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Trotz vieler Proteste hat das Parlament in Ankara hat den Weg für den Bau des ersten AKW
frei gemacht Staatpräsident Gül hat vor einer Woche ein Atomgesetz unterzeichnet Atomstreit am Bosporus von Gunnar Köhne Wer heute auf eine Landkarte von Europa schaut, die die Nutzung von Atomstrom anzeigt, der wird feststellen, dass der gesamte Kontinent fast flächendeckend auf umstrittene Atomenergie setzt. Nun kommt auch die Türkei ins Spiel: Das Land, das einmal Mitglied der Europäischen Union werden möchte, folgt allerdings konsequent der Mehrheit der EU-Staaten und setzt ergo auf Atomenergie: Das Parlament in Ankara hat vor kurzem den Weg für den Bau des ersten Kernkraftwerkes frei gemacht. Ein zweites könnte ausgerechnet im Erdbebengebiet an der Mittelmeer-Küste gebaut werden. Und das ist noch nicht mal der einzige Grund, weshalb Streit um den geplanten Atomreaktor ausgebrochen ist. ![]() Die Stimmung im Büro im Istanbuler Greenpeace- Büro ist ausgelassen, doch das Thema, das die Umweltschützer derzeit umtreibt ist ernst: Die türkische Regierung ist scheinbar fest entschlossen in die Atomenergie einzusteigen. Nach fünf Anläufen, die in den vergangenen Jahren immer wieder am fehlenden Geld gescheitert waren, hat Staatpräsident Gül vor einer Woche ein Atomgesetz unterzeichnet - und schon Anfang nächsten Jahres soll das erste AKW ausgeschrieben werden. Für die Energieexpertin von Greenpeace Türkei, Hilal Ateci, eine fatale Entscheidung: „Die Türkei ist Teil des Mittleren Ostens. Und in dieser Region entwickelt sich mehr und mehr ein Wettlauf um die Atomtechnologie. Erst der Iran, jetzt die Türkei und Ägypten, demnächst noch Libyen. Das finden wir gefährlich. Die Türkei ist zwar an den Atomwaffensperrvertrag gebunden und hat, so glaube ich, auch keine ernsthaften Atomwaffenpläne. Aber es macht sich in der allgemeinen nationalistischen Stimmung gut, wenn manche Politiker mit Hinweis auf den Iran verkünden, dass man sich für zu einen späteren Zeitpunkt auch in die Urananreicherung offen halten solle.“ Bisher bezieht die Türkei ihre meiste Energie aus Russland und dem Iran - nicht gerade zuverlässige Lieferanten, wie auch die Türken schon erfahren mussten. 40 Prozent seiner Gasversorgung bezieht das Land aus dem Iran. In einer strengen Frostperiode des vergangenen Winters reduzierten die Iraner wegen angeblicher „technischer Probleme“ die Gaszufuhr - prompt mussten in der Türkei die Energiezuteilungen an die Industrie rationiert werden. Sollten die westlichen Sanktionen gegen den Iran verschärft werden, könnten solche „Lieferschwierigkeiten“ öfters vorkommen - fürchtet man jedenfalls in Ankara. Außerdem sprächen die hohen Ölpreise und die Forderungen nach Abbau von Treibhaus-Gasen aus Sicht der türkischen Regierung für einen Einstieg in die Atomenergie. Das erste AKW soll in der Nähe des Schwarzmeerortes Sinop spätestens 2014 in Betrieb gehen. Dort gab es bereits die ersten Demonstrationen gegen die Pläne - und auch auf Istanbuls Strassen ist das Echo geteilt: ![]() „Ich wohnte 1986, als der Unfall von Tschernobyl passierte, in Samsun am Schwarzen Meer. Und ich kann mich gut erinnern wie viel Angst die Menschen vor der Radioaktivität hatten, die über das Meer zu uns rüber kam - darum bin ich gegen Atomenergie. Meine Schwiegermutter lebte damals auch in Samsun und die hat heute Lymphknotenkrebs.“ „Ich finde die Türkei ist spät dran mit der Atomenergie. Unsere Nachbarn, Bulgarien und Russland zum Beispiel, haben diese Technologie längst. Wenn AKW wirklich riskant sind, dann leben wir mit diesem Risiko ja sowieso schon seit langem.“ Ankara plant drei AKWs mit einer Gesamtkapazität von 5000 Megawatt - und will damit zukünftig zehn Prozent der gesamten Energieerzeugung decken. Die Regierung will das Projekt privaten Unternehmen übertragen - auch der deutsche Siemens-Konzern soll Interesse an diesem Auftrag bekundet haben. Nach Ansicht von Umweltschützern entspricht das Atomgesetz ganz den Forderungen der Industrie - ohne Rücksicht auf Umwelt und Verbraucher.
Hilal Atici von Greenpeace:
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