alte und neue

Argumente gegen Atom

Die Atomlobby nutzt die öffentliche Diskussion um Klimawandel und steigende Energiepreise und die damit verknüpfte Verunsicherung der Bevölkerung, um durch massive Werbekampagnen die Stimmung i pro Atom zu beeinflussen. Es geht darum, Akzeptanz zu schaffen für Atomtechnologie, für Laufzeitverlängerung und "Ausstieg aus dem Ausstieg". Atomenergie als unbegrenzte billige Energie für den kapitalistischen Verwertungsprozess und als Lösung für die Klimaproblematik zu verkaufen: das ist nicht neu. Trotzdem tut es gut, wieder die alten Argumente hervorzukramen, die neuen Lügen zu entlarven und damit in der öffentliche n Diskussion sichtbar zu werden.

Eine erste Sammlung von Behauptungen und Lügen aus der momentanen öffentlichen Diskussion und mögliche Argumente dagegen.

Energie wird immer teurer. Da könne die Atomkraft helfen, denn die abgeschriebenen AKW liefern besonders preiswerten Strom. Längere Laufzeiten machen Strom billiger.

Man verlängere die Laufzeiten der deutschen AKW, und schon purzeln die Strompreise, glaubt man den Energiekonzernen und vielen Unionspolitikern. Die neueste Windung lautet: Einen Teil der vermeintlichen Erlöse könne man zur Entlastung finanziell besonders gebeutelter Haushalte nutzen.

Fakt ist:
Die Atomkraft trägt derzeit zu rund einem Viertel zur Stromerzeugung in Deutschland bei. Eine Kilowattstunde Atomstrom kostet rund 2,65 Cent, für Elektrizität aus Steinkohle oder Gaskraftwerken liegt der Tarif bei 3,35 bzw. 4,90 Cent. Maßgeblich für die Strompreisbildung hierzulande ist das Geschehen an der Leipziger Strombörse. Dort wiederum wird nach dem so genannten Grenzkostenprinzip kalkuliert: die besonders teuren Kraftwerke (meistens Steinkohle oder Gas) bestimmen den Preis.

Eine Laufzeitverlängerung für deutsche AKW würde zunächst wenig ändern. Abgeschriebene Atomreaktoren erzeugen zwar in der Tat billiger Strom als Gaskraftwerke, doch das wirkt sich auf den Börsenstrom nicht aus, denn die AKW Betreiber verkaufen auch ihren Atomstrom zum Einheitspreis, der von den Gaskraftwerken bestimmt wird. Die Betreiber machen riesige Gewinne mit ihren Meilern, doch den Stromkunden bringen die günstigeren Erzeugungskosten nichts. Verbraucherschützer beziffern die Kostenvorteile in Folge längerer Laufzeiten auf monatlich etwa 30 Cent pro Haushalt.

Zudem können RWE, Eon, Vattenfall und EnBW den Atomstrom nur deshalb billiger erzeugen als den Strom aus Erdgas, weil sie die Kosten des Atomstroms nicht in vollem Umfang selbst tragen. So sind die Schäden, die ein Unfall verursachen kann, nur zu einem Bruchteil versichert. Müsste ein AKW-Betreiber eine Versicherungspolice vorlegen, die alle denkbaren materiellen Unfallschäden abdeckt, wäre (sofern sich überhaupt eine Versicherung fände) die Prämie so hoch, dass der Atomstrom unrentabel würde. Hier haftet also die Gemeinschaft für den vermeintlich billigen Atomstrom. Auch für die Entsorgung wird der Steuerzahler herangezogen - heute und vor allem in Zukunft. Müsste eine Atomfirma Rücklagen bilden, um den Atommüll für Jahrtausende zu sichern, wäre die Kilowattstunde unbezahlbar. Billiger Atomstrom kann also immer nur heißen, dass der Steuerzahler den Strom billig macht.

Ohne Atomkraft sind die Klimaziele nicht zu erreichen.

