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Atomgegner werfen Parteien Verharmlosung vor Atomkraftgegner aus dem Wendland haben die ihrer Ansicht nach "erschreckend verharmlosenden Reaktionen" der politischen Parteien auf den Beinahe-GAU im schwedischen AKW Forsmark kritisiert. Die Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg nahm dabei insbesondere den Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Fritz Kuhn, aufs Korn und schickte ihm am Freitag ein "Demo-Einsteiger-Paket" samt Farbsprühflaschen. "Die Selbstzufriedenheit des Grünen-Politikers mit der unter Rot-Grün vereinbarten Bestandsgarantie der Atommeiler ist schlicht zum Kotzen, weil damit das Risiko atomarer Katastrophen in den nächsten Jahrzehnten in Kauf genommen wird", sagte BI-Sprecher Francis Althoff. "Atomkatastrophen können nur verhindert werden, wenn die Reaktoren sofort abgeschaltet werden." Ein Kurzschluß hatte am 26. Juli den Reaktor 1 in Forsmark außer Betrieb gesetzt, nachdem zwei von vier Notstromaggregaten ausgefallen waren. Sie waren erst nach 20 Minuten manuell wieder in Gang gesetzt worden. Schweden hatte daraufhin sicherheitshalber vier weitere seiner insgesamt zehn Atomkraftwerke abgeschaltet. Die auch in der BRD aktiven AKW-Betreiber Eon und Vattenfall behaupteten nach der Beinahe-Katastrophe umgehend, die Reaktoren auf deutschem Boden seien viel sicherer. Die BI kritisiert, daß vor allem Unionspolitiker trotz des Störfalls weiter längere Laufzeiten für die deutschen Reaktoren fordern. Neben der täglichen Gefahr einer Katastrophe werde weiterhin hochbrisanter Atommüll produziert, der nirgendwo sicher gelagert werden kann. "Statt dessen wird politisch die Illusion einer Entsorgungsmöglichkeit aufrechterhalten und, wie das Beispiel Gorleben zeigt, polizeilich gegen die Bevölkerung durchgeboxt", heißt es in einer Presseerklärung der Bürgerinitiative. Dem Päckchen für Kuhn legten die Atomgegner eine speziell für den Grünen-Politiker ausgestellte "Demo-Berechtigungskarte für Plakatmaler", Luftballons, Aufkleber, eine geknickte Sonnenblume und Sprühdosen sowie "zur Erinnerung" Informationen über die Gefahren der Atomenergie bei. "Wir sind gespannt, ob wir beim Castortransport im November Fritz Kuhn mit den geschenkten Utensilien auf einem Acker mit frisch angemaltem Transparent entdecken", meint Althoff. Er bezog sich damit auf eine frühere Äußerung Kuhns, der einmal erklärt hatte: "Wenn Union und SPD auf die Idee kommen, wieder in die Atomwirtschaft einzusteigen, sehen wir uns auf dem Acker wieder. Die Transparente stehen noch auf dem Dachboden, die müssen nur frisch angemalt werden." Die Initiative "Ausgestrahlt" um den unermüdlichen Gorleben-Veteranen Jochen Stay rief unterdessen alle Atomkraftgegner dazu auf, E-Mails an die Bundesregierung und Leserbriefe an Zeitungen zu schreiben und auf diese Weise "Druck für einen wirklichen Ausstieg" zu machen. In den nächsten Tagen würden zudem Anzeigen mit dieser Forderung in großen Tageszeitungen geschaltet, kündigte Stay an. Die Ereignisse in Schweden machten die "Schrecken der Atomenergie auf einen Schlag wieder bewußt", findet der Atomkraftgegner Stay. Sieben Minuten hätten Europa von einer Katastrophe wie in Tschernobyl getrennt. "Ausgestrahlt" ist ein Zusammenschluß von Bürgerinitiativen und Umweltverbänden. Nach Einschätzung Stays wird in der BRD trotz der Ereignisse in Schweden der Druck der Atomlobby in Richtung Laufzeitenverlängerung zunehmen. aus: Junge Welt, 14.08.2006
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