Selbst in der anti-AKW-Szene wird der Uranabbau oft vergessen.
Der Film „ Uranium: is it a country?“ sorgt für Aufklärung.

Ein schmutziges Geschäft

von Felix Werdermann

  Cover: DVD-uranium-is it a country

Australien ist weit weg. Und doch so nah dran. Zumindest wenn es um unsere Energieversorgung geht. „Woher kommt dein Strom?“ fragt sich die Jugendinitiative „Strahlendes Klima“ in ihrem Film über den Uranabbau.

Das Thema gehört zu den Aspekten, die bei der Nutzung von Atomkraft gerne verschwiegen werden. Dass durch den Uranabbau ganze Landstriche verseucht werden, dass Menschen vertrieben werden, dass Wasserquellen versiegen, dass der Staub die Radioaktivität kilometerweit trägt – all das weiß in Europa kaum einer. In Australien ist das bittere Realität.

Das Land, das vielen bloß als exotischer Urlaubsort bekannt ist, exportiert in großem Umfang Uran. Mehr als ein Fünftel der weltweiten Nachfrage wird von Australien gedeckt. Damit liegt das Land hinter Kanada auf Platz zwei. Der hochgefährliche Stoff wird später für den Betrieb der Atomkraftwerke in Europa verwendet, in Australien läuft kein einziger Reaktor. Aber das Geschäft mit dem Uran hinterlässt Spuren in Down Under. Daher hat sich die Jugendinitiative „Strahlendes Klima“ auf Spurensuche begeben. Zwei Monate lang war das Filmteam in Australien, hat recherchiert und gefilmt.

Zu viert haben sie mit Indigenen gesprochen, Umweltorganisationen besucht und Protestveranstaltungen mit ihrer Kamera begleitet. „Uns war es aber auch wichtig, Leute mit anderer Meinung zu Wort kommen zu lassen“, sagt Kerstin Schnatz, Projektkoordinatorin. Deshalb haben die vier Jugendlichen auch mit dem Geschäftsführer der Australian Uranium Association gesprochen. Dieser Zusammenschluss der uranfördernden Unternehmen war nicht so zugeknöpft wie die europäische Atomlobby. Schnatz berichtet darüber, dass sie in Europa vertröstet oder offen abgewiesen worden seien.

In Australien hat das Filmteam die Mine „Olympic Dam“ genauer unter die Lupe genommen. Und einen Anwohner getroffen, der Wasserknappheit beklagt. Für die Mine werden täglich etwa 35 Millionen Liter von dem See abgepumpt, der unter seinem Land liegt. Nun sorgt er sich um die Wasserquellen. „Das war das Land meiner Mutter, meiner Großmutter und meiner Urgroßmutter. Ich bin hier geboren, hier aufgewachsen und habe hier mein Leben lang gewohnt.“ Er ist schon älter, um die Fünfzig. Und beobachtet die Wasserquellen, die immer kleiner werden.

Etwa dreitausend Kilometer entfernt protestieren Umweltschützerinnen und Umweltschützer gegen den Uranabbau. Vor der Zentrale von „BHP Billiton“ in Melbourne haben sie schwarze Fässer mit Radioaktiv-Zeichen aufgestellt und machen durch ihr Trommeln aufmerksam. „Radioaktiver Müll“ ist darauf zu lesen, vorbeigehende Leute kriegen ein Flugblatt in die Hand gedrückt. BHP Billiton gehört zu den Global Playern der Rohstoffindustrie. Dass sie auch Uran fördern, findet man auf der Homepage erst beim genaueren Durchforsten. Dafür gibt es wie bei den europäischen Unternehmen eine ausführliche Seite zur nachhaltigen Entwicklung. So viel anders als in Deutschland ist es nicht.

Auch in Australien gibt es viele Leute die gegen Atomkraft und den Uranabbau kämpfen. Nur darüber ist in Europa wenig bekannt. „Viele haben sich lange international auf verlorenem Posten gefühlt“, erzählt Kerstin Schnatz. Umso mehr freuen sie sich über den Film, der die Probleme in Australien nach Europa bringen soll.

Es gehe darum, „darauf aufmerksam zu machen, dass Atomstrom kein nationales Produkt ist“, sondern an einer globalen Produktionskette hänge, so Schnatz. Diese erklärt im Film Bruno Chareyron von der französischen Organisation CRIIRAD: Vom Uranabbau bis zum ungelösten Endlagerproblem.

Dass dabei CO2 ausgestoßen wird, ist selbstverständlich: Das Öko-Institut hat im letzten Jahr vorgerechnet, dass 31 Gramm pro Kilowattstunde Atomstrom anfallen. Dass das Deutsche Atomforum trotzdem weiterhin mit „CO2-Ausstoß: Null“ wirbt, hat dazu beigetragen, dass nun dieser Film entstanden ist. Schnatz erinnert sich an die Anfangszeit im letzten Jahr: „Der Motor war, dass Atomkraft als sauber und klimaschützend dargestellt wird.“ Im August fand ein erstes Treffen statt, es folgten sechs weitere. Um die 20 Jugendlichen im Alter von 18 bis 30 Jahren haben in der Zwischenzeit Hintergründe zusammengesucht, sich Gedanken über den Aufbau des Films gemacht, Interview-Partnerinnen und -Partner besorgt, gefilmt und geschnitten.

Probleme gab es in Frankreich, an dem Atomkraftwerk Tricastin, das später für die radioaktive Verseuchung der Rhône bekannt geworden ist. Über eine Stunde lang wurden sie von der Polizei auf dem Parkplatz vor dem AKW festgehalten. Und das bei Minusgraden. „Die dachten, wir wären deutsche Umwelt-Aktivistinnen, die den Betrieb stören möchten“, erklärt Schnatz die Situation.

Nun sind es nur noch wenige Wochen bis zur Filmpremiere im November. Bis dahin warten die Jugendlichen noch auf Engagierte, die bereit sind, den Film in ihrer Stadt öffentlich vorzuführen. „Das kann an der Uni, an der Schule, in der Stammkneipe oder auch im Wohnzimmer sein“, sagt Schnatz. Ein kuscheliger Abend mit Freunden kann es also auch werden. Die DVD wird kostenlos zugeschickt, vorgefertigte Pressemitteilungen und Plakate sind ebenfalls dabei.

Fehlt nur noch ein Grund, sich den Film anzusehen. Schnatz: „Der Film ist besonders spannend, weil wir keine Produktionsfirma haben, die nach Schema F vorgeht.“ Und vielleicht ist es ja auch an der Zeit, Australien mal von einer anderen Seite kennenzulernen – abseits von Surfen, Strand und Sonne.

Der Film erscheint im November. Die BUNDjugend ist Partnerin des Filmprojekts. Filmvorführungen werden dezentral über „Film-Paten“ und „Film-Patinnen“ organisiert. Diese erhalten kostenlos die DVD und weitere Filmmaterialien und organisieren dann in ihrer Stadt eine öffentliche Filmvorführung.

Für den Vertrieb werden noch Spenden benötigt.

Foto   Kontakt:
getthefilm (at) nukingtheclimate.com

Kontodaten und einen Teaser vom Film
gibt’s auf der Homepage:

externer Link nukingtheclimate.com

 

- zurück




      anti-atom-aktuell.de