Die Atomlobby verkauft ihre Meiler derzeit als Deutschlands CO2-freie Klimaschützer. Stimmt aber nicht. Um eine Kilowattstunde Strom zu produzieren, pusten AKW selbst nach Angaben ihrer Betreiber bis zu 33 Gramm Kohlendioxid in die Luft - etwa so viel wie Wind und Wasserkraft. Umweltorganisationen rechnen mit 65 Gramm CO2. Das ist aber immerhin nur ein Bruchteil der Treibhausgase, die bei der Stromproduktion durch Kohle oder Erdgas frei werden.

Unter den Dreckschleudern, die zu einer dauerhaften Veränderung des Klimas beitragen, ragen zwei große Gruppen heraus: das eine sind fossil befeuerte Großkraftwerke, das andere die Gesamtheit der Fahrzeuge des individuellen und öffentlichen Verkehrs. Daran, was aus den Auspufftöpfen herauskommt - und das ist mehr als ein Drittel der gesamten Schadstoffe! - kann kein AKW etwas ändern. Und sollte die Stromerzeugung aus fossil befeuerten Großanlagen durch solche aus Atomanlagen ersetzt werden - das ist ein weiteres Drittel, müssten 4000 neue AKW gebaut werden, in Deutschland etwa 70 Reaktoren, - eine schwindelerregende Dimension, die horrende Sicherheitsprobleme bedeutet. Damit würde auch der zum AKW-Betrieb nötige Rohstoff Uran rasch erschöpft sein und sein Preis in schwindelnde Höhen steigen. Schon mit den aktuellen Reaktoren reichen die weltweiten Vorräte für bezahlbares Uran nur noch für 65 Jahre, rechnet Greenpeace. Die Atomlobby spricht von 200 Jahren, sagt aber nicht, wie teuer der Rohstoff würde, wenn die Zahl der AKW weltweit steigt.

Die Stromerzeugung durch Atomkraft senkt den CO2-Ausstoß in Deutschland überhaupt nicht - vorausgesetzt, der Emissionshandel funktioniert. Denn Deutschland hat im Rahmen des Kioto-Protokolls ein bestimmtes Kontingent an CO2, das es in den kommenden Jahren ausstoßen darf. Unabhängig von den AKW. Und dieses Limit wird zwangsläufig eingehalten, sofern der Handel nicht unterlaufen wird. Würden die Laufzeiten der Atomkraft verlängert, würden deswegen die CO2-Kontingente nicht gekürzt. Somit würde nach der Logik des Emissionshandels die gleiche Menge an CO2 emittiert.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist ja schön und gut, aber AKW sind als Grundlastkraftwerke unverzichtbar.

Dahinter steckt ein veraltetes Denken. Bislang gibt es Grundlastkraftwerke, die rund um die Uhr laufen, das sind vor allem Atomkraftwerke, aber auch Kohleblöcke. Sie decken den Bedarf ab, der zur schwächsten Stunde des Tages herrscht. Um die Tagesschwankungen der Nachfrage abzubilden, werden zudem Mittellastkraftwerke eingesetzt, was die Kohle übernimmt. Die Spitzenlast wird schließlich von Gas oder auch speicherbarer Wasserkraft abgedeckt.

Nachdem die Windkraft in Deutschland inzwischen von ihrer Anschlussleistung her die Atomkraft überschreitet, ergibt sich die Situation, dass die bisherige Grundlast an stürmischen Tagen nicht mehr gebraucht wird. Dann nämlich, wenn die Windkraft den Atomstrom komplett ersetzt. Erkennbar ist das an der Strombörse, wenn die Preise bei null liegen. Heute ist Grundlast daher etwas anderes als noch vor zehn Jahren: Die Grundlast setzt sich zunehmend zusammen aus einerseits den schwankenden Erzeugern (derzeit vor allem die Windkraft) sowie flexiblen Kraftwerken, die jeweils gegenläufig zur Windstromerzeugung gefahren werden. In der Summe muss dann eine konstante Leistung garantiert werden. Eine solche Form der modernen Grundlast aber kann kein AKW leisten, weil diese Technik zu träge ist. Damit zeigt sich, dass gerade durch den Ausbau der erneuerbaren Energien die Atomkraft immer weniger sinnvoll ins Stromnetz integriert werden kann.

