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Zurück zum Nebenwiderspruch? Das Thema Ökologie wirkt eigentümlich an gestaubt - zumindest aus Sicht der globalisierungskritischen Bewegungen in den nördlichen Industriegesellschaften. Im Zentrum der Kritik an den Auswirkungen neoliberaler Globalisierung steht es jedenfalls nicht. Naturverhältnisse in der Globalisierungskritik von Christoph Görg Allenfalls besonders drastische Aspekte wie die Biopiraterie, das heißt die Privatisierung und industrielle Aneignung genetischer Ressourcen, werden in der öffentlichen Kritik skandalisiert - zu Recht und noch zu wenig. Doch weniger dramatische Verschiebungen in den globalen Naturverhältnissen drohen aus dem Horizont eines Protestes zu fallen, der sich vordringlich mit den vermeintlich harten ökonomischen Fragen und den globalen Macht- und Herrschaftsverhältnissen beschäftigt. Das Thema Ökologie scheint dagegen seinen kritischen Stachel verloren zu haben und wird allenfalls noch als Nebenwiderspruch geduldet. Ansonsten wird es weiterhin den NGOs überlassen, ja mit NGO-Politik gene rell gleichgesetzt. Aus der Sicht von sozialen Bewegungen aus dem globalen Süden sieht dies anders aus. Sowohl indische Bauernbewegungen als auch die brasilianische Landlosenbewegung haben längst erkannt, dass der Raum für gesellschaftliche Alternativen auch an der Frage der Gestaltung gesellschaft licher Naturverhältnisse entschieden wird. Um diese Bedeutung des Ökologie themas erkennen zu können, muss das Thema in seinen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, im Rahmen einer „Regulation der Naturverhältnisse“ (Görg 2003) analysiert werden, was über die Umweltprobleme im engeren Sinne hinaus ökonomische, politische, technologische und kulturelle Prozesse einschließt. Der Begriff der gesellschaftlichen Naturverhältnisse, der in der Tradition der Marxschen und der Kritischen Theorie stehend die Vermittelt heit von Natur und Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt, bringt diese Akzent verschiebung zum Ausdruck. Die Thematik gewinnt angesichts der zentralen Widersprüche des neo liberalen Gesellschaftsmodells, der aufkommenden Krisen des Postfordismus an Relevanz. Während in der offiziellen Rhetorik lange Zeit der Traum eines krisenfreien Wachstumsmodells beschworen wurde, von dem alle gleicher maßen profitieren, im Norden wie auf Erden, werden die Widersprüche dieses Modells immer deutlicher erkennbar. Die postfordistische, d.h. die fordistische Aufschwungphase nach dem Zweiten Weltkrieg beerbende Konstellation, ist zwar weitgehend von einer neoliberalen, die Angebotskonkurrenz schürenden Marktideologie geprägt. Entgegen dieser Ideologie kam es aber nicht zu ei nem Rückzug des Staates, sondern zu dessen weitgehender Transformation und zu einer Internationalisierung von Staat und Herrschaft (vgl. Hirsch 2001). Und die zunehmenden Krisen im nationalen wie internationalen Bereich füh ren zu einem verstärkten Rückgriff auf Macht und Gewalt als Mittel ihrer Bearbeitung - einschließlich der militärischen Gewalt und der Option des Krieges. In diesen Widersprüchen spielen die gesellschaftlichen Naturverhältnisse weiterhin eine sehr wichtige Rolle. Selbst der Krieg im Irak lässt sich als Ausdruck der Widersprüche postfordistischer Naturverhältnisse verstehen, weil er in der Unfähigkeit des US-amerikanischen Wachstumsmodells verankert ist, den Verbrauch an fossilen Ressourcen weniger verschwenderisch zu ge stalten. Um diese Verbindungen erkennen zu können, darf nicht länger der Fehler reproduziert werden, Umweltprobleme abstrakt den Verteilungs problemen sowie den Konflikten um den Zugang zu Ressourcen und um die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums gegenüberzustellen. Vielmehr muss die Vermittlung zwischen Umweltund Ressourcenproblemen in den Mittel punkt gestellt werden. Während in den nördlichen Ländern die ökologische oft der „sozialen Frage“ entgegengesetzt und beide als einander ablösende Problemlagen behandelt wurden, war dies in den Ländern des globalen Sü dens schon immer anders. Hier erscheinen ökologische Probleme umgekehrt oft als soziale Probleme (z.B. als Landflucht und Verstädterung). In diesem Zusammenhang ist von der „Third World Political Ecology“ (Bryant/Bailey 1997) der Begriff eines „politicised environment“ geprägt worden: Umwelt, Natur oder Ökologie sind nicht etwas, was außerhalb der sozialen Beziehungen existiert, quasi als natürliche Umgebung menschlicher Aktivitäten, son dern etwas, in das Macht- und Herrschaftsverhältnisse eingeschrieben sind. Eine Sichtweise, die von Umweltoder ökologischen