Standortbenennung Gorleben: Überlegungen zu
30 Jahre Widerstand

von Reimar Paul

Liebe Freundinnen und Freunde, vielen Dank für die Einladung, heute und morgen mit euch zu feiern. Der Widerstand kommt in die Jahre. In die besten Jahre, hoffe ich. Die Jubiläen und Jahrestage häufen sich, besonders im Wendland.

Vor fünf Jahren hier an gleicher Stelle das Erinnern an 25 Jahre Widerstand. Im März 2004 jährte sich euer legendärer Treck nach Hannover zum 25. Mal. Ein Jahr später der 25. Jahrestag der Republik Freies Wendland. Und jetzt: 30 Jahre Standort Gorleben – 30 Jahre Widerstand. Was kann man da sagen, was nicht schon längst gesagt worden ist? Was kann man erzählen, was ihr nicht selber viel besser wisst? 30 Jahre Standort Gorleben – 30 Jahre Widerstand. Ich hab‘ versucht mich zu erinnern, wie wir die Nachricht der Standortbenennung damals aufgenommen haben in Göttingen, beim Arbeitskreis gegen Atomenergie.

Ich weiß nicht mehr, ob wir das im Radio hörten oder über einen Anruf davon erfuhren oder das erst am nächsten Tag in der Zeitung lasen. Aber ich weiß noch, dass wir zusammen gesessen und über Euren Aufruf diskutiert haben, am 12. März zu einer großen Kundgebung ins Wendland zu kommen. Wir haben darüber diskutiert, und wir haben uns entschieden, nicht hierher zu fahren, jedenfalls nicht in größerem Rahmen, mit gemieteten Bussen oder einem Autokonvoi.

Wir hatten anderes vor in jenen turbulenten Tagen. Erst am 19. Februar hatte es eine große Demonstration in Brokdorf gegeben, die dritte innerhalb weniger Monate, und in Grohnde wollten wir den Bauplatz des AKW besetzen. Am 19. März 1977, also eine Woche nach dem Termin, an dem ihr hier eure Kundgebung machen wolltet. Brokdorf und Grohnde, das waren für uns damals die wichtigeren Termine und Themen. Gorleben konnte warten, da gabs damals ja noch nicht mal einen richtigen Zaun, gegen den man anrennen konnte. Einen Zaun um einen Bauplatz, meine ich natürlich, Zäune gabs ja schon.

Foto: hini-foto
Natürlich wurde im Nachhinein einiges verklärt,
natürlich lief nicht alles rund in der Republik Freies Wendland.
 

Auch in den ersten Ausgaben unserer Zeitung Atom Express, die im Frühjahr und im Sommer 1977 erschienen, berichteten wir noch nicht über Gorleben. Wohl über Grohnde, die Asse, Kalkar, Wyhl und sogar über das AKW Fessenheim in Frankreich, aber nicht über Gorleben. Gorleben war irgendwie noch weit weg.

Und der Protest in Gorleben war bürgerlich. Zwar war bis dahin kaum einer von uns jemals hier gewesen, im Wendland, aber so genau musste oder wollte man das ja gar nicht wissen. Die Lage und den Widerstand hier im Wendland einschätzen, das konnte man schließlich auch in Göttingen am Kneipentisch. Ihr wart also bürgerlich. Und bürgerlich war in der städtischen Anti-AKW-Szene ein Schimpfwort, bürgerlich war: nicht radikal, nicht links, bürgerlich, das roch irgendwie nach Kompromiss, nach faulem Kompromiss sogar. Wir? Wir waren natürlich nicht bürgerlich, wir waren links und radikal – dachten wir jedenfalls. Nach Brokdorf und nach Grohnde zu fahren, das war auch radikal. Aber Gorleben?

Wir fuhren im März 1977 also nicht nach Gorleben, sondern nach Grohnde, um den Zaun einzureißen und den Bauplatz zu besetzen. Das ist bekanntlich nicht gelungen. Was wir stattdessen schafften ohne es zu wollen: wir haben in Grohnde den örtlichen Widerstand überrannt. Den hatten wir auch in die Schublade bürgerlich gesteckt - ja, den haben wir platt gemacht mit der von außen geplanten Demonstration vom 19. März 1977, nach der wir wieder verschwanden in die Städte, in unsere Vollversammlungen, an die Kneipentische.

