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In den kommenden Monaten
werden wichtige Weichen gestellt no pasaran von Kurt Herzog, MdL aus dem Wendland Mit „Glückauf“ beginnt Dr. Hensel am 24.6.2008 seinen Fachbeitrag zur Pressekonferenz des Betreibers des Atommülllagers Asse II, Helmholtz Zentrum München (HMGU). Einen glücklichen Eindruck macht er dabei nicht, hat er doch die Pleiten und Pannen zu rechtfertigen, derer HMGU seit dem 11. Juni bezichtigt wird. Pech ist das nicht, was seit Jahrzehnten unten im Salzstock Asse II verbockt wird. Zu viel Unvermögen ist dabei und zu viele Rechtsverstöße. Alles nach dem Motto Verklappen, verschieben, vertuschen! Pressesprecher Haury ergänzt anschließend die heile Asse-Welt mit dem gelassenen Hinweis, die HMGU hätte die Überschreitungen der Freigrenzen für das Radionuklid Cäsium 137 in den Laugenzuflüssen selbstverständlich jederzeit der Öffentlichkeit bekannt geben können. Er lässt durchblicken, sie seien eher gebremst worden. Von wem eigentlich, drängt sich sofort auf. Darüber wird noch oft und ausführlich weiter zu sprechen sein, denn jetzt gibt es viel zu erforschen in der Asse. Beinahe ungehalten fährt Haury dann fort, dass er überhaupt nicht verstehen könne, dass man der HGMU sogar heimliche Forschungen vorwerfen würde. Ein einziger Versuch liefe noch, nämlich, wie viele Radionuklide aus Zementblöcken, die in Salzlauge stehen, ausgeschwemmt würden. Und das hätte jeder öffentlich wahrnehmen können, wenn, ja wenn er denn die Ausstellung „Harz und Heide“ besucht hätte. Dort sei alles haarklein zu sehen gewesen. Der Chef der zuständigen Aufsichtsbehörde, der Niedersächsische Umweltminister Hans- Heinrich Sander, war offensichtlich nicht Besucher dieses Niedersächsischen Großspektakels. So entgingen ihm diese Forschungen und vor allem auch diese denkwürdige öffentliche Informationsstrategie des Asse-Betreibers. „Alle waren informiert,“ so Haury. Sanders Staatssekretär Birkner sagte noch in seiner ersten Stellungnahme am 16.6., die Überschreitungen wären seit Jahren bekannt, um sich wenige Tage später „rein“zuwaschen, das NMU wüsste das erst „seit letzter“ Woche. Beides schlecht.
Die Chronologie der Asse, beziehungsweise des Betriebes als Atommülllager ist lang und aufschlussreich. Sie zeigt in allen Facetten das Prinzip der sogenannten friedlichen Nutzung der Atomenergie. Denn das Bild des Starts ohne Landebahn stimmt mehr denn je: Unter Atomminister Strauß startete man ins Blaue hinein, produzierte munter Atommüll und viele bedrohliche Pannen. Irgendwann begann man zu kreisen, jetzt geht der Sprit aus und es ist egal, welche Landebahn man aussucht, sie ist auf jeden Fall zu kurz......Leichtfertige Technikgläubigkeit auf Kosten der nachfolgenden Generationen. Wer belangt die lange Reihe der Täter in Politik, Behörden und Wissenschaft? Mitte der 60iger erwarb die Gesellschaft für Strahlenschutz (GSF), die sich kürzlich in Helmholtz Zentrum München umbenannte, den Salzstock Asse II. Ein „Versuchs“endlager war geplant, offensichtlich ein billigeres Verfahren als das Versenken von Atommüllfässern vor der spanischen Küste im Atlantik. In Salamitaktik versprach man, zunächst 5 Jahre nur zu prüfen, brach dies Versprechen aber umgehend und lagerte ab 1967 ein. Die versprochene zeitliche Begrenzung auf 5-10 Jahre wurde stillschweigend fallen gelassen, und zwar spätestens, als man 1974 zur Abkipptechnik überging. Man kippte die Fässer einfach in den Abgrund oder ließ sie auf einen großen Haufen stürzen, mit der Folge, dass schon damals manches Gebinde seine radioaktive Fracht freigab. Wer dieses Vorgehen genehmigte, wollte ein irreversibles Endlager schaffen. Klammheimlich.