Problemen als etwas spricht, das die Gattung Mensch oder „uns alle“ betrifft, wird dem nicht gerecht. Die Gründe für die Vernachlässigung der Ökologieproblematik im Kontext der zunehmenden Kritik neoliberaler Globalisierung sind vielschichtig. Einmal ist das Thema inzwischen in die offizielle Politik integriert und als Thema anerkannt worden. Zudem haben die kapitalistischen Gesellschaften längst angefangen, auf ökologische Probleme zu reagieren. Damit eng verbunden ist die Okkupation des Themas durch eine bestimmte Politikform, vertreten vor allem durch Nichtregierungsorganisationen mit einem kooperativen Politik stil. Die „Versöhnung“ von Entwicklung und Ökologie unter dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung war geradezu die Leitidee der 90er Jahre - was sowohl hinsichtlich der Umdeutung der Themen bemerkenswert ist (besonders im Hinblick auf die Idee gesellschaftlicher Entwicklung) als auch einen Ver zicht auf radikalere Kritik am vorherrschenden Gesellschaftsmodell einschließt. Dies änderte sich erst Ende der 90er Jahre, als das Scheitern des Rio-Prozesses offenkundig wurde und stärker konfrontative Politikformen wieder an Bedeutung gewannen. Deshalb stellt sich die Frage, warum in diesem Prozess nicht auch die Naturverhältnisse stärker in den Horizont der Kritik an den Auswirkungen neoliberaler Politik geraten sind? Hier steht die Vermutung im Raum, dass auch in den globalisierungskritischen bzw. in den globalen sozialen Be wegungen - ein Begriff, den ich aufgrund der fehlleitenden Assoziationen von Globalisierungskritik oder gar Globalisierungsgegner vorziehen würde - eine falsche, zumindest problematische Rezeption der Ökologieproblematik vor herrscht. Mehr oder weniger explizit wird die Annahme unterbreitet, die Re gulation der Naturverhältnisse sei ein eher peripheres Problem, ein „soft-issue“ angesichts der harten Fragen der Ökonomie und der globalen Machtverhältnisse. So wie in der offiziellen Politik die Ansicht Anklang findet, angesichts der endemisch gewordenen Krisen des neoliberalen Projektes müsste das Luxusthema Umwelt wieder in den Hintergrund treten - erst kommen bekanntlich die Arbeitsplätze und der Wirtschaftsaufschwung -, wird hier spiegelbildlich die Relevanz des Ökologiethemas abgewertet. Dabei wird nicht nur übersehen, welche Bedeutung dieses Thema für die Kritik kapitalistischer Vergesellschaftung hatte und hat, sondern auch wie eng die Naturverhältnisse tatsächlich mit den globalen Macht- und Herrschaftsverhältnissen verbunden sind. Wenn es den globalen sozialen Bewegungen so schwer fällt, den politi schen Gehalt der Krise der Naturverhältnisse gegen die Politik der 90er Jahre und die Dominanz der NGOs zurückzugewinnen, dann hat dies strukturelle Gründe. Im Laufe der 90er Jahre ist das Ökologiethema im neoliberalen Dis kurs aufgenommen und umgedeutet worden. Und gerade in den Ländern des Nordens ist seine tatsächliche Reichweite und Brisanz erst wieder sichtbar zu machen, wenn es aus dem neoliberalen Diskurs befreit wird. Umgekehrt gilt aber auch: Erst indem diese Dimension neoliberaler Strategien politisiert wird, können auch die Widersprüche des Postfordismus in ihrer ganzen Breite und Vielschichtigkeit und insbesondere in ihrer globalen Dimension richtig verstanden und bearbeitet werden. Von der ökologischen Krise zum globalen Problem-Management Seit den 70er Jahren war die Krise gesellschaftlicher Naturverhältnisse einer der deutlichsten Hinweise auf die immanente Krisenhaftigkeit kapitalistischer Gesellschaften sowie auf die Grenzen der nördlichen - amerikanischen, euro päischen und japanischen - Lebensweise. Zunächst war sie ein Indiz für die immanente Destruktivität, mit der diese Gesellschaften ihre Widersprüche zu bearbeiten und dabei eine Abwälzung ihrer Belastungen vorzunehmen versu chen. Diese Abwälzung, in der ökonomischen Fachsprache als „Externalisie rung“ verharmlost, ist ein Strukturmerkmal sowohl der Funktionsweise kapi talistischer Ökonomien als auch der zwischengesellschaftlichen Verhältnisse im globalen Maßstab. Bis in die ökonomische Theoriebildung hinein hatte es sich Ende der 80er Jahre herumgesprochen, dass diese gemessen an ihren eigenen Rationalitätskriterien defizient ist, weil sie die ökologischen Rück wirkungen der ökonomischen Aktivitäten nicht in Rechnung stellen kann. Und auf der Ebene der gesellschaftlichen Entwicklung hatte sich die Erkennt nis durchgesetzt, dass die relative Prosperität der Nachkriegsperiode nicht nur äußerst prekär war und daher der „kurze Traum immerwährender Prosperität“ (Lutz) früher oder später zu Ende gehen