Schrottreaktoren abschalten!
von Focus Anti-Atom
Das 36-jährige schweizerische AKW
Mühleberg beantragt eine unbefristete
Bewilligung. Die Betreiber wollen es
mindestens 50 Jahre laufen lassen. Denn
ohne grosse Nachrüstungen ist das AKW
ein Goldesel. Aber Bevölkerung, Organisationen,
Parteien und politische Gemeinden
wehren sich.
Zurzeit läuft in der Schweiz das seit Jahren
heftigste Atom-Bewilligungsverfahren. Die BKW
Energie AG, Betreiberin das AKW Mühleberg,
möchte eine unbefristete Bewilligung. Aber
kaum 4 Monate vor dem Verfahren hat Fokus
Anti-Atom eine Kampagne gegen Risse im Kernmantel,
einem Reaktoreinbau, gestartet (s. aaa
Nr.188), was offensichtlich in der Bevölkerung
haften geblieben ist.
Innert drei Wochen sind Tausende Einsprachen
beim Bundesamt für Energie eingegangen. Die
Haupteinsprache von direkt Betroffenen und
verschiedenen Organisationen wird technisch
vom Ökoinstitut Darmstadt und Fokus Anti-
Atom begleitet.
In der Schweiz sind fünf kommerzielle Reaktoren
in Betrieb. Zwei davon haben von Beginn weg (in
regelmässigen Abständen) nur befristete Bewilligungen
erhalten: Beznau II, ein Westinghouse-
Druckwasserreaktor, und Mühleberg, ein Siedewasserreaktor
von General Electric. Der Grund für
die Befristung lag darin, dass Sicherheitsnachweise
für die Notkühlung nicht erbracht waren! Beznau
II hat vor vier Jahren vom Bundesrat, der schweizerischen
Regierung, die unbefristete Bewilligung
erhalten. Nun will die BKW Rechtsgleicheit. Der
Skandal ist aber, dass sie sich weigert, einen
Sicherheitsbericht öffentlich aufzulegen. Dies
im Gegensatz zu Beznau seinerzeit. Lediglich die
Überwachungsbehörde (Hauptabteilung für die
Sicherheit der Kernanlagen HSK) publiziert ein
Gutachten zum Stand 2005. Unser erster Schritt
war im Verfahren also, dass wir sämtliche Akten
anforderten. Der Entscheid wird noch einige Zeit
auf sich warten lassen.
Die technischen Einsprachepunkte sind fast
endlos (Auszug aus der Masseneinsprache):
- Die Alterung des AKW Mühleberg ist nicht aufzuhalten: Die Risse im Kernmantel zeigen, dass das Wachstum trotz verschiedenster Massnahmen seit 1990 nicht zu stoppen ist. Die HSK erachtet die Nachrüstung mit Klammern nicht als definitive Lösung, wartet aber bis 2010 zu. Das Risswachstum kann aber plötzlich sprunghaft zunehmen, wie vor drei Jahren geschehen.
- Das AKW Mühleberg ist nicht sicher gegen Flugzeugabsturz: Die HSK fordert eine „ausführliche“ Bewertung. Bis dahin muss das AKW Mühleberg als Flugzeugabsturz gefährdet betrachtet werden. Zynisch ist, dass dieselbe Überwachungsbehörde nach dem 11.9.01 im Nu ein Gutachten bereithielt, welches darlegte, dass für Mühleberg keine Gefahr drohe!
- Das AKW Mühleberg ist nicht erdbebenfest: Die HSK fordert vom AKW eine Analyse für Brüche an Leitungen des Speisewasser- und Frischdampfsystems. Dies gilt vor allem auch im Bereich des Maschinenhauses. Vor acht Jahren hatten wir nachgewiesen, dass die Strahlenschutzverordnung in diesem Punkt verletzt wird. Die Klage ist immer noch hängig. Nachrüstungen sind nicht erfolgt. In der Zwischenzeit hat eine Erdbeben-Studie für die Standorte der Schweizer AKW (Projekt PEGASOS) gezeigt, dass das Erdbebnrisiko bis anhin massiv unterschätzt wurde. Dass das Erdbeben den grössten Teil am Gesamtrisiko ausmacht (erstaunlicherweise im Gegensatz zu Beznau) ist schon lange bekannt, und ist darauf zurückzuführen, dass eine ganze Reihe von Notsystemen nicht erdbebenfest ist.
- Das AKW Mühleberg ist nicht gegen Brand ausgerüstet: Auch bezüglich der Brandsicherheit hat der Betreiber Beweise zu erbringen. Es fehlen Versagenswahrscheinlichkeiten und Brandausbreitungsanalysen. Nicht auszudenken, was bei einem Brand in Mühleberg heute passieren würde.
- Verschiedenste Notsysteme sind nicht ausreichend bestückt, Notkühlsysteme werden von einer einzigen Leitung gespeist. Bricht diese, so sind praktisch nur noch die Betriebssysteme funktionsfähig – was die ganze Sicherheitsphilosophie auf den Kopf stellt!
Aber solche „Defizite“ werden von der Aufsichtsbehörde
geduldet, angeblich werden
sie durch andere Einrichtungen kompensiert.
Der Skandal ist nicht nur, dass das AKW Mühleberg
einer der ältesten und gefährlichsten
Reaktoren der Welt ist. Der Skandal ist auch,
dass die Atombehörden stets zuerst lange Untersuchungen
verlangen, um zu bewerten, ob
nachgerüstet werden soll. So werden auch fest
stehende Risiken (wie etwa das Erdbebenrisiko
im Maschinenhaus) erst vage angesprochen.
Betreiber und Atombehörden stecken unter
einer Decke. Das läuft unter dem Namen des
„gegenseitigen Vertrauens“. Diese Verbandelung
ist schwer zu knacken. Aber der sich
abzeichnende massenhafte Widerstand wird
etwas bewegen. Wir sind gespannt!
AKW Mühleberg stilllegen!
Energien für das Leben,
statt Profite mit dem Tod!

fokusantiatom.ch
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