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Atommülltransporte von Gronau gehen jetzt auch nach Frankreich. Bürgerinitiativen befürchten,
daß Abfall zur Herstellung panzerbrechender Munition genutzt wird Uranschrott rollt durchs Ruhrgebiet von Reimar Paul Aus der Urananreicherungsanlage Gronau ist im Dezember erstmals abgereichertes Uran nach Frankreich transportiert worden. Die Firma Urenco, Betreiber der einzigen Fabrik dieser Art in Deutschland, schickte bereits am 8. Dezember einen Zug mit 350 Tonnen abgereichertem Uranhexafluorid (UF 6) ins südfranzösische Pierrelatte. Die Bürgerinitiativen im Münsterland hatten zunächst mit einem weiteren Urantransport nach Rußland gerechnet und sich auf Protestaktionen an der entsprechenden Bahnstrecke dorthin vorbereitet. In Pierrelatte betreibt der französische Atomkonzern Areva eine sogenannte Konversionsanlage. Dort wird Natururan in das Gas UF 6 umgewandelt und in die Urananreicherungsanlagen – außer in Gronau arbeiten solche Fabriken noch im niederländischen Almelo und im britischen Capenhorst – gekarrt. Zentrifugen reichern das UF 6 an. Der Anteil des spaltbaren Isotops U 235 wird von etwa 0,7 auf drei bis vier Prozent erhöht, so kann das Uran in AKW eingesetzt werden. Bei der Urananreicherung fallen Tausende Tonnen Müll in Form des abgereicherten UF 6 an. Seit 1996 wurden mehr als 27 000 Tonnen von Gronau in Zügen nach Rußland transportiert. Die Bürgerinitiativen sind über das neue Transportziel der Uranmüll-Züge verwundert. »Hat die Urenco den unsäglichen Uranmüllexport nach Rußland nun eingestellt?«, fragt Udo Buchholz vom Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau. »Soll in Zukunft weiterer Uranmüll nach Frankreich geliefert werden? Was geschieht in Frankreich mit dem Gronauer Müll?« Von der Urenco gab es dazu bislang keine Antworten. Nach Polizeiangaben fuhr der Uranmüll-Zug von Gronau zunächst über Münster und Hamm zum französisch-deutschen Grenzbahnhof Perl-Apach im Moseltal. »Die neue Fahrtstrecke nach Frankreich bedeutet, daß auch über Hamm und mitten durch das Ruhrgebiet wieder Uranmüll rollt«, empört sich Horst Blume von der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Hamm. Er verlangt Aufklärung darüber, ob in der Vergangenheit nicht bereits unbemerkt Urantransporte von Gronau nach Frankreich gefahren seien. Udo Buchholz verweist auf die Gefährlichkeit der Substanz UF 6. Komme sie mit Luftfeuchtigkeit oder Wasser in Kontakt, entstehe die gefährliche Flußsäure. »Bei einem Transportunfall mit Freisetzungen müßte die Bevölkerung in einem weiten Umkreis evakuiert werden«, warnt der Umweltschützer. Die Bürgerinitiativen erneuerten auch ihre Kritik am ungeklärten Verbleib des nach Rußland transportierten abgereicherten Uranhexafluorids. Nach offizieller Version werde das Material in Rußland neu angereichert; an dieser Version gebe es aber immer mehr Zweifel, so der AKU Gronau. Nach Angaben der Atomkraftgegner häufen sich die Hinweise, daß das abgereicherte Uran aus Gronau auch zur Produktion panzerbrechender Munition verwendet wird. »Diese Optionen halten wir für völlig inakzeptabel«, erklärte Buchholz. Die USA und Großbritannien haben solche Geschosse, die als besonders durchschlagskräftig gelten, beim Angriff auf Jugoslawien und zuletzt im Krieg gegen den Irak benutzt. Dem Göttinger Chemieprofessor Rolf Bertram zufolge ist das abgereicherte Uran in der Munition »viel gefährlicher « als lange Zeit angenommen. Zwar werde beim Uran in fester Form der größte Teil der radioaktiven Strahlung durch die äußeren Schichten abgeschirmt, durch einen Aufprall verwandle sich das Metall jedoch zu rund 75 Prozent in Feinstaub. »Dabei steigt die Radioaktivität um den Faktor ein bis zehn Millionen an«, sagt Bertram. Die Friedensbewegung fordert seit langem die Ächtung dieser Waffen. aus junge welt vom 29.12.09 | ||
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