musste, sondern dass er zudem auf Kosten der Natur gegangen war. In der ökologischen Krise war eben nicht nur ein neues Themenfeld zu den klassischen Themen wie der „sozialen Frage“ oder der „Gleichberechtigung der Frau“ hinzugekommen. Genauso wie diese Bezeichnungen schon Umdeutungen der zugrunde liegenden gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse - der Klassen- und der Geschlechterverhälmisse - darstellen, ist die Verharm losung der ökologischen Krise zum „Umweltproblem“ eine Nivellierung der Krisenerfahrung und ihre Umdeutung zu einem handhabbaren Problem. Dabei stand diese Krise ganz im Zentrum der Irrationalität kapitalistischer Verge sellschaftung. Wo sie beanspruchte, in historisch unvergleichlichem Maß gesellschaftlichen Reichtum geschaffen zu haben, da wurde deutlich, dass die Destruktivität des Systems in noch größerem Maße gewachsen war. Wo diese beanspruchte, die Rationalität des Gesamtsystems optimiert zu haben, da wur de sichtbar, dass historisch unvergleichbare und nicht beherrschbare Bedrohungslagen geschaffen worden waren. Die ökologische Krise artikulier te aber nicht nur die Widersprüche der fordistischen Phase kapitalistischer Vergesellschaftung - wobei nebenbei auch deutlich wurde, wie sehr der real existierende Sozialismus den Kapitalismus in seiner Destruktivität noch über holt hatte, ohne ihn in seiner Produktivität einzuholen. Sie war auch ein Sig nal dafür, dass diese Lebensweise tatsächlich partikular, auf einen kleinen Teil der Weltbevölkerung begrenzt bleiben muss. Denn ihre Versprechungen auf eine „nachholende Entwicklung“ für den Rest der Welt mussten schon deswe gen eine Lüge bleiben, weil das fordistische Wohlstandsmodell aufgrund sei nes Ressourcenverbrauchs und seiner Schadstoffbelastung nicht verallgemeinerungsfähig ist. Die ökologische Krise ist also keine Anhäufung isolierter Umweltprobleme, sondern eine Krise des gesamten Wohlstandsmodells inklusive seiner kultu rellen und wissenschaftlichen Selbstdeutungen (Becker/Jahn 1987). Doch dieses Verständnis der Krise war niemals dominant, und es ist in den 90er Jahren immer mehr in den Hintergrund getreten und durch ein pragmatisches Umwelt management ersetzt worden. Nun war diese Einsicht auch vorher nicht unum stritten. In vielen sozialen Bewegungen der 70er und 80er Jahre herrschte ein ökologistisches Fehlverständnis bzw. ein naturalistisches Missverständnis dieser Krise vor. Demnach sei eine weitgehend unberührte Natur oder eine ideali sierte Harmonie ökologischer Kreisläufe durch den Menschen gestört worden und müsse geschützt bzw. wiederhergestellt werden. Daraus kann schnell der Fehlschluss erwachsen, die „Gattungsfrage“ Ökologie habe die sozialen Konfliktfronten überlagert oder sei sogar an ihre Stelle getreten. Dabei bleibt die enge Verquickung mit der gesellschaftlichen Entwicklungsdynamik und den globalen Machtverhältnissen unbegriffen. Zudem wurde die Illusion einer Anpassung an die Natur geschürt. Es wurde übersehen, dass diese Natur immer eine kulturelle oder wissenschaftliche Projektion darstellt, ein wünschenswer tes Idealbild oder ein naturwissenschaftliches konstruiertes Vorbild, das im Falle der Ökologie als politischer Maßstab der Veränderung nicht taugt (Trepl 1987). Schon Mitte der 80er Jahre begann die Umdeutung der Krisenerfahrung und die Integration der Ökologieproblematik in die herrschenden Denkmuster. Nur scheinbar paradox ging sie mit der Anerkennung der Problematik einher. In dieser Anerkennung verbanden sich diskursive und institutionelle Strategi en auf fatale Weise. Auf der diskursiven Ebene war spätestens mit der Diagno se der „Risikogesellschaft“ (Beck 1986) die Kritik der neuen sozialen Bewe gungen in der Gesellschaftstheorie und der gesellschaftlichen Selbst beschreibung angekommen. Gleichzeitig wurde sie damit umgedeutet, weil suggeriert wurde, ökologische Gefahren seien als gesellschaftliche Normalität hinzunehmen. Dies implizierte, die Frage nach der historischspezifischen Genese der „Risiken“ und ihre Verquickung mit gesellschaftlichen Interessenlagen und Machtverhältnissen auszublenden - die ökologische Frage sollte angeblich alle bisherigen Konflikte und Widersprüche beiseite schieben und eine neue zentrale Problemstellung, den Primat der Gattungsfrage, begründen jenseits der Klassenverhältnisse und jenseits von links und rechts. Zudem wurde suggeriert, neue institutionelle Bearbeitungsstrukturen bildeten sich heraus, die den Problemen zwar nicht völlig gerecht werden könnten, die aber doch der neuen Situation angemessen seien - Risikomanagement eben. Mit diesen Elementen - Nivellierung