Einstürzende Altbauten

Von »Löserfall« sprechen die Fachleute, wenn in Bergwerken Gesteinsbrocken aus Decken brechen und in darunterliegende Hohlräume stürzen. Ein solcher Vorfall hatte sich in dem sachsen-anhaltinischen Endlager bereits 2001 ereignet. Damals krachte ein 33 Meter breiter, 42 Meter langer und fast sechs Meter starker Salzbrocken von einer Zwischendecke. Der Betreiber BfS schlug Alarm. Er ließ in einer Notmaßnahme Hohlräume mit zermahlenem Salzgestein sowie Salzbeton verfüllen. Anderthalb Jahre später gab es erneut Alarm. Ganze Teile der Anlage drohten einzustürzen.

Dieses Mal ist laut Bundesamt alles halb so schlimm. Der »für ältere Bergwerke nicht ungewöhnliche Vorfall« habe sich im Zentralteil des Bergwerks ereignet, hieß es. In dem betroffenen Bereich lagerten keine radioaktiven Abfälle, die Sicherheit des Atommülls in Morsleben sei auch insgesamt nicht beeinträchtigt worden. Angaben zur Größe des herabgestürzten Gesteins reichte die Behörde am Freitag nach. Demnach handelte es sich um 400 bis 500 Tonnen. (!)

Morsleben, das nahe an der Landesgrenze zu Niedersachsen liegt, war das Atommüllendlager der DDR. Es fiel 1990 an die Bundesregierung. Auf die bis dahin eingelagerten 15000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiven Atommüll packte man noch weitere rund 22000 Kubikmeter drauf – strahlende Abfälle aus Atomforschungszentren, Krankenhäusern, aus Landessammelstellen sowie Komponenten des im Abriß befindlichen Atomkraftwerks Würgassen.

1998 erließ das Oberverwaltungsgericht Magdeburg auf Antrag eines Umweltverbandes schließlich einen Einlagerungsstopp. Derzeit läuft das atomrechtliche Schließungsverfahren. Die Stillegung von Morsleben wird dem BfS zufolge rund 1,2 Milliarden Euro kosten. Das Konzept für die Schließung sieht vor, daß die noch nicht verfüllten Gruben und Kammern verfüllt und die Zugänge abgedichtet werden. @

 

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