Real gibt es keinen Staat, der mit seinem Atomtechnologieprogramm nicht auch militärische Interessen verfolgt bzw. verfolgt hat. Dabei ging bzw. geht es zum Teil nicht um die reale Produktion von Atomsprengköpfen, sondern darum das Potential zur Produktion von Atomsprengköpfen zu erlangen, bzw. mit Atomreaktoren sich in Form von technologischem Potenzgebaren wichtig zu machen. In vielen Fällen, z.B. Schweden, wurden aber auch entgegen internationaler Äußerungen über Jahrzehnte geheime Atomwaffenprogramme verfolgt. Dadurch entstanden vielfach atomindustrielle Komplexe, die auch bei veränderter politischer Ausgangslage und Wegfall der militärischen Interessen, ihr Fortbestehen zu sichern wußten beziehungsweise wissen. Um Atomsprengköpfe zu produzieren, brauchen Staaten die Fähigkeit zur Produktion von hochangereichertem Uran oder von Plutonium. Die Technologien dafür sind die selben, wie die Techniken der ‚zivilen‘ Atomtechnologie. Die Urananreicherung ist notwendig für die Produktion von Reaktorbrennelementen. Und die Technologie der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente kann auch zur Produktion von Plutoniumbomben verwendet werden. Zum Teil wurden gezielt ‚zivile‘ Reaktortypen (z.B. Schwerwasserreaktoren) entwickelt die die Produktion von bombenfähigen Plutonium möglichst einfach gestalten. Jedes Land, das über eine dieser Technologien (Anreicherung, Wiederaufarbeitung - zum Teil reichen auch Teile dieser Technologien) verfügt, ist in der Lage Atomsprengköpfe zu produzieren. Das heißt, jedes Land, das einen vollständigen Brennstoffkreislauf für die ‚zivile‘ Atomtechnologie unterhält, ist potentielle Atommacht. Das diese militärische Option kein Zubrot, sondern dass eigentliche Ziel, darstellt(e), wird deutlich bei der Betrachtung einzelner Länder. Beispielhaft soll dies hier dargestellt werden an den Ländern; Schweden, Japan, BRD und Iran. Schweden In Schweden begann das Atomtechnologieprogramm mit geheimen militärischem Schwerpunkt. Von Ende der 40er bis Anfang der 70er Jahre versuchte Schweden sich den autonomen Zugriff auf Atomwaffentechnologie zu sichern. Herzstücke des schwedischen Atomwaffenprogramms war der eigene Uranabbau und ein Schwerwasserreaktor in einem Außenbezirk Stockholms, der 1958 in Betrieb ging und zur Produktion von Plutonium gedacht war. Der Sekretär des Komitees, das 1958 die Fortsetzung des Atomwaffenprogramms beschloß, hieß Olaf Palme. Getarnt wurde dieses vom schwedischen Militär dominierte Programm durch die zivile Sekundärnutzung des Reaktor für die Energieversorgung in Stockholm. Auch nach dem Schweden, Ende der 60er Jahre, offiziell sich gegen die Atomwaffentechnologie positioniert hatte wurde das Programm noch bis Anfang der 70er weitergeführt. Dies alles sind heute offiziell bekannte und unbestrittene Fakten. Schweden ist damit ein typisches Land, dass aus militärischen Interessen einen atomindustriellen Komplex aufgebaut hat, der sich inzwischen verselbständigt hat und, auch nach dem sich die politischen Motivationen verschoben haben und zwischenzeitlich sogar ein Ausstiegsbeschluß gefaßt wurde, sein Fortbestehen sichert. Japan Japan hält heute hinter den USA und Rußland die drittgrößte Menge an atomwaffenfähigen Material, mehr als 45 Tonnen Plutonium, auf Lager. Würde Japan sich dazu entschließen, könnte es innerhalb weniger Monate die drittgrößte Atommacht der Erde sein. Dazu kommt das Japan mit einem ambitionierten Weltraumprogramm auch über modernste Raketentechnologie verfügt. Von kritischen WissenschaftlerInnen wird dies als Ergebnis einer bewußt von japanischen Politikern seit Ende der 60er Jahre betriebenen Politik angesehen, die Japan bewußt als potentielle Atommacht positioniert. Dazu wurde ein, unter wirtschaftlichen Gesichtpunkten, katastrophales Design der Atomtechnologie in Kauf genommen, dass vor allem in der Wiederaufarbeitungsanlage in Rokkasho-mura seinen Ausdruck findet. Angesichts der Unsicherheiten der Entwicklungen in Asien gibt es auch von Seiten der japanischen Opposition