Anreicherungsanlage Gronau als Schnittstelle
Geheim gehaltene Urantransporte

von Reimar Paul

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) warnt vor einer Zunahme geheimer Atomfuhren in Deutschland.

Bevor Uran in Atomkraftwerken zum Einsatz kommt, durchläuft es mehrere Produktions- und Veredelungsstufen. Der Urangehalt der abgebauten Erze beträgt im Schnitt 0,2 Prozent. In energieintensiven Aufbereitungsfabriken - meist in der Nähe der Minen oder Tagebaue - wird das Uran konzentriert. So entsteht das Handelsprodukt »Yellow Cake«, das in der Regel 70 bis 75 Prozent Uran enthält.

Davon benötigt ein 1300-Megawatt-Atomkraftwerk vom Typ Biblis für eine Ladung Brennelemente etwa 400 Tonnen, wofür mehrere hunderttausend Tonnen Uranerz abgebaut werden müssen. Dieses und auch das »Yellow Cake« weisen die natürliche Isotopenzusammensetzung von rund 0,7 Prozent spaltbarem Uran (U) 235 - zudem 99 Prozent U 238 sowie (in Spuren) U 234 - auf. Leichtwasserreaktoren benötigen aber einen U-235-Anteil von etwa drei Prozent. Das Uran muss also angereichert werden. Davor wird es in Konversionsfabriken wie in Pierrelatte in die chemische Verbindung Uranhexafluorid (UF 6) umgewandelt.

Von der südfranzösischen Stadt geht das giftige und radioaktive UF 6 per Bahn zu den Anreicherungsanlagen in Gronau und im niederländischen Almelo - dort wird der Anteil von U 235 auf drei bis vier Prozent erhöht. Die Transportstrecke führt über das Rhonetal und das Rheinland. Die Züge passieren Saarbrücken, Trier, Koblenz, Bonn, Duisburg und Lünen. In einem Offenen Brief an die Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann warnt der BUND vor der steigenden Zahl von Atomtransporten. Nach Recherchen des Umweltverbandes passieren Züge mit UF 6 alle zwei Wochen den Bonner Bahnhof. Dabei versuchten Behörden und Betreiber, die Transporte »unter völliger Geheimhaltung durchzuführen«.

Der BUND vermutet, dass weder Anliegerkommunen noch örtliche Rettungsdienste und Feuerwehren informiert sind. Ende Juni löste im Trierer Güterbahnhof ein wartender UF 6-Transport aus Pierrelatte laut Medienberichten Großalarm aus, nachdem ein Strahlendetektor in einem benachbarten Industriebetrieb erhöhte Radioaktivität anzeigte. Beamte der Trierer Polizei und der Bundespolizei sperrten das Gelände weiträumig ab, während ein ABC-Erkundungszug der Feuerwehr und Spezialisten des Eisenbahnbundesamts mit Messgeräten anrückten.

aus ND vom 28.07.06

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