Die Atomkraftwerke in Brokdorf und Grohnde wurden weiter gebaut. In Grohnde gab es in jenem Jahr 1977 noch die Besetzung des späteren Kühlturmgeländes, nur wenige einheimische Atomgegner waren dabei, dann verschwand der Widerstand fast völlig von der Bildfläche. Brokdorf blieb noch länger im Fokus. 1981 und 1986 gab es dort große Demonstrationen. In den letzten Jahren aber wurde es auch dort ruhig. Diese Woche ist das Standort-Zwischenlager in Brokdorf in Betrieb genommen worden, nennenswerte Proteste dagegen gab es leider nicht.

Sicher, die Demonstrationen gerade in Brokdorf haben damals viele Menschen politisiert, mich auch, sie haben vielen die Augen geöffnet für die Verflechtungen von Staat und Atomindustrie und sie waren ein wichtiges Schwungrad für die Anti-AKW-Bewegung. Wir glaubten oder vielmehr: wir hatten damals das Gefühl, wir könnten einen AKW-Bauplatz nach dem anderen wieder zur Wiese machen. Aber das gelang nicht, denn mit der Aufrüstung des Staates konnten wir nicht mithalten, und viele wollten es auch nicht. Schon bei der Demonstration in Kalkar im September 1977, als nur die Hälfte von 80.000 Atomgegnern den Kundgebungsplatz erreichten, zeigte sich das deutlich.

Den Bauplatz zur Wiese machen, das Anrennen gegen die Bauzäune wurde von uns damals sehr verklärt. Und andere Widerstandsformen an den Standorten, die nicht – oder noch nicht – so radikal daher kamen, die wurden von uns zu gering geschätzt, nicht ernst genommen.

Kleiner Einschub: Ich überspitze das hier. Ganz so schwarz-weiß, wie ich das darstelle, verhielt es sich natürlich nicht. Hier die Einheimischen, da die Auswärtigen – da gab es in Wirklichkeit viel mehr Grautöne, oder besser: Farbtupfer. Viel mehr Konfliktlinien, Brüche, Widersprüche. Bei den Auswärtigen gab es auch „bürgerliche“ Fraktionen wie den BBU. Es gab die gewaltfreien Aktionsgruppen, die K-Gruppen, die Autonomen, die sich in bunten oder grünen Listen formierenden Grünen und irgendwo mittendrin uns aus Göttingen. Und bei den Einheimischen, bei Euch, gab es auch die Honoratioren und Bauern, alteingesessene Einwohner und Zugereiste, Autonome und Landfreaks und viele andere. - Ende des Einschubs.

Die AKWs in Grohnde und Brokdorf wurden also weitergebaut. Und in Gorleben? Hier wurde gebohrt, flach zu erst, dann tief, Gorleben wurde zu einem Brennpunkt. Und dann fuhren auch wir ins Wendland. Erst gelegentlich, dann immer öfter. Wir mieteten Häuser für Seminare, wohl ein Dutzend Mal waren wir alleine in Pisselberg, wir kamen mit Auto-Konvois zu Kundgebungen und zu Blockaden. Wir lernten die Landschaft und viele von Euch kennen, einige von uns knüpften dabei auch enge persönliche Beziehungen zu einigen von euch – und wir stritten uns mit Euch, vor allem mit der BI, heftig bei den Trebeler Treffen. Die BI wollte mit kleinen Kundgebungen auf die Bohrungen reagieren und allenfalls Sitzblockaden machen, wir wollten Großdemonstrationen machen und die Bohrlöcher verstopfen.

Die BI wollte die Menschen, die Bevölkerung, da abholen, wo sie standen. Wir dachten damals: So ein Quatsch. Das ist doch nur ein Vorwand, um nichts zu tun, nichts radikales. Wolfgang Ehmke – ist er hier? - hat über die Anfänge des wendländischen Widerstandes gesagt: „Wären die Aktionsschritte zu schnell gewesen, hätte das politische Lernen nicht reifen und wachsen können“. Wir wollten damals davon nichts wissen, das dauerte uns zu lang. Wir setzten auf die Propaganda der Tat, machten hier eigene Aktionen – blockierten zum Beispiel mit unseren Autos einen Tag lang die Bohrfahrzeuge der Celler Brunnenbau in Lüchow.

