nach 43 Jahre Widerstand
40 Jahre Atommüll in ASSE II

von Peter Dickel

Mit den spektakulären, zunächst örtlichen Auseinandersetzungen um die AKW-Standorten Whyl und Brokdorf entstand in den 1970er Jahren eine bundesweite Auseinandersetzung um Atomenergie und die Anti-AKW-Bewegung. Schon 10 Jahre vorher begann im Niedersächsischen Landkreis Wolfenbüttel eine heftige Auseinandersetzung um die Lagerung von Atommüll im alten Salzbergwerk Asse II , die bis heute - zwar nicht ununterbrochen, aber ungebrochen - weitergeht.


Im Bundesforschungsministerium zerbricht man sich den Kopf

Am 1. April 1964 sollte das letzte Salzbergwerk im Kreis Wolfenbüttel seinen Betrieb einstellen und damit eine jahrzehntelange Bergbautradition enden. Wenige Wochen zuvor aber, am 5. März 1964 schrieb die Lokalzeitung: ?In Bonn ernstlich erwogen: Wird das Asse-Bergwerk zur Atommüllgrube ?“ und berichtete, man zerbreche sich im Bundesforschungsministerium schon seit geraumer Zeit den Kopf darüber, wo und wie man den Atommüll so beseitgen (?!) soll, dass sich keine schädliche Wirkungen ergeben. Unter den angebotenen „sicheren“ (Anführungszeichen im Original!) Projekten nehme das Asse-Bergwerk eine bevorzugte Stellung ein. Außer dem einmaligen Kaufpreis und dem jährlichen Unterhalt von 150.000,- DM fielen auch keine weiteren Investitionen an, sodass praktisch sofort mit der Einlagerung begonnen werden könne. Bemerkenswert die Unbedarftheit, aber auch, dass hier und noch bis in die 70er Jahre ganz offen von Atommüll geredet wurde.


Kreisverwaltung:
„sehr besorgte Stimmung“
unter der Bevölkerung

Vertreter aller Parteien lehnen das Projekt ab. Der CDU-Kreisvorsitzende Storck protestiert im Kreistag: „Wer den Salzgehalt der Wasserquellen ... kenne, der weiß auch, dass erhebliche Wassermengen durch die Salzadern ...“ fließen, zitiert ihn die Wolfenbütteler Zeitung am 7. Juli 1964 und berichtet, Storck wolle bereits am kommenden Montag in Bonn den Versuch machen, die Bedenken der Bevölkerung „maßgebenden Bundespolitikern der CDU vorzutragen“.

Gemeinden melden Besorgnis an und die Kreisverwaltung wendet sich an die Landesregierung. Sie weist darauf hin, dass die umliegenden Salzschächte allesamt „versoffen“ seien, und dass es für das ganze Gebiet kaum zu übersehende Folgen haben würde, wenn Atommüll im Schacht Asse II eingelagert würde und dieser dann mit Grundwasser Verbindung bekommen könnte. Aus diesem Grunde sei unter der Bevölkerung eine sehr besorgte Stimmung eingetreten. Besonders entschieden verfolgt Reinhold Stövesandt, Kreistagsabgeordneter der Freien Wähler das Thema. Auch als es später zeitweise ruhiger um die Asse II wurde, führte der stellvertretende Landrat die Auseinandersetzung als Einzelkämpfer und mit teilweise beachtlichen Erfolgen vor Gericht weiter.

Obwohl auch bei ihm von Beginn an alle wesentlichen, auch aus heutiger Sicht zutreffenden Argumente auftauchen, findet sich so manche dem Zeitgeist geschuldete Blüte. Die Wolfenbütteler Zeitung berichtet über ein „Offenes Telegramm an den Wirtschaftsminister in Hannover“ Stoevesandts: „Im Rahmen der Zusammenarbeit mit Frankreich“ so heißt es zum Schluß, müsse es doch möglich sein, „auch den Atommüll aus der Bundesrepublik in der Sahara unterzubringen.“

In seiner letzten Sitzung vor den Kommunalwahlen lehnt der Kreistag im September 1964 das Atommüllager in der Asse einmütig ab. Zwar werden in der Debatte von allen Fraktionen die einschlägigen Argumente aufgeführt, nach einer Intervention von Dr. Morgenstern (SPD) aber lediglich beschlossen, das Bundesforschungsministerium aufzufordern, die Vorbereitungen zur Ablagerung einzustellen, weil aus psychologischen Gründen das Zonenrandgebiet nicht zusätzlich belastet werden dürfe.