der Interessenlagen und Kräfteverhältnisse und Übergang zum Problemmanagement - waren die wichtigsten Bausteine zu einer neoliberalen Adaption des Ökologiethemas gelegt. Nun entsprachen dieser Diagnose durchaus reale Entwicklungen: Mit den grünen Parteien zo gen Repräsentanten ökologisch motivierter Kritik in die politischen Instituti onen ein; in der Wissenschaft etablierte sich eine neue Form der inter disziplinären Umweltforschung (wenigstens wurde deren Notwendigkeit anerkannt); in der Alltagskultur wurden die Mülltrennung und das schlechte Gewissen bei Fernflügen obligatorisch; und selbst in der Wirtschaft konnten sich Umwelttechnologien, Umweltaudit und Ökosponsoring etablieren. Als letzter und wichtigster Punkt wurde zu Beginn der 90er Jahre unter dem Leitbegriff der Nachhaltigkeit die Verquickung von Entwicklung und Umwelt zum Thema: Die Idee eines feststehenden Maßstabs gesellschaftlicher Moder nität, dem sich die anderen, „unterentwickelten“ Gesellschaften nur noch an zupassen hätten, wurde verabschiedet und der Maßstab gesellschaftlicher Ent wicklung selbst in Frage gestellt - zumindest auf dem Papier. An den Diskussionen um nachhaltige Entwicklung wird aber auch am deutlichsten sichtbar, dass diskursive Verschiebungen nur eine rhetorische und weniger eine reale Anerkennung der Problemlage beinhalteten - und dass sie auf dem institutionellen Terrain eine erheblich Umdeutung und die Integration der Thematik in neoliberale Strategien und Prozesse beinhalten (zur Kritik: Eblinghaus/Stickler 1996). Es wurde schnell sichtbar, dass die entwickel ten Industriegesellschaften des Nordens weiterhin beanspruchen, nicht nur die Definitionshoheit über die Probleme zu besitzen, sondern auch die am weitesten entwickelten Reaktionskapazitäten zu verkörpern - sie seien doch am effizientesten und am technologisch innovativsten. Damit wurde unter der Hand die Kritik am Entwicklungsmodell „des Nordens“ wieder in eine Er neuerung des Modells der nachholenden Entwicklung umgedeutet, nun allerdings mit der Einschränkung, dass den Ländern des Südens noch nicht mal das Einholen des nördlichen Konsumstandards in Aussicht gestellt wur de. Um es zuzuspitzen: Der Norden muss nur effizienter werden, doch Chine sen dürfen keine Autos fahren - zumindest nicht alle. Die Idee einer „Versöh nung“ von Umwelt und Entwicklung baute von Anfang an auf der Lüge auf, dass „der Norden“ an eine grundlegende Revision seines Entwicklungsmodells gar nicht dachte. Sichtbares Indiz dafür ist - neben der Privilegierung von ökonomischer Effizienz und technologischen Lösungsoptionen - das Setzen auf kooperative unter Verzicht auf stärker konfrontative Politikformen und damit der Verzicht auf eine tiefer gehende Kritik der gesellschaftlichen Widersprüche. Schon bevor die Nichtregierungsorganisationen zum neuen Hoffnungsträger internationaler Politik avancierten - eine Karriere, die sie u.a. der Schwäche sozialer Bewegungen zu Beginn der 90er Jahre verdankten - wurden die Konstruktion von Win-win-Lösungen und die Hoffnung auf ko operative Problemlösungen zum Leitbild der Politik. Insofern ist es auch falsch, nun einfach die NGOs zum Sündenbock einer Entpolitisierung der ökologischen Krise zu stempeln. Das gesamte Terrain institutioneller Politik, vor allem, aber nicht nur im internationalen Bereich, verschob sich im Lauf der 90er Jahre. Dafür spielten globale Umweltprobleme bzw. was darunter verstanden wurde eine entscheidende Rolle. Meist wurden diese Probleme so definiert, dass Hoffnungen auf kooperative Formen der Problembearbeitung geweckt wurden. Um ein Beispiel zu nennen: Schließlich scheint es im Interesse aller Akteure, von Regierungen, von Naturschutz- und Entwicklungs- NGOs und selbst der großen Konzerne zu liegen, wenn der Ver lust der biologischen Vielfalt gebremst werden kann, zumal ansonsten poten ziell wertvolle Organismen unwiederbringlich verloren gehen. Bei dieser Problemdefinition wird aber unterschlagen, dass die erblichen Bestandteile von Pflanzen und Tieren, die genetischen Ressourcen, längst zum Gegenstand globaler Konflikte um die Modalitäten ihrer Aneignung und die Verteilung der Gewinne geworden waren. Und angesichts dieser Konflikte ist die Hoff nung auf kooperative Lösungen Schlichtweg naiv. Mehr noch: Diese Hoffnung verschleiert die Interessen, die tatsächlich die Gestaltung gesellschaftlicher Naturverhältnisse antreiben. Und dominant sind hier keineswegs die Interes sen des Naturschutzes oder gar die Rechte lokaler Akteure und die Chancen nichtkapitalistischer Formen der Nutzung der biologischen Vielfalt. Widersprüche neoliberaler