Algonquin-Indianer in Kanada kämpfen gegen Uran-Abbau. Häuptling ging dafür ins Gefängnis.
Seit Mitte Februar sitzt der frühere Häuptling der Ardoch Algonquin-Indianer in der kanadischen Provinz Ontario in Haft. Robert Lovelace hat sich dem Kampf gegen ein Unternehmen verschrieben, das in einem Gelände nach Uran sucht, welches die Indianer für sich beanspruchen. Und dabei hat er sich einen richterlichen Beschluss widersetzt, die Blockade des Areals zu beenden. Kürzlich protestierten hunderte Menschen vor dem Gefängnis in Napanee gegen die Haft Für sie ist der 60-jährige Lovelace, der auch außerhalb der Indianergemeinde hohes Ansehen genießt, ein „politischer Gefangener“, der für gewaltlosen Widerstand eingesperrt wird. „Er ist ein ehrenwerter Mensch. Er will die Umwelt und sein Land schützen“, sagt John Kittle, Sprecher einer Bürgerbewegung gegen den Uranbergbau. Im Sommer 2007 hatten die Ardoch Algonquin zusammen mit den benachbarten Shabot Obaadjiwan- Algonquin zur Selbsthilfe gegriffen. Sie blockierten einen Weg, der zu dem Gebiet führt, auf dem die Firma „Frontenac Ventures“ nach Uran suchen will. Das Gebiet gehört dem Staat, aber die Algonquin machen geltend, dass dies ihr traditionelles Jagdgebiet ist. Verhandlungen über Landrechte brachten kein Ergebnis. „Dieses Land ist unsere Heimat“, sagt Doreen Davis von den Shabot Algonquin. „Unsere Vorfahren haben hier gejagt, gefischt und Pelztiere erlegt.“ Die Indianer errichteten Barrikaden und ließen sich auch durch eine Gerichtsverfügung nicht abschrecken. Das Ergebnis des Protests: Jeweils sechs Monate Haft und 25.000 beziehungsweise 15.000 Dollar Geldstrafe für Lovelace und Paula Sherman, Ko-Häuptling der Ardoch Algonquin. (Ergänzung von aaaRed:Lovelace wird zu 6 Monaten Haft und einer Geldstrafe von 25000 Dollar verurteilt. Da er sich weigert, eine Erklärung zu unterzeichnen, in der er sich verpflichtet, auch in Zukunft an keinen Protesthandlungen mehr teilzunehmen. Paula Serman, Ko-Häuptling der Ardoch Alonquin und alleinerziehende Mutter, sieht sich gezwungen, eine solche Erklärung zu unterzeichnen. Für sie wird die verhängte Gefängnisstrafe von 6 Monaten und 15 000 Dollar Geldstrafe erlassen.) Der Konflikt ist vor dem Hintergrund der drastisch gestiegenen Uranpreise zu sehen. In der Region 100 Kilometer westlich von Ottawa, wo viele Städter ihre Ferienhäuser haben, wird viel Uran im Boden vermutet. Sie und die Menschen in den Gemeinden der Region sind nun schockiert. Sie befürchten, das Trinkwasser könnte verseucht werden. Besonders betroffen ist eine kleine Gruppe der Siedler: Sie müssen machtlos zusehen, wie auf ihren Grundstücken nach Uran gesucht wird. Ontarios antiquiertes Bergrecht lässt es zu, dass Privatleute im Einzelfall zwar das Land erworben haben, nicht aber die Mineralienrechte, die bei der Provinz verblieben. Daher darf auf ihren Grundstücken nach Bodenschätzen gesucht werden. Während die Indianer der Regierung Ontarios vorwerfen, nicht ernsthaft mit ihnen zu verhandeln, äußert sich das zuständige Ministerium „enttäuscht“, dass die Vermittlung scheiterte. aus Die Presse vom 29.2.08
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