Zweite Deutsch-Niederländische Anti-Ureco-Konferenz tagte in Gronau:

Das Übel an der Wurzel packen
- auf nach Gronau und Almelo!

vom 7.3.2006

In Gronau hat die zweite Deutsch-Niederländische Anti-Urenco-Konferenz stattgefunden. Ein Schwerpunktthema der Konferenz war die Vorbereitung einer, grenzüberschreitenden Tschernobyl-Gedenkveranstaltung unter dem Motto „Lasst Tschernobyl nicht in Vergessenheit geraten: Stoppt die Atomenergie!“, die am 22. April in Gronau und Almelo stattfinden soll

Der Deutsch-Niederländisch-Britische Urenco-Konzern produziert zwischen 15 und 20 Prozent des angereicherten Urans auf Weltmarktebene, und der Marktanteil wächst. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz befassten sich auch mit den Ausbauplänen für die UAA in Almelo.

Anfang des Jahres wurde ein Genehmigungsverfahren mit dem Ziel eröffnet, eine Gesamtkapazität von 4500 Tonnen Urantrennarbeit pro Jahr (UTA/a) zu bekommen. Und das, obwohl die Anti-Atomkraft-Bewegung im niederländischen Grenzbereich Twente noch einen Prozess beim Raad van State gegen eine im Jahr 2005 erteilte Genehmigung zum Ausbau der UAA Almelo auf 3500t UTA/a führt. Vor Eineinhalb Jahren wurde eine derartige Genehmigung auf Grund von damals erhobenen Beschwerden noch vom Raad van State aufgehoben. Das neue Verfahren lässt bei Urenco eine große Arroganz erkennen, da ein neues Genehmigungsverfahren für 4500t UTA/a begonnen wird, obwohl der Ausbau auf 3500t UTA/a noch nicht sicher ist.

Anfang Februar stand beiderseits der Grenze eine Amtliche Bekanntmachung des niederländischen Umweltministerium (VROM) in den Zeitungen, mit dem Hinweis, dass Anmerkungen zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), die in der ersten Phase des Genehmigungsverfahrens durchgeführt wird, eingereicht werden können. Die Konferenz stellte fest, dass eine übliche Umweltverträglichkeitsprüfung, die sich auf die direkten Folgen des Vorhabens auf die unmittelbare Umgebung beschränkt, völlig unzureichend für die Beurteilung von Umweltauswirkungen der gesamten Kernbrennstoffkette, in der die Urananreicherungstechnik der Urenco eine wichtige Rolle spielt, ist. Die meisten schädlichen Folgen der Urananreicherung zeigen sich nicht nur täglich in Almelo und Gronau, sondern auch an Orten wie Ahaus, wo der Atommüll „zwischen“gelagert wird, und in der Umgebung der verschiedenen, in anderen Weltteilen gelegenen Uranminen.

Befasste sich die erste Deutsch-Niederländische Anti-Urenco-Konferenz Anfang Oktober 2005 in Enschede besonders mit den enormen Mengen an abgereichertem Uran, die faktisch als Abfall von den Urananreicherungsanlagen in Almelo und Gronau zur Lagerung nach Russland gebracht werden, ging es inhaltlich bei dieser zweiten Konferenz vorwiegend um das Thema Uranabbau. Etwa 85% der Menge an Uran und anderen radioaktiven Stoffen, die aus den Minen geholt werden, verbleiben als Abfall in den Abbaugebieten. Das ist eine Million Tonnen an flüssigen und zwei Millionen Tonnen an festem radioaktivem Material pro Atomkraftwerk im Jahr. Die Abbaugebiete und Abraumberge liegen überwiegend in nicht-westlichen Ländern in Gebieten mit indigener Bevölkerung.

Trotz der starken radioaktiven Bodenverseuchung in der Umgebung der Minen, wohnen die, oft auch indigenen, Arbeitnehmer dicht dabei. Dies geht auch aus einem Bericht über eine neue Uranmine in Namibia hervor. Aus den 1,5 Millionen Tonnen Uranerz die dort pro Jahr aus dem Boden geholt werden sollen, sollen jährlich 0,8 Millionen Kilo brauchbares Uranoxid („Yellow Cake“) gewonnen werden. Das ist nur ein halbes Promill an brauchbarem Material aus der gesamten Erzmenge die abgebaut wird. Bei der Inbetriebnahme der neuen Mine im Herbst 2005 wurde die Erwartung ausgesprochen, dass der Bedarf an Uran in den nächsten 15 Jahren um 60% wachsen wird. Es lässt sich dann schnell ausrechnen wie viele Millionen Tonnen Abfall in 15 Jahren bei dieser Mine in Namibia liegen werden.

Dank der Recherchen des in Deutschland ansässigem „WISE uranium project“ wird immer mehr über Transporte von Uranminen, bzw. aus den USA zu den Urenco-Anlagen in Europa bekannt. So erfolgen zum Beispiel eine große Anzahl der Urantransporte aus den sogenannten Entwicklungsländern über die USA nach Gronau. In den Entwicklungsländern werden Umweltbelange bei dem Uranabbau noch weniger beachtet als in westlichen Ländern. Aber das wird bei der Umweltverträglichkeitsprüfung zum Ausbau der UAA Almelo, so wie früher bei der UVP zum Ausbau der UAA Gronau, nicht berücksichtigt.

Dieser beschränkte Blick auf die Folgen der Urananreicherung bei Urenco erklärt, warum dieser Betrieb für seine Anlage in Gronau seit Jahren ein europäisches Umweltzertifikat („EMAS“) besitzt. Zum großen Entsetzen der Konferenz erhielt Urenco für den Betrieb in Gronau Ende 2005 einen Preis für ethische Betriebsführung. In diesem Zusammenhang startet Urenco in Gronau am 21. März eine Veranstaltungsreihe zum Thema „Ethics in Business“. Die Zweischneidigkeit ist nicht zu überbieten! Es mag sein, dass das Betriebsklima bei Urenco gut ist, und Schulen und Vereine werden von Urenco in Gronau und Almelo finanziell unterstützt. Aber gleichzeitig ist Urenco in Almelo das Unternehmen, dem Pläne für seine Anreicherungstechnologie abhanden kamen, so daß Pakistan, Nord-Korea und der Iran zumindestens über die theoretischen Möglichkeiten zum Bau von Atomwaffen verfügen - mit all den Kriegsgefahren, die das mit sich bringt. Anstatt Staaten mit Krieg zu drohen wäre es wichtig, dass die Urananreicherung weltweit beendet wird. Das wäre dann eine gute Firmenethik.

Die zweite Deutsch-Niederländische Anti-Urenco-Konferenz endete mit der Überlegung, die dritte Konferenz während des Wochenendes zum 1. Oktober zu organisieren.@

Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau

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