Die Ausgangslage Die globale Erwärmung ist eine der größten Bedrohungen des 21. Jahrhunderts. Atomenergie schützt das Klima nicht, wenn global gesehen der Endenergieanteil der Atomenergie gerade mal bei rund 3 Prozent liegt. Atomenergie ist zum Klimaschutz ein untaugliches Mittel. Klimaschutz kann wirksamer durch eine Vielzahl risikoarmer Maßnahmen wie Energievermeidung, Energieeinsparung, Energieeffizienz und erneuerbarer Energien betrieben werden. Der Anteil von Atomstrom wird weiter sinken, weil der Zubau mit anderen Energieträger zeitnäher, schneller, kalkulierbarer und kostensgünstiger ist als mit Atomkraftwerke (AKW). Die Atomkraftwerke sind erst „billiger“, wenn sie nach Jahrzehnten abgeschrieben sind. Die Kosten liegen bei 2 Cent pro Kilowattstunde. So günstig kommt der Strom beim normalen Stromverbraucher nicht an. Die Leipziger Strombörse tickt anders. Der Preis bildet sich nach den Kraftwerken mit den höchsten Produktionskosten (ein Kohle- oder Gaskraftwerk) von derzeit etwa 7 bis 8 Cent pro Kilowattstunde. Das bringt den Atomunternehmen einen zusätzlichen Gewinn von rund 10 Milliarden Euro. Sondervertragskunden aller Energieversorgungsunternehmen sind alle Nichtprivatkunden, diese Verträge sind „frei“ verhandelbar. Bei abgeschriebenen AKW dürfte die Preisgestaltung zwischen 3 und 7 Cent liegen. So hatten z. B. vor vielen Jahren die Aluminiumwerke bei Hamburg bei einer Neuverhandlung gedroht, ein eigenes Kraftwerk zu bauen. Der örtliche Energieversorger ging mit dem Preisangebot runter. Auf die Frage, was die Aluminiumwerke denn jetzt zahlen müssten, gab es keine Antwort, aber ein sehr zufriedenes Gesicht blickte mit leichtem Lächeln in die Kamera. So hatten die Vertragspartner ganz offensichtlich Stillschweigen über den abgeschlossenen Vertrag vereinbart. Die ungelöste Endlagerung von Atommüll ist auf die gesellschaftliche Allgemeinheit abgewälzt. Die Abrisskosten von AKW sind schöngerechnet. Diese heute unbekannten und unbezahlbaren Kostenfaktoren, die in Zukunft entstehen, finden keinen Eingang in die „billige“ betriebswirtschaftliche Preis bildung der abgeschriebenen Atomanlagen. Die weltweite Energienachfrage soll nach Prognosen der Internationaler Energieagentur (IEA) von 2006 um 60 Prozent bis 2030 steigen. Mit Atomkraftwerke kann dieser Energiebedarf nicht abgedeckt werden. Zu teuer! Die IEA schlägt in einem Gutachten für die G8 Staaten im Juni 2008 in Japan den Bau von 1.400 neuen AKW vor und rechnet mit notwendigen Investitionen in Höhe von 45 Billionen US Dollar, um den Klimawandel noch stoppen zu können. Die Nutzung der Atomenergie weist erhebliche Probleme für die Umwelt auf. Erstens ist die Frage nach der Entsorgung radioaktiver Abfälle bis heute ungeklärt. Eine „technische Lösung“ über Tausende von Generationen der Menschheit ist nicht möglich. Zweitens steht ihre tödliche Gefährlichkeit außer Frage, vor allem hinsichtlich möglicher Terroranschläge auf AKW und eines möglichen Supergaus. Der Umweg über die Atomenergie ist verrückt. Ein weiterer Supergau wie in Tschernobyl, und alle AKW müssen abschalten werden, das ist wohl eine maximale Unsicherheit der Versorgungssicherheit von Energie. Die Prognos AG beziffert die potentiellen Schäden eines GAUs auf 5 Billionen Euro. Die private Versicherungswirtschaft hat weltweit kein einziges AKW versichert. Das sagt alles über das Risiko der Atomenergie aus. Atomenergie ist global gesehen eine tödliche Gefahr für den Planeten. Nur in 31 von rund 195 Staaten der Erde stehen Atomkraftwerke. Die externen Kostenfaktoren bei der Erzeugung von Atomstrom hat schon 1992 das Bundeswirtschaftsministerium unter der Bundesregierung von Bundeskanzler Helmut Kohl durch die renommierte Baseler Prognos AG berechnen lassen. Diese Studie der Prognos AG trägt den schönen Titel: „Identifizierung und Internalisierung der externen Kosten der Energieversorgung.“ Aus ihr geht hervor, dass bei Berücksichtigung der externen Gesamtkosten für die zukünftigen SteuerzahlerInnen entstehende Kosten einer Kilowattstunde Atomstrom schon damals rund 4,10 DM betragen hat. Das sind heute über 2 Euro. Ohne Berücksichtigung der zukünftigen Preissteigerungen. Die günstigen Produktionskosten bei Erneuerbaren Energien betragen bei Windkraftstrom 0,06 Euro pro Kilowattstunde. Der Höchstpreis für Solarstrom beträgt inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer aktuell 0,68 Euro. Volkswirtschaftlich gesehen kostet der Atomstrom mindestens doppelt soviel wie die erneuerbaren Energien. Was ist jetzt billiger?!? Die Förderung der Atomenergie durch den Euratomvertrag Die Atomenergie wurde seit den 1950er Jahren global mit rund 1.000 Mrd. US Dollar gefördert. Keine andere Energieart hat eine so hohe staatliche Förderung erhalten. Eine gigantische Subventionierung! Die EU fördern die Atomenergie seit 1957 über den Gründungsvertrag EURATOM massiv in Milliardenhöhe über den gesamten EU Haushalt. Die EU haben nach den mir zugänglichen Zahlen die Atomforschung von 1994 bis 2006 mit 3,7 Milliarden Euro gefördert. Dazu kommt die aktuelle Atomforschungsdekade 2007 bis 2013 mit rund 3,1 Milliarden Euro. Der EURATOM Vertrag hat die Atomwirtschaft seit 1957 mit rund 400 Milliarden Euro öffentlichen Steuermitteln unterstützt. Die Atomlobby ist und war schon immer in EU-Brüssel massiv mit den Klinkenputzen seit Jahrzehnten auf allen EU-Ebenen beschäftig. Die private Finanzwirtschaft möchte eher überschaubare berechenbare Energieanlagen haben. Atomanlagen, die eine Planungs- und Bauzeit von rund 10 bis 15 Jahren brauchen, sind nicht überschaubar. Eine Kostenexplosion über so einen langen Zeitraum ist sehr wahrscheinlich und damit unkalkulierbar. In einem sich schnell verändernden weltweiten Energiemarkt kann ein Bestandschutz für Atom- und Kohlekraftwerke über einen sehr langen Zeitraum nicht mehr gegeben werden. Die jetzt neu gebauten Energieanlagen der Großtechnologie hätten wir dann mindestens 60 Jahre an der Backe. Das kann nicht sein! Uranförderung und die Atomanlagen Die Uranvorräte sind endlich. Es gibt rund 50 aktive Uranminen in 16 Staaten. Die Europäische Union hat einen jährlichen Bedarf von rund 20.000 Tonnen Uran. Der Uranbedarf für Deutschland liegt bei 4.000 Tonnen Uran pro Jahr. Das abbaubare Uran reicht für etwa 65 Jahre. Aber nur dann, wenn nicht mehr AKW gebaut werden. Die Atombetreiber gehen von 400 Jahren aus. Dabei verschweigen sie, dass die ertragreichen Uranlagerstätten schon längst abgebaut sind. Der Energieund Kostenaufwand für die weniger ertragreichen Uranvorkommen ist entsprechend höher. Die CO2 Bilanz der Atomkraftwerke verschlechtert sich drastisch. Wegen der Abrüstung von Atomwaffen war der Uranpreis über 10 Jahre von 1990 bis 2000 so niedrig, dass viele Uranminen geschlossen wurden und die Suche nach Uranlagerstätten auf ein Minimum zurückgefahren wurden. 2013 läuft dieser Abrüstungsvertrag zwischen der USA und Russland, der einen Teil der Verschrottung der Atomwaffen enthält, aus. Das daraus „gewonnene“ Uran wird zur Zeit den AKW zugeführt. Nur etwa 60 Prozent der bereits heute bestehenden 439 Atomkraftwerke kann aus den Uranbergwerken gedeckt werden. Schon jetzt übersteigt der jährliche weltweite Uranbedarf mit rund 70 000 Tonnen bei Weitem die Produktion: Die Uranminen dürften in diesem Jahr nur rund 45 000 Tonnen aus dem Boden holen. Die Uranproduktion aus dem Uranbergbau muss bis 2023 verdoppelt werden, allein schon um den derzeitigen Bedarf aller AKW weiter zu decken. Spätestens im Jahre 2015 wird eine Uranversorgungslücke erwartet. Es wird dann eine Angebotsverknappung an Uran für zwei Jahrzehnte erwartet. Die 2006 abgesoffene sehr große und sehr hochwertige Uranmine Gigar Lake vom größten Uranminen- Betreiber der Welt Cameco in der Provinz Saskatchewan in Kanada kann frühestens 2011 Uran fördern. Vorgesehen war die erste Uranförderung dort bereits für 2007. Diese Uranlagerstätte wurde 1981 entdeckt. Rund 70 Prozent der weltweiten Uranvorkommen befinden sich auf dem Land indigener Völker. Durch den Uranabbau bleiben riesige Müllberge und Schlammseen zurück, die radioaktiven Elemente, Metalle und Gifte enthalten wie Nickel, Arsen, Eisen und Aluminium, Sulfide, Sulfate und Radon: Viele Tausend Jahre lang bleiben die Stoffe im sehr empfindlichen Umweltkreislauf der Natur im hohen Norden von Kanada. Die Lebensgrundlage der durch die indigenen Bevölkerung besiedelten Gebiete wird auf Dauer vernichtet. Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung. Ähnliches gilt in anderen Uranabbaugebiete auf der Erde mit der jeweils lokalen Ausprägung. Die ökologischen Schäden sind untragbar! Japan und der Engpassfaktor beim Reaktorbau Die wenigen Großkonzerne, die Atomkraftwerke bauen können, wie der US-Konzern General Electrics, die japanische Toshiba oder Areva sind wegen des AKW-Booms in Asien auf lange Zeit hin ausgebucht. Woher allerdings die AKW – Kraftwerksbauer für 1.400 neue AKW kommen sollen, ist ein völliges Rätsel. Wer mit seinem neuen Atomreaktor bis 2015 ans Netz will, muss wichtige Teile bereits jetzt bestellt haben. Kernkomponente jedes heute „modernen“ westlichen Atomkraftwerk ist die Brennkammer in denen die Reaktorstäbe durch radioaktiven Zerfall Hitze erzeugen, die über zwei entkoppelte Dampfkreisläufe und einen Generator Strom generieren. Diese Kernbrennkammer besteht heute aus einem einzigen soliden Spezialstahl-Block von 600 Tonnen Gewicht. Die Wandstärke beträgt über 30 Zentimeter. Dieses Verfahren minimiert die Gefahr von Lecks da nur ein einziger homogener Bauteil genutzt wird. Das einzige Unternehmen, das diese Technologie beherrscht ist die Japan Steel Works. Das Unternehmen hat derzeit allerdings nur Kapazitäten zur Herstellung von vier der riesigen Kernbrennkammern pro Jahr. Eine echte Engpasssituation durch ein Nadelöhr. Das setzt dem schnellen Ausbau der Atomenergie Grenzen. Dabei stellen die Arbeiter des Unternehmens nicht nur den Spezialstahl für den enormen 600- Tonnen-Block selbst her, sondern gießen diesen Block schließlich auch in eine über vier Meter lange Form, die bereits grob an einen riesigen Zylinder erinnert. Nun folgen jedoch erst jene Arbeitsschritte, die Japan Steel zum begehrten Lieferanten machen. Der Metallblock wird fast eineinhalb Monate lang in verschiedenen Arbeitsschritten erhitzt und wieder abgekühlt. Gleichzeitig bearbeiten riesige 15.000 Tonnenpressen den Block und bringt ihn Millimeter für Millimeter in Form. Die Arbeitsgänge sind jedoch nicht nur für die Form verantwortlich, sondern verändern auch die Kristallstruktur der Stahlkammer. Würde sie „nur“ gegossen, wären die Kristalle durcheinander angeordnet. Durch wiederholtes erhitzen, abkühlen und Pressen unter enormem Druck entsteht ein homogenes Gitter aus Metallkristallen, das extrem widerstandsfähig, auch gegenüber den radioaktiven Kräften sind und den daraus resultierenden Ermüdungserscheinungen sind. Die Japan Steel Works hat eine sehr lange Tradition. Sie hat mit der Herstellung von Samurai Schwertern angefangen, die heute immer noch produziert werden. Im 2. Weltkrieg wurde Japan Steel Works von der amerikanischen Bomberflotte besonders heftig bombardiert. Der Stahlhersteller hatte sich auf besonderes große Schiffkanonen spezialisiert. Erneuerbaren Energien gehört die Zukunft Die fossilen Energieträger Öl, Kohle und Gas besitzen zwei wesentliche Nachteile: Erstens sind sie nur in begrenzten Mengen verfügbar. Zweitens verursacht ihre Nutzung klimaschädliche Emissionen mit erheblichen Folgeschäden und -kosten. Fossile Energieträger und Atomenergie zählen daher zu den Auslaufmodellen der Energiebranche, wenn man nicht gerade zur Atomwirtschaft gehört. Uran ist auch endlich! Es ist nicht erkennbar, dass die Europäische Union die gleichen Mittel, wie sie es bei der Atomenergie getan hat, für die erneuerbaren Energien ausgegeben werden. Maßnahmen zur Energieeinsparung und Energieeffizienz wurden von der Europäischen Union und der Bundesregierung Deutschland immer nur angekündigt. Eine Umsetzung erfolgte in den letzten 15 „verlorenen“ Jahren nicht. Was wir brauchen sind 100 Prozent erneuerbare Energien. Die Technologie ist vorhanden. Die Förderung durch die EU ist immer noch sehr mangelhaft. Die Erneuerbaren Energien werden die fossilen Energieträger vollständig vom Markt verdrängen. Der Erneuerbaren Energie gehört die Zukunft. Sie wird in Deutschland eine Schlüsselindustrie werden und die Autoindustrie als schon bestehende Schlüsselindustrie überholen und ablösen. Wegen der Klimakatastrophe brauchen wir jetzt eine Lösung und nicht - wie bei der Fusionsenergie - möglicherweise in 50 Jahren. Wir haben nur jetzt ein Zeitfenster von vielleicht 10 bis 15 Jahren. Die Lösung kann nur lauten: Die erneuerbaren Energien EU-weit massiv fördern. Kombikraftwerke für erneuerbare Energie errichten. Die Folgen des Klimawandels werden immer deutlicher und eine Wende der Energiepolitik hin zu Energieeinsparung, Energieeffizienz und erneuerbarer Energien ist dringender denn je. Eine Verlängerung der Nutzung der Atomenergie würde diesen notwendigen Wandel bremsen. Jeder Euro für Atomenergie steht nicht mehr für den Ausbau der Erneuerbaren Energien, der Kraft-Wärme-Kopplung und der Steigerung der Energieeffizienz zur Verfügung. Energievermeidungsstrategien entwickeln und umsetzen. Wie die Umfragen in der Europäischen Union zeigen: Eine Mehrheit der Bevölkerung in der EU würde diesen Weg unterstützen. Atom- und Kohlekraftwerke lösen einfach nur Protest und Widerstand aus. Sie sind total unzeitgemäß und werden weder die Anforderungen einer zukunftorientierten Energieversorgung erfüllen noch das Klima retten. Mit Humor, Spaß, Fantasie und voller Lebensfreude werde ich mich gegen die Atomenergie weltweit stemmen und für eine sofortige Stilllegung aller Atomanlagen eintreten. Lasst das Uran in der Erde! @ Dieter Kaufmann
ist Mitglied im Arbeitskreis gegen Atomanlagen Frankfurt am Main | |||||
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