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Bei einer Flutung des Atommüllagers AsseII droht eine
Überschreitung der Grenzwerte schon nach 150 Jahren. Die Asse bringt es an den Tag! PM vom 26. 5. 08 KritikerInnen sind entsetzt: „Verfüllung und Flutung muss sofort gestoppt werden“ Bei einer Flutung des Atommüll- Lagers Asse II bei Wolfenbüttel, wie sie der Betreiber in seinem Schließungskonzept vorsieht, droht die Überschreitung der Grenzwerte schon innerhalb weniger hundert Jahre! Das geht aus einer Überprüfung der Flutungspläne hervor, die im Rahmen des öffentlichen Begleitprozesses jetzt vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) vorgelegt wurde. Der Koordinationskreis Asse II, ein Zusammenschluss von KritikerInnen rund um die Asse, fordert von Bundesumweltminister Gabriel in einem Brief, er müsse die Pläne stoppen. 23.000 Jahren nach einer Flutung werde die höchste Umweltbelastung erreicht – und zwar innerhalb der Grenzwerte, hatte der Betreiber Helmholtz-Zentrum München (ehemals GSF) bisher angegeben. Für Kritiker ist schon das unakzeptabel, denn jeder radioaktive Austritt aus einem Atommülllager stelle eine Gefahr dar. Heike Wiegel vom Koordinationskreis Asse II ist angesichts der neuen Erkentnisse fassungslos: „So kann man weder mit den Menschen noch mit unserer Umwelt umgehen, denn gemessen am Schutzziel von 1.000.000 Jahre bedeuten 150 Jahre nichts. Damit ist das Konzept des Betreibers gescheitert und unmittelbare Konsequenzen erforderlich.“ Werte durch willkürliche Berechnungsmethoden geschönt Grundlage der verschärften Kritik ist eine 132seitige Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Dieses stellt nicht nur die drohende kurzfristige Verseuchung der Umwelt fest, sondern kritisiert auch die Berechnungsmethoden des Betreibers bei der Anwendung der Allgemeinen Verwaltungsverordnung (AVV). Man habe willkürlich fragwürdige Änderungen an existierenden Modellen und Parametern vorgenommen. Das BfS schreibt dazu: „Hier wurde bewusst von Vorgaben der Strahlenschutzverordnung zur Art und Weise, wie die Einhaltung der effektiven Dosis nachzuweisen ist, abgewichen“. Das betrifft insbesondere die Nichtanwendung von Sicherheitsfaktoren bei der Nahrungsmittelaufnahme. Damit bestätigt das BfS, so meint Tobias Darge, die Auffassung des Koordinationskreises, wonach das Helmholtz-Zentrum München nicht über die notwendige Zuverlässigkeit als Betreiber eines Atommülllagers verfüge. Für den Austritt von radioaktiven Gasen in die Umwelt über den sogenannten „Gaspfad Fischteich“ ergebe sich, so das BfS, bei richtiger Anwendung der Allgemeinen Verwaltungsverordnung (AVV) als effektive Dosis eines Erwachsenen je nach Szenario zwischen 0,55 und 1,2 Milli-Sievert pro Jahr (mSv/a), die nach 150 bis 750 Jahren erreicht würden. Damit wäre der Grenzwert von 0,3mSv/a um ein Mehrfaches überschritten. „Wenn man bedenkt, dass Kinder als besondere Risikogruppe bei Grenzwertberechnungen noch gar nicht berücksichtigt werden, erhöht sich die Brisanz noch einmal beträchtlich“, schlägt Tobias Darge den Bogen zu Diskussionen um erhöhte Zahlen von Leukämiefällen im Umkreis von Atomkraftwerken. Ensetzte KritikerInnen fordern Gabriel zum Handeln auf In einem Brief fordert der entsetzte Asse-II-Koordinationskreis nun den Bundesumweltminister zum Handeln auf. Sigmar Gabriel hatte mehrfach, so auch in einem Brief an den Landrat des Landkreises Wolfenbüttel, auf seine Verantwortung für sämtliche Atomanlagen in Deutschland verwiesen und seine Bereitschaft betont, im Gefahrenfalle einzuschreiten. Konkret fordert der Koordinationskreis nun, Gabriel möge das niedersächsische Umweltministerium anweisen, die bisherigen Schließungspläne als offensichtlich ungeeignet zurückweisen. Außerdem müssten sofort alle Arbeiten gestoppt werden, die schon als Vorbereitung der Schließung dienen. Insbesondere betrifft das, so der Asse-Kritiker Michael Fuder, die schon laufende Verfüllung des Tiefenaufschlusses mit Salz und Wasser: „Wir befürchten, dass damit andere Optionen erschwert oder unmöglich gemacht werden.“ Der Koordinationskreis will aber noch mehr von Gabriel: Er soll im Zusammenwirken mit dem Bundesforschungsministerium für eine rasche größtmögliche Stabilisierung der Asse sowie die Entwicklung von Alternativkonzepten sorgen. „Alles das ist uns im regionalen Begleitprozess von den Ministerien zugesagt worden. Während aber unter Tage im Eiltempo Fakten geschaffen werden, geht der Fortschritt bei den entscheidenden Fragen im Schneckentempo voran“, so Michael Fuder. „Dass selbst bei ungestörtem Verlauf schon nach 150 Jahren mit Grenzwertüberschreitungen gerechnet werden muss, übertrifft unsere schlimmsten Erwartungen bei weitem“, gibt Michael Fuder zu und stellt abschließend klar: „Das muss bei Behörden und Ministerien ein STOP-Schild für die Flutungspläne sein. Wenn nicht einmal mehr die Grenzwerte eingehalten werden können, müssen nicht die Rechenmodelle geändert werden, sondern endlich das Schließungskonzept. Vieles deutet darauf hin, dass die Rückholung des Atommülls die einzige vertretbare Variante ist; deshalb muss diese mit Hochdruck geplant und vorbereitet werden, um keine wertvolle Zeit zu verlieren. Letztlich kann die Entscheidung über den gefahrenärmsten Umgang mit dem Atommüll der Asse nur auf der Basis des von uns seit langem geforderten Optionenvergleichs fallen.“ ASSE-II-Koordinationskreis | ||
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