Bemerkenswert auch, was Dr. Morgenstern, der zugleich Mitglied des Bundestages ist, am 6. Oktober 1964 im SPD-Pressedienst ausführt: „Angesichts des ‚Eisernen Vorhangs‘ ist schon der ‚Untersuchungsplan‘ ein politisches Spiel mit dem Feuer.“, heißt es dort und „Sowjetzonale Agitatoren würden auf diesen Propagandaclou gewiß nicht verzichten. (...) Inzwischen ergingen Proteste aus den Gemeinden des bis dahin friedlichen Landkreises so spontan, dass sich alsbald das zuständige Kreistagsparlament damit beschäftigen mußte. Das Resultät war die einstimmige Ablehnung. (...) Obwohl Fachleute die Gefahr einer Verseuchung des GrundwAssers durch radioaktive Stoffe für unmöglich halten, befürchten angrenzende Landgemeinden gerade eine solche Auswirkung als Folge der Atommüllagerung in dem früheren Bergwerk.

(...) Viele Menschen kennen hier den ‚Berg‘ in der Asse, einem ansonsten idyllischen Höhenzug im südöstlichen Niedersachsen. Sie halten deshalb auch einen plötzlichen Wassereinbruch in dem Bergwerk für durchaus möglich. Man folgert daraus, dass einem solchen Einbruch gewaltiger Wassermassen nicht wirksam begegnet werden könne. Daraus wiederum leitet man die Gefahr einer radioaktiven Verseuchung des Gebietes an der Zonengrenze her, was die politischen Ressentiments voranstellen würde.“

Neben den Parteien lehnen auch andere Organisationen in der Region, etwa die Kreishandwerkskammer Braunschweig und der DGB die Atommüll-Pläne ab. Am 1. Mai 1965 findet eine von 8 DGB-Mai-Kundgebungen in Remlingen statt und endet mit einem Protest- Marsch zum Asse-II-Schacht.


Der Bund schafft Fakten und (einstweilen) Ruhe.

Allerdings hat der Bund zu diesem Zeitpunkt schon Fakten geschaffen. Ende März 1965 wird bekannt, das die bundeseigene Gesellschaft für Strahlenforschung die Asse II am 1. März 1965 erworben hat. Der Kreis ist brüskiert, angesichts einer vorherigen Zusage, dass der Bund nicht unabgesprochen agieren würde. Nach und nach wird die Belegschaft aufgebaut und das Bergwerk vorbereitet. Kritik und Sorge bleiben, aber niemand hat zu diesem Zeitpunkt eine Idee, wie der Plan noch aufgehalten werden könnte.

Am 4. April 1967 beginnt der Einlagerbetrieb, zunächst handelt es sich ausschließlich um 200-l Fässer mit schwachaktivem Müll. Darauf könne man stundenlang „reiten“, ohne dass die geringste Gefahr für Leib und Leben besteht, sagt Diplomingenieur Egon Albrecht, der das Projekt bis zu seinem Ruhestand Ende 1982 leitet. Er prägt über Jahrzehnte die öffentliche Auseinandersetzung mit einer Mischung aus grenzenloser Verharmlosung und Zwiesprachlichkeit. Immer wieder beteuert er, dass es sich bislang doch nur um einen Versuch handele, um gleich darauf anzufügen, dass aber die Asse II für alle Arten und Mengen des in der Bundesrepublik anfallenden Atommülls geeignet sei.

Später, als die Einlagerung längst eingestellt ist, sagte er: „Natürlich war das ein Versuch, aber eben ein Versuch der nichtrückholbaren Endlagerung“. Als vom Stapeln der Atommüllfässer zum „Verstürzen“ in die 70m langen Kervernen übergegangen wird, spricht er unter dem Gelächter des Publikums von „Einpökeln“. Er initiiert ein Preisausschreiben, um das hässliche Wort Atommüll zu ersetzen. „Kernmüll“ wird prämiert, aber nie genutzt. PR, Polit- und Industrietourismus bestimmen das Bild der Asse II in den Medien. Auch der Beginn der Einlagerung mittelaktiver Abfälle ändert daran nichts.