Es bringt nichts, wenn Deutschland aus der Atomkraft aussteigt. Dann wird Atomstrom aus dem Ausland importiert.

Deutschland ist weiter denn je davon weg, zu einem Stromimportland zu werden. Selbst im vergangenen Jahr, als durch Stillstand mehrerer Atomkraftwerke 26 Milliarden Kilowattstunden weniger an Atomstrom erzeugt wurden als im Jahr zuvor, hat Deutschland in der Gesamtbilanz noch immer den Strom aus zwei Atomkraftwerken exportiert. Deutschland könnte folglich fünf Atomkraftwerke dauerhaft abschalten und wäre noch immer nicht auf Stromimport angewiesen. Und mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien dürfte Deutschland in diesem Jahr eine noch größere Strommenge exportieren.

Und was die Kraftwerke im Ausland betrifft: Wenn Deutschland als ein führendes Industrieland es schafft - woran kein ernsthafter Zweifel bestehen kann -,ohne Atomkraft auszukommen, wird das in einigen anderen Ländern Nachahmer beflügeln. Schon beim Ausbau der erneuerbaren Energien haben sich Dutzende von Länder weltweit ein Beispiel an den deutschen Einspeisevergütungen genommen.

Deutschland ist mit dem Ausstieg weltweit isoliert. Überall sonst entstehen neue AKW.

Der Schein trügt. Zum einen gibt es auch in Europa einige Länder, die keine AKW haben und an dieser Position festhalten. Österreich und Dänemark etwa. Zum anderen spiegelt die Berichterstattung in vielen Medien die realen Verhältnisse nicht wider, weil über Neubauten immer viel mehr berichtet wird als über die Abschaltungen. Anfang 2007 zum Beispiel wurden in Europa auf einen Schlag sieben Atommeiler vom Netz genommen, ohne dass dies von vielen Menschen wahrgenommen wurde. Viel häufiger wird über die einzigen europäischen Neubauten in Finnland und Frankreich berichtet.

Die AKW werden immer sicherer. Die dritte Generation von Reaktoren sorgt gegen eine Kernschmelze vor, und bei der nächsten Generation wird der größte anzunehmende Unfall ausgeschlossen sein.

Die angebliche Sicherheit der neuen Reaktoren stützt sich immer nur auf die Aussagen der Atomlobby. Vor Tschernobyl wollte sie auch die Möglichkeit einer solchen Katastrophe nicht wahrhaben.

Zudem geht es beim deutschen Atomausstieg nicht um neue Kraftwerke, sondern vor allem um uralte Meiler. Die in den nächsten zwei Jahren anstehenden Abschaltungen betreffen Reaktorblöcke aus den Siebzigerjahren, die auf der Technik der Sechzigerjahre basieren. Diese haben deutliche Sicherheitsmängel.

Hinzu kommt die Gefährdung durch den Normalbetrieb der AKW, wie die Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von AKW deutlich gezeigt hat.

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Für den Atommüll wird man schon eine sichere Lösung finden.

Das Problem mit dem Atommüll ist mitnichten gelöst. Bislang gibt es nirgendwo auf der Welt ein sicheres Endlager für hochradioaktiven Müll. Welche Probleme schon nach wenigen Jahrzehnten auftreten können, bestätigen die aktuellen Vorgänge im Bergwerk Asse, wo bis in die Siebzigerjahre hinein Fässer mit mittelradioaktiven Abfällen eingelagert wurden. Dort gefährdet nun Wassereinbruch die Umwelt, und noch ist völlig unklar, wie man mit der Atomkloake weiter verfahren wird.

Halten wir uns vor Augen: In Asse hat man es nicht einmal geschafft, die Abfälle über drei Jahrzehnte hinweg sicher zu lagern. Faktisch jedoch muss hochradioaktiver Müll für Jahrtausende sicher gelagert werden. Man stelle sich vor, in der letzten Eiszeit hätte es schon AKW gegeben, dann müssten wir heute noch über die Abfälle wachen. Kein Mensch kann garantieren, dass ein geologischer Untergrund, welcher Art auch immer, den Müll über so lange Zeiträume sicher einschließen kann. @

 

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