Dann kam der große Treck nach Hannover. Eure Trecker, die 100.000 Leute im strömenden Regen, die Sprechchöre, die Lieder. Das war zum ersten Mal eine große gemeinsame Aktion von uns allen, von Einheimischen und Auswärtigen, von allen Strömungen des Widerstandes. Eine schöne Erfahrung, eine gute Demo und eine erfolgreiche: Nicht zuletzt unter dem Eindruck dieser Demonstration hat Albrecht ja erklärt, eine WAA sei zurzeit, also damals, nicht durchzusetzen.

Und dann die Besetzung der Tiefbohrstelle 1004, das Hüttendorf, die Republik Freies Wendland. Im Mai 1980 zogen wir mit Euch in den Wald, und wir blieben gleich da. Wir bauten selbst ein paar Häuser, ließen uns ein auf das Dorf und den Dorfalltag und ließen uns anstecken von der Stimmung. In Dutzenden Berichten und Dokumentationen ist diese Atmosphäre geschildert worden. Niemand hat das wohl so treffend getan wie Lilo Wollny: „Auf dem Platz, als ich die Leute gesehen hab, hatte ich andauernd das Gefühl, ich muss die irgendwie in den Arm nehmen, und ich hab das auch gemacht.“ Hans Brandt, der Gewerkschafter und Umweltschützer, hat geschrieben: „Das Antiatomdorf war nicht allein gegen die tödliche Atomenergie gerichtet, sondern Symbol neuer Lebensweise überhaupt.“ Es gab in der Republik Freies Wendland eine weit gehende Identifizierung von Erbauern und Erbautem – und wohl auch deswegen flossen bei der Räumung so viele Tränen.

Natürlich wurde im Nachhinein einiges verklärt, natürlich lief nicht alles rund in der Republik Freies Wendland. Im Sprecherrat gab es Streit. Über den Widerstand bei der Räumung, die ja irgendwann erfolgen würde, das war klar. Über Barrikaden. Als es keine Einigung gab, bauten wir selber welche, ganz kleine nur, aber immerhin Barrikaden. Ein anti-Atom-Dorf, eine Räumung, ohne Barrikaden, das konnte doch wohl nicht wahr sein! Ihr habt auf die Bevölkerung verwiesen und auf die Kommunalpolitiker wie den damaligen Bürgermeister von Trebel, die mit dem Hüttendorf sympathisierten und die man nicht vor den Kopf stoßen dürfe. Ihr habt darauf gedrängt und ihr habt durchgesetzt, dass die Barrikaden wieder abgebaut wurden.

Insgesamt hat sich in der Freien Republik Wendland das Verhältnis zwischen einheimischen und auswärtigen Atomkraftgegnern entspannt. Ich meine, wir alle sind damals aufeinander zugegangen. Die meisten auswärtigen Gruppen akzeptierten von nun an eine Art Meinungsführerschaft der BI und des einheimischen Widerstands für den Protest in Gorleben.

Und doch blieben die Spannungen noch eine Zeit lang bestehen. Es gab eine große Demonstration der Anti-Atom-Bewegung in Bonn. Und es gab Streit darüber, wer bei der Kundgebung sprechen sollte. Ihr hattet Marianne Fritzen vorgeschlagen, wir wollten das nicht. Marianne spreche nicht für das ganze Anti- Atom-Spektrum, sagten wir. Die Hauptrede im Bonner Hofgarten hielt schließlich Walter Moßmann.

Ihr habt uns das nicht nachgetragen. In den 1980er Jahren war eine Zeit lang auch Nordhessen als Standort für eine Wiederaufarbeitungsanlage im Gespräch. Die neu entstehenden nordhessischen Bürgerinitiativen fragten euch um Rat, wie denn der Widerstand am besten zu organisieren sei. Und bei einem dieser Treffen wurde ein Trägerkreis für eine Demonstration ins Leben gerufen. Und da sagte Martin Mombauer: Lasst auf jeden Fall auch die Göttinger mitmachen, auch wenn wir mit denen oft Streit hatten.