Das ändert sich erst wieder, als bekannt wird, dass in der Asse II Brennelemente aus dem Kugelhaufenreaktor der Kernforschungsanlage Jülich eingelagert werden sollen.


Die 70er Jahre

Die Sozialliberale Koalition, die in den 70er Jahre in Bonn regierte, wird eher mit „mehr Demokratie wagen“ (Berufsverbote), Bildungsreform und neuen Ostpolitik assoziiert. Eines ihrer zentralen Projekte war aber auch der massive Ausbau der Atomenergie in der Bundesrepublik. Dazu stand Mitte der 70er Jahre die Konzeption des Umganges mit dem Atommüll auf der Tagesordnung. Nach mehreren Jahren abstrusester Standort- und Konzeptvorschläge konnte man dann im Februar 1977 Ministerpräsident Ernst Albrecht vor einer Deutschlandkarte grinsend auf Gorleben deutend sehen: Dort sollte das Nukleare Entsorgungszentrum entstehen. Im gleichen Jahr beginnt die Untersuchung, ob Schacht Konrad in Salzgitter für radioaktiven Sperrmüll (Abrisskomponenten) geeignet ist.

Foto: hini-foto  

Bitter für Egon Albrecht, der nicht müde wurde zu erläutern, dass die Asse der sicherste und einzig wahre Ort für den bundesdeutschen Atommüll sei und vor allem: konkurrenzlos billig.

Allerding war schon Mitte der 70er Jahre mit Planungen begonnen worden, verbrauchte AVR-Brennelemente aus dem stillgelegten Kugelhaufenreaktor in Jülich in die Asse II zu bringen. Abermals macht sich in den Asse- Dörfern und im ganzen Kreis Wolfenbüttel Sorgen und Bedenken breit: Kommunale Resolutionen, Leser- und Protestbriefe. 5 Anwohner, unter ihnen Reinhold Stoevesandt klagen und erreichen einen einstweiligen Stop der Einlagerung.

Jetzt haben die Asse-II-Betreiber ein Problem. Denn in der 4. Atomrechtsnovelle war 1976 festgelegt worden, dass für Errichtung und Betrieb von Endlagern ein Planfeststellungsverfahren notwendig sei und die noch laufende Betriebsgenehmigung ist bis 1978 befristet. Im Gespräch ist zeitweise eine „Lex Asse II“, ein Gesetz, das die Planfeststellung bei Einlagerung in Forschungsbergwerke vereinfachen soll. Als die Einlagerung von Atommüll 1978 eingestellt werden muss, ist über die Zukunft der Asse II noch nicht entschieden. In öffentlichen Verlautbarungen des Bundes bis in die 80er Jahre steht zu lesen, zur Asse II laufe (!) ein Planfeststellungsverfahren und gegebenenfalls könne dort ebenso wie in Schacht Konrad 1988 (!) mit der Einlagerung von Atommüll begonnen werden. Dieses Planfeststellungsverfahren verschwindet schließlich spurlos. Eingelagert wurde in die Asse II nicht mehr, wohl aber fand „Forschung für Gorleben“ statt.

Geändert hatte sich in den 70er Jahre aber auch die gesellschaftliche Situation: 68 war ins Land gegangen und die Kämpfe von Whyl. Unter dem frischen Eindruck der Auseinandersetzung um Brokdorf entstand etwas neues: Bürgerinitiativen. In Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg sind es eher städtisch, universitär und politisch geprägte Arbeitskreise mit starkem Hang zu den schon vorhandenen Schauplätzen der Weltgeschichte (Brokdorf und Gorleben). Dagegen orientiert sich der Arbeitskreis Umwelt, der 1977 in Wolfenbüttel entsteht, ganz an der örtlichen Problematik. Immerhin kommen mehrere hundert Leute zu den Veranstaltungen des Arbeitskreises, der auf die Probleme mit der Asse-II hinwies und die Durchführung eines Planfeststellungsverfahrens forderte.