Naturverhältnisse Die 90er Jahren sind geprägt durch eine Umdeutung der ökologischen Krise, bei der ihre Rezeption wie auch die institutionellen Gegenmaßnahmen mehr und mehr durch das neoliberale Politikmodell geprägt werden. Dieses Modell hat verschiedene Elemente: den Glauben an den Markt als das effizienteste Instrument zur Albkation knapper Ressourcen und damit auch zu einer sorg samen Nutzung der Natur, verbunden mit Zweifeln an staatlichen Maßnah men (Gesetzen); die Privilegierung technischer Lösungsoptionen für ökologi sche Probleme; die Verklärung der „ Effizienzrevolution“ und die Ablehnung, ja Verspottung aller strukturellen Veränderungen; und letztlich der Glaube an die technische Lösbarkeit gesellschaftlicher Probleme - der Managerismus. Letzterer stellt, in Verbindung mit der Propagierung kooperativer Bearbeitungs strategien, den wesentlichen Baustein dar, aus dem die „Mythen globalen Umweltmanagements“ (GörgBrand 2002) gestrickt sind. Doch gerade des wegen sollte man diesen Mythen nicht auf den Leim gehen. Genauso wie der Markt aus sich heraus überhaupt nichts regelt, sondern regulierender (poli tisch-rechtlicher, kultureller) Institutionen bedarf, bedarf das globale Umwelt management regulierender Institutionen - und die sind keineswegs nur koo perativ strukturiert und auf die Lösung von Menschheitsproblemen ausgerich tet, wie im Global- Governance-Diskurs immer wieder suggeriert wird (zur Kritik: Brand u.a. 2000), sondern herrschaftlich absichernd und bei Bedarf repressiv. Gerade die neoliberale Restrukturierung der Naturverhältnisse hat im globalen Maßstab einschneidende Folgen - für andere soziale Akteure wie für die Natur. Weil globale Märkte durchgesetzt und in ihrer Funktionsweise abgesichert werden müssen, zielt die neoliberale Strategie auf die Zerstörung nicht kapitalistisch organisierter Produktions- und Reproduktionsformen und die Privatisierung der Produktionsmittel - von der britischen Eisenbahn über das Saatgut in der Landwirtschaft bis zur Wasserversorgung in vielen Teilen der Welt. Kaum ein politisches Projekt seit der industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts dürfte so einschneidende Folgen für die globalen Natur verhältnisse gehabt haben wie die Durchsetzung postfordistischer Natur verhältnisse. Im Zentrum stehen dabei technologische Innovationen, verbun den und abgesichert durch politischrechtliche Instrumente. Schon das ge samte 20. Jahrhundert hindurch wurde versucht, die Landwirtschaft stärker kapitalistisch zu organisieren. Aber bislang stand dem entgegen, dass die Pro duktionsmittel - neben dem Land vor allem das Saatgut - nur schwer der Kontrolle der unmittelbaren Produzenten zu entreißen waren und damit eine wirklich kapitalistische Organisation nur bedingt möglich war. Erfolgreich war die Strategie einer „ursprünglichen Akkumulation“ in der Landwirtschaft (d.h. der Trennung der Produzenten von den Produktionsmitteln, vgl. Kloppen burg 1988) erst, als mit den neueren Bio- und Gentechnologien in Verbindung mit der Patentierung genetischer Ressourcen (Saatgut) die entsprechenden Mittel zur Verfügung standen, um die Produktionsmittel tatsächlich der Kon trolle des Kapitals zu unterwerfen. In einigen Industrieländern (vor allem USA und Kanada), in denen diese Umstrukturierung inzwischen stattgefunden hat, haben die Bäuerinnen und Bauern (wenn man sie denn noch so nennen will) die Kontrolle über Anbau und Vermarktung ihrer Produkte fast völlig verloren, und die Farmen sind der verlängerte Produktionsort der großen Lebensmittel- und Saatgutkonzerne geworden. In den meisten Teilen der Welt ist diese Entwicklung aber noch in vollem Gange. Mit gravierenden sozialen und ökologischen Auswirkungen muss besonders in den Staaten gerechnet werden, in denen bislang noch Subsistenzlandwirtschaft oder die Produktion für regionale Märkte weit ver breitet waren, denn diese Produktion ist mit teurem Saatgut und teurer Agrar chemie unvereinbar (vgl. dazu die Beiträge von Silvia Ribeiro und Teesolde Egziabher in Görg/Brand 2002). In sozialer Hinsicht dürfte, nach den Erfahrungen der „grünen Revolution“ der 50er und 60er Jahre, die Einführung gentechnisch modifizierten Saatguts eine weitere Spaltung der ländlichen Bevölkerung zur Folge haben. Sehr wenige werden, wenn die Abhängigkeit vom Weltmarkt es zulässt, einen sozialen Aufstieg schaffen. Aber die breite Mehrheit wird verarmen, wird von Verschuldung und fehlendem Land in die Städte getrieben werden und dort die sozial-ökologischen Problemlagen an heizen. Oder sie wird zum Spielball zweifelhafter Ansiedlungsprojekte in bislang