Das Verwirrspiel über geeignete Formationen für ein Atommüll-Endlager geht munter weiter. Im Vergleich mit Kristallin- und Tongesteinen dränge sich Steinsalz - wie es in Gorleben vorkommt - für die Endlagerung auf, meint das Bundeswirtschaftsministerium. Wirtschaftsminister Glos fordert deshalb eine Aufhebung des Baustopps in Gorleben. Und beruft sich dabei auf ein Gutachten der ihm nachgeordneten Behörde, der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Nur: In dem Gutachten steht davon gar nichts. Vielmehr werden in der Studie unterschiedliche Tonsteinvorkommen in der BRD auf ihre Eignung als Atommülllager untersucht. An keiner Stelle wird ein Vergleich zu Salzstandorten gemacht. Es handelt sich also offenbar um eine Interpretation aus dem Wirtschaftsministerium, ein „interessengeleiteten Gorleben-Manöver» von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sehr wohl auch mächtige und homogene Tonsteine in Deutschland die Anforderung an Wirtsgesteine für die Lagerung von Atommüll erfüllen. Daraus den Schluss zu ziehen, die Studie belege, dass sich Alternativen zu Steinsalz nicht aufdrängen, ist Willkür. Die Studie macht im Gegenteil deutlich, dass ein systematischer Vergleich von Gesteinen und später von Standorten auf ihre Eignung als Endlager für hochradioaktiven Müll weiterhin nötig ist. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg (BI) übt scharfe Kritik an diesen Versuchen von Wirtschaftsministers Glos, Gorleben als Atommüll-Endlager festzuschreiben. Der Sprecher der BI bewertet Glos Äußerungen zur Weitererkundung Gorlebens als „Volksverdummungsversuch“: „Es ist sinnlos unter Tage noch etwas erforschen zu wollen, wenn hinlänglich bekannt ist, dass bereits der Bereichüber dem Salzstock untauglich ist. Ebenso gut könnte Glos bei einem Auto ohne Motor erforschen lassen, ob es eventuell Räder haben könnte“. Ein notwendiges schützendes Deckgebirge über dem Salzstock ist in Gorleben auf fast sechs Quadratkilometern teilweise gar nicht oder nur sehr lückenhaft vorhanden. Dadurch würden eingelagerte radioaktive Stoffe über Wasserwege ungehindert in die Biosphäre gelangen und Mensch und Umwelt verseuchen. Seit Anfang der Achtziger Jahre warnen Geologen aus diesem Grund vor einem Ausbau des Gorlebener Salzstocks als Endlager.
„In Gorleben geht es seit Jahrzehnten nicht um wissenschaftliche Tatsachen, sondern um ein brisantes taktisches Manöver zugunsten der Atomindustrie“, fasst der BI-Sprecher zusammen. „Würde Gorleben aufgegeben, hätten die Atomkraftwerke juristisch betrachtet keinen theoretischen Entsorgungsnachweis für hochradioaktiven Müll mehr und müssten stillgelegt werden“. @
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