Auch im Braunschweiger Arbeitskreis gibt es eine „Asse-Gruppe“, die sich ganz auf die wissenschaftliche Auseinandersetzung konzentriert - dafür mitunter von der Arbeitskreis- Mehrheit belächelt. Im Rahmen der Arbeit dieser Gruppe untersucht ein junger braunschweiger Wasserbau-Ingenieur, Hans-Helge Jürgens, die Standsicherheit der Asse II und die Gefahr des Absaufens der Anlage. Er kommt zu vernichtenden Ergebnissen, die Anfang 1978 in einer Studie veröffentlicht wurden. Sie weist im Kern das nach, was Anwohner der Asse II aufgrund ihres Erfahrungswissens schon 1964 vermutet hatten. Die Medien interessieren sich für die Studie, und wie wir heute wissen, ist sie für die Entscheidungsfindung über die Zukunft der Asse II nicht ganz unbedeutend. Allein, die Menschen in den Asse-Dörfern wollen davon nichts mehr wissen.

Auf einem der vielen, gut besuchten Regionaltreffen der Bürgerinitiativen, das im Waldgasthaus in der Asse stattffindet, wird 1978 beschlossen, im Rahmen einer großen Asse- Kampagne noch einmal über die Dörfer zu ziehen und für die Stilllegung der Asse II zu werben. Das Ergebnis ist niederschmetternd. Die Menschen waren noch nicht einmal bereit, über die Asse II zu reden. Sie hatten ihren Frieden gemacht.

Und nur einen, der schon 1964 dabei war, trifft man bei den vorbereitenden Treffen: Der nun zum Kläger und stellvertretenden Landrat avancierte Kreistagsabgeordnete Reinhold Stoevesandt, jetzt in der FDP. Und immer öfter fordern die BI-Vertreter aus Salzgitter, sich doch stärker Schacht Konrad zuzuwenden. Da sei die Einlagerung schließlich noch zu verhindern ...


Tschernobyl und die Folgen

Tatsächlich verschob sich der regionale Fokus und bescherte der Asse II eine weitere Schonzeit. Bis im Laufe der 80er Jahre bekannt wurde, dass für einen der vielen Versuche in Asse II Atommüll aus den USA importiert werden sollte.

Eine Arbeit zur Asse II gab es 1986 praktisch überhaupt nicht mehr, aber nach Tschernobyl entsteht in Wolfenbüttel zunächst die Gruppe „Gegen Kernkraft - was tun“, aus der später die „Aktion Atommüllfreie Asse“ wird, und die Gruppe „Frieden konkret“ der Thomas- Gemeinde in Wolfenbüttel engagierte sich. Im Zentrum stehen Berichte, die GSF wolle zu Versuchszwecken Glaskokillen aus der USAtomanlage Hanfort einführen, um sie zu Versuchszwecken in die Asse II zu bringen. Die Bild am Sonntag titelt: „Haben wir nicht genug Atommüll?“ Dieses ganze Unterfangen wirkt so skurril, dass es noch einmal zu einer Welle der Empörung am Standort und weit darüber hinaus führt. Schließlich werden die Versuche abgebrochen, unter anderem wohl auch, weil es politische Probleme mit dem Transport durch die USA gab.


Flucht nach vorn: Die GSF umarmt die Öffentlichkeit

Seit 1988 läuft Lauge unbekannten Ursprungs in die Asse II. Schon vorher hatte man begonnen, das Grubengebäude durch Verfüllung mit Salzabraum aus Ronnenberg bei Hannover zu stabilisieren. Während dieser Stabilisierungsmaßnahmen versiegten die Zuflussstellen - um später an tieferen Stellen wieder aufzutreten. Die Zuflussstelle bewegt sich sozusagen auf den Atommüll zu. Wir erleben den GAU eines Endlagers in Echtzeit.

Seit Ende 2001 führt die GSF im Herbst und Frühjahr Informationsveranstaltungen für die AnwohnerInnen durch. Der Saal des Dorfgemeinschaftshauses ist knackevoll, und die Beunruhigung steigt von Mal zu Mal. Die neue Generation der GSF-Techniker und Wissenschaftler scheint anders. Offen wird die problematische Situation beschrieben. Das ist neu. Aber: Alle Probleme sind technisch lösbar. Der Atommüll soll mit einer wässrigen Lösung (Magnesiumchlorid) geflutet werden. Das soll den Berg stabilisieren und wegen höherer Dichte den Zutritt von Frischwasser verhindern.