Befürchtungen, dass es zu einer atomaren Aufrüstung kommen könnte. BRD In der BRD mußte nach dem Krieg die Atomtechnologie gegen den Widerstand der Energiekonzerne durchgesetzt werden, die nicht bereit waren die hohen Entwicklungskosten und Kostenrisiken zu tragen. Der Staat übernahm diese Kosten und auch hier war der Grund eindeutig die militärische Option. Der erste Atomminister der Bundesrepublik in den 50er Jahren hieß Franz Josef Strauß und wurde als nächstes Verteidigungsminister, sein Ziel der atomaren Bewaffnung war öffentlich so klar formuliert, dass massiver Widerstand aufkam (Göttinger Erklärung von Wissenschaftlern gegen die Atombewaffnung, 12. April 1957). Die CSU, bzw. Teile ihrer Abgeordneten, stemmten sich dementsprechend auch in der großen Koalition unter Georg Kiesinger noch gegen die Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrages durch die BRD äußerte Ende der 50er Jahre sowohl im Kabinett, als auch gegenüber den USA den Anspruch auf eine atomare Bewaffnung der BRD. Von Seiten der USA wurde dies aber abgelehnt. Daraufhin kam es 1957/58 zu geheimen Absprachen zwischen Frankreich und der BRD gemeinsam Atomwaffen herzustellen. Dies scheiterte aber Mitte 1958 an der Machtübernahme de Gaulles. Inzwischen gibt es zunehmend Gedankenspiele eine europäische Atombewaffnung mit deutscher Beteiligung umzusetzen. Sowohl von französischer als auch von britischer Seite spielt hier vor allem die Kostenfrage eine Rolle. Gleichzeitig ist Deutschland inzwischen potentielle Atommacht, das heißt in der Lage, innerhalb weniger Monate atomar aufzurüsten. Außenpolitisch wichtig war die BRD in den 70er und 80er Jahren aber auch als wichtiges Exportland für Atom(waffen)technologie. Die pakistanische Atombombe, also die ‚islamische‘, ist in wesentlichen Teilen Made in Germany. Der spätere Leiter des pakistanischen Atomwaffenprogramms, A.Q. Khan, erwarb seine Kenntnisse als Mitarbeiter der Urananreicherungsanlage in Gronau. Seine Kontakte zu (westdeutschen und niederländischen) Managern und Wissenschaftlern nutzte er, um sich illegal die notwendige Technologie zu beschaffen. In einem Report von Greenpeace ist dies detailliert dokumentiert. In der BRD führte dies zu mehren Verurteilungen. Aber auch ganz offiziell unterstützte die BRD das atomare Wettrüsten, so wurde relevante Technologie in den 70er Jahren, trotz us-amerikanischer Einwände, sowohl an die brasilianische als auch an die argentinische Militärdiktatur geliefert. Die Staaten lieferten sich zu diesem Zeitpunkt einen atomaren Rüstungswettlauf. Die Atomwaffenprogramme dieser Staaten wurden aber für diese zu teuer und außerdem mit der Demokratisierung beendet. Übriggeblieben sind aber auch diesen Staaten atomindustrielle Anlagen und Programme und gigantische Schulden. Iran Ein Gutachten im Auftrag der Heinrich-Böll- Stiftung kommt zu dem Ergebnis, das der Iran erhebliche Einsparungen fossiler Energieträger durch den Einsatz von Solarthermie erreichen könnte. Real wäre dies sogar kosteneffizient, die Energie wäre billiger durch Solarthermie zu produzieren als durch Erdöl zum Weltmarktpreis gerechnet. Der Öl-Preis ist seit Erstellung des Gutachtens sogar noch erheblich gestiegen. Außerdem gibt es erhebliche Einsparpotentiale im Verbrauch. Dem Iran stünden damit kostengünstigere Alternativen zur Atomtechnologie offen. Das diese Alternative nicht genutzt wird zeigt, dass es bei der Nutzung von Atomtechnologie auch im Iran nicht um wirtschaftliche Rationalität geht, sondern um Machtpolitik. Das heißt, zentral ist offensichtlich das militärische Kalkül im weitergehenden Sinn. Der Iran will offensichtlich auch unter hohen finanziellen und politischen Kosten Atomwaffenfähigkeit erlangen. Das heißt nicht unbedingt, dass auch real Atomwaffen produziert werden sollen, als politisches Gewicht reicht eventuell die Möglichkeit dazu. Ohne das militärische Kalkül wäre die Atomenergietechnologie eine unbedeutende Nischentechnologie. Die ‚zivile‘ Nutzung der Atomenergietechnologie rechnet sich nur dann, wenn ihr militärischer