NGOs in Malawi kämpfen gegen mächtige Uranabbaubestrebugen
Lukratives Geschäft

von Pilirani Semu-Banda

In Malawi streiten sich Nichtregierungsorganisationen (NGOs) mit der Regierung und der afrikanischen Tochter des australischen Bergbauunternehmens ‚Paladin‘ über den Uranabbau in Kayelekera im Norden des Landes. Die Befürworter des Projekts verweisen auf sein enormes wirtschaftliches Potenzial, die Gegner auf die Gefahren für Mensch und Umwelt.

Vorerst haben die NGOs die Oberhand. Sie konnten bei Gericht einen einstweiligen Stopp durchsetzen. Allerdings hat die Regierung unter Staatspräsident Bingu wa Mutharika fest vor, aus Malawi in den nächsten zehn Jahren einen der Top-Uranproduzenten des afrikanischen Kontinents zu machen.


Einträgliches Unternehmen

weiteres australisches Unternehmen ebenfalls im malawischen Norden Explorationen durch, und Paladin hat bereits im April die Lizenz zum Abbau von 34,5 Millionen Tonnen Uran in Kayelekera erhalten. Sie gilt für ein Gebiet von 55,5 Quadratkilometer und 15 Jahre, kann aber um weitere zehn Jahre verlängert werden.

Nur 15 Prozent der Anteile an dem umstrittenen Projekt hält die Regierung, hat für sich aber die vergleichsweise geringe Reduktion der Körperschaftssteuer von 30 auf 27,5 Prozent durchsetzen können. Weitere Vorteile des Paladin- Vorhabens wären Einnahmen von über 100 Millionen US-Dollar im Jahr, was fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes und 20 Prozent der Exporteinkünfte entspricht, und ebenso ein neues Standbein neben der Landwirtschaft und insbesondere dem Tabakanbau, dem derzeitigen malawischen Exportschlager.

Hinzu kommen 800 Arbeitsplätze während der Ausbauphase, weitere 280 während des Betriebs und gut 1.000 indirekt von der Paladin-Investition abhängige Jobs, zudem eine neue Grundschule, eine weiterführende Schule und ein Gesundheitszentrum in der Nähe der Mine.


Risiko enorm

Kritiker kann das nicht überzeugen. Eine erste Warnung kam im letzten Jahr von Martin Mkandawire. Der Experte für die Kollateralschäden des Uranabbaus verweist in einer Untersuchung auf das erhöhe Risiko der Anrainer und Bergleute, an Krebs zu erkranken – vor allem an Lungen-, Blut- und Knochenkrebs – und auf drohende Geburtsschäden. „Ich kann der Regierung, den Politikern und allen Malawiern nur raten, das Für und Wider gut abzuwägen“, sagt Mkandawire.

Nicht überzeugend waren auch die Ergebnisse einer 2006 von der internationalen Beraterfirma ‚Knight Piésold Consulting‘ durchgeführten Verträglichkeitsstudie. Sie prognostiziert unter anderem eine Verbreitung der Immunschwäche Aids und anderer sexuell übertragbarer Krankheiten durch den unweigerlichen Boom der Sexindustrie, sollte die Mine groß ausgebaut werden.


Gefahren für Mensch und Umwelt

gegen dieses Vorhaben haben weitere Bedenken. Sie monieren, dass es von Paladin keine Garantie für die Wahrung der Umweltgesetze und die Einhaltung der internationalen Standards für den Uranbergbau gibt und damit große Risiken für Umwelt und Gesundheit zu fürchten sind. Ferner vermissen sie eine ausreichende Information der Anrainer über die Gefahren des Uranbergbaus.

Titus Mvalo, einer der Anwälte der NGOs, sieht von dem geplanten Tagebau auch Gefahren für die Wasserreinheit ausgehen und dies in einer Situation, in der nach UNAngaben ohnehin bis zu 33 Prozent der malawischen Bevölkerung von zwölf Millionen Menschen ohne Zugang zu sicherem Trinkwasser sind. Auch kann der Jurist auf Präzedenzfälle in Ghana und Mexiko verweisen, wo der Uranbergbau für schwere Nierenschäden verantwortlich gemacht wird.


Strenge Vorsichtsmaßnahmen gefordert

den Umgang mit radioaktiven Materialien, die Beteiligung der Öffentlichkeit an der Entscheidung über die Zukunft der Mine, die Publikation der Verträglichkeitsstudie und einen bindenden Vertrag mit Paladin, in dem sich die Firma zu sinnfälligen Investitionen in den Bereich Soziales und zum Schutz der Gesundheit und der Umwelt verpflichtet.

Für Ärger sorgte das Kayelekera-Projekt im März auch im Parlament, als die Regierung einen Antrag der Opposition auf Einsicht in das Abkommen mit Paladin zurückwies und einige Details des Vertrags als geheim bezeichnete. @

aus: www.afrika-start.de/artikel-331.htm_ vom 8.8.07

 









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