Das Bieterverfahren für den Bau eines AKW im erdbebengefährdeten Akkuyu ist eröffnet.

Nükleere Hayir!

von aaa-red

Die Türkei macht Ernst mit dem geplanten Bau des ersten AKW des Landes: Energieminister Hilmi Guler eröffnete am 23.3.08 offiziell das Bieterverfahren für die Errichtung des Meilers in Akkuyu im Süden des Landes. Der geplante Standort liegt nur 25 Kilometer von einer Linie mit heftigen seismischen Aktivitäten. Studien zum Bau eines weiteren Kraftwerks in Sinop, einer Hafenstadt am Schwarzen Meer, haben seinen Angaben zufolge bereits begonnen.

Das Bieterverfahren für die 4000-Megawatt- Anlage soll den Angaben zufolge bis zum 24. September gehen. Erste ausländische Firmen hatten bereits im Vorfeld ihr Interesse signalisiert. So will sich der französische Atomkonzern Areva am Bau des ersten türkischen Atomkraftwerkes beteiligen.


Alte AKW-Pläne und Widerstand

Die Pläne, in der Türkei ein AKW zu bauen, gehen zurück auf die sechziger und siebziger Jahre. Mehrfach schrieben Regierungen Projekte aus, zuletzt machten sich die gemeinsame Tochter von Siemens und Framatome, die Nuclear Power International (NPI), der amerikanische Konzern Westinghouse sowie die kanadische AECL Hoffnung auf den Zuschlag. Einen einstweiligen Dämpfer erfuhren diese Ambitionen, als am 25. Juli 2000 der damalige Regierungschef Bülent Ecevit nach einer Ministerratssitzung erklärte, die geschätzten Kosten von 4,5 Milliarden Dollar gefährdeten den Staatshaushalt. Seinerzeit erwies sich der Plan, in Akkuyu ein AKW zu errichten, als am weitesten fortgeschritten - trotz der erhöhten Erdbebengefahr in der Region Mersin. Der Protest blieb nicht aus: Alle Bürgermeister der Region wehrten sich gegen den Standort Akkuyu, die Landbevölkerung ging auf die Straße. Schließlich verzichtete die Regierung auf den Plan.


Neue Atompolitik

2005 gab die Regierung ihren Plan bekannt, bis zum Jahr 2012 drei AKW mit einer Gesamtkapazität von rund 5.000 Megawatt zu errichten. Als mögliche Standorte gelten Akkuyu an der Mittelmeerküste, Konya und Beypazari in Zentralanatolien sowie Sinop an der Schwarzmeerküste.

Schon im November 2005 protestierten die Anti-Nukleer Cephe (ANC / Anti-Nuklear- Plattform) und die Grünen auf einem energiepolitischen Kongress gegen den Eintritt des Landes in die Nukleargemeinde. Am 17. Februar 2006 ging die ANC in Istanbul an die Öffentlichkeit, die Aktivisten verteilten Flugblätter, entrollten Transparente und zogen in Schutzanzügen und mit Gasmasken zum Taksimplatz. Eine Woche später trafen sich alte und neue Atomkraftgegner, um eine Aufklärungskampagne über die Gefahren der Atomkraft zu initiieren.

Trotz der Proteste unterzeichnete unterzeichnete Präsidet Gül im November 2007 ein vom Parlament verabschiedetes Atomgesetz. Dieses Gesetz regelt die Bedingungen für den Bau und den Betrieb von Atomkraftwerken in der Türkei sowie den Verkauf der erzeugten Energie. Damit wurden die Weichen für das Atomprogramm gestellt.


Energiepolitik

Energiepolitisch und -strategisch stützt sich das Land bisher auf Wasser und Gas. Die Türkei betreibt 135 Wasserkraftwerke mit einer Produktionskapazität von 12.600 Megawatt, weitere 41 befinden sich im Bau. 41 Prozent ihres Energiebedarfes deckt die Türkei über Erdgas. Das Gas bezieht das Land hauptsächlich aus Russland, das über die 2003 fertiggestellte Schwarzmeerpipeline „Blue Stream“ 65 Prozent des türkischen Verbrauchs deckt. Um Abhängigkeiten zu vermeiden, schloss Ankara Lieferabkommen unter anderem mit Algerien, Iran und Nigeria, weitere sollen folgen. Denn das innertürkische Gasnetz wird stetig ausgebaut, ein wachsender Bedarf ist die Folge. Zudem versteht sich die Türkei auch als Transitland: Durch den Bau einer Pipeline nach Griechenland und Italien wird der Anschluss an den südeuropäischen Gasring realisiert. Eine zusätzliche Verbindung über Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich („Nabucco- Projekt“) soll die weitere Anbindung an das europäische Netz gewährleisten.

Regenerative Energieträger kommen kaum zum Einsatz. Nennenswert sind bisher allein die geothermischen Kraftwerke - Solarenergie wird in erster Linie in der Mittelmeerregion und in den touristischen Zentren für die Warmwasserbereitung genutzt.@

 

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