Mehrwert mit ins Kalkül gezogen wird. Die Förderung der Verbreitung der ‚zivilen‘ Nutzung der Atomtechnologie ist gleichbedeutend mit der Verbreitung von Atomtechnologie als Militärtechnologie, und sei es nur als Drohpotential der Möglichkeit atomarer Aufrüstung. Unsterblich Noch 20.000 Jahre nach dem das letzte AKW stillgelegt worden war, gedachten die Menschen in der Nähe der Endlagerstätten alltäglich dieser ‚männlichen‘ Großtechnologie, ihre Schöpfer hatten sich unsterblich verewigt in ihrem strahlendem Vermächtnis. Neben dem politisch-militärischem Machtkalkül muß auch die Subjektivität der ‚männlichen‘ Akteure berücksichtigt werden, um zu begreifen, wieso die Atomtechnologie sich einer solchen ‚Beliebtheit‘ erfreut. Ganz im Gegensatz zu den vorgeschobenen rationalen Argumenten, günstige Kosten, Energiesicherheit, Umweltfreundlichkeit, .., die sich beim genaueren Hinsehen alle als falsch erweisen, spielt die irrationale Reproduktion einer ‚männlichen‘ Geschlechtsidentität eine nicht unerhebliche Rolle bei den BefürworterInnen der Atomtechnologie. ‚Männlich‘ steht hier in Anführungsstrichen, weil es um soziale Männlichkeit geht, die auch von biologischen Frauen verkörpert werden kann. Atomtechnologie bedient diverse ‚männliche‘ Subjektkrücken;
All diese ‚männlichen‘ Phantasien können von
dezentralen alternativen Energietechnologien
nur schlecht symbolisiert werden. Diese psychologischen
Momente sind nicht zu unterschätzen,
gerade auch in Wechselwirkung mit
der Herausbildung ‚männlicher‘ Seilschaften
und sich selbst regulierenden ‚männlichen‘
Strukturen, die den atomaren wissenschaftlich-
industriellen Komplex mit seiner Konstitution
wechselseitiger Bezugsstrukturen und
der Abschottung nach Außen ausmachen. Ein Friedensnobelpreis für die Unterstützung der atomaren Aufrüstung Die IAEA, hat als Kernaufgabe die Förderung der ‚friedlichen‘ Nutzung der Atomtechnologie, gleichzeitig soll sie die militärische Nutzung unterbinden. „Ziel der Organisation ist es, in der ganzen Welt den Beitrag der Atomenergie zum Frieden, zur Gesundheit und zum Wohlstand zu beschleunigen und zu steigern. Die Organisation sorgt im Rahmen ihrer Möglichkeiten dafür, dass die von ihr [..] geleistete Hilfe nicht zur Förderung militärischer Zwecke benützt wird.“ (Satzung der IAEA) Die IAEA, die meistens von einer unkritischen Berichterstattung primär als Kontrollorganisation gegen die militärische Verwendung von Atomtechnologie ins Blickfeld gerückt wird, ist primär eine Atomlobbyorganisation der UNO. Dies geht soweit, dass der WHO, der Weltgesundheitsorganisation, eine Berichterstattung in diesem Feld untersagt ist, damit die IAEA ungestört ihre hausgemachten Statistiken über die ‚Unschädlichkeit‘ von Atomtechnologie verbreiten kann. Die IAEA ist wesentlich mitverantwortlich für die weltweite Verbreitung von ‚ziviler‘ Atomtechnologie und damit gehört diese Organisation auch zu den Hauptverantwortlichen der Verbreitung militärischer Atomtechnologie. Die Verleihung des Friedensnobelpreises an die IAEA macht diesen Preis zur Farce. Als Lobby der Atomindustrie hat die IAEA jahrzehntelang auch offensichtlich abstruse Positionen vertreten. So hat die IAEA die Entwicklung von Technologien zur friedlichen Nutzung von Atomexplosionen bis Ende der 70er Jahre unterstützt. Diese Politik führte dazu, auch in Staaten ohne Atomwaffenpotential Experimente mit neuen Technologien zur Herbeiführung von Atomexplosionen zu legitimieren. Diese Politik war Teil des ‚Atomwaffensperrvertrages‘. Unter anderen wurde unter diesem Label in der BRD mit der Herbeiführung von Atomexplosionen durch Trägheitseinschluß experimentiert. Diskutiert wurden atomare Sprengungen zum Bau von Hafenbecken, unterirdischen Hohlräumen, Kanälen, und so weiter. Zum Glück wurde hiervon nur das wenigste realisiert. Die Folgen der sowjetischen Schaffung von unterirdischen Gaskavernen durch Atomexplosionen waren in den 80er Jahren allerdings auch in Deutschland, im aus der Sowjetunion bezogenen Gas, als Radioaktivität feststellbar.
Die IAEA war bzw. ist eine der wichtigsten Atomlobbyorganisationen bei der Verbreitung von Atomkraftwerken im Trikont, der sog. 3.Welt. Diese Technologie hat auf Grund ihrer Unangepaßtheit an die Bedürfnisse dieser Länder, Fehlen der Infrastruktur, fehlende Stromnetze, Abhängigkeit von ausländischen teuren Technologieimporten, und ihrer exorbitanten Kosten wesentlich zur Verelendung ganzer Regionen beigetragen. Die IAEA hat wesentlich die ‚militärisch-atomare‘ Selbstbeweihräucherung von totalitären Regimen und Diktatoren gefördert. Viele Länder zahlen noch heute ihre Schulden aus den 70er und 80er Jahren zurück.
Als Atomlobby wurde mit der IAEA auch im nuklearen
Sicherheitsbereich weltweit der Bock
zum Gärtner gemacht. Die IAEA soll seit einigen
Jahren als UNO-Organisation weltweit die
Sicherheit der Atomtechnologie fördern.Dabei
ist die IAEA ein Teil des Sicherheitsproblems
und sicher nicht die Lösung. Die IAEA hat
über Jahrzehnte völlig wahnsinnige Positionen
bezüglich des Umgangs mit hochradioaktiven
Stoffen vertreten und ist fast immer erst als
eine der letzten zur Korrektur bereit gewesen.
So hieß im IAEA Bulletin 2/1960: Die Politik der Verharmlosung der Risiken der Atomtechnologie setzt sich bis heute fort, so wurden in den Pressemitteilungen zum IAEAReport über Tschernobyl die Opferzahlen um rund einen Faktor 100 zu niedrig angegeben (d.h. real gab es ca. das 100fache an Opfern). Dabei arbeitet die IAEA mit einem Statistik- Trick der auch an anderen Stellen von der Atomlobby verwandt wird. Da Krebs multikausal verursacht wird, gibt es einen großen Bereich in dem eine definitive und eindeutige Zuordnung nicht möglich ist, möglich sind hier nur seriöse Abschätzungen. Für Europa machen z.B. 1% der Krebstoten über 2 Jahrzehnte betrachtet eine Größenordnung von über 100.000 Toten aus, eine statistische Schwankung von 1% ist aber im Regelfall nicht mehr sicher einer Ursache zuzuordnen, sondern geht im statistischen Grundrauschen unter. Eine Erhöhung der Krebstoten um 100.000 zusätzliche Todesfälle im Laufe von 20 Jahren, also eine Schwankung um 1%, entzieht sich damit bei breiter Streuung der Möglichkeit sie statistisch zuzuordnen. Dieser Bereich wird von der Atomlobby einfach zum eigenen Gunsten ausgelegt, da ja eine eindeutige Zuordnung nicht möglich ist, wird von der IAEA verbreitet, dass eine Erhöhung der Krebsrate im Fall Tschernobyl, bis auf wenige Ausnahmen, nicht sicher festgestellt werden konnte. Dies ist, legt mensch strenge wissenschaftliche Maßstäbe an, richtig. Nur müßte diese Aussage darum ergänzt werden, dass eine Erhöhung, im Bereich von bis zu 100.000 Toten, auch nicht ausgeschlossen werden kann. Der IAEA-Report kommt laut Pressemitteilung bzgl. Tschernobyl so zur Zahl von einigen Hundert NACHWEISLICHEN Toten, praktisch diejenigen, die direkt vor Ort waren oder bei Aufräumarbeiten von Balken erschlagen wurden. Seriöser Weise hätte dann aber, wie ausgeführt, auch deutlich darauf verwiesen werden müssen, dass dieser Report auch nicht ausschließen kann, dass über 100.000 Menschen in Folge von Tschernobyl gestorben sind, da ja auf eine seriöse Abschätzung verzichtet wird. Seriöse Abschätzungen kommen auf Zahlen im Bereich von > 20.000 Toten. Bei genauem Lesen des Tschernobylreport der IAEA lassen sich dort auch, gut versteckt, entsprechende Einschränkungen bezüglich der Aussagekraft finden, in der Presse fanden sich diese aber nirgends wieder. Die IAEA ist keine kritische pazifistische Institution, sondern der Arm der Atomlobby in der UNO. Atomtechnologie ist eine militärische Technologie. Die Erzählungen von der friedlichen Atomtechnologie sind Märchen. Laßt uns dafür sorgen, dass auch diese Märchen bald mit dem Vorsatz ; „Es war einmal, ..“ beginnen!@ | ||||||
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