Protest im Konferenzzentrum in Bali, Dezember 2007

Don‘t nuke the climate !

Übersetzung aus dem Englischen:
Christina Hacker, Umweltinstitut München

Während die Minister für die letzten Verhandlungstage der UN-Klimakonferenz in Bali einfliegen, steigt die Spannung, welche Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel am Ende präsentieren werden. Obwohl wir einigermaßen optimistisch sind, sehen wir leider auch ernsthafte Bedrohungen auf uns zukommen.

Atomenergie ist in Bali wieder einmal zu oft als Teil der Lösung genannt worden. Im Jahr 2000 ist es den Umweltbewegungen gelungen, dass die Atomenergie nicht ins Kyotoprotokoll aufgenommen wird. Ohne Anerkennungs-Stempel der Vereinten Nationen wird es der Atomindustrie nicht gelingen, die institutionellen Hürden zu überwinden.

Peer de Rijk von WISE Amsterdam erklärt: “Wir fordern die Teilnehmer der Klimakonferenz auf, eindeutig Position gegen die Atomenergie zu beziehen. Das würde nicht nur Millionen von Menschen weltweit Hoffnung geben, sondern würde auch helfen, die Klima-Verhandlungen zu beschleunigen. Die ständigen Gespräche über Atomenergie blockieren ein Weiterkommen in den Verhandlungen.“

Es gibt viele Gründe, warum Atomenergie nicht zur Rettung des Klimas beitragen kann:

Zu unsicher

„Für Atomenergie zu werben in Ländern, die extremen Wetterverhältnissen, Erdbeben oder anderen Naturkatastrophen ausgesetzt sind, ist unverantwortlich. Es gibt weitaus bessere Wege, die so genannten Millenniums Entwicklungsziele zu erreichen und den Menschen Zugang zu Energie zu sichern“, sagt Sabine Bock von WECF, Women in Europe for a Common Future. Die Physikerin Karin Wurzbacher vom Umweltinstitut München ergänzt: „Jetzt ist erwiesen, dass das Krebsrisiko bei unseren kleinsten Kindern unter 5 Jahren, die in der Umgebung von Atomkraftwerken leben, statistisch signifikant erhöht ist. Jedes Kind, das an Krebs erkrankt, ist ein Kind zu viel.“

Zu gering

Auch die Atomkraft trägt zum Klimawandel bei: Wenn man den gesamten Lebenszyklus betrachtet sieht man, dass auch hier CO2 emittiert wird und zwar in einer Größenordnung vergleichbar mit der moderner Gaskraftwerke. Es kostet enorme Mengen an Energie um Uran abzubauen, anzureichern und zu transportieren, Atomkraftwerke zu bauen und zu demontieren, und Lagermöglichkeiten für den Atommüll zu errichten und zu unterhalten. Da die leicht zugänglichen und hochwertigen Uranvorräte zuneige gehen, würde es künftig noch mehr Energie kosten Uran abzubauen, was die begleitenden CO2 Emissionen weiter steigen ließe. Atomkraft für eine CO2-Reduzierung nutzen zu wollen, ist kontraproduktiv. Claire Greensfelder von Plutonium Free Future und dem International Forum on Globalization betont: “Atomkraft bleibt der falsche Lösungsweg im Kampf gegen den Klimawandel. Jeder Dollar, der in den Ausbau der Atomindustrie gesteckt wird, wird den Klimawandel verschärfen, weil weniger Investitionen in die wirklichen Lösungen wie Sonne, Wind, Geothermie, Energiesparen und Energieeffizienz fließen können.“

Zu gefährlich

Trotz der schrecklichen Erfahrungen in Tschernobyl, Ukraine, des jüngsten schweren Unfalls in Niigata, Japan, und des Beinahe-GAUs in Forsmark, Schweden, sind auch neue Atomkraftwerke, wie sie derzeit z.B. in Finnland gebaut werden, nicht inhärent sicher. Aber nicht genug: Wir bauen oder planen auch Nuklear- Anlagen mit Uralt-Technik aus den 1970er und 1980er Jahren, wie z.B. Belene in Bulgarien. „Die Welt kann keine weitere Katastrophe wie Tschernobyl mehr verkraften“, sagt Christina Hacker vom Umweltinstitut München, „das Risiko ist einfach zu hoch“. Gloria Hsu von TEPU, Taiwan Environmental Protection Union, ergänzt: „Atomkraft zur Verringerung der Treibhaushase einzusetzen ist wie Gift zu trinken, um den Durst zu löschen“.

Zu ungerecht

Atomkraft birgt große Ungerechtigkeit den Menschen gegenüber, die in der Nähe von Uranminen leben. „Sie tragen die Last oft hochgradiger Verseuchung, weil auf ihrem Land Uran abgebaut und der strahlende Müll dort häufig offen gelagert wird“, sagt Svitlana Slesarenok vom Black Sea Women´s Club, Ukraine.

Zu teuer

Der Bau eines einzigen Atomkraftwerks kostet etwa 3,5 Milliarden Dollar. Aber nur dann, wenn keine Zusatzkosten anfallen. Die Erfahrung verleitet allerdings nicht zu Optimismus: Zwei Jahre nach Baubeginn des 5. Blocks in Olkiluoto, Finnland, sind die Mehrkosten schon auf 800 Millionen Euro gestiegen. „Das ist Geldverschwendung. Letztlich wird es der Bürger bezahlen, egal, wie das Finanzpaket ausgelegt ist“, sagt Dian Abraham von der Indonesischen Anti-Atom-Gruppe Manusia.

Zu schmutzig

Atomkraft wird nachhaltig die Erde mit gefährlicher radioaktiver Strahlung über hunderte von Generationen verseuchen. Bis heute gibt es noch keine Lösung für das Problem Atommüll, der von unserem empfindlichen Ökosystem für 240.000 Jahre ferngehalten werden muss. Uns bleiben die strahlenden Hinterlassenschaften bei den Uranminen in der ganzen Welt, oft auf dem Land der Indigenous People, und wir riskieren ständig Unfälle beim Transport von Nuklear-Material. Die nukleare Brennstoffkette ist extrem kompliziert, sie erfordert viele Transporte von einer Atomanlage zur anderen über den gesamten Globus, nur um den Atommüll zwischenzulagern. Nach Victor Menotti vom International Forum on Globalization ist es „höchste Zeit, diesen Irrweg zu stoppen. Don´t nuke the climate! (kann man kaum übersetzen, wäre etwa „veratomt“ oder „verstrahlt“ nicht das Klima“) Die dreifache Krise des Klimawandels – das Zuneige-Gehen der Ölvorräte, der Raubbau an den Weltressourcen und der Artenverlust – kann die Atomkraft nicht lösen. Es ist Zeit, sinnvolle Lösungswege zu suchen und Zeit für die UN-Klimakonferenz, der Nuklear-Industrie eine deutliche Absage zu erteilen.“

Zu spät

Wenn wir nur die Atomkraftwerke ersetzen wollten, die aus Altersgründen in den kommenden 20 Jahren vom Netz gehen müssen, müssten wir pro Jahrzehnt 80 neue AKWs bauen. Die Nuklearindustrie hat schwere Rückschläge in den letzten Jahrzehnten erfahren, weil mehr und mehr Länder die Atomenergie ablehnen. Die Bauzeit für ein Atomkraftwerk von der Planung bis zur Inbetriebnahme dauert mindestens 10 Jahre. „Trotz 50-jähriger Erfahrung und enormer finanzieller Subventionen durch Steuergelder ist Atomenergie nicht vertrauenswürdig, nicht sauber und nicht sicher“ sagt Vladimir Sliviak von WISE, Russland. „Selbst wenn es inhärent-sichere Atomkraftwerke gäbe: Um den Klimawandel zu stoppen, kämen sie viel zu spät.“

Bali, Indonesia am13. Dezember 2007

Diese Erklärung wird unterstützt von:
  • WISE, World Information Service on Energy
  • WISE South Africa (Earthlife)
  • WISE Russia (Ecodefense)
  • Women in Europe for a Common Future
  • Umweltinstitut München e.V.
  • International Forum on Globalization
  • Plutonium Free Future
  • Taiwan Environmental Protection Union
  • Black Sea Women`s Club
  • Nuclear Information & Resource Service
  • MANUSIA, Indonesian Antinuclear Society
  • KRATON, Balong
  • AM2PN, Madura
  • IGJ, Institute for Global Justice
  • SHI, Sarekat Hijau Indonesia
 

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