vermeintlich unberührten oder vermeintlich unproduktiv genutzten Regionen und dient dann der Vertreibung der dort lebenden Bevölkerung wie der Vernichtung ihrer Lebensgrundlagen. So oder so: In ökologischer Hin sicht wird die weitere Verarmung der genetischen Vielfalt in der Landwirt schaft und in „natürlichen Ökosystemen“ die Folge sein. Es werden Lebens - und Produktionsweisen untergraben und ausgelöscht, die für die Entstehung und Erhaltung der Agrobiodiversität seit Jahrhunderten verantwortlich wa ren. Und dies wird mit einer weiteren Umwandlung von Landschaften wie dem tropischen Regenwald einhergehen, die den Mitteleuropäern als „natur näher“ gelten, die aber faktisch die Lebensgebiete von sehr unterschiedlichen Kulturen (im Sinne materialer Formen der Gestaltung der Naturverhältnisse) darstellen (Hecht 1998). Ähnliches spielt sich heute in der Wasserversorgung ab. Große, global agie rende Konzerne versuchen, sich die regionalen und lokalen Märkte für Was ser unter den Nagel zu reißen. Rhetorisch und auch zu Legitimationszwecken wird dabei auf den Nachhaltigkeitsdiskurs Bezug genommen. Demnach sind private Akteure und ein public-private-partnership (PPP) die geeignetsten, weil effizientesten Akteure zur Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung. Und gerade dieser legitimatorische Bezug scheint dazu beizutragen, dass die ökologische Seite dieser Strategien heute in der Kritik vernachlässigt wird. Wenn Nachhaltigkeit sowieso nur ein ideologisches Mäntelchen neoliberaler Politik ist, dann scheinen auch die konkreten Sachverhalte keiner weiteren Beschäftigung wert. Genau dies ist aber ein Fehlschluss, der dem scheinbar technischen Charakter des globalen Umweltmanagements auf den Leim geht. Dabei wirkt sich die neoliberale Umstrukturierung massiv auf die Gestaltung der Naturverhältnisse aus. Denn gerade hier werden entscheidende Weichen stellungen vorgenommen, in welcher Weise die materiellen Lebensweisen in verschiedenen Teilen der Welt überhaupt noch zu einer Suche nach eigenstän digen Entwicklungsalternativen fähig sind. Spannungen zwischen den großen Blöcken der kapitalistischen Triade schei nen dabei eine geringere Rolle zu spielen, obwohl sie z.B. die Konflikte in der Welthandelsorganisation bei den Agrarverhandlungen entscheidend prägen. Selbst hier sind jedoch Differenzen in der Gestaltung der Naturverhältnisse der Hintergrund für unterschiedliche politische Strategien. Ein Beispiel dafür wäre die Unfähigkeit der USA, aus ihren noch dem fordistischen Wachstums modell verhafteten Strategien der Energieversorgung herauszukommen, was sich nicht nur auf die Klimaverhandlungen und das Kyoto-Protokoll auswirkt (Missbach 1999), sondern auch auf die Haltung zur Erdölregion im Nahen Osten. Auch die Gegensätze in der Landwirtschaft und unterschiedliche Hal tungen zur‘ Nutzung der Gentechnologie zwischen Europa und den USA sind im Kern unterschiedlichen Strategien der Regulation der Naturverhältnisse geschuldet: hier eine der öffentlichen Skepsis wenigstens formal verpflichtete vorsichtige Vorgehensweise, dort die massive und bedingungslose Favorisierung der Gentechnik. Wichtiger sind aber die Interessengegensätze zwischen den Industrieländern und den Regionen der Peripherie, in denen noch nicht-kapitalistisch geprägte Naturverhältnisse anzutreffen oder sogar vorherrschend sind. Wie der erbit terte Widerstand in Indien gegen gentechnisch modifiziertes Saatgut zeigt, sind sich soziale Bewegungen im Süden sehr viel klarer bewusst, dass die Chancen für eigenständige Entwicklungsstrategien entscheidend davon tan giert werden, mit welchen technischen, politisch-rechtlichen oder ökonomi schen Mitteln die Naturverhältnisse gestaltet werden. Ähnliches lässt sich bei der brasilianischen Landlosenbewegung, dem MST, beobachten. Obwohl hier der Kampf um Landrechte und die Auswirkungen der ungleichen Landverteilung für die soziale und demokratische Struktur des Landes im Vorder grund stehen, scheint sich die Einsicht durchzusetzen, dass nur bei einer Umstellung der gesamten Landwirtschaftspolitik - weg von der Produktion für den Export und hin zur Ernährungssicherheit im eigenen Land - langfris tige Änderungen in der Lebensweise der Bevölkerungsmehrheit zu erreichen sind. An entscheidender Stelle enthält dieses Programm auch ökologische Ele mente, von der Ablehnung gentechnisch modifizierten Saatguts über die regionale Vermarktung der Produkte bis zur Verwendung von Dünger und Pestizi den. Obwohl dieses Programm reformistisch geprägt ist, könnte es doch mit tel- und langfristig zu einer erheblichen Veränderung der