Und da ist auch wieder die alte Zwiesprachlichkeit. Sie sagen nicht: Wir wollen Wasser mit Wasser bekämpfen, sondern sie reden von „Schutzfluid“. Beruhigen tut das niemanden mehr: Ist der Atommüll erst geflutet, gibt es auf ewig keine geordnete Zugriffsmöglichkeit mehr.


Die Ereignisse überschlagen sich

Im Herbst 2006 äußert sich der Kreistag einstimmig kritisch zur Asse II, fordert, die Schließung materiell atomrechtlich durchzuführen. Denn noch immer gilt die Asse als eine Forschungsbergwerk des Bundes, das trotz des eingelagerten Atommülls im Rahmen eines „Abschlussbetriebsplanes“ vom Oberbergamt geschlossen werden soll. Wie im Herbst 1964 ist auch 2006 die Resolution Ausdruck tiefster Besorgnis in der Bevölkerung.

Aber anders als 1964 ist damit nicht alles zu Ende. Anders als 1964 gibt es ein agiles, zivilgesellschaftliches Umfeld, das eigenständig agiert. Die Tischlermeisterin Irmela Wrede entscheidet sich, ein atomrechtliches Stilllegungsverfahren einzuklagen, und findet dafür spontan breite Unterstützung.

  Foto: aaaRchiv

Anfang 2007 finden sich in einer „Asse-II-Koordination“ erstmals seit 25 Jahren zahlreiche Bürgerinitiativen und Gruppen aus der ganzen Region zu einer kontinuierlichen gemeinsamen Arbeit zusammen (sporadische Zusammenarbeits gab es natürlich immer; man kennt sich ja). Erstes Ziel ist, die Flutung der Asse zu verhindern, die jede andere Möglichkeit verhindert. Die Klage auf atomrechtliche Schließung wird unterstützt, und schließlich ist man sich einig, dass die Erfahrung der Asse II auch Konsequenzen für die Atomenergienutzung haben muss.

Denn jahrzehntelang wurde die Asse II als Forschungsbergwerk für Gorleben bezeichnet. Wenn das, was wir sehen, das Ergebnis der Gorleben-Forschung ist, dann heißt das doch wohl: Gorleben geht nicht. Und Konrad auch nicht und diese Art der Endlagerung überhaupt nicht. Und die Produktion von Atommüll schon gleich gar nicht.

1964 verbog der SPD-Wahlkreisabgeordnete Dr. Morgenstern die wissenschaftlich-technische Kritik an den Atommüllpläne in eine politisch- psychologische: Die Pläne seien zwar nach Auffassung von Experten unproblematisch, aber die Beunruhigung im sowjetzonalen Grenzland gefährlich. Heute heißt der sozialdemokratische Wahlkreisabgeordnete nicht Heinz Morgenstern, sondern Sigmar Gabriel. Als der Ministerpräsident war, wurde Konrad genehmigt und vom Kabinett beschlossen, die Asse II nicht nach Atomrecht zu schließen. 14 Tage vor seiner Wahl in den Bundestag erklärte Gabriel auf einer Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad, im Gegensatz zu Konrad sei die Asse II gar kein Problem, er habe die Anlage heute besichtigt, und mit den Schutzfluid würden sie dort alles in den Griff kriegen. Heute, nach dem Leipziger Urteil über Konrad sagt Gabriel: Die Asse II ist doch viel schlimmer als Konrad...

Sozialdemokraten sind eben lernfähig und immer in der Lage, das Schlimmste zu verhindern. Was immer das für sie gerade ist.

Der lange Blick zurück in die Geschichte fördert zwei Binsenweisheit zu Tage, die wir in vielen Formen von wohl allen Standorten kennen. Erstens: Wer allzusehr darauf vertraut, ParteipolitikerInnen würden es schon richten, der hat schon verloren. Und zweitens: Der Alltagsverstand und das Erfahrungswissen von normalen Menschen ist oft näher an der Wirklichkeit, als das, was ExpertInnen zu wissen glauben, die mit der Realisierung eines Projektes beauftragt sind.@

 

- zurück




      anti-atom-aktuell.de