Danach, ab Mitte der achtziger und in den neunziger Jahren, kam die anti-Atom-Bewegung in die Krise. In Wackersdorf, bei den Kämpfen gegen die Wiederaufarbeitungsanlage, flammte der bundesweite Widerstand noch einmal auf. Aber an vielen anderen Standorten und auch in den großen Städten wurde er schwächer und erlosch manchmal auch ganz. Viele langjährige Aktivisten wandten sich anderen politischen Themen zu, bauten sich berufliche Perspektiven auf oder zogen sich – warum denn auch nicht – ins Privatleben zurück. Auch der Göttinger Arbeitskreis gegen Atomenergie löste sich auf. Unsere Zeitung verschmolzen wir mit der Lüneburger atommüllzeitung zur atom, sie erschien dann noch einige Jahre weiter.

Und in Gorleben? Bei Euch im Wendland blieb der Widerstand lebendig. Er nahm wohl ab und zu mal eine Auszeit, war aber unüberseh- und unüberhörbar. Wir haben die bunte Vielfältigkeit eurer Aktionen und die vielen Akteure bestaunt und in unserer Zeitung beschrieben: das waren ja längst nicht mehr nur die BI und die Bauern, sondern auch die Schüler und die Seniorinnen und Senioren der Initiative 60, später die Grauen Zellen, und die Motorradfahrer und die geheimnisvolle Republik Freies Wendland und X-tausendmal quer und Widersetzen. Da waren die Kaffeetafeln vor dem Zwischenlager, der „Tanz auf dem Vulkan“, die Menschenkette von Clenze bis Hitzacker, die vielen witzigen Anzeigen in der „Elbe-Jeetzel- Zeitung“, Radio Freies Wendland, abgekippte Kartoffen, Blockaden, die pfiffigen Ideen von Salinas, die Stuhlproben am Verladekran und beim jüngsten Castortransport die Armee der Clowns und die Rallye Monte Göhrde und so viele andere Aktionen, dass sie hier gar nicht alle genannt werden können.

Warum war das so und warum ist das bis heute so? Wolfgang Ehmke hat dazu gesagt: „Wenn Du die Atomanlagen vor der Nase hast, kannst Du dir nicht aussuchen, ob Du dich mal engagierst und mal nicht.“ Ständig stünden Entscheidungen an, die nach politischen Antworten und Reaktionen verlangten. - Das ist wohl so, erklärt vielleicht aber doch nicht alles – denn Atomanlagen und Politiker, die einem ein X für ein U vormachen wollen, gibt es ja auch anderswo. Einige kluge Leute, die im Auftrag des Staates dem ausdauernden Widerstand hier auf die Spur kommen wollten, haben euch als stur und störrisch beschrieben. Das sind erstmal keine besonders schönen Attribute. Aber wenn man sie von ihrem negativen Beiklang befreit und sie durch Begriffe wie hartnäckig, widerborstig oder eben widerständisch ersetzt, dann trifft man womöglich ins Schwarze.

Weil Euer Protest so hartnäckig ist, seid ihr ins Visier von Polizei und Staatsschutz geraten. Mit einem Mal wart ihr selber Radikale und Verfassungsfeinde – jedenfalls wurdet ihr so bezeichnet. Der ehemalige Bundesinnenminister und Schwarze-Kassen-Verwalter Manfred Kanther nannte euch „unappetitliches Pack“. Sein früherer Amtskollege aus Hannover, Egbert Möcklinghoff, wusste schon früher, dass, Zitat, „die scheinbare Idylle und das rechtschaffene, ärmliche und gewaltlose Bild nur Kulisse“ seien. In der Republik Freies Wendland musste das „Fritz-Teufel-Haus“ allen Ernstes für die Anschuldigung des Lüneburger Regierungspräsidenten Wandhoff herhalten, das Hüttendorf sei ein Refugium für Terroristen.

Kripo-Leute verfolgten Bauern auf dem Weg zu Gesangs- und Kegelabenden, notierten die Kennzeichen von Autos und Traktoren, sie schnitten Telefongespräche mit und leuchteten nachts die Fenster und Fassaden von Höfen und Kneipen aus. Gegen etliche Wohngemeinschaften aus dem Wendland wurde nach dem Terrorismus-Paragraphen 129a ermittelt, viele von Euch mussten sich vor Gericht verantworten. Schon vor mehr als 20 Jahren sollen mehr als zweitausend Einwohner aus dem Kreis Lüchow-Dannenberg im „Spurendokumentationssystem“ des niedersächsischen Landeskriminalamtes gespeichert gewesen sein.

