Frankreich beschließt Bau eines Endlagers.
Endlagergesetz

Für tausende Jahre sicher soll es sein - wo es sich befinden wird, ist noch unklar. Die französische Nationalversammlung hat ein Gesetz auf den Weg gebracht, der eine unterirdische Endlagerstätte für atomaren Abfall vorsieht.

Die Nationalversammlung des stark von Atomenergie abhängigen Landes nahm gestern Abend in erster Lesung einen Gesetzentwurf an, der eine unterirdische Endlagerstätte ab 2025 vorsieht. Wo das Depot liegen soll, soll 2015 entschieden werden. Daneben sollen verstärkt Alternativen zur Endlagerung erforscht werden; dabei geht es um eine Verringerung der Strahlung auf technischem Wege und eine Verlängerung der Zwischenlagerung von heute 50 bis 100 Jahren auf 100 bis 300 Jahre. Bekräftigt wird das Verbot, ausländischen Atommüll dauerhaft in Frankreich zu lagern.

In Frankreich kommen fast 80 Prozent des Stroms aus Atomkraftwerken. Die Kosten zur Endlagerung des hochradioaktiven Abfalls werden vom Industrieministerium über hundert Jahre auf 15 Milliarden Euro geschätzt. Schon heute müssen die Kraftwerksbetreiber vier Milliarden Euro an Rückstellungen bilden, die laut Gesetz nicht zu anderen Zwecken verwendet werden dürfen.

Die Regierung betreibt ein Forschungslabor im lothringischen Bure, das die Machbarkeit der Endlagerung testen soll. Bürgerinitiativen fürchten, dass die Entscheidung für den Standort eines Endlagers gut zweihundert Kilometer von der deutschen Grenze entfernt damit de facto bereits gefällt wurde.

Das am stärksten strahlende Material macht 0,2 Prozent der über eine Million Tonnen Atommüll aus, die sich in Frankreich in den vergangenen vier Jahrzehnten angesammelt haben. Es enthält aber rund 92 Prozent der Gesamtradioaktivität und muss tausende, teilweise sogar hunderttausende von Jahren gelagert werden, bis es seine Strahlung verliert. Zurzeit befinden sich diese Abfälle in Zwischenlagern an der Erdoberfläche.

Der Gesetzentwurf wurde in der Nationalversammlung mit den Stimmen der Regierungspartei UMP verabschiedet. Kommunisten, Grüne und ein Teil der Sozialisten stimmten dagegen. Andere sozialistische Abgeordnete enthielten sich ebenso wie die Zentrumsliberalen von der UDF. Als nächstes muss der Senat dem Text zustimmen. Ein Termin dafür steht noch nicht fest.q

aus Spiegel Online vom 13.4.06

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