|
Die Ära der Energiegewinnung aus Uranerz nähert sich unweigerlich ihrem Ende. Teuer und schmutzig Von Steffen Bogs Seit einer Woche werden an der New Yorker Rohstoffbörse NYMEX (New York Mercantile Exchange) Uran Futures gehandelt. Futures sind Kauf- bzw Verkaufsoptionen für ein bestimmtes Datum zu einem festgelegten Preis. Uran Futures werden sich nach Ansicht von Branchenkennern zum weltweit wichtigsten Anhaltspunkt für den Preis entwickeln, den Uranverkäufer und -käufer künftig am Spotmarkt miteinander aushandeln werden. Gleich am ersten Handelstag waren kräftige Preisprünge zu verzeichnen. Während der letzte Spotpreis für ein Pound (453,6 Gramm) Uranoxid »Yellow cake« (U308) vor der Futuresnotierung bei 113 Dollar lag wurden am 7.Mai Kontrakte für Juni für 140 Dollar und für den Januar 2008 für 151 Dollar notiert. Analysten gehen davon aus, daß schon bald Futures für 250 Dollar und mehr gezeichnet werden.
Preisexplosion seit 2001 Seit Jahren ist der Uranmarkt von einer Preisexplosion geprägt, die alle anderen Rohstoffe und Standardbörsenwerte in den Schatten stellt. 2001 bezahlten die Betreiber von Kernkraftwerken lediglich sechs Dollar für ein Pound U308. Die Gründe für den exorbitanten Anstieg sind vielfältig: Unerwartet niedrige Produktion, kaum Neuerschließungen in den letzten 20 Jahren, schwierige Genehmigungsverfahren für Minenbetreiber, steigende Nachfrage durch neue AKW sowie zwei Naturkatastrophen in den beiden größten Minen der Welt. So ist Ende Februar 2007 in Australien die Ranger-Mine, die größte derzeit im Betrieb befindliche Uranabbaustätte mit einem Welt produktions= anteil von knapp 20 Prozent, nach einem Zyklon mit Wasser zugeschüttet worden. Der Betreiber Energy Resources of Australia (ERA) geht von einem Förderrückgang von bis zu 35 Prozent in diesem und im kommenden Jahr aus. Erst ab 2009 könnte voraussichtlich wieder die Normalkapazität erreichen. Bereits am 22. Oktober 2006 fiel durch einen Wassereinbruch die gerade neu erschlossene Mine am Cigar Lake in Saskatchewan im Norden Kanadas aus. Auch sie steht komplett unter Wasser. Ab 2008 sollten dort 7000 Tonnen U308 gefördert werden, was über 17 Prozent der aktuellen Weltproduktion entspricht. Die Förderung kann frühestens 2012 aufgenommen werden - wenn überhaupt, weil einige Experten davon ausgehen, daß die Cigar Lake Mine nie mehr in Betrieb geht.
| |
![]() |
Für das Jahr 2007 wird seitens der Betreiber der weltweit 440 Atom reaktoren mit einem Bedarf von 183 Millionen Pounds Yellow Cake gerechnet. Die Produktion aus Minen dürfte in diesem Jahr jedoch deutlich unter 100 Millionen Pounds fallen. Die immer größer werdende Lücke wurde bisher mit spaltbaren Material aus Beständen, die aus der Abrüstung von Atomwaffen resultieren, geschlossen. |
|
Allein in den USA werden zehn Prozent der gesamten Stromerzeugung aus abgerüsteten sowjetischen Atomsprengköpfen in den Kernkraftwerken erzeugt. Möglich wurde dies durch ein 1993 zwischen den USA und Rußland geschlossenes Abkommen, welches vorsieht, 500 Tonnen HEU (»highly enriched uranium«) bis 2013 der zivilen Nutzung zuzuführen. Danach wird die Lücke zwischen Produktion und Verbrauch noch weiter auseinandergehen. Die Minenproduktion müßte sich bis 2013 verdoppeln, um die Angebotslücke zu schließen, wobei der Bedarf der bis dahin neu ans Netz gehenden 48 neuen Atommeiler noch gar nicht eingerechnet ist.
Auslaufmodell Atomkraft Die Hoffnung der Marktteilnehmer, daß sich durch die deftigen Preissteigerungen von U308 das Angebot steigern werde, sind unbegründet, da dessen Gewinnung zunehmend unwirtschaftlicher wird. Zur Zeit liegt der Urangehalt des Erzes in den Minen zwischen 0,4 und 0,1 Prozent, höherwertige Lagerstätten sind bereits komplett ausgebeutet. Bei noch geringeren Urangehalten wie in einigen bekannten Lagerstätten, würde der Energieeinsatz, vor allem der fossiler Brennstoffe wie Öl, die Energieausbeute des geförderten Urans überschreiten. Somit könnte das Uranerz nicht mehr als primäre Energiequelle bezeichnet werden, und sein Einsatz machte energetisch keinen Sinn. Ohnehin ist die angeblich C02-freie und somit klimaschonende Atomkraft eine Mär der AKWLobby. Die Uranerzförderung in Tagebauen, das Mahlen des Erzes in Erzmühlen, die Auswaschung in Schwefelsäurebädern zu U308, die Urananreicherung bis hin zur Herstellung der Brennstäbe und die Transportkette produzieren gemessen an der energetischen Ausbeute etwa 30 Prozent des CO2-Ausstoßes eines modernen Gaskraftwerkes. Weil im Uranbergbau wegen des rückläufigen Urangehalts im Erz immer mehr fossile Energien eingesetzt werden müssen, wird sich diese Relation weiter zuungunsten der Atomkraft entwickeln. Laut einer Untersuchung der Oxford Research Group liegen die internalisierten CO2-Emissionen der Atomenergie schon heute bei bis zu 122 Gramm pro Kilowattstunde, während es bei der Windenergie maximal 37 Gramm sind. Angesichts der doppelten Bedrohung durch Klimawandel und dem Schwinden der fossilen Rohstoffreserven gibt es daher nur eine Alternative: Die langfristige Orientierung auf 100 Prozent Versorgung aus erneuerbaren Energieträgern wie Sonne, Wind, Wasser, Gezeiten, Erdwärme, Biomasse und Wasserstoff sowie weltweite Maßnahmen für gesteigerte Ener gieefizienz. Jetzt, wo die fossilen Ressourcen noch da sind, müssen sie für eben jenen Umbau der Wirtschaft eingesetzt werden@ aus Junge Welt vom 14.5.07
anti-atom-aktuell.de | |