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Menschen hinterlassen unübersehbare Spuren in der Natur.
Wie sie das tun, in welcher Form die gesellschaftlich
organisierte Aneignung und Beherrschung der Natur stattfi ndet,
gräbt tiefe gesellschaftliche Fußspuren und prägt das Klima
menschlicher und ökologischer Lebensbedingungen. Das Klima gesellschaftlicher Fußstapfen von der aaa- Redaktion Der Klimawandel hat die katastrophalen Auswirkungen von grenzenlosem Wachstum und hemmungsloser Ausbeutung von Natur öffentlich sichtbar gemacht. Diese erlebbaren Folgen und die Erkenntnis der Endlichkeit natürlicher Ressourcen sind im Bewusstsein der Menschen angekommen. Auch die Mächtigen suchen nach Auswegen aus der offensichtlichen ökonomischen und gesellschaftlichen Krise. Mit dem Klimawandel als ökologischem Problem und dem Versprechen von technologischen und marktwirtschaftlichen Lösungen wird allerdings der Blick auf die gesellschaftlichen Ursachen, die Logik der gesellschaftlichen Fußspuren verschleiert. Wie kann es einer sozialen Bewegung gelingen, in der Situation der Modernisierung von kapitalistischer Naturbeherrschung Wege zu finden, die darüber hinausweisen? Hoffnung auf die solare Revolution? Vertrauen in die Chancen regenerativer Energietechnik? Die Stichworte bieten gute Gelegenheit, die gesellschaftlichen Ursachen und Zusammenhänge, das große Ganze ins Bewusstsein zu rücken und Raum für radikale Kritik zu eröffnen. Notwendig hierfür ist ein klarer Blick auf die strukturellen Zwänge und den Vereinnahmungsdruck der Modernisierung. Fußabdrücke Für viele aus der Natur- und Umweltschutzbewegung steht außer Frage: Die Natur ist etwas, was es zu schützen gilt. Sie wird in dieser geforderten Selbstverständlichkeit gedacht als ein Außen des Menschen. Wieviel kann die Natur noch vertragen, ist eine häufige Frage. Besorgt um den stattfindenden Klimawandel organisieren Menschen ein Klimacamp, um ein Beispiel zu bringen, das in diesem Jahr vermutlich noch öfter Thema sein wird. Sie wollen ein selbstorganisiertes Leben auf dem Camp ausprobieren - mit möglichst geringem ökologischen Fußabdruck. Die wikipedia bietet dazu folgende Definition: „Unter dem Ökologischen Fußabdruck wird die Fläche auf der Erde verstanden, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen (unter Fortführung heutiger Produktionsbedingungen) dauerhaft zu ermöglichen. Das schließt Flächen ein, die zur Produktion seiner Kleidung und Nahrung oder zur Bereitstellung von Energie, aber zum Beispiel auch zum Abbau des von ihm erzeugten Mülls oder zum Binden des durch seine Aktivitäten freigesetzten Kohlendioxids benötigt werden.“ Hilft dieses Bild weiter? Ja. Wenn Leute ein Bewusstsein dafür entwikkeln, dass und in welcher Weise ihre eigene Existens in Beziehung steht zu den Lebensbedingungen von Menschen ausserhalb des direkten Horizonts, ist das immer gut und nicht schlecht. Dazu trägt ein solches Campmotto bestimmt bei. Und nein. Mit der Fokussierung auf individuelle Verhaltensweisen und auf das Ausloten des jeweils eigenen ökologischen Gestaltungsspielraums verstellt es den Blick auf die Bedingungen des Lebens, die sich einer unmittelbaren Einflussnahme entziehen. Mit dem Ausdruck „gesellschaftliche Naturverhältnisse“ hat Christoph Görg einen Begriff geprägt, der deutlich macht, dass Natur immer schon eine gesellschaftlich bearbeitete Natur ist. Auf ihr haben Menschen in ihren jeweiligen