brasilianischen Ge sellschaft beitragen - wenn es nicht von anderen Entwicklungen untergraben wird. Denn diese Gefahr besteht durchaus. So wird inzwischen in Süd-Brasi lien, wo eigentlich gentechnisch modifiziertes Saatgut verboten ist, in erhebli chem Maße solches Saatgut eingeschmuggelt, was die Gefahr einer erhöhten Abhängigkeit von den großen Saatgutkonzernen mit sich bringt. Und über allem liegt drohend die Einrichtung der amerikanischen Freihandelszone, ei nem neoliberalen Projekt, das allen alternativen Entwicklungsszenarien den Garaus machen dürfte. Nicht nur im Amazonas-Gebiet oder in Chiapas, sondern in einer Vielzahl von Regionen ist der Kampf um die Kontrolle der Naturverhältnisse inzwischen zu einer zentralen Dimension der sozialen Kämpfe geworden. Klassisch kolo nialistische bzw. imperialistische Formen (wie die Kontrolle über den Abbau von Bodenschätzen) stehen dabei neben modernen fordistischen (Anbau von Cash-Crop wie Bananen und Kaffee) und postfordistischen Strategien (Bio piraterie, genetisch veränderte Organismen, Patente) und überlagern sich viel fach. Eines wird aber in diesen komplexen Konstellationen schlagend deut lich: Die globalen, regionalen und nationalen Machtverhältnisse werden in die Naturverhältnisse der Gesellschaften eingeschrieben. Damit ist gemeint, dass sich Abhängigkeits- und Dominanzverhälmisse ganz entscheidend darüber reproduzieren, welche Akteure die Kontrolle über die Gestaltung der Natur verhältnisse haben. Der Begriff des „politicised environment“ (Bryand- Bailey) hebt diesen Aspekt hervor. Eine Fixierung auf die möglicherweise katastro phalen Folgen globaler Umweltprobleme lenkt dagegen von der tatsächlichen Brisanz dieser Krise eher ab. Denn nicht die große ökologische Katastrophe irgendwann in der Zukunft, sondern die vielen kleinen, lokalen oder regiona len Katastrophen sind das Problem - und die kennen sehr wohl Gewinner und Verlierer. Die Wiederaneignung des Ökologiethemas Notwendig ist also eine Wiederaneignung des Ökologiethemas. Dies meint zunächst, dass der kooperationsfixierten Haltung vieler (aber nicht aller) NGOs wieder eine kritischere, konfliktbereitere Politik entgegengesetzt wird. Was nicht damit zu verwechseln ist, nun zu einer verbalradikalen Rhetorik überzu gehen - oftmals sind reformistische Strategien viel wirksamer (s. MST). Aber es bedeutet, die gesellschaftlichen Ursachen und die damit verbundenen Inte ressen klarer zu benennen und zu bekämpfen, als dies eine dialogorientierte Strategie vermag. Notwendig ist deshalb auch eine intensive Beschäftigung mit der postfordistischen Restrukturierung der Naturverhältnisse, um eben diese Ursachen und die hinter ihnen stehenden Kräfte beim Namen nennen zu kön nen. Und notwendig ist darüber hinaus, die globalen Vermittlungen zu erken nen, auch wenn diese nicht unbedingt und in jedem Fall gemeinsame Interes sen zum Vorschein bringen. Zwar gibt es Felder, in denen diese relativ einfach auszumachen sind - so im Widerstand gegen die Privatisierung von Wasser, die Nord und Süd gleichermaßen bedroht. Doch schon hier sind die Auswir kungen tatsächlich sehr unterschiedlich, je nachdem ob brasilianische Favelas oder reiche Regionen in Europa betroffen sind. Wenn die konkrete Vermittlung von ökologischen Problemen und Fragen der Ressourcenverteilung nicht analysiert wird, droht sogar eine gefährliche Umdeutung dieser Problematik in eine ökologische Modernisierung der Wasserversorgung unter Ausklammerung der (regionalen und globalen) Verteilungskonflikte. Noch viel stärker zeigen sich Interessengegensätze in der Landwirtschafts politik. In der Ablehnung der Gentechnologie und der Patentierung von gene tischen Ressourcen lassen sich noch Gemeinsamkeiten in den sozialen Bewe gungen ausmachen. Doch sie dürften schon da enden, wo die billige Versor gung mit schönen exotischen Früchten in Europa und den USA auf dem Spiel steht - und wo vor allem die hochgradige Subventionierung der europäischen Landwirtschaft und ihre fatalen sozialen und ökologischen Folgen aufs Tapet kommen. Das ist kein Plädoyer für Freihandel. Es ist äußerst fraglich, ob die Länder des Südens und vor allem ihre ärmeren Bevölkerungsschichten tat sächlich etwas gewinnen, wenn sie bessere Exportmöglichkeiten in die EU bekommen. Aber es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass die hoch subventio nierten Lebensmittel regionale Märkte in den Entwicklungsländern untergra ben. Es müssten also zunächst die hiesigen Interessenkonstellationen aufge knackt werden, um überhaupt andere, und vielleicht bessere Beziehungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern zu ermöglichen. Dies setzt eine kritische Sicht auf die globalen Zusammenhänge in der Gestaltung der Natur verhältnisse voraus. Dies in der öffentlichen Diskussion zu Gehör zu bringen, dürfte nicht einfach sein. Und es macht deutlich, dass Globalisierungskritik in der Tat nicht gleich Globalisierungskritik ist. Denn eine Sicht, die lediglich den protektionistischen Schutz der eigenen Lebensverhältnisse fordert, bestä tigt oder verstärkt damit möglicherweise die globalen Ungleichheitsverhältnisse. Von einem Aufbrechen der Interessenkonstellationen und Klassenkompromisse, die das europäische Modell prägen, sind wir allerdings noch weit entfernt. Und eine Folge ist z.B., dass in immer stärkerem Ausmaß die Fischbestände vor der westafrikanischen Küste von den Fischfangflotten aus dem Norden leer gefischt werden - und nicht nur für Konsumentinnen aus Japan. Um eine neue Form des Internationalismus zu begründen, wäre es also fa tal, die Gemeinsamkeit der ökologischen Bedrohung zu beschwören. Dies war lange Zeit die Botschaft, die von der Ökologieproblematik auszugehen schien; und in dieser Form ist sie vom globalen Umweltmanagement aufgenommen, im neoliberalen Modell äußerst selektiv interpretiert und zu einem Element der gesellschaftlichen Umstrukturierung gemacht worden. Stattdessen ist daran anzusetzen, wie die globalen Interessenlagen und Machtverhältnisse sich in die Naturverhältnisse einschreiben - und welche Veränderungsstrategien daraus abgeleitet werden können. Wo sich gemeinsame Interessen der verschiedenen sozialen Bewegungen in Nord und Süd ergeben wie z.B. beim Wasser - umso besser! Dort kann und sollte vordringlich angesetzt werden. Aber jenseits des sen müssen die bestehenden Interessengegensätze ausgetragen werden. Inzwischen ist deutlich geworden, wie weit die neoliberale Umstrukturierung mit Verteilungskämpfen im globalen Ausmaß einhergeht, die inzwischen in allen Institutionen und Organisationen Einzug gehalten haben: von der Welthandelsorganisation und dem Weltsicherheitsrat über die Sozialversiche rungen bis zu den Universitäten. Die Verschärfung dieser Konflikte ist die Erbschaft des Neoliberalismus - und sie hat viel mit dem Kampf um knappe Ressourcen und den Gestaltungs potenzialen in den Naturverhältnissen zu tun. Eine Änderung ist nur vorstell bar, wenn nach anderen Formen der Bearbeitung dieser Interessengegensätze gesucht wird und dabei bestehende Konflikte ausgetragen werden. Wenn die Widersprüche des neoliberalen Modells immer deutlicher zu Tage treten, dann ist dies eine Chance für soziale Bewegungen, auf die Notwendigkeit anderer Strategien aufmerksam zu machen. Und dafür gibt es in den vielfältigen Be wegungen der verschiedenen Regionen genügend Ansatzpunkte. Dies bedeu tet aber auch, sich die verschiedenen lokalen und regionalen Konflikte um die Gestaltung der Naturverhältnisse genau anzuschauen und die dabei gemachten Erfahrungen ernst zu nehmen. Nicht, um sie zu kopieren, sondern um daraus zu lernen, welche Vermittlungen mit den eigenen Naturverhältnissen vorliegen und wie die Interessenlagen im konkreten Fall beschaffen sind. Erst in diesen Lernprozessen kann die Suche nach Gemeinsamkeiten beginnen. Aber dafür muss zunächst mal wieder anerkannt werden, dass die Natur verhältnisse tatsächlich eine entscheidende Rolle in der gesellschaftlichen Entwicklung spielen. @ Literatur: Beck Ulrich. Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt/M. 1986 Becker, Egon/Jahn, Thomas: Soziale Ökologie als Krisenwissenschaft Frankfurt/M. 1987 Brand U.Brunnen räber A./Schrader L./ Stock C.IWahl P.: Global Governance. Möglichkeiten und Grenzen von Alternativen zur neoliberalen Globalisierung, Münster 2000 BrYant, Raymond L.BaileY, Sinead: Third World Political EcologY, London/New York 1997 Eblinghaus, Helga/Stickler, Armin. Nachhaltigkeit und Macht. Zur Kritik von Sustainable DeveloPment Frankfurt a.M. 1996 Görg, Christoph: Regulation der Naturverhältnisse. Zu einer kritischen Theorie der ökologischen Krise Münster 2003 Görg, Christoph/Brand, Ulrich Hg.: Mythen globalen Umweltmanagements. Rio + 10 und die Sackgassen „nachhaltiger Entwicklung“, Münster 2002 Hecht Susanna B. (1998): Tropische Biopolitik - Wälder, Mythen, Paradigmen, in: Flitner M./Gorg, C./Heins VHg.. Konfliktfeld Natur. Biologische Ressourcen und globale Politik, 0Pladen 1998, S. 247-274 Hirsch Joachim: Die Internationalisierung des Staates in: Hirsch J./Jesso B./ Poulantzas, N.: Die Zukunft des Staates, Hamburg 2001, S. 101-138 Kloppenburg, Jack R.: First the Seed. 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