Ihr habt darauf reagiert, indem ihr die Verteidigung der Grund- und Bürgerrechte eingewoben habt in den Widerstand gegen die Atomanlagen. Im Wendland hat sich gezeigt und zeigt sich immer noch: Diejenigen, die gegen Atomkraft kämpfen und gegen die Einschränkung von Rechten, sind oft von Repression bedroht und von Gefängnis. Diejenigen, die Bürgerrechte einschränken, die Atomanlagen bauen und die Rechte der Natur verletzen, laufen nicht Gefahr, ins Gefängnis zu kommen. Die haben gewissermaßen den Schlüssel zum Gefängnis.

Von Eurem Widerstand sind viele Anregungen und Anstöße ausgegangen, die über den Kampf gegen Atomkraft und für demokratische Rechte weit hinausreichen. Im kulturellen Bereich sind das Aktivitäten wie die Kulturelle Landpartie – dass es da auch Spannungen gab zwischen Veranstaltern und Widerstand, tut der Einzigartigkeit der Landpartie keinen Abbruch. Es gibt hier viele Initiativen und Ansätze im Bereich der ökologischen Landwirtschaft, des alternativen Wirtschaftens überhaupt und einer anderen, besseren Energiepolitik.

Im Mittelpunkt, jedenfalls ist das meine Wahrnehmung, aber steht hier weiterhin der Kampf gegen Atomanlagen. Der Kampf gegen die Castortransporte, man kann das bedauern, aber man muss es feststellen, ist seit Jahren der Fixpunkt des Widerstandes gegen Atomkraft in Deutschland. Bei einem der letzten Transporte traf ich eine alte Freundin aus einer anderen Stadt, die war seit vielen Jahren nicht mehr hier gewesen, und die sagte: ich hab die Castorproteste zwar immer in der Zeitung und im Internet verfolgt, aber was hier passiert, konnte ich mir nicht vorstellen. Die Stimmung nachts auf der Straße bei den Blockaden und die Phantasie der Leute und die Tee- und Suppenküchen überall, das ist einmalig. Sie hat Recht.

Und ihr seid schon lange nicht mehr nur hier in Gorleben aktiv – ihr seid inzwischen ja selber auch Auswärtige. Bei den Demonstrationen in Ahaus oder Brunsbüttel oder Biblis seid ihr dabei, bei Strategieund bei Beratungstreffen im ganzen Land. „Wir sind überzeugt, dass Widerstand gemeinsam und weltweit stattfinden muss, um menschen- und umweltzerstörende Technologien zu stoppen“, heißt es in der Bilanz der BI für das vergangene Jahr.

Ja, ihr hattet recht mit eurem Ansatz, die Leute da abzuholen, wo sie standen. Ihr wart und seid beharrlich. Und ihr seid radikal, radikal im allerbesten Sinn. Ihr steht für bunten, phantasievollen Widerstand in seiner besten Tradition. Als Karneval und Klamauk, als Ritual werden eure Aktionen gegen die Castortransporte oftmals verunglimpft, von Politikern und von Journalisten. Dabei verdienst das, was ihr hier macht und was ihr aushaltet, allerhöchsten Respekt.

Der Kollege Eckart Spoo hat hier vor fünf Jahren gestanden. Er sagte damals sinngemäß: Nicht jeder kann sich an jeder Aktion beteiligen, nicht jeder kann mit Behörden verhandeln, nicht jeder kann noch mit Politikern reden, die ihn schon x-mal enttäuscht haben, nicht jeder kann sich der heranrückenden Polizei entgegenstellen. Aber wenn viele zusammenwirken mit all ihren Fähigkeiten, dann haben sie auch Erfolge. Die Verschiedenartigkeit, die bunte Vielfalt der Aktionsformen ist eine der größten Stärken des Widerstands im Wendland.

30 Jahre Standort Gorleben, 30 Jahre Widerstand. Dazu herzlichen Glückwunsch. Auf die nächsten 30 Jahre! Die werden nicht einfacher werden. Sowohl beim Kampf gegen ein Endlager in Gorleben als auch gegen längere AKW-Laufzeiten und neue AKW‘s kommt einiges auf Euch, auf uns alle zu. Ich bin aber zuversichtlich, dass ihr das hinkriegt!

 



































































































































    5 Fotos: aaaRchiv

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