Lebenszusammenhängen und gesellschaftlichen Strukturen viele Fußabdrücke hinterlassen. Umwelt, Natur oder Ökologie sind nicht etwas, was außerhalb der sozialen Beziehungen existiert, quasi als natürliche Umgebung menschlicher Aktivitäten, son dern etwas, in das Macht- und Herrschaftsverhältnisse eingeschrieben sind. Eine Sichtweise, die von Umwelt- oder ökologischen Problemen als etwas spricht, das die Gattung Mensch oder „uns alle“ betrifft, wird dem nicht ge recht. (siehe Artikel ab Seite 8) “Feststellen kann man aber, dass die moderne kapitalistische Gesellschaft nur vordergründig eine rationale Beziehung zur Natur unterhält. Bei genauerer Analyse gibt sich ein gefährlicher Selbstwiderspruch zu erkennen. Denn das Kapital ist zwar auf die Natur unbedingt angewiesen. Seiner eigenen Logik folgend, nämlich auf Gedeih und Verderb akkumulieren zu müssen, untergräbt er sie aber immer weiter. Geht man von dieser besonders grauen, weil leider zuverlässigen Theorie aus, steht zu erwarten, dass demnächst kein Grün mehr wächst.” heißt es in einer Rezension zu Görgs gleichnamigen Buch. So gesehen sind Fragen zu Natur und Umwelt, Ressourcen, Energie und Klima keine ökologischen Fragen. Vielmehr weisen sie hin auf gesellschaftliche Fußabdrücke, die zu verwischen kein Pfadfindereifer in der Lage ist. Klimawandel stellt sich dar als ein Ergebnis der Unterwerfung der Natur unter die Rationalität der kapitalistischen Gesellschaft weltweit. “Gesellschaftliche Naturverhältnisse” ist zentraler Begriff in einem Erklärungsmodell der Kritischen Theorie, mit dessen Hilfe sich die katastrophalen Folgen grenzenloser Naturvernutzung als Strukturproblem kapitalistischer Globalisierung erkennen lassen. Das trifft nicht nur zu auf Energieerzeugung und ihre ökologischen und sozialen Folgen, sondern ebenso, und eng damit verknüpft, auf Agro-Industrie, Gentechnik und Biodiversität. Solche Deutungen sind bitter nötig. Ist im Moment die Rede vom Klimawandel, dann beherrscht die Definition als mehr oder minder handhabbares Umweltproblem den Diskurs. Wo eigentlich von grundlegenden Destruktionsverhältnissen gesprochen werden müsste, geht es die Machbarkeit von CO2-Reduktionszielen. Für die antiAtom-Bewegung ist diese Verengung eine Kohlendioxidfrage besonders misslich, muss sie doch ein andere Mal - und völlig an der Sache vorbei - erklären, warum AKWs der globale Anstieg der Temperaturen nicht aufzuhalten ist. ![]() Modernisierung und Krisengewinn? und Natur untersucht auch Elmar Altvater (ab Seite 14). Während die Vertreter der Kritischen Theorie warnend das Augenmerk auf die schier unerschöpfliche Fähigkeit des Kapitalismus richten, aus Krisen durch Modernisierung gestärkt hervorzugehen, stellt Altvater mit seiner Vorstellung von einer Solaren Revolution ein Ende des Kapitalismus in Aussicht. Zu eng ist seiner Darstellung folgend die Wertschöpfung mit ihrer materiellen, insbesondere ihrer energetischen Basis verbunden, als dass das Zuendegehen ausbeutbarer Bodenschätze folgenlos bleiben könnte: „Die Kongruenz von Kapitalismus und Fossilismus erweist sich nun als eine Falle. Das reale Wachstum kann gar nicht so hoch sein, dass alle monetären Ansprüche (Renditen und Profite) aus dem real produzierten Surplus und ohne illegitime und kriminelle Aneignung befriedigt werden können. Denn fossile Energien haben immerhin ein natürliches Maß, nämlich ihre Verfügbarkeit und die Tragfähigkeit der natürlichen Sphären für die Verbrennungsprodukte.