„Wir haben nicht gedacht, dass das für die Öffentlichkeit interessant sein könnte,“ sagte Haury jetzt mehrfach. Dieser arrogante Ausspruch spiegelt die ganze Unzuverlässigkeit des Betreibers wider, und das zum wiederholten Male. Unvorstellbar, dem sogenannten Schließungskonzept von HMGU für die Asse zu folgen, das die Flutung des Bergwerks mit dem „Schutz“fluid Magnesiumchlorid vorsieht. Das ist eine agressive Lauge, die selbst die intakten Fässer in kurzer Zeit auflösen wird. Die Chemikalien, die dann miteinander reagieren werden, sind nicht ausreichend bekannt. Es ist sehr gut möglich, dass es zu erheblichen Gasbildungen kommt, sogar zu heftigen Reaktionen bis hin zu Explosionen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erteilte dem Schließungskonzept per Flutung inhaltlich eine klare Absage: Unterlagen fehlten, Parameter seien unzulässig verändert. Bei realistischer Nachrechnung kam das BfS auf lediglich 150 Jahre, bis Nuklide nach außen ins menschliche Umfeld gelangen und die heute gültigen Grenzwerte um 300% überschreiten würden. NMU-Chef Sander fand das Ende Mai noch unproblematisch (wird „umfassend überarbeitet“), heute, nach dem Bekanntwerden der skandalösen Verhältnisse im Schacht spricht er von einem nicht genehmigungsfähigen Konzept. Die Versuchsendlagerung in der Asse und das Endlager-Medium Salz sind gescheitert und das nicht erst seit dem Bekanntwerden der kontaminierten Laugen. Dass darüber hinaus HGMU im so genannten Tiefenaufschluss, der tiefsten Stelle des Bergwerks, die radioaktiv verseuchte Lauge verklappte und auch alles Mögliche andere verpresste, war illegal. Der Begriff „Atomklo“ wird hier plötzlich sehr plastisch verständlich. Die vom Betreiber genannte Ursache der Verseuchung ist nicht plausibel: 1973 sei beim Hantieren mit Fässern flüssiger Inhalt vorbei geschwappt, was frappierend an das „Backpulver“-Zitat der ehemaligen Bundesumwelministerin Merkel bzgl. Castorbehältern erinnert („....da geht schon mal was daneben“). Wahrscheinlicher ist, dass die Laugenzuflüsse durch die Lagerkammern fließen und den Atommüll auslaugen. Diese offenen Fragen müssen sehr schnell und umfassend geklärt werden. Die Befragungen und das Auftreten der Beteiligten Landesbergamt (LBEG), HGMU und NMU im Umweltausschuss des Landtags zeigten haarsträubende Widersprüche und Defizite auf. Vermerke und Dokumentationen gibt es offenbar kaum. Deshalb sind LINKE und GRÜNE für einen Untersuchungsausschuss mit Ladungs- und Vereidigungsrecht. Die Umweltausschuss-Mitglieder der SPD anfangs auch, jetzt fielen sie um... wen wollen sie schützen?
Gabriel wird mit einem halben Jahr Verspätung demnächst die Kriterien vorlegen für die Auswahl und die Sicherheitsanforderungen für Endlager. Asse wird denen in keiner Form gerecht, das ist klar. Nicht unwahrscheinlich ist die Aufgabe des Mehrbarrieren-Sicherheitssystems, das auch den Abschluss gegen Grundwasser durch ein intaktes Deckgebirge beinhaltet. Asse war als Prototyp für ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll gedacht, für Gorleben. Die Probleme der Asse sind nicht 1:1 auf den Gorlebener Salzstock zu übertragen. Fest steht aber, dass auch in Gorleben das Deckgebirge verletzt und undicht ist, dass Ablaugungen von Salz durchs Grundwasser stattfinden, dass beim Abteufen Wasser einbrach. Fakt ist auch, dass wie in der Asse schnell löslicher Carnalittit sämtlichen Träumereien von 1 Mio. Jahre sicherer Abschottung gegen die Biosphäre schnell den Garaus machen kann. Bei Asse II dauerte es lediglich 40 Jahre bis der Gruben-GAU zum Greifen nahe ist. Die Verantwortlichen, die für die Asse zuständig waren, mischen zum Teil auch in Gorleben mit: leichtfertig, unbelehrbar und unglaubwürdig. Noch eins weist Parallelen auf: Wie bei Asse II warnten unabhängige Wissenschaftler von Beginn an vor der Untauglichkeit des Salzstocks. Bei allen Aspekten der Atomenergie geht es um Geld, viel Geld. Atomromantiker und -profiteure jeglicher Coleur scharren schon, fordern Laufzeitverlängerungen und sogar Neubau von AKWs. Der Atomspezialist der CDU-Bundestagsfraktion, Axel Müller, der zu Asse II mit dem Ausspruch glänzte, „Klappe zu, Affe tot!“, kündigte schon einen Atomwahlkampf für die kommende Bundestagswahl an. Ähnlich wie schon Stoltenberg 1980, der damals 100 AKWs für die Bundesrepublik forderte, setzt man angesichts steigender Energiepreise auf die Angst und die Unkenntnis der BürgerInnen. Nur dass man mit Atomenergie nicht Auto fährt.... Die Lüge von der CO2-freien Atomenergie („Ökoenergie“) soll ihr Übriges tun. Bei der SPD beginnen die Abwehrreihen zu bröckeln, faule Kompromisse werden geboren. Statt Sachaufklärung jetzt schon Kuhhändel. In den kommenden Monaten werden wichtige Weichen gestellt, sowohl was Asse, aber auch was Gorleben und eine mögliche Renaissance der Atomenergie angeht. Die Anti-Atom-Bewegung muss in Wallung kommen, sonst wird vieles von dem verspielt, was in den vergangenen Jahrzehnten mit Beharrlichkeit, Aufklärung und Kreativität gegen die Atomlobby und ihre Helfershelfer erreicht wurde: „Glückauf!“ oder besser „No pasaran!“@ | |||||||||||
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