wurden und werden diesen Herausforderungen angepasst; Aus rüstung für schnelle Eingreiftruppen und Kampfeinsätze in fernen Ländern sowie Strategien zur Aufstandsbekämpfung erhalten Priorität. Die Konrad Adenauer Stiftung bringt es auf den Punkt: „Im weitesten Sinne ist die Nato heute die Schutzmacht der Globalisierung.“ Mit der gegenwärtigen und noch länger anhaltende Krise des Kapitalismus . werden die Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise und die Möglichkeiten ihrer Überwindung sichtbar; . gleichzeitig wächst zum Einen die Gefahr noch schlimmerer finanzieller, wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Krisen; . zugleich verstärken sich die autoritären, militaristischen Tendenzen und die Bereitschaft zum Krieg. Angesichts dieser neuen geschichtlichen Situation möchte ich uns einen (Antonio Gramsci zugeschriebenen) Slogan ans Herz legen: „Pessimismus des Verstandes - Optimismus des Willens!“ @
Im Vorfeld der Demonstrationen zum | ||
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