“ In seinem Text macht er die Sache dringend. Mit dem eigenen Tätigwerden abzuwarten, - möglicherweise solange, bis sich mit der Überwindung des Hauptwiderspruchs der angebliche Nebenwiderspruch von selbst erledigt hat, wie es immer wieder spöttisch allen entgegengehalten wird, die das KWort in den Mund nehmen - das kommt für ihn nicht in Frage: „Die generelle Richtung ist eindeutig zu bezeichnen, und sie ist gut begründet: Die fossilen Energien müssen sehr schnell durch erneuerbare Energien ersetzt werden, denn das Zeitfenster ist aufgrund des Umstands, dass der Scheitelpunkt der Ölförderung sehr bald erreicht sein wird, nicht mehr lange offen. Die erneuerbaren sind langsamer als die fossilen Energien, und sie sind nicht unabhängig vom Ort: die Windenergie, die Photovoltaik, die Wasserstoffwirtschaft, die Wasserkraft, die thermische Energie, die Gezeiten, die Biomasse. Keine dieser Energien kann die Bedingung der Kongruenz von Energiesystem und Kapitalismus erfüllen, die in den vergangenen zwei bis drei Jahrhunderten die menschheitsgeschichtlich einmalige Wachstumsdynamik ermöglicht hat.“ Wer sich an dieser Stelle nun einen Freibrief erwartet für analyseloses Loswursteln, wird in dieser Erwartung nicht bedient: „Am Ende des fossilistischen Kapitalismus kann nur ein erneuerbares Energieregime weiterhelfen. Dem aber muss die soziale Formation des Kapitalismus angepasst werden. Das ist eine tiefere und umfassendere Revolution als es die französische oder russische waren. Sie ist auch schwieriger als die industrielle Revolution. Aber die ebenfalls existierenden Ansätze der solidarischen Ökonomie können die Verbindung zur Bewegung für die erneuerbaren Energieträger herstellen.“ In den Reihen der antiAtom-Bewegung treffen die Konzepte einer “Solaren Revolution” bisher auf eher zurückhaltend zum Ausdruck gebrachte Begeisterung. Kann ein ergrünter Kapitalismus die ökologische Krise lösen? Wachstumslogik und Endlichkeit der Ressourcen legen den Rahmen der Modernisierung fest. Die Energiewende wird integriert und in einer bestimmten Weise umgesetzt. Und die ist alles andere als systemoppositionell. Oder sprengt die Modernisierung der energetischen Basis gar die strukturelle Logik der kapitalistischen Globalisierung? In der Bundesrepublik soll ohnehin ein Gutteil der installierten Kraftwerkskapazität aus Altersgründen ersetzt werden. Wird hiermit zum Ende des fossil-atomaren Zeitalters beigetragen, oder wird im Gegenteil ein “weiter so” zementiert? Soziale Bewegung muss eine Haltung dazu einnehmen, und sie tut das auch. Das grundsätzliche Ja zur Entwicklung erneuerbarer Energien ist selbstverständlich, und doch - oder gerade deswegen - versehen mit einem skeptischen Blick auf konkrete Entwicklung. Wie monströs werden die Biogas-Anlagen, wieviel Hektar Maisanbau gehören zu jeder? Für wieviel Hunger sorgt die verordnete Ethanol-Beimischung? Wo stehen die zukünftigen Windmühlen und wer kann sie besitzen? Bewirkt der reingesteckte Euro mehr in der Photovoltaik-Anlage oder in der Wärmedämmung? Welches Zertifikat macht Strom grün? und so weiter. Viele Fragen sind offen, und sie erfordern engagierte Einmischung. Zum anderen gibt es aber auch Fragen mehr theoretischer Art, deren Diskussion aussteht. Um die soll es in den Beiträgen zum Titelthema dieser Ausgabe gehen.@ | |||||
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