Spannende Erkenntnisse zu Asse II aus Unterlagen aus dem Bundesarchiv in Berlin

Probleme schon lange bekannt!

von Tobias Darge

Aus Notizen der Projektgruppe Endlagerung radioaktiver Abfälle geht hervor:

Bei der 1. Fühlungsaufnahme des Kernforschungszentrum Karlsruhe hat der Oberbergdirektor Börger klar gesagt:

  1. Es gibt Wasserzuflusse
  2. und Verschiebungen
  3. wenn da Atommüll reinkommt, muss mit Feststoff verfüllt werden, auch wenn das mehr kostet

Eine Abordnung des Kernforschungszentrums wurde beim Oberbergamt Clausthal-Zellerfeld vorstellig. Der Oberbergamtsdirektor Börger wies darauf hin, dass die Asse Wasserzuflüsse hätte und Verschiebungen beobachtet werden, die eine 5-6 Mann starke Reparaturschicht machten. Im Falle einer Einlagerung von Atommüll müsse der Schacht „mit festem Füllstoff verfüllt werden.“

Am 18.12.1963 wies der Bergwerksdirektor Heckmann von der Wintershall A.G. das Bundesforschungsministerium darauf hin, das die Tübingsäule einzelne Risse habe, „die einmal die Woche besichtigt werden müssen.“

Am 29.1.1964 ließen sich Vertreter des Forschungsministerium und der Gesellschaft für Kernforschung Karlsruhe das Salzbergwerke Asse II von der Wintershall AG zeigen: „Auf der 750 m –Sohle befindet sich ein Sammelbecken für magnesium-haltige Lauge, die..., 700 l /Tag, aus alten Carnallit Abbauen zufließt“, und ein Behälter zum Auffangen des Süßwassers aus dem Schacht, das von 1956 bis 1960 auf 2880 Liter pro Tag ansteigend aus drei 2mm breite über mehrere Tübbingselemente der Tübingssäule verlaufende Rissen auf 137 m Teufe kam.

Diese Tatsachen konnten die Beteiligten aber nicht vom Kauf abhalten. Der Zustand der Grubenbaue, fasste Dr. Krause vom Kernforschungszentrum Karlsruhe in einer Besprechung im Forschungsministerium am 19. und 20.2.64 zusammen, lasse „eine Benutzbarkeit des Salzbergwerkes von 5 - 10 Jahren von vornherein sicher erscheinen.“ Neben dem niedrigen Kaufpreis und der Möglichkeit zur Durchführung von Versuchen spreche, dass die Asse sofort zu Verfügung stehe:„Es könnten damit bereits ab 1965 sämtliche Einlagerungswünsche erfüllt“ werden.

Eine ähnliche von fehlenden Sensibilität im Umgang mit Atommüll geprägte Haltung legte das Karlsruher Forschungszentrum zur gleichen Zeit bei der Versenkung von Atommüll im Atlantik an den Tag: Auch hier wurden die relativ geringen Entsorgungskosten von 150 DM pro Tonne bei einem Angebot de Stinnes-Reederei angeführt, so dass Karlsruher Abfälle „jederzeit dazu herangezogen werden“ könnten und damit auch Platz für neuen Atommüll geschaffen werde. Für die Asse plante man erschreckenderweise Dinge, die heute im Großmaßstab durchgeführt werden sollen: „Simulierung der Vorgänge beim Versaufen eines Bergwerkes wie Konvektion der Lösung, Ausbreitung der Aktivität, Korrosion der Behälter. (ein ausführliches Programm wird in Kürze vorgelegt).“

Die Zugrunde liegenden Dateine sind im onlinearchiv zu lesen:

externer Link umweltfreund.de/wiki/
Die Zugangsdaten sind unter s302(at)gmx.de zu erfragen.

 

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