Hunderte AtomkraftgegnerInnen bestzten am 29.5.09 das Gelände des „Erkundungs“-Bergwerks Gorleben
Einebnung eingeleitet
von Rouven Groß
Die »Festung» fiel kurz nach 13 Uhr. Warum
sich die Tore des Förderturms auf dem
Gelände des Gorlebener Erkundungsbergwerkes
öffneten, bleibt rätselhaft.
Foto: Kirsten Neubig
Doch Tatsache ist: Hunderte Gorleben-
GegnerInnen gelangten gestern nicht
nur auf das hochumzäunte Gelände des
Bergwerkes, sondern auch in und auf
den großen, weithin sichtbaren Förderturm
der Anlage - und somit ins Innere
eines der bestbewachten Gebäude in
Lüchow-Dannenberg. Den anwesenden
Polizeikräften blieb nicht viel mehr als
eine Zuschauerrolle: Zu wenige Beamte
sahen sich einer unerwarteten Überzahl
von Demonstranten gegenüber.
BfS-Chef Wolfram König, Hausherr der
Anlage, sollte später von einer »Fehleinschätzung
der Polizei im Hinblick auf
die Anzahl der Demo-Teilnehmer» sprechen.
Von der überraschten Einsatzleitung
angeforderte Verstärkungen kamen
erst kurz nach Ende der Demonstration
in Gorleben an.
Erst am Donnerstag hatten mehrere
Anti-Gorleben-Gruppen für Freitagmittag
zur Demo vor dem Erkundungsbergwerk
aufgerufen, nachdem bekannt geworden war,
dass eben dieses Erkundungsbergwerk quasi
bereits von Beginn an als Endlager ausgebaut
wurde. Dass diesem Demo-Aufruf zwischen
500 und 800 Menschen - je nach Quelle
- folgten, überraschte daher nicht nur die
Polizei. »Wahnsinn, das ist eine unglaubliche
Resonanz», zeigte sich auch die Vorsitzende
der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-
Dannenberg (BI), Kerstin Rudek, erstaunt über
die Zahl der Demo-Teilnehmer.
Begonnen hatte die Demonstration mittags
vor dem Tor der umstrittenen Anlage. Doch
schon während der ersten Redebeiträge fiel
die äußere Umzäunung des Bergwerkes und
Demonstranten strömten auf das Gelände.
Nur kurz hielt anschließend der hohe Zaun,
der die gesamte Anlage umgibt, dem Ansturm
der Demonstranten stand: Er wurde überstiegen
und untergraben, schließlich hochgebogen.
Die massiven Rolltore in der Mauer um
die Anlage hielten die Gorleben-Gegner anschließend
auch nur wenige Minuten auf: Sie
wurden beiseite geschoben und die ersten
Traktoren rollten ungehindert in Richtung der
Förderanlagen, gefolgt von den Demonstranten,
denen es schließlich sogar gelang, in das
Innere der Anlage vorzudringen.
Nach dem symbolischen Zuschütten des
Schachtes mit einigen Brocken Steinsalz zogen
sich die Teilnehmer der - mittlerweile von der
Polizei aufgelösten - Demonstration von dem
Gelände zurück. »Das ist das Ergebnis von 30
Jahren politischer Arbeit», freute sich die grüne
Europaabgeordnete Rebecca Harms noch
auf dem Gelände über die unerwartete Aktion,
Kurt Herzog, umweltpolitischer Sprecher der
Linken-Landtagsfraktion und ebenfalls vor Ort
sprach von einer »lebendigen Besetzungsaktion
». Anders sehen das sowohl das Bundesamt
für Strahlenschutz (BfS) als auch die Polizei.
»Wir waren überrascht von der Anzahl und der
Aggressivität der Demo-Teilnehmer», so ein Polizeisprecher
gegenüber der EJZ. Demonstranten
hätten Zäune, Tore, Anlagen und auch ein
Polizeifahrzeug beschädigt, eine Beamtin sei
von Demonstranten angegriffen und verletzt
worden. »Es werden Ermittlungsverfahren wegen
Sachbeschädigung und Körperverletzung
eingeleitet», so der Sprecher weiter.
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 Foto: Kirsten Neubig
 3 Fotos: IuWLowin

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Auf politischer Ebene rumort es nach
den BfS-Äußerungen über den teilweise
bereits erfolgten Ausbau des Erkundungsbergwerkes
zum Endlager (EJZ
berichtete) derweil gewaltig. In Gorleben
sei »von Anfang an gelogen worden», resümierte
die Grünen-Landtagsabgeordnete
Miriam Staudte, Klaus-Peter Dehde,
Vorsitzender des SPD-Unterbezirkes
Uelzen Lüchow-Dannenberg sprach vom
»völligen Fehlen von Verantwortungsbewusstsein
der Atomwirtschaft» und
einem »verheerenden Flurschaden», der
durch die Angelegenheit entstanden sei.
Ein Ende der »Gorleben-Lüge» fordert der
Linke Kurt Herzog, und Rebecca Harms
bezeichnete den bereits erfolgten Ausbau
als »Vorfestlegung in Sachen Endlager».
Bei der BI will man nun »den Protest nach
Berlin tragen», kündigte Vorsitzende Kerstin
Rudek an. »Wir haben die Einebnung
der Baustelle im Erkundungsbergwerk eingeleitet.
Die Empörung über die Gorleben-
Lüge in der Bevölkerung ist riesengroß».
aus EJZ vom 2.6.09
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