28. Juni: Ein Jahr nach den Störfällen in Brunsbüttel und Krümmel

Verschleißt das Material der Siedewasserreaktoren schneller?

PM vom 28.6.08

Heute vor einem Jahr kam es erst im AKW Brunsbüttel und wenige Stunden später im AKW Krümmel zu Störfällen. Beide AKW liegen seitdem überwiegend still. Auf eine bisher kaum beachtete Gemeinsamkeit mit Deutschlands größtem Atomkraftwerk, dem AKW Gundremmingen, weist jetzt die Bürgerinitiative FORUM hin und fordert die schwäbischen Abgeordneten zum Eingreifen auf.

Sowohl die AKW in Brunsbüttel und in Krümmel wie auch die beiden Atommeiler in Gundremmingen sind veraltete Siedewasserreaktoren. Diese haben im Unterschied zu den später fast nur noch gebauten Druckwasserreaktoren nur einen Hauptkreislauf und das Wasser siedet bereits im Reaktor, so dass dort ständig Dampfblasen entstehen.

Experten weisen darauf hin, dass Siedewasserreaktoren zwar billiger zu bauen waren, aber die Dampfblasen ein zusätzliches Problem bereiten. Denn Wasser bremst die materialschädigende schnelle Neutronenstrahlung. Dampfblasen hingegen lassen die Neutronenstrahlung durch, so dass diese die Metallstrukturen des Reaktorgefäßes und seiner Rohrleitungen schwächen.

Bild: Siedewasser-reaktor

Von den 17 in Deutschland noch in Betrieb befindlichen AKW sind elf Druckwasserreaktoren. Die sechs Siedewasserreaktoren sind in der Reihenfolge ihrer Inbetriebnahme: Brunsbüttel an der Elbe unterhalb Hamburg (1976), Isar 1 bei Landshut (1977), Philippsburg 1 bei Karlsruhe (1979), Krümmel an der Elbe oberhalb Hamburg (1983) und Gundremmingen B und C in Schwaben zwischen Ulm und Augsburg (beide 1984).

Zur Erinnerung: Atomkraftwerke werden in 20 oder 21 Jahre abgeschrieben. Alle deutschen Siedewasserreaktoren sind also abgeschriebene Anlagen.

Die Störfälle am 28.6.07 in Brunsbüttel und Krümmel führten zur Abschaltung. Als dann die Reaktoranlagen näher untersucht werden konnten, fand man viele vorher unentdeckte Schäden, so dass beide Reaktoren im Prinzip bis auf unabsehbare Zeit abgeschaltet bleiben.

Bis heute fehlen die Berichte des Betreibers, welche Schäden alle gefunden wurden und was die Ursache dieser Schäden ist.

Dies erinnert an das Schicksal von Deutschlands erstem Großkernkraftwerk, dem Block A in Gundremmingen. Auch ein Siedewasserreaktor. Im Dezember 1966 in Betrieb genommen mußte er infolge zweier durch Raureifbildung verursachten Kurzschlüsse in den Überlandleitungen am 13. Januar 1977 schnell abgeschaltet werden. Nach Reparatur der dabei entstandenen Schäden sollte er nach wenigen Wochen wieder in Betrieb genommen werden. Aber bei der Untersuchung des abgeschalteten Reaktors fand man dann auch Materialschäden und Haarrisse in wichtigen Rohren und die Reparaturversuche wurden beendet.

Das FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V. fordert die schwäbischen Landtags- und Bundestagsabgeordneten auf, die staatlichen Aufsichtsbehörden nach diesen speziell bei Siederwasserreaktoren zu beobachtenden Materialschäden eindringlich zu fragen!@

Raimund Kamm (Vorstand)
FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager
und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

externer